Titel: JLA: Created Equal
Autor/Zeichner: Fabian Nicieza/Kevin Maguire
Erschienen: 2000 (#1-2), Paperback 2019 (Elseworlds: Justice League Vol. 3)
Eine kosmische Energiewelle erfasst die Erde und tötet auf einen Schlag alle Männer. Wirklich alle? Nein, keine Sorge: Superman ist zum Glück noch da. Und Lex Luthor. Während die Welt sich neu sortieren muss und Wonder Woman eine neue Justice League gründet, zudem die Welthauptstadt auf Themyscira ausruft, und Superman und Lois versuchen, ein Kind zu bekommen, versucht Lex (in einer Schutzrüstung) herauszufinden, was passiert ist. Seine Erkenntnis: Superman selbst ist schuld!
Nachdem der Held ins All fliegt, um eine Lösung zu finden, ziehen die Frauen neue Kinder (auch männliche) groß, die auf Supermans DNA basieren. Leider entwickeln die kleinen Racker früh Superkräfte, was dazu führt, dass Supermans Sohn Adam seine Mutter Lois aus Versehen umbringt. Die Amazonen haben alle Hände voll zu tun, die Rasselbande in Zaum zu halten. Hinzu kommt noch, dass Lex Luthor versucht, die Erziehung der Jungen zu sabotieren, indem er per Telepathie in ihre Träume eindringt, um sie zu Chauvinisten und Kapitalisten zu machen.
Lex Luthor als Frauenhasser
Seine Philosophie ist die, die unsere Welt seit Jahrhunderten zugrunderichtet: Zähme und Herrsche, nur der persönliche Erfolg zählt, belohnt wird er mit Geld. Außerdem hält er nicht viel von Frauen und ihrer Arbeitsmoral, auch wenn er sie gerne wieder putzen und kochen ließe. Er scheint zu übersehen, was Frauen bisher geleistet haben, dass sie nun mehr denn je die ganze Welt am Laufen halten (und gut ohne Männer auskommen) und dass sie bisher von Leistungen abgehalten wurden von Sexisten wie ihm. Da zeigen sich die Grenzen des verblendeten Genies …
Es kommt jedenfalls zum Kampf der Generationen, zwischen Superheldinnen und kahlrasierten Sprösslingen. Am Ende schaffen es jedoch weder die Frauen noch die Mädchen, mit dem Testosteronüberschuss fertig zu werden und Superman muss mal wieder den Tag retten. Zum Glück schafft es Luthor dann, sich durch eigene Hybris zu Fall zu bringen, und auch Wonder Woman darf mithelfen. Trotzdem: Ein klares Statement für die Stärke der Frauen wäre es gewesen, wenn sie sich selbst aus der Misere befreit hätten.
Lex bevölkert den Planeten
Dass all der Aufwand nur dazu gedient hat, die Frauenherrschaft zu beenden und eigene Kinder in die Welt zu setzen, ist wie immer ein weit hergeholter Schurkenplan. Umso schlimmer ist, dass seine Kinder alle allein in Brutkästen und von Maschinen aufgezogen werden. Damit dürften sie irreparable psychische Schäden erlitten haben, aber darum geht es nicht, denn da ist die Geschichte schon rum. Die Helden freuen sich lieber über die Ironie, dass sie nun Lex’s Babys großziehen – in ihrem feministischen Sinn.
Man hätte sehr viel mehr aus dieser interessanten Prämisse machen können, etwa zu zeigen, wie sich eine Menschheit neu ordnen muss, der auch die Hälfte der Arbeitskräfte fehlt. Neue Kinder in die Welt zu setzen, dürfte das geringste Problem sein, da es ja in vielen Ländern Samenbanken gibt. Auch von Barbara Gordon als Green Lantern hätten wir gerne mehr gesehen. Aber von einer 100-seitige Elseworlds-Story, die in ihrer Handlung zügig voranschreitet, und dabei viele Konflikte und Schauwerte bietet, kann man wohl nicht viel mehr erwarten.