Batmans Hund: Ace the Bat-Hound

Es liegt ein hauchdünner, aber entscheidender Unterschied zwischen „einen Hund bekommen“ und „auf den Hund kommen“. Als Batman einen Caniden im Jahre 1955 erhielt, war das für die einen vielleicht eine willkommene Bereicherung, für die anderen der Anfang vom Ende, denn es läutete bereits ein Jahr vor Batwoman die zweite Phase der Batman-Family ein. Batman ging – auch wegen der Selbstzensur durch den Comics Code – sozusagen allmählich „vor die Hunde“. Aber damals dürften es viele Leser nicht so gesehen haben. Denn wenn eins bekanntlich fast immer funktioniert, dann sind es (Haus)Tiere.

Erst kurz zuvor hatte Superman (bzw. genauer: Superboy) seinen Krypto bekommen, einen weißen Hund mit rotem Cape (Adventure Comics #210, 1955). Und was Superman hatte, das musste früher oder später auch Batman kriegen. In diesem Fall sofort: Ace the Bat-Hound (geschaffen von Bill Finger und Sheldon Moldoff) war ein Deutscher Schäferhund mit einer schwarzen Maske und kleinem Fledermaus-Anhänger. Zwar haben Hunde keine Gesichter wie Menschen und auch keine Doppelidentitäten, aber irgendwie muss sich der Bat-Hund ja von einem normalen unterscheiden. Wenn man noch mehr darüber nachdenkt, wird es kurioser: Ein Fledermaus-Hund ist an sich eine bizarre Vorstellung, die eigentlich eine Chimäre hervorbringen müsste. Andererseits kennt die Biologie auch „Flughunde“ als Verwandte der Fledermäuse. (Im Englischen heißen sie „Flying foxes„, um die Sache noch zu verkomplizieren.) Das wäre vielleicht das passendste Haustier für Batman: ein dressiertes Fledertier. Aber darauf kommt erst Frank Miller in Year One. (Tatsächlich kann aber Batman Ace mithilfe eines Senders im Stiefelabsatz anlocken – wie später den Fledermaus-Schwarm.)

Aber von vorn. Es beginnt ganz unvermittelt (Batman #92): Batman und Robin entdecken zufällig, wie ein Hund bewusstlos im Fluss treibt. Sie fischen ihn raus und päppeln ihn in der Batcave auf. Dann schaltet Bruce Wayne eine Anzeige in allen Zeitungen, damit sich der wahre Besitzer bei ihm melden kann. Als das Dynamische Duo dann zum nächsten Einsatz fährt, läuft der Hund hinterher. Aus Zeitnot nehmen sie ihn einfach mit. Während Batman bei Gordon ist, schneidert Robin schnell eine Maske für den Hund, damit ihn niemand an dem Mal an seinem Kopf erkennt und Batman auffliegen lässt. (Die Parallele, dass Batman und Robin plötzlich – genauso wie Bruce und Dick – einen Hund haben, scheint aber niemanden zu sorgen.)

Der Hund macht sich nützlich beim nächsten Einsatz, indem er einen Gauner schnappt. Der betitelt ihn als Bat-Hound. Guter Name, finden alle, also bleibt er. Dann meldet sich ein Mann, der den Hund erkannt hat: Er soll einem Graveur namens John Wilker gehören. Doch Wilker ist entführt worden. Batman und Robin finden heraus, dass Gauner ihn dazu zwingen wollten, Anleihen zu fälschen (dazu sollen auch Papier und Tinte gestohlen werden). Der Hund befreit später unsere Helden, weil er auf ein improvisiertes Bat-Signal reagiert. Zwischendurch findet er auch einen verschwundenen Jungen.

Ace wechselt den Besitzer

Am Ende bringen ihn Batman und Robin zurück zu seinem Besitzer, doch bereits in Batman #97 (1956) kehrt Ace wieder. Gemäß dem Gesetz, dass jeder Held einen passenden Gegner braucht, muss er diesmal einen weißen Hund („Whitey“) aufspüren, der Einbrechern hilft. Batman und Robin holen Ace zu Hilfe, besuchen Hundeschauen und finden heraus, dass der weiße Hund einem Tiertrainer gehört. Der behauptet, zu den Schandtaten gezwungen zu werden.

Um herauszufinden, ob er die Wahrheit sagt, verkleidet sich Batman als der Verdächtige und Robin färbt Aces Fell mit Kreide weiß. Damit sollen die Gauner getäuscht werden. Ihre Reaktion bestätigt die Geschichte und so wird alles wieder gut. Die Hunde kehren zu ihren Besitzern zurück.

DC Comics

Der Fledermaushund wird später zu einer Art Dauerleihgabe für Batman: Er bekommt eine Vorrichtung, mit der er sich seine Maske selbst anziehen kann, tritt als Filmstar auf (Batman #103, 1956) und hilft dabei, eine Bombe aufzuspüren (Detective Comics #254, 1958).

In „The Secret Life of Bat-Hound“ (Batman #125, 1959) bekommt Ace mit Bruce Wayne offiziell ein neues Herrchen und trifft auf Batwoman. Dabei erzählt er seine Geschichte selbst. Später setzt er sich für ein missverstandenes Riesenmonster aus dem All ein (Batman #143, 1961) und bekommt einmal sogar selbst vorübergehend Superkräfte von Bat-Mite. Ace wird zum „Super Bat-Hound“ (Batman #158, 1963) mit Hitzeblick und Feueratem und kann sogar fliegen.

