The Killing Joke: Seiten 15-18 – Zweite Rückblende/Krankenhaus

Zweite Rückblende: Der junge Mann und die „Red Hood Gang“. (DC Comics)

Die zweite Rückblende führt uns in eine Bar in Gotham. Der junge Mann, der zum Joker werden wird, mit zwei Gangstern der Red Hood Gang. Man isst Shrimps, die – in Bollands (neuer) Kolorierung – mit der roten Haube als einzige rot gefärbt sind in einem sonst schwarz-weißen Setting. In der alten Higgins-Kolorierung ist die Sequenz in Orange- und Violett-Tönen gehalten.

Der junge Mann erklärt seine Motivation: Er will sich beweisen, als Ehemann und Vater, er will für seine Familie sorgen, daher steht er kurz davor, sich einmalig an einem Verbrechen zu beteiligen. Er erzählt, er habe als Laborassistent in einem Chemiewerk begonnen, sei sogar gut in seinem Job gewesen. Dann habe er gekündigt, um Comedian zu werden. „I was so sure. So sure I had talent.“ Nun sieht er ein, dass das nicht der Fall ist.

Die beiden Gangster (Vinnie und Joe), die ihm buchstäblich das Maul mit einer Garnele stopfen, wollen die Spielkartenfabrik neben dem Chemiewerk ausrauben. Dabei soll er eine rote Haube tragen. Es handelt sich um eine Masche der Gang: Die Haube wird abwechselnd von verschiedenen Mitgliedern getragen. Es sei nicht wichtig, wer sich darunter befinde, sagt der eine, es sei aber das am meisten geschätzte Mitglied, um zusätzliche Anonymität zu garantieren – was natürlich ein Widerspruch in sich ist.

Letzte Bedenken werden ausgeräumt, ein Termin ausgemacht: Freitagnacht um elf. Der junge Mann ist überzeugt, am nächsten Tag reich zu sein. „My life’s going to be completely changed! Nothing’s going to be the same … not ever again.“ Dass es nicht so werden wird, wie er sich das vorgestellt hat, sieht man bereits an der Bar: Es ist eine miese Absteige, in der Säufer auf den Tresen kotzen und zwielichtige Gestalten nicht gerade aussehen, als hätten sie den Jackpot geknackt (vielleicht bis auf eine Figur, die dem Pinguin ähnelt). Recht behalten soll der junge Mann trotzdem: Sein Leben wird sich komplett ändern – aber auf ganz andere Weise.

Dass die beiden den jungen Mann reinlegen, deutet sich auch bildlich an, indem immer wieder gezeigt wird, wie die beiden den Shrimps die Beine ausreißen. „To pull someone’s leg“ ist die englische Entsprechung zu „jemanden auf den Arm nehmen“. Viermal wird das gezeigt, zweimal in Nahaufnahme. Der junge Mann wird ausgenommen und verschlungen.

Die Joker-Karte im Krankenzimmer

Batman bei Barbara Gordon im Krankenhaus. (DC Comics)

Damit wird zur Gegenwart übergeleitet: In einem Krankenzimmer zieht ein Arzt an Barbara Gordons Beinen, während Detective Bullock sich eine Zigarre anzündet und Batman eine Joker-Karte hochhält. Der Arzt weist Bullock für das Rauchen nicht zurecht, sondern kündigt an, dass Barbara wohl nicht mehr wird laufen können: Die Kugel hat ihre Wirbelsäule beschädigt, ihre Beine sind nutzlos.

Bullock erzählt Batman, man habe Barbara nackt gefunden. Offenbar hat der Joker nach seinem Attentat Fotos von ihr gemacht. Batman zerknüllt die Karte in seiner Hand. Es ist ungewiss, ob es dieselbe Karte ist, die er in der Bathöhle niedergelegt hat oder eine neue, die der Joker am Tatort hinterlassen hat – wahrscheinlich letzteres, doch die Karten sehen identisch aus.

Batman bittet Bullock, ihn allein zu lassen. Dann ist Batman zunächst allein zu sehen zusammen mit der zusammengeknüllten Karte auf Barbaras Bettdecke. Dadurch wirkt es, als wäre er nicht mit Barbara allein im Zimmer, sondern als bliebe mit dem Joker auch ein Dritter im Raum.

Batman berührt die schlafende Barbara im Gesicht und weckt sie auf. Sie nennt ihn Bruce, weiß also um sein Geheimnis, was auch auf ihre Rolle als Batgirl hindeutet. Er reicht ihr die Hand, doch obwohl ihre Hand nach seiner greift, umarmt sie ihn schon im vierten Panel und erzählt ihm, was geschehen ist. Der Joker hat ihren Vater entführt. „He’s taking it to the limit this time … You didn’t see his eyes“, sagt sie während ihre Augen weit aufgerissen vor Entsetzen sind und sie weint. Dann fällt sie vor Schmerzen wieder zurück, während sie sich weiter an Batmans Cape festhält. „Wh-what’s he doing to him, Bruce? What’s he doing to my father?“

Noch im vorletzten Panel sehen wir wieder die zerknüllte Karte. Damit taucht sie viermal auf zwei Seiten auf. Der Joker bleibt – wie in der Batcave – auch noch im Krankenzimmer stets präsent. Batman selbst lässt zu, dass dieses Beweismittel zu einem Souvenir, einem Erinnerungsstück wird. Zugleich erfüllt sie denselben Zweck wie die Shrimps in der Rückblende, die in fast jedem Panel zu sehen sind. Sie bilden buchstäblich den roten Faden der Seiten – wie die Joker-Karte auf den beiden darauffolgenden.

Was die Panelstruktur angeht, fällt auf, dass bereits am Ende der Rückblende das Sechserraster aufbricht in einer Dreierreihe (so auch schon auf Seite 13 und 14), auch auf den zwei Seiten im Krankenhaus wechseln sich Zweier- und Dreiherreihen ab. Beide Doppelseiten sind ähnlich gestaltet, wie auch in beiden Sequenzen jeweils drei Hauptfiguren (mit „Sprechrollen“) im Raum sind. Die Gegenwart spiegelt die Vergangenheit. Alles wiederholt sich. Darin liegt die Fatalität der Story.

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3 Kommentare

  1. „To pull someone’s leg“, aha okay. Wusste ich bisher auch nicht, vielen Dank. Wenngleich die Bildsparache ja auch ohne dieses Wissen ziemlich direkt und eindeutig ist, weil die zwei Typen ja auch die ganze Zeit über so fies grinsen.
    Die Aufteilung der Panels ist interessant, das habe ich so noch nie betrachtet, dass sich damit die Vergangenheit zu wiederholen scheint. Und ich habe mich ehrlich gesagt auch schon immer gefragt, wieso Bullock im Krankenhaus rauchen darf, lustig dass du das hier snsprichst.
    Die ständige Anwesenheit des Jokers durch diese Spielkarte ist ein hochinteressanter Aspekt der Geschichte, welcher mir bisher so nicht bewusst war. Auf diese Weise infiltriert er die Batcace und das intime Zweiergespräch zwischen Bruce und Babs. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass er eigentlich schon gewonnen hat. Er beherrscht Batmans Gedanken, sein Zuhause und unterwandert seine Beziehungen, verstümmelt seine Freunde und Partner. Wahrscheinlich ist ihm dies nur nicht bewusst.

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