Zugegeben: Ich habe mich anfangs damit schwer getan. Ich war ungefähr 15 Jahre alt, hatte gerade erst Superhelden-Comics für mich entdeckt. Superman, Batman, JLA – knallbunt, kindgerecht, auf Hochglanzpapier, später auch die „erwachseneren“ Serien. Und dann fand ich so einen seltsamen Band in der Stadtbibliothek: Die Rückkehr des Dunklen Ritters, ein dicker Wälzer über Batman, auf dem Covee war der Held nur als schwarze Silhouette vor einem Blitz zu sehen.
Beim Durchblättern sah ich lauter triste Bilder mit krakeligen Zeichnungen und viel Grau. Hier hatte nichts die Anmut von Heldentum: Batman war ein alter Mann, ein riesiger Brocken, mit viel zu kleinen, kaum noch sichtbaren Fledermausohren an der Maske. Nichts war hier im klassischen Sinne „schön“, gezeichnet wurde das Bild einer ziemlich schrecklichen Welt am Rande des Untergangs, in der nicht einmal der Joker lachte.
Die Lektüre machte keinen Spaß. Alles war abgebrüht, verbittert und schockierend. Batman war fast so unsympathisch wie jeder andere auch, er kämpfte brachial wie seine Gegner, er benutzte sogar Schusswaffen, auch wenn er damit niemanden tötete. Gute und Böse gab es nicht – alle waren auf ihre Weise am Ende. Harvey Dent wird geheilt und sofort rückfällig. Die Mutants terrorisieren Gotham mit grausamen, sinnlosen Verbrechen. Ein unheimlicher Joker begeht eiskalt Massenmord, tötet sogar Kinder. Der Endgegner ist Superman, einst Symbol des Guten, nun ein Handlanger der inkompeteten Regierung, die einen Atomkrieg riskiert.
Deprimierender geht’s nicht. Aber ich hielt durch. Trotz aller Tristesse: Irgendetwas ließ mich den Comic zu Ende lesen. Er hinterließ aber ein mulmiges Gefühl. Danach konnte ich nicht sagen, es hätte sich gelohnt, aber vieles blieb hängen: die Bilder, die Sequenzen, die Sätze. Jahre später kaufte ich mir das Buch gebraucht und las es wieder, diesmal lieber. Weitere Jahre später kaufte ich es mir in der Originalfassung und konnte es noch mehr genießen. Endlich war ich reif für The Dark Knight Returns. Und jedes Mal war ich mehr fasziniert davon, weil ich mehr entdeckte, was so meisterhaft daran war. Das war der ultimative Batman. Frank Miller hatte den Dunklen Ritter konsequent zu Ende gedacht.
Der Hype um The Dark Knight Returns hält an seit 40 Jahren – und das Ding verkauft sich immer noch, als Paperback, in Hardcover-Deluxe-Ausgaben, nun auch im Mini-Compact-Format. Wer sich mit Comics beschäftigt, kennt es, sollte es jedenfalls kennen. Man kommt nicht drum herum. Es ist ein moderner Klassiker, genauso wie das etwa zeitgleich entstandene Watchmen (zu dem es viele Parallelen gibt) und auch Batman: Year One, den Origin, der kurz darauf folgte und ganz anders aussieht, aber im selben Geist und von gleicher Qualität ist. Frank Miller hat mit diesen beiden Comics Epoche gemacht. Damit war über Batman im Grunde alles gesagt. Das Meiste, was seitdem folgte, steht in dessen Schatten oder baut darauf auf.
Was aber ist an Frank Millers TDKR immer noch so faszinierend?
Zum einen macht der Autor auch als Zeichner keine halben Sachen. Alles ist ins Extrem getrieben: visuell und inhaltlich. Starke Kontraste, Mut zum Schatten, die Wasserfarben zurückhaltend und nuanciert, nur einige Klekse in Primärfarben gibt es, wie etwa bei Superman und Robin. Die Seiten sind prallvoll mit Text und Bildern, oft in einem gewagten 16-Panel-Raster, manchmal auch mehr. Zum Vergleich: Watchmen ist geprägt von neun Panels pro Seite und schon das wirkt bereits dicht, bei Miller wirkt es gedrängt. Es gibt viel lesen, weil es viel zu erzählen gibt, und doch ist es nie überfrachtet, weil Miller auch oft Mut zur Lücke zeigt und die Bilder für sich sprechen lässt.
