Clayface ist einer der interessantesten Batman-Schurken, weil er besonders wandlungsfähig ist. Nicht nur, weil er seine Form ändern kann, sondern auch weil es mehrere Inkarnationen von ihm gibt. Anfangs, im Jahr 1940, war er Basil Karlo, ein Schauspieler, der sich dafür rächen will, dass man ihm keine Arbeit mehr gibt und seine Filme mit anderen nachdreht. Als Clayface trägt er die Maske einer Rolle als Filmschurke. 1961 folgte Matt Hagen, ein Abenteurer, der in einer verzauberten Schlammgrube zu einem formwandelnden Matschmonster wird. 1978 kam Preston Payne als Clayface III und es gab seitdem noch etliche andere.
1992 wurden in Batman: The Animated Series die beiden ersten Clayfaces zu einem fusioniert: Matt Hagen wurde ein Schauspieler, dessen Gesicht nach einem Unfall entstellt wird. Diese besonders tragische Version hat sich mittlerweile – wenn auch immer wieder variiert – als kanonisch etabliert. Und nun gibt es das Ganze auch als Spielfilm.
Hier fällt der junge, aufstrebende Schauspieler einem Gangster zum Opfer. Nachdem Matt (Tom Rhys Harries) mit dessen Frau eine Nacht verbracht hat, wird ihm das Gesicht zerschnitten. Seine Klage vor Gericht hat keinen Erfolg: Der mächtige Gangster beeinflusst die Jury und betreibt eine Rufmordkampagne, sodass Matt nicht nur entstellt, sondern auch sozial geächtet wird. Dann entdeckt der tragische Held eine Wissenschaftlerin, die eine riskante Behandlung mit Nanorobotern erforscht. Sie kann ihm das Gesicht reparieren, aber die Wunderkur hat einige unschöne Nebenwirkungen. Matt verpasst sich eine Überdosis, wodurch er totale Kontrolle über sein Erscheinungsbild bekommt und als Formwandler blutige Rache nimmt.
Es geht sehr brutal zu, mit extremen Nahaufnahmen. Auch der Body Horror wird genretypisch visuell möglichst drastisch und ekelhaft gestaltet. Doch einige Szenen wirken auch forciert, etwa wenn sich Matt seine zugewachsenen Augenlider mit einer Schere auf einer Flugzeugtoilett aufschneidet, während das Flugzeug gerade in Turbulenzen gerät – nicht der beste Zeitpunkt, wenn einem die Augen lieb sind. Und dann zerschneidet sich Matt auch selbst das Gesicht, um zu prüfen, ob er auch wirklich Selbstheilungskräfte hat – weil eine verheilte Verletzung am Mund und ein Schnitt am Finger nicht genügen. Für einen Mann, der alles getan hat, um sein Gesicht zu retten, nicht sehr glaubwürdig.
Ansonsten folgt der Film dem im Comic überstrapazierten Motiv des „One Bad Day“ aus The Killing Joke und wendet auch die Erfolgsformel des Films Joker (2019) an. Nicht nur ein schlechter Tag ruiniert das Leben des Helden, sondern auch eine durchgehend schlechte Welt: Sein bester Freund verrät ihn, auch seine Agentin lässt ihn fallen, selbst sein Anwalt wechselt die Seiten, seine Fans wenden sich ab (vergessen aber schnell alle Vorwürfe, sobald sein Gesicht wiederhergestellt ist). Eine schlechte Kindheit hatte Matt auch, er musste sich aus der Gosse hocharbeiten. Alle sind gegen ihn, die Menschen grundlegend böse, zumindest in Gotham und Hollywood, selbst die Polizei ist korrupt. Allein eine Frau verspricht nicht nur Heilung, sondern lässt auch auf Liebe hoffen – aber die erweist sich als Täuschung, wodurch der völlige Absturz in die Unmenschlichkeit einsetzt.
Als Formwandler ist Rache natürlich leicht zu nehmen, ohne Konsequenzen zu fürchten, doch im Finale wird sie unnötig mit albernen und unglaubwürdigen Einlagen in einem Club in die Länge gezogen, inklusive durchchoreografierter Tanzszene, die sogar die berüchtigte Szene aus Spider-Man 3 in den Schatten stellt.
Clayface ist kein Meilenstein, weder für Comicverfilmungen noch als Horrorfilm. Es ist ein solider B-Film, der oft die üblichen Klischees bedient und kaum originelle Ideen vorzuweisen hat. Regisseur James Watkins setzt mehr auf Ekel als auf Grusel oder psychologische Tiefe. Statt Tragödie gibt es Melodrama. Der Schurke bleibt eindimensional und blass. Manche Szene hätte intelligenter geschrieben worden sein. Selbst auf visueller Ebene bleibt der Film hinter seinen Möglichkeiten zurück, besonders am Ende, wenn wir das Monster in seiner ganzen Pracht sehen. Unterhaltsam ist er trotzdem, wenn man nicht zu hohe Ansprüche hat.
Auch als Clayface-Film ist er okay: Er wird dem Charakter der Vorlage gerecht und modernisiert den Origin zeitgemäß mit KI-Hightech. Nur ein würdiger Gegner fehlt, der diesen Film spannender gemacht hätte. Vor allem Batman. Aber auf den müssen wir noch eine Weile warten – und Robert Pattinson ist auch in einem anderen Universum unterwegs, ganz zu schweigen von einer anderen Liga.

Eine schöne Besprechung eines Films, den ich mir wohl auch anschauen werde.
Ich habe gerade erst John Jackson Millers „Batman: Resurrection“ ausgelesen, in dem Clayface (allerdings Basil Karlo) ja ebenfalls eine äußerst große Rolle einnimmt. Der Roman knüpft direkt an das Ende von „Batman“ aus 1989 an und fängt das Flair des Films meines Erachtens hervorragend ein. Und er weiß vor allem, Clayface richtig zu nutzen.
In den kommenden Wochen werde ich dazu wohl mal ne Besprechung nachreichen.
Beste Grüße aus der anderen „Crimealley“ 😉
Stefan
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