Der Fortschritt schreitet unaufhaltsam voran – mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die Technik soll uns das Leben erleichtern, heißt es, und in einigen Fällen erleichtert sie uns sogar vom Leben. Schon immer war die Angst da, dass Maschinen uns Jobs kosten – und bisher hat sich das zwar bestätigt, es wurden aber auch immer neue, andere Jobs geschaffen. Aber was ist mit der sich rasant entwickelnden künstlichen Intelligenz? Macht sich der Mensch mit ihr überflüssig?
Auch Batman beschäftigt diese Frage, und das bereits im Jahr 1952. Der Dunkle Ritter war schon immer angewiesen auf Technik. Um nicht zu sagen: ein Technik-Freak. Ohne Gadgets kein Batman. Sein Batmobil ist stets auf dem neuesten Stand, wenn nicht gar der Zeit voraus, ganz zu schweigen vom Batplane und anderen fantastischen Erfindungen. Doch 1952 (Batman #70) führt die Polizei einen „Robot Cop“ ein, der äußerlich kaum von einem Menschen zu unterscheiden ist, aber dafür fast alles besser kann, vor allem ist er unverwundbar.
Erfunden hat ihn ein gewisser Mr. Weir, der ihn aus der Ferne steuert. Er bietet den Androiden Commissioner Gordon an und der lässt ihn daraufhin im Wettkampf mit Batman testen. Batman ist zwar schneller, auch mit dem Batmobil, aber der Roboter bewährt sich beim Kampf gegen Ganoven und wird bald zum Polizisten erklärt. Gemeinsam mit Batman zieht er los und bildet mit ihm ein gutes Team. (Robin ist verletzt.) Seine einzige Schwäche: Magnetismus.
Doch schon bald hat er Batman den Rang abgelaufen. Die Zeitungen titeln: „Is Batman’s usefulness at an end?“ Und tatsächlich muss unser Held feststellen, dass Commissioner Gordon bereits das Batsignal einmotten lässt. Batman soll sich künftig nur noch im Archiv nützlich machen. Trostpreis: eigene Sekretärin. Aber Batman als Bürohengst? Abgelöst von einer Maschine? Die Demütigung könnte kaum größer sein!
Doch dann stellt sich bei einem Einsatz heraus, dass der Roboter noch eine Schwachstelle hat: In der Nähe von Röntgenstrahlen setzt er aus. Eine Bleiverkleidung würde ihn zu schwerfällig machen, also ist das Experiment beendet. „It will take more than a machine to replace Batman — I found that out!“, sagt Gordon, der alte Heuchler. Ein Reporter bekräftigt: „Tonight Batman proved in another way that metal can’t replace flesh and blood.“
Doch das ist erst der Anfang …
The Batman Machine (Detective Comics #224, 1955)
Schon drei Jahre später lässt sich Batman wieder von einer Maschine vertreten, diesmal jedoch von einer selbstgebauten. Zunächst beginnt es mit einem Gerücht in der Unterwelt, Batman könnte tot und durch einen Roboter ersetzt worden sein. Sein angeblicher Metallarm soll der Beweis dafür sein. Ziemlich weit hergeholte Theorie, denn in Wahrheit trugen Batman und Robin bloß Schutzanzüge beim Testen des Batplanes, aber Gauner sind bekanntlich ein abergläubisches Pack.
Doch das alberne Gerücht inspiriert das Dynamische Duo dazu, aus der Fiktion Fakten zu schaffen: Innerhalb von Stunden bauen sie einfach mal so einen Batman-Roboter zusammen, den sie aus der Ferne steuern können. (Sogar mit Minibildschirm!) Der ganze Aufwand dient dazu, das Gerücht zu bestätigen und mit der Finte ein paar Sprengstoff-Diebe zu schnappen. Außerdem spielen sie Theater.
Die Gauner sehen, dass Robin den Roboter fernsteuert, knocken den Jungen aus und übernehmen selbst die Kontrolle, damit die Maschine den Sprengstoff für sie klaut. In einem günstigen Moment tauscht der wahre Batman mit dem Roboter die Rolle und überwältigt die Diebe. Hätte man das nicht auch einfacher haben können? Muss man dafür extra einen solchen Konstruktionsaufwand betreiben? Nein, nötig war das nicht, aber dann hätt’s die Geschichte nicht gegeben. Der Roboter landet dann übrigens in der Trophäenhalle. Anscheinend sieht Batman keinen weiteren Nutzen in so einem hochentwickelten Gerät.
Robin’s 50 Batman Partners (Batman #104, 1956)
Doch es bleibt nicht der einzige Batman-Roboter. Einmal (Batman #86, 1954) wird spontan ein neuer gebaut, wenn er gebraucht wird. Und zwei Jahre später erfahren wir, dass es sogar mehrere in allen verschiedenen Größen gibt.