Meisterhaftes visuelles Storytelling
Die stärksten Sequenzen, wie etwa die Rückblende zum Batman-Origin, sind fragmentierte Zeitlupen. Eine Hand hält eine Pistole, eine Hand des Vaters ballt sich zur Faust, ein Finger drückt den Abzug, eine fliegende Patronenhülse, die Hand des Vaters an einem schreienden Bruce Wayne, sie lässt los, ein paar Perlen, die auseinanderreißen – wir sehen immer genauer hin, zoomen tiefer rein: nah, näher, am nächsten. Und genauso wie die Perlen bilden die vielen Detailaufnahmen eine Kette, die man als Leser im Kopf selbst zu einem Ganzen zusammensetzen muss – und wirkt dadurch umso stärker. Dieses Storytelling ist stark vom Manga wie vom Film Noir beeinflusst.
Die Sequenz umfasst drei ganze Seiten, bis sich auf der vierten Seite die Rasterstruktur auflöst und doch fortsetzt in der Fensterfront von Wayne Manor. Bruce flieht, stößt eine Statue um, die zerbricht. Auf der fünften Seite fällt das Raster als Schatten in den Raum und auf Bruces Gesicht, wo er eine Maske andeutet, während sich eine Fledermaus dem Fenster nähert und es schließlich durchbricht. Höchst unrealistisch, aber ungeheuer effektiv: Hier wird auch ein seelischer Durchbruch visualisiert.
Batman der Extreme

In „The Dark Knight Returns“ trägt Batman drei verschiedene Kostüme – und zum Schluss einen Kampfanzug. (DC Comics
In der ersten Ausgabe tritt Batman erst spät ganz in Erscheinung, auf Seite 34 von 47. Zunächst sieht man nur Andeutungen: Hände, die durchs Glas brechen, nach Verbrechern greifen oder Bestechungsgeld zerreißen. Auch später bleibt es oft bei Schatten und Silhouetten. Alles ist auf maximalen dramatischen Effekt angelegt. Die Spannung wird gesteigert vom Donnergrollen bis zum Blitz, den wir auf dem ikonischen ersten Cover sehen.
Als Batman endlich voll im Kostüm erscheint, ist er klobig, ein Monolith, zunächst in Blau, wie noch bei Neal Adams, später schwarz mit gelbem Oval und am Ende verschwindet auch das Gelb und wird von der klassischen schwarzen Fledermaus verdrängt, bis Batman im letzten Akt in einem Kampfanzug steckt.
Miller scheut sich nicht, den Helden und auch die Nebenfiguren von ihrer hässlichsten Seite zu zeigen: Falten, Runzeln, blaue Flecken, Risse. Am extremsten sieht man es auf dem zweiten Cover, wo ein stark lädierter Batman in verkrampft-gekrümmter Haltung Widerstand bis zum Letzten ausdrückt. Dieser Batman muss viel einstecken, er ist alt und langsam und gebrechlich, aber umso triumphaler ist sein Sieg, wenn er etwa den Mutantenführer bei einer Schlammschlacht demütigt und ihn mit chirurgischer Präzision zum Krüppel macht.
Die ikonischen Cover sind Meisterwerke des Minimalismus. Kein Joker, kein Two-Face, überhaupt kaum etwas über den Inhalt. Mal nur eine Silhouette, dann nur ein riesiges Batman-Logo mit einem kleinen Robin (Carrie Kelley) am Rand. Nur beim vierten Teil wird der Kampf mit Superman angedeutet. Aber auch da: Das Meiste bleibt tiefschwarz. Miller beherrscht Schatten perfekt. Oft erscheinen Figuren auch komplett schwarz, nur mit hervortretenden Merkmalen wie einem Logo auf der Brust. Die Motive sind aufs Wesentliche reduziert und wecken Neugier.
Beachtlich ist auch, wie meisterhaft das Lettering eingesetzt wird. Soundeffekte sind so riesig, dass sie nicht nur Panels ausfüllen, sondern sogar den Panelrahmen setzen, etwa beim „KRAKK“, das von einem Blitz ausgefüllt wird – wie auf dem Cover. Später durchziehen sie eine Sequenz aus flachen Panels, die zeigen, wie Batman auf ein fahrendes Fluchtauto springt. Die Schriftzüge tragen viel zur Dynamik der Kompositionen bei, die die Handlung nur ausschnittsweise andeuten. Überhaupt bleibt die „Kamera“ oft sehr dicht an den Figuren dran, auch hier entsteht das Gesamtbild in den Köpfen der Leser.
