Ein Scharlatan rächt sich an Batman

Cover zu Detective Comics #777-779 von Tim Sale. (DC Comics)

Titel: Dead Reckoning (dt. Tag der Abrechnung)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker/Tommy Castillo

Erschienen: 2003 (Detective Comics #777-782), kein US-Paperback; dt. Panini 2004 (Batman Monster Edition Bd. 2)


„… sometimes it seems as if this city does nothing but breed monsters.“ (Bruce Wayne)

Kaum wird ein Gauner aus dem Knast entlassen, findet man ihn tot auf der Straße – in einem alten Killer-Moth-Kostüm. Einst war er ein Komplize, dann erhoffte er sich einen Coup unter falscher Flagge. Am Tatort liegt eine auf beiden Seiten zerkratzte Münze, doch Two-Face sitzt sicher verwahrt in Arkham. Bald darauf schießt ein Unbekannter auf James Gordon – der ehemaligen Commissioner, der nun Professor ist, kommt mit dem Leben davon. Und dann wird auch noch ein Anschlag auf den Pinguin verübt. Wer steckt dahinter?

ACHTUNG: SPOILER!

Der Übeltäter ist ein gewisser Paul Sloan. Im Golden Age wurde der Schauspieler (damals noch „Sloane“) zum zweiten Two-Face (Batman #68, 1951), 36 Jahre später kam es zum Kampf der beiden Two-Faces (Detective Comics #580-581, 1987), aber das spielte in einer anderen Welt. Hier ist Paul Sloan ein Schauspieler, der von Joker, Pinguin, Riddler, Mad Hatter, Scarecrow und Killer Moth engagiert wurde, um bei ihrem Plan Two-Face zu ersetzen, der ihnen abgesagt hatte. Sie brauchten ihn aber, um Batman in eine Todesfalle zu locken.

Cover zu Detective Comics #780-782 von Tim Sale (DC Comics)

Aus dem Plan wurde nichts. Sloan, besessen von Verunstalteten, steigerte sich zu sehr in die Rolle hinein, und als Two-Face von dem Nachahmer erfuhr, zerfetzte er ihm das Gesicht. Während die Schurken ihn tot wähnten, experimentierte Scarecrow noch eine Weile an ihm herum, bis er floh und nun acht Jahre später wiederkehrt. Doch er will nicht etwa Rache, er will den Job vollenden und Batman umlegen.

Batman ist schuld an allem

Und hier wird die ohnehin sehr weit hergeholte Geschichte vollends unglaubwürdig. Warum sollte Sloan ausgerechnet Batman töten wollen, nachdem er von den Schurken so übel zugerichtet wurde? Und warum macht er sich dann die Mühe, Killer Moth zu ermorden (und auch noch den falschen), dann es beim Pinguin versucht (obwohl Sloan sich dessen bewusst ist, dass dieser überlebt) und dann auch noch Two-Face aus Arkham befreit, um sich mit ihm ein Duell zu liefern und dann gemeinsam auf Batman loszugehen? Weil die Fledermaus hier mal wieder als Ursprung allen Übels gilt. Aber es ist mal wieder alles ein großer Umweg.

Und wenn man denkt, es könnte nicht mehr alberner werden, sehen wir Sloan am Ende in Arkham mit einer schwarz-weißen Theatermaske im griechischen Stil (wo hat er die her?) im Krankenbett liegen. Es wäre auch besser gewesen, ihn einfach sterben zu lassen.

Zwischendurch sehen wir Batman – ganz Detektiv – viele Klinken putzen und lesen die Story aus verschiedenen Blickwinkeln, die sich allmählich zu einem Gesamtbild zusammensetzt. Das ermüdet spätestens in Kapitel 5, wo der Joker endlos schwadroniert, während er – damit es nicht nur Gerede gibt – sich eine spannungsarmes Handgemenge mit Batman liefert. Hier wirkt die Story unnötig gestreckt.

Dead Reckoning erschien zeitgleich mit Hush und ist im Vergleich dazu fast vergessen, auch weil es nie einen Nachdruck von DC in einem Sammelband gab. Die ersten Batman-Storys von Ed Brubaker wurden zwar in zwei Bänden neu aufgelegt, aber ein dritter Band mit seinen Detective Comics ist nie erschienen. Nach der Lektüre muss man feststellen: Es ist kein allzu großer Verlust. Auch die Zeichnungen von Tommy Castillo sind eher Durchschnitt. Nur die Cover von Tim Sale kleiden die Hefte immerhin in eine ansehnliche Verpackung.

>> Batman 2000-2011


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