Als sich Batman den Fuß gebrochen hat, eröffnet Robin eine Batman-Ausstellung, in der alle möglichen Batmen in Übergröße gezeigt werden. Ein aufblasbarer Riesenbatman, ein mechanischer Batman, der die große Glocke einer Uhr schlägt, ein Roboter-Batman. Als eine Bande Robin um einen Sack Diamanten erleichtern will, macht er sich all diese Exponate zunutze, um sich zu wehren. Der Batman-Roboter aber lässt sich mit einem einfachen Kommando gegen Robin aufhetzen. Doch Robin kann ihn mit dem Glockenschlag-Batman ausschalten.
Batman’s Robot Twin (Detective Comics #239, 1957)
Im Jahr drauf hat ein Wissenschaftler einen Roboter erfunden, auf den man das Bewusstsein von Menschen kopieren kann. Sofort merkt man die Gefahr dieser Erfindung, die missbraucht werden könnte. Was tun? Man lässt den Roboter zu Batman werden. Super-Idee, nur dass das erst recht eine Einladung zum Missbrauch ist. Denn Gauner schnappen sich den Roboter und fragen gleich als erstes: Wer bist du wirklich?
Doch der Roboter bleibt sich und seinem Vorbild treu: Er hält dicht. Klar. Wenn die Maschine alle Informationen aus Batmans Hirn in sich trägt, dann auch die Tatsache, dass die Geheimidentität geheim bleiben muss. Die Gauner befehlen dann aber dem Roboter, Batman zu entführen – damit hat er kein Problem.
Batman und Robin präparieren die Batcave zwar, um dem Roboter mit einem Elektroschock auszuschalten, doch der ist schlauer und nimmt den Eingang über Wayne Manor. Nach einem kleinen Duell mit einem Riesenmagneten und einer Metallkugel kriegt der Roboter Batman zu fassen. Da schreit dieser heraus, er sei Bruce Wayne, und der Roboter rennt davon, um die Geheimidentität zu wahren.
Das zweite Duell findet auf Dächern zwischen Hochspannungsleitungen statt. Der Roboter wird ausgeschaltet, Batman setzt sich eine Metallmaske auf und täuscht die Gauner. Eigentlich eine unnötige Theatralik, aber trotzdem ein netter schöner Twist am Ende. Auch wenn er uns bekannt vorkommt …
Batman, Robot (Detective Comics #281, 1960)
Anfang der 60er gehen Batman-Autor Bill Finger langsam die Ideen aus. Jedenfalls die guten. Die Comics werden nicht nur abgedrehter, sondern wiederholen auch alte Motive (bestes Beispiel: Cat-Man). In Detective Comics #281 gibt es noch einen Batman-Roboter und wieder scheint er das tote Vorbild zu ersetzen.
Batman soll vor Gericht gegen einen Ganoven aussagen, wird aber vorher von der Bande in eine Falle gelockt. In einem Bergwerk lassen sie Sprengstoff hochgehen und Batman scheinbar von Felsen begraben. Der maskierte Rächer gilt als tot und kehrt dann doch zurück, benimmt sich aber seltsam steif, spricht stockend und zeigt keine Gesichtsregung. Muss wohl ein Roboter sein. (Kennt man ja schon.) Als dieser dann vor Gericht in den Zeugenstand gerufen wird, kann der Anwalt des Gauners beweisen, dass es sich tatsächlich um einen Roboter handelt. Der kann natürlich nicht aussagen, also Freispruch aus Mangel an Beweisen. (Seltsamerweise droht niemandem eine Strafe für den Täuschungsversuch des Gerichts.)
All das dient wieder nur dazu, die Gauner in Sicherheit zu wiegen, damit der Gesuchte aus seinem Versteck kommt. Unnötig zu sagen, wie unnötig aufwendig auch dieser Plan ist.
Robin’s Robot (Detective Comics #290, 1961)
Ein Jahr später gibt es einen Robin-Roboter. Weil der echte Wunderknabe zusammen mit Batman einer Strahlung ausgesetzt werden, die sie zusammen zu einer explosiven Duo machen, wird mal eben schnell ein täuschend echter Maschinenrobin gebaut, der sich per Sprache steuern lässt. Wieder wird das Funkgerät von Gaunern gestohlen, wieder denken sie, den Roboter missbrauchen zu können, um Batman zu besiegen, wieder werden sie getäuscht, denn am Ende hat sich das Original bloß als Roboter verkleidet. Tja, und was die Strahlung angeht: Das Problem löst sich von selbst.
Auch in späteren Jahren hat es Batman immer wieder mit Robotern zu tun, auch mit Batman-Robotern, wie etwa in der Batman-TAS-Folge „His Silicon Soul„. Im Manga Justice Buster vertraut er einer KI namens ROBIN sein Leben an, auch wenn sie fragwürdige Entscheidungen trifft und mit Failsafe ist ihm ein selbstgebauter Roboter zum Verhängnis geworden, denn dieser richtet sich gegen seinen Schöpfer – was zwar sein Zweck ist, aber dann doch aus dem Ruder läuft.
Und so ist auch Batman, der alles kann und stets Herr der Lage ist, dass die Technik – trotz aller Segen – auch ihre Tücken hat. Am meisten Verlass ist immer noch auf sich selbst.

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