Batman 1939: Detective Comics #34

Titel: Peril in Paris

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #34), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Zurück nach Paris. Eigentlich war Batman in der letzten Ausgabe wieder zurück in New York, aber jetzt erfahren wir, dass er dort noch ein Abenteuer erlebt hat. Bruce schickt seine Verlobte Julie vor und bleibt noch in Paris – ohne Erklärung. Da meint er in seinem Hotel einen alten Bekannten wiederzusehen, doch der erweist sich als ein mysteriöser Mann ohne Gesicht. Wie er reden, atmen und essen kann, bleibt ein Rätsel.

Charles Maire, der Mann ohne Gesicht

Charles Maire, der Mann ohne Gesicht

In einem anderen Hotel bekommt eine Frau eine Drohung vom Duc Dorterre, dem Meister der Apachen. Sie flieht, steigt zufällig in Bruce Waynes Taxi ein, da fliegt schon ein Dolch an ihr vorbei. Auf der Flucht fällt sie in Ohnmacht, da erscheint wieder der Gesichtslose. Im Hotel erklärt er Bruce, er sei Charles Maire, die Frau (Karel) sei seine Schwester. Der Duc lernte sie bei einem Maskenball kennen, Charles ging dazwischen, da tat der Duc, was man eben tut, um eine Frau rumzukriegen und sich bei ihrer Familie beliebt zu machen: Er brannte Charles das Gesicht weg. Tatsächlich wolle er das Geld der Familie.

Batman by Bob Kane

Immer dieselben Posen: Motiv-Recycling von Bob Kane

Bruce bedauert, er könne nicht helfen. Aber kurz darauf erscheint Batman. Als er in die Kanalisation eindringt, überwältigt ihn der Duc, ein Mann mit diabolischem Aussehen, und lässt ihn an einem steinernen Riesenrad rotieren.

Batman auf dem Rad des Todes

Batman auf dem Rad des Todes

Batman befreit sich und springt in einen Garten. Dort wird es bizarr: Die Blumen haben Frauengesichter. „Am I going mad?“, fragt sich Batman. Aber nein: Eine Blume bittet ihn, sie freizulassen, und sagt ihm, wie er selbst freikommt.

Batman und die Blumen mit Gesichtern

Batman und die Blumen mit Gesichtern

Batman befreit daraufhin Charles von dem Rad, folgt dem Duc in seinem Batplane, versucht ihn in seinem Auto zu erwürgen, doch da fährt das Auto in einen Abgrund und Batman bringt sich in Sicherheit. Am Ende fragt Karel, wer hinter der Maske steckt, aber das muss ein Geheimnis bleiben. Niemand zählt eins und eins zusammen.

Was diese Blumenepisode soll, ist das größte Mysterium in den ersten Batman-Storys. Es wird nie erklärt. Man kann es als surreale Halluzination deuten. Immerhin hat Batmans Kopf beim Drehen des Rades ziemlich gelitten. Allerdings gibt es einen Zusammenhang mit der Geschichte: Die Blumen haben ein Gesicht, während Charles seins fehlt. Möglich, dass der Schurke anderen die Gesichter stiehlt und auf diese Weise bewahrt. Es könnte aber auch sein, dass Batman in den Blumen etwas sieht, was er bei Charles vermisst.

Bemerkenswert ist, dass er zunächst den Gesichtslosen für einen gewissen „Jed Farnol“ hält – aber wie kann man jemanden verwechseln, wenn dieser kein Gesicht hat, das jemandem ähnlich sehen könnte? An Hut und Mantel dürfte man das nicht festmachen können. Bruce scheint hier also zweimal Gesichter zu sehen, die nicht existieren. Er könnte diese Gesichter projizieren. Warum? Weil ihm als Batman selbst eins fehlt. Die Maske verbirgt so viel davon, dass ihn die Menschen nicht erkennen. Daher geht es am Ende um sein eigenes Gesicht. Er will es nicht preisgeben, um seine Geheimidentität zu wahren.

Damit stellt er das Gegenteil von Charles dar. Batman erscheint selbst als der Gesichtslose. Aber obwohl er dem Geschwisterpaar als Bruce Wayne erschienen ist, also ihnen sein wahres Gesicht klar sein müsste, bleiben sie ihm gegenüber blind. Für sie hat er kein wahres Gesicht, bzw. Batman und Bruce Wayne bleiben zwei verschiedene Personen. Interessant ist aber, dass sich dieses Verhältnis bei dem Geschwisterpaar umkehrt: Charles und Karel haben fast denselben Namen, sind aber zwei verschiedene Personen, wobei auch hier nur eine ein Gesicht hat. Im Gegensatz zu Batman wurde es aber seiner Züge beraubt, während Batman freiwillig darauf verzichtet, um seine zivile Identität zu schützen. Das führt aber nicht nur dazu, dass er mit sich allein ist, seines sozialen Lebens beraubt wird und er auch dort Menschen (Gesichter) sieht, wo keine sind.

Im Grunde geht es in dieser bizarren Geschichte also um das komplexe Zusammenspiel von Masken und Identitäten – ein wiederkehrendes Motiv bei Batman, das sich auch später bei Schurken wie Joker, Two-Face und Black Mask, aber auch bei Eintagsfliegen wie False Face und Dr. No-Face zeigt.

>> Batman 1939-1940

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