Multiperspektivische Polyphonie
Bei aller Radikalität fasziniert vor allem die Menschlichkeit, die sich trotz – oder gerade wegen – der Abgründigkeit am deutlichsten zeigt. Miller nimmt seinen Batman sehr ernst und dringt tief in dessen Charakter ein. Damit setzt er Mitte der 80er neue Akzente, die für Superheldencomics nicht üblich waren. Bruce Wayne ist sozusagen in Echtzeit gealtert, hat nach dem Tod von Robin Jason Todd für zehn Jahre als Batman aufgehört, und kehrt nun in seine Rolle zurück, als er am meisten gebraucht wird.
Bemerkenswert ist, dass TDKR aber nur zum Teil eine Batman-Story ist. Die Erzählperspektive wechselt oft, nicht nur zu James Gordon, Carrie Kelley und den Gegnern, ein Großteil ist den Normalbürgern gewidmet. Sie kommen meist in den zahlreichen Fernsehinterviews zu Wort und schaffen so eine multiperspektivische Polyphonie.
Oft sind es Zyniker, die die rücksichtslos handeln oder auch durchdrehen. Wie etwa einen Taxifahrer, der sich bestechen lässt, während ein Unbekannter eine Frau auf dem Rücksitz verletzt. Oder ein religiöser Fanatiker, der in einem Sexkino um sich schießt, nachdem er glaubt, in „Stairway to Heaven“ eine versteckte Satansbotschaft gehört zu haben. Manchmal erklingen aber auch Stimmen der Vernunft, wie etwa ein erfahrener Polizist, der die Zeichen deutet und einem Neuling erklärt, dass Batman wieder da ist.
Eine besonders eindrückliche Seite ist einer alleinerziehenden Mutter gewidmet, die von ihrer Schicht als Kellnerin mit der U-Bahn heimfährt. Sie leidet unter schmerzenden Beinen, kann sich aber eine Behandlung nicht leisten. Sie hat von ihrem Trinkgeld einen Malkasten für ihren begabten Sohn gekauft. Dann stecken ihr zwei Mitglieder der Mutants-Bande grundlos eine Granate in die Handtasche und stoßen sie aus der U-Bahn und sie wird auf dem Bahnsteig von der Explosion zerrissen.
Menschenleben sind in diesem Gotham nichts wert. Die Mutants stehen für eine völlig amoralische und apathische Gesellschaft. Sie morden zum Spaß, auch sich gegenseitig. Als sie am Anfang auf Bruce Wayne losgehen wollen, lassen sie von ihm ab, weil ihm sein Leben egal zu sein scheint. Und als Batman später ihren Anführer besiegt, begehen sie Verbrechen in seinem Namen, indem sie sich als Gesetzeshüter aufspielen. Die Grenze zwischen Vigilantismus und Verbrechen verschwimmen – Batman wird immer wieder infrage gestellt, auch von sogenannten Experten im Fernsehen. Der Dunkle Ritter kämpft auch auf dem Markt schon lange um seine Daseinsberechtigung. Wozu brauchen wir selbsternannte, kostümierte Helden?
Die Medien spiegeln den Zynismus der Gesellschaft und fördern ihn. Die Berichterstattung ist reißerisch und skrupellos. Als ein Senator aus einem Hochhaus stürzt, nennt ihn ein grinsender Reporter live auf Sendung „street pizza“. Die Nachrichten sind reine Unterhaltung, auch wenn sie Grausamkeiten verhandeln, während an den Orten der Zerstreuung wie dem Kino oder dem Rummelplatz Massenmord geschieht. Das gespenstische Publikum der Talkshow, in der der Joker auftritt, stirbt konsequenterweise lachend an seiner eigenen Sensationsgier, diesem „unendlichen Spaß“.
Dass die Bürger von Gotham auch anders können, dass auch das Gute in ihnen steckt, zeigt sich, als nach einem Stromausfall Bürger mitanpacken, um einen Brand zu löschen. Batman ist nur das Symbol, das andere inspiriert, das in sich zu wecken, was sie aus Angst, Verzweiflung und Apathie vergraben haben. Es sei eine „dog eat dog world“, heißt es einmal zu Beginn. Jeder ist sich selbst der Nächste und dem Nächsten ein Wolf – aber nur, wenn wir es zulassen.
Moralischer Imperativ
Bruce Wayne selbst erscheint zunächst indifferent gegenüber seiner Umwelt geworden zu sein. Er gibt sich waghalsigen Autorennen hin und bringt sich dabei fast um. Sein Todestrieb ist ohne Zweck: Ihm ist es egal, ob er auf der Straße abgestochen wird oder nicht. Doch irgendwann wird ihm das allgegenwärtige Grauen zu viel. Seine andere Seite, sein innerer Dämon in Form einer Fledermaus, oder auch sein wahres Ich, bricht durch und lässt ihn wieder zu Batman werden.
Der Proganonist arbeitet sich an den grundlegendsten Problemen der Existenz ab: moralisches Handeln, ein sinnvolles Leben zu führen – was sich für ihn in einem „guten Tod“ ausdrückt. Batman will ruhen. Aber er kann nicht, weil ihn die Umstände zum Handeln zwingen. Er kann erst abtreten, wenn die Arbeit getan ist, das Böse ausgemerzt, die offenen Rechnungen beglichen. Er will sterben, weil er nur so von seiner Pflicht erlöst wird – und zur Ruhe kommen kann.
Die Frage von The Dark Knight Returns ist eine, die jeden angeht: Wie kann man in einer so furchtbaren Welt leben, ohne etwas dagegen zu tun? Batman ist bereit, zum Äußersten zu gehen. Und doch schreckt der Mann mit dem Todeswunsch vor dem Mord zurück – auch wenn er dadurch den Tod von Unschuldigen verhindern kann. Der Mord bleibt die letzte Grenze. Niemals darf er sich des Mittels seines Peinigers bemächtigen, sonst wird er wie er und begeht Verrat an seinen Eltern.
Doch genau das hat er mit seinem Ruhestand getan. Ihr Tod hat ihn dazu gebracht, als Batman das Verbrechen zu bekämpfen. Paradoxerweise hat Robins Tod ihn dazu gebracht, damit aufzuhören. Doch die Welt ist dadurch nicht besser geworden, sondern nur noch schlimmer. Bruce Wayne ist auch im Alter ein Mann von großen Fähigkeiten. Er geht fast daran zugrunde, die Hände in den Schoß zu legen. Er fühlt sich als Untoter: „I’m a zombie. A flying dutchman, a dead man, ten years dead …“
Er kehrt wieder zu den Lebenden zurück, indem er sein volles Potenzial nutzt, um die Welt ein bisschen besser zu machen, als er sie vorgefunden hat. Paradoxerweise provoziert er damit auch die Rückkehr des Joker aus seiner Starre. Doch obwohl er entschlossen ist, den Joker ein für alle mal unschädlich zu machen, schafft er es nicht, als er die Gelegenheit dazu hat. Der Joker führt ihn als feige vor, indem er schließlich das zu Ende führt, was Batman begonnen hat, und sich selbst den Hals umdreht. Am Ende kann Batman nicht mehr tun, als der Leiche seiner Nemesis ins Gesicht zu spucken und sie anzuzünden. Doch noch während er brennt, scheint der Joker mit seinem Lachen zu triumphieren.
Mensch gegen Gott
Das Thema von TDKR ist zum einen das Handeln nach der Übereinstimmung mit seinen Werten, zum anderen die Kehrseite der Zivilcourage. Der alte Bruce Wayne von The Dark Knight Returns kann nicht anders, als wieder zu Batman zu werden. Am deutlichsten wird das in der Sequenz, in der er feststellt, dass er sich seinen Schnurrbart abrasiert hat, ohne es zu merken. Sein ganzes Wesen, sein Unterbewusstsein, strebt nach unten, in die Höhle, den Abgrund seiner Seele, in der seine Ängste lauern. Er bemächtigt sich ihrer, um mit ihr gegen die zu kämpfen, die ihrerseits Angst verursachen. Batman schlägt das Böse mit seinen eigenen Waffen.
Batmans bloße Präsenz, die Tatsache, dass ein Zivilist nach seinen eigenen Regeln gegen das Verbrechen kämpft, zeigt, dass das System nicht funktioniert. Man muss sich außerhalb des Systems befinden, nach seinen eigenen Regeln zu arbeiten, um die Regeln der Gesellschaft, auf die es ankommt, zu schützen. Das inspiriert Nachahmer, im Guten wie im Schlechten.
Batman ist der moralische Appell an seine Leser, selbst bessere Menschen zu werden – oder sich gar nicht erst zu schlechten Menschen machen zu lassen. Im Comic wird er „a symbolic resurgence of the common man’s will to resist“ genannt, „a rebirth of the American spirit“. Damit erhält der fragwürdig gewordene Held seine Daseinsberechtigung. Im Gegensatz zu Superman – daher wird auch der einstige Verbündete zu Batmans letztem Gegner.
Während der Vater aller Superhelden Prügel einsteckt, wird sein Counterpart Batman zum Widerstandskämpfer gegen die Übermacht. Zum einen steht Superman für eine pervertierte USA – nicht von ungefähr geht die US-Flagge in Supermans Logo über -, die sich von „truth and justice“ weit entfernt hat. Zum anderen geht es hier auch um einen Kampf der Titanen: Der Mensch lehnt sich gegen Gott auf. Er kann nur verlieren, aber er scheut den Kampf nicht, weil er für das Richtige kämpft und den Machtmissbrauch vorführt. Damit ist TDKR heute genauso aktuell wie 1986.
Weiterleben nach dem Tod
Die Geschichte läuft auf das Unvermeidliche hinaus: den guten Tod. Batman kriegt, was er will, aber nur, damit sein Alter Ego Bruce Wayne im Untergrund weiterleben und mit seinen Anhängern sein Werk fortsetzen kann. Er schafft so das Unmögliche: Er führt nun ein „gutes Leben“ nach dem Tode. Er besteht fort im Erbe seiner eigenen Taten. Die legendäre Batman-Gestalt ist nicht mehr an Bruce Wayne gebunden, sondern hat sich von ihm gelöst, um ein Eigenleben zu führen.
Daher ist mit The Dark Knight Returns auch alles gesagt. Zwar hat es kurz darauf zwei ebenso bedeutende Batman-Comics wie The Killing Joke (1988) und Arkham Asylum (1989) gegeben, aber alles stand seitdem in Millers Schuld. Und obwohl Fortsetzungen überflüssig sind, hat es leider welche gegeben: ein furchtbares The Dark Knight Strikes Again, das weder stilistisch noch inhaltlich etwas mit dem Original zu tun hatte, dann ein ebenso unnötiges Dark Knight III, das eher eine Superman- als eine Batman-Story ist, dazwischen noch ein Prequel (Last Crusade) und ein Sequel (Golden Child), die dem Mythos nichts Wesentliches hinzufügen. Daran erkennt man einen Klassiker: Sie stehen für sich.
Gallery Edition
Wer das Original neu entdecken will, dem sei die Gallery Edition empfohlen. Das ist kein Buch mehr, sondern ein riesiges Ungetüm, das in kaum ein normales Regal passt. Enthalten sind hochauflösende Scans der originalen Seiten, wie sie von Frank Miller gezeichnet und von Klaus Janson getuscht worden sind. Wir sehen alles: die Korrekturen mit Deckweiß, die Flecken, die blauen Anmerkungen der Redakteure – alle Spuren, die Produktion und Zeit an den Seiten hinterlassen haben.
Es ist ein ganz anderes Leseerlebnis. Nicht nur, weil die Farben von Lynn Varley fehlen, die dem Werk erst seine einzigartige Stimmung verleihen, sondern allein die schiere Größe ermöglicht einem eine Nähe zu den Kunstwerken, die man sonst nur im Museum hätte. Es erschließt sich einem eine tiefere Dimension: Die flachen Seiten erscheinen drei- und sogar vierdimensional, weil der Prozess sichtbar wird.
Auf diesen riesigen Seiten entdeckt man mehr Details als je zuvor. Man bekommt vor allem einen Einblick in das Schaffen des Tuschers. Einige Seiten hat Frank Miller ab der dritten Ausgabe nachgetuscht, weil er mit der Arbeit von Klaus Janson nicht zufrieden war. In der Ausgabe sind die neuen bzw. alten Versionen auf transparentem Papier gedruckt, sodass man sie vergleichsweise überlagern kann. Manche Änderungen sind minimal und rein geschmäcklerisch, andere aber gravierend und deutliche Verbesserungen. Am deutlichsten wird das in der ikonischen Sequenz mit dem Joker im Tunnel of Love. Bei Klaus Jansons simplizistischem Strich gehen viele Nuancen verloren, während Frank Miller viele feine zittrige Striche hinzufügt, die den Schmerz und den Schauder dieser Sequenz spürbar machen.
Der Nachteil: Leider konnten nicht alle Originale gescannt werden, daher fehlt etwa ein Viertel der Seiten, darunter auch einige ikonische Splash Pages. Aber dafür sind alle Seiten zumindest in Schwarzweiß nachgedruckt, sodass man die ganze Story lesen kann. Dazu gibt es die Cover sowie einige spätere von Millers Promo-Zeichnungen.
Die Gallery Edition ermöglicht ein anderes Lesen, ein Erforschen von Comicgeschichte. Man kann diesen Folianten nicht gemütlich im Sessel oder auf der Couch lesen, sondern kann ihn nur auf einem großen Tisch (oder dem Boden) ausbreiten und sich dann darüberbeugen. Aber es lohnt sich, wenn man einem großen Werk näher kommen möchte. Möge man noch weitere 40 Jahre darüber sprechen.