Comeback in den 90ern

Als Batman sich im Jahr 1964 auf seinem kreativen und kommerziellen Tiefpunkt befindet, bemüht sich Redakteur Julius Schwartz darum, Batman zeitgemäßer und seriöser werden zu lassen. Mit dem Großteil der Bat-Family verschwindet auch der Bat-Hound für fast 30 Jahre. (Alan Moore erinnert 1988 noch einmal kurz an ihn auf einem Foto in The Killing Joke.) Spätestens die Crisis on Infinite Earths hat den Supertieren ein Ende bereitet. (Superman hatte sogar Katze, Affe und Pferd in der Familie.)

Ace als Labrador (Montage, Bild: DC Comics)

Erst im Jahr 1991 bekommt Batman wieder einen Hund (Batman #462-465). Diesmal handelt es sich um eine Art grauen Labrador, der zunächst als Blindenhund für einen Native American dient (angeblich geschickt von Manitu) und nur „Dog“ genannt wird, später adoptiert Batman ihn und nennt ihn Ace. Eine größere Rolle spielt dieser nicht mehr, trägt keine Maske und verschwindet nach dem Beben spurlos.

Ace in Batman Beyond. (Warner Bros.)

Während Batman: The Animated Series ohne Bat-Köter auskam, hat in der Nachfolgeserie Batman Beyond (dt. Batman of the Future) der gealterte Bruce Wayne eine Deutsche Dogge namens Ace an seiner Seite. In der Episode „Ace in the Hole“ wird gezeigt, wie der Hund zu ihm kam: Er wurde einst als Kampfhund missbraucht, floh und traf auf den alten Bruce in Crime Alley – wo die Waynes einst starben.

Titus und Ace

Erst 2011 bringt Silver-Age-Nostalgiker Grant Morrison den Schäferhund Ace wieder in die Comics zurück, zumindest in einer Rückblende (Batman Incorporated #4). Später erweitert er den Batcave-Zoo um eine „Bat-Cow“.

Nach dem DC-Reboot The New 52 führt Autor Peter J. Tomasi in Batman and Robin Vol. 1: Born to Kill die Dogge in die Comics ein. Bruce kauft sie brav beim Züchter und schenkt sie seinem Sohn Damian. Die Dogge wird als „gentle giant“ gepriesen und soll wohl ein Gegenstück zum hitzköpfigen Nachwuchs bilden, der gern mal nur zum Spaß eine Fledermaus tötet. Damian lehnt den Hund zunächst ab, später akzeptiert er ihn aber und nennt ihn Titus – inspiriert von Shakespeare.

Vom Joker verdorbener Hund? Ace gegen Batman. (DC Comics)

Im Jahr 2016 (Batman Annual #1) holt Autor Tom King den Schäferhund zurück. Ace (ein Weibchen!) ist nun zunächst Wachhund des Jokers, der seine Artgenossen in einer Grube totbeißt. Der Name Ace ist vorgegeben, denn die Hunde sind nach Karten kostümiert, Ace eben nach Pik Ass (außerdem ist Ace der Name des Chemiewerks, in dem der Joker entstand). Aus irgendeinem Grund holt Alfred das Tier aus dem Heim, gegen den Widerstand des Mitarbeiters, der sich durch eine hohe Spende überreden lässt. Ob Alfred auf eigene Veranlassung handelt oder auf Bruces, bleibt offen. Für letzteres spricht, dass Alfred dieses aggressive Tier umerziehen möchte, um zu zeigen, dass der Joker es nicht gebrochen hat. Am Ende siegt die Geduld. Ace bekommt eine Halloweenmaske, wird zum Bat-Hound und auch zu Alfreds Weihnachtsgeschenk für Bruce. Für diese etwas all zu simple Short Story („Good Boy„) gab’s 2017 den Eisner-Award. Man sieht: Hunde ziehen halt immer.

Mit Titus und Ace gibt es nun also zwei Hunde in Wayne Manor. Wie Alfred es schafft, sich ums Haus, die Batcave, Bruce und Damian zu kümmern und auch noch zwei Hunde Gassi zu führen – das wird wohl für immer offen bleiben. Vielleicht erleichern sie sich auf dem weitläufigen Grundstück selbst.

Batman & Ace 2022 von Karl Mostert. (DC Comics)

Erst in diesem Jahr wurde die Geschichte von Ace wieder umgeschrieben. In „Hounded“ (Batman: Urban Legends #11-16, 2022) ist der Schäferhund zwar immer noch ursprünglich der Hund des Jokers gewesen, aber Batman fand ihn bloß isoliert in einem Schrank und trainierte ihn offenbar selbst.

Ace trägt zwar keine Maske, aber eine Art gelbe Weste oder ein Leibchen mit Fledermaus-Symbol auf der Brust und vielen praktischen Taschen, die Batman als Allzweckgürtel dienen. Hier erfahren wir auch, warum es „Bat-Hound“ und nicht „Bat-Dog“ heißt – weil sonst zu sehr nach „bad dog“ anhört.

In der Story wird Ace bei einem Einsatz mit Batman gefangengenommen und befreit ihn später zusammen mit anderen gequälten Tieren: einem Bären, einer Schildkröte, einem Eichhörnchen und einem Huhn – die Bremer Stadtmusikanten lassen grüßen. Lächerlich – aber lächerlicher als ein Fledermausmann mit einem Fledermaushund? Wohl kaum …

All das soll wohl bloß auf den Animationsfilm DC League of Super-Pets einstimmen, der nun in die Kinos kommt. Darin kommen alle Tiere zusammen, darunter Krypto und Ace. Letzterer ist hier ein Boxer, gesprochen von Kevin Hart, an der Seite von Batman – Keanu Reeves.


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