„The Bat-Man: First Knight“: Zurück nach 1939

DC Comics

Titel: The Bat-Man: First Knight

Autor/Zeichner: Dan Jurgens/Mike Perkins

Erschienen: 2024 (Miniserie #1-3), Hardcover 2024; dt. Panini 2024-2025 (#1-3)


Das Jahr 1939 in Gotham City. Eine Serie brutaler Morde hält die Stadt in Atem, die Opfer sind Politiker. Einer der Verdächtigen ist der neue Vigilant Bat-Man, den Commissioner Gordon noch nicht einschätzen kann. Da wird der Bürgermeister zu Hