Titel: The Penguin: The Prodigal Bird (dt. Auferstanden von den Toten)
Autor/Zeichner: Tom King, Chip Zdarsky/Rafael De Latorre, Stevan Subic
Erschienen: 2023-2024 (The Penguin #0-7), Paperback 2024; dt. Panini 2024
Mit 85 Jahren endlich Ruhestand! Nachdem der Pinguin (Oswald Cobblepot) seinen Tod vorgetäuscht hat (siehe Failsafe), lebt er zurückgezogen in Metropolis, hat eine Verlobte (Rita Wells) und betreibt einen Blumenladen. Alles ganz legal. Er lässt sich durch nichts und niemanden mehr aus der Ruhe bringen. Da platzt plötzlich Agent Nuri Espinoza (alias „Agent Bleep“, siehe Killing Time) bei ihm rein, tötet seinen Vogel, entführt ihn und hält ihn für eine Woche gefangen. Dann zwingt sie ihn, sein Imperium wieder aufzubauen und undercover für den Staat zu arbeiten. Wortlos nimmt der Pinguin das Angebot, das er nicht ablehnen kann, an und beginnt das Morden.
Pinguin beim Rekrutieren
Als erstes sucht er The Help auf und bittet um Hilfe (ebenfalls siehe Killing Time). Der weigert sich, also überzeugt er ihn mit Gewalt und mehrfachem Mord. Und so geht es dann immer so weiter: Oswald rekrutiert vier Ausgaben lang weitere Helfer, darunter die ehemalige Superheldengruppe Force of July, seine Ex-Frau, Lisa St. Claire und Black Spider. Jedes Mal mit Tricks, Zwang, Gewalt und Mord. Jedes Mal mit Captions, die uns in die jeweiligen Nebenfiguren versetzen.
Das Prinzip ist schnell verstanden und ermüdet mit jeder Wiederholung mehr. Immer ist der Pinguin allen weit überlegen, immer bekommt er, was er will, auch wenn es zunächst schlecht für ihn aussieht. Statt über die Hauptfigur erfahren wir bloß sehr viel über die Nebenfiguren. Das ist zwar einfühlsam erzählt, aber deswegen liest man keine Serie, die The Penguin heißt.
Darüber hinaus wird extrem viel geflucht, etwa zehnmal pro Seite. Da tobt sich mal wieder Tom King (Gotham City: Year One, The Winning Card) mit seiner Wiederholungswut aus, nur dass wir davon – amerikanischer Selbstzensur sei Dank – nur einen Haufen Sonderzeichen sehen, was nur mäßig witzig ist und auf Dauer auch nicht witziger wird. Vor allem passt es nicht zu jeder Situation und jeder Figur. Immerhin hält sich Tom King mit seinen üblichen Manierismen, für die man ihn hasst, sonst weitgehend zurück.
Pinguins „Year One“
Am Ende wird es interessanter: Wir springen zurück in die Vergangenheit und sehen, wie alles begann. Oswald war zunächst Barkeeper in der Iceberg Lounge, die dem Gangster Falcone gehörte, bis er Batman seine Hilfe anbot, Batman Falcone aus dem Verkehr zog und Oswald den Laden übernahm, um dem Helden weiterhin Informationen über die Unterwelt zuzuspielen. In Wahrheit aber mordete Oswald selbst. Mit der bisherigen Continuity hat das nicht viel gemein. Hier wird mal wieder Geschichte umgeschrieben – wie schon in One Bad Day.
Damit übernimmt Autor Tom King ein Motiv aus dem Film The Batman und variiert nebenbei das Motiv der vogelliebenden Mutter als wirre Frau, die Oswald kaltblütig für seine Zwecke benutzt. Stevan Subic zeichnet hier meisterhaft wie schon bei Riddler: Year One, aber auch Rafael De Latorre, der den Großteil der Seiten inszeniert, steht ihm in nichts nach. Es herrscht ein durchgehend unaufgeregter, aber feinfühliger Stil vor.
Ingesamt ist der Band nur schwer zu beurteilen, weil er nur der erste der Serie ist. (Der zweite Band wird wahrscheinlich die letzten Ausgaben 8 bis 12 umfassen.) Bereits zu Beginn wird klar, dass es auf ein Wiedersehen mit Batman hinauslaufen wird, bei dem am Ende beide verletzt in einem sinkenden Batmobil landen. Da die Handlung aber in dieser Hinsicht kaum voranschreitet, weil wir bloß Rekrutierungen, Rückblenden und sinnlose Grausamkeiten sehen, kommt auch nicht viel Spannung oder gar Lust auf, den Rest zu lesen – allein die Hoffnung, dass es sich noch steigert.
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