Deutscher Titel: Superman: Die letzten Tage von Lex Luthor
Autor/Zeichner: Mark Waid/Bryan Hitch
Erschienen: 2023-2025 (Miniserie #1-3), Hardcover 2025 (DC Black Label); dt. Panini 2025
Lex Luthor greift mit einem Riesenroboter eine Insel an. Doch er bringt Millionen Leben nur in Gefahr, um Supermans Aufmerksamkeit zu erregen. Denn der Erzschurke ist tödlich erkrankt, selbst seine Mittel und sein Genie können ihm nicht helfen. Also bittet er seinen Erzfeind um Hilfe – vor aller Welt. Superman, der geschworen hat, alles Leben zu schützen, auch das von größenwahnsinnigen Mördern, verspricht, auch diesmal alles zu geben. Die Supersinne zeigen: Lex lügt nicht, es ist wirklich ernst.
Also bringt der Held den Schurken in die Festung der Einsamkeit, dann nach Kandor – doch selbst kryptonische Technologie kann nichts ausrichten. Dann geht es in die Phantomzone, wo General Zod angreift. Dann ins 31. Jahrhundert zu der Legion of Superheroes – doch auch Brainiac 5 ist ratlos. Dann weiter nach Themyscira, wo Wonder Woman ziemlich sauer wird – und nicht mal ihr pinker Heilstrahl kann Lex heilen. Und dann taucht man in die Tiefsee zu Lori Lemaris usw.
Superman lässt wirklich keine Möglichkeit aus. Der Rest folgt im Zeitraffer: Oa, Rann, New Genesis, Apokolips, Thanagar etc. Okay, nach 100 Seiten haben es auch die Letzten verstanden: Lex ist wirklich nicht zu helfen! Da offenbart sich der wahre Übeltäter: Es ist ein weiterer klassischer Schurke. Der Einzige, der sich mit Lex mesen kann …
ACHTUNG: SPOILER!
Clark und Lex als Jugendfreunde
Zwischendurch gibt es Rückblenden in die Jugend von Clark Kent und Lex Luthor, die sich schon in Smallville kannten. Schon damals war Lex ein arroganter Kotzbrocken. Clark macht sich Vorwürfe, weil er zuließ, dass Lex sich bei einem selbstgeschaffenen Laborunfall fast umgebracht hat.
Wenn ich eines am Superman-Mythos hasse, dann ist es die Variante, dass alles schon in Smallville angelegt war. Umso dümmer erscheint dann der ach so schlaue Lex, der nicht hinter Clarks Brille schauen kann … Aber anscheinend ist es Kanon, auch wenn es sich hier um eine Elseworlds-Story handelt. Ansonsten bleiben sich hier alle treu: Lex ist superschlau, größenwahnsinnig, selbstverliebt und hasszerfressen, Superman will es allen Recht machen. Auf Dauer nervt das. Und trotzdem habe ich diesen Dreiteiler gern gelesen. Denn es geht auch um die grundsätzliche moralische Frage: Wenn Menschenleben kostbar sind, gilt das nicht auch für einen (Massen-)Mörder?
Die Bekehrung des Lex Luthor
Ein großer Reiz mag auch an den herrlichen Zeichnungen des Altmeisters Bryan Hitch liegen (The Batman’s Grave, JLA: Power and Glory, The Ultimates), auch wenn sie hier von Kevin Nowlan getuscht werden, was mir oft zu aufdringlich ist. Aber Hitch ist immer noch grandios in Sachen Klarheit und Dynamik, selbst wenn es in den Panels wimmelig zugeht.
Dass die Handlung im dritten Akt zwar endlich Fahrt aufnimmt, aber die meisten Probleme mit sich bringt, sei dahingestellt. Mastermind Brainiac hat mal wieder einen sehr komplizierten Plan ausgeheckt, um Superman auszuschalten, der umso merkwürdiger erscheint, wenn man bedenkt, dass er alle anderen Superhelden (!) mühelos kaltgestellt hat. Und am Ende ist es dann doch supereinfach, eine Maschine zu bauen, die alle Probleme auf einmal löst. Superman schafft es sogar, dass Lex überlebt, indem er ihm seine Superkräfte überträgt. Und als Übermensch wird Lex doch zum Menschen und opfert sich für die gute Sache.
Utopisch? Mag sein. Aber dafür sind wir ja hier. Ohne dieses wendungsreiche Ende wäre es bloß eine weitere Standard-Story, für die es das „Black Label“ nicht bräuchte. Da verzeiht man die typischen Logiklöcher. Es gibt wohl keine Superheldenstory ohne, es gibt aber wesentlich dümmere. Nein, es ist kein zweites Kingdom Come, aber sicher gehört dieser Superman-Comic zu den besten der letzten Jahre.
The Last Days of Lex Luthor hat für Fans viel zu bieten, jeder wird hier die ein oder andere Lieblingsfigur aus dem Universum finden oder auch Parallele zu früheren Storys, denn das Buch steht in einer langen Tradition und erinnert an etliche Superman-Klassiker wie The Last Days of Superman (Superman #156, 1962), Whatever Happened to the Man of Tomorrow? (1986) und natürlich All-Star Superman (2006-2008), wo es Superman ist, der tödlich erkrankt.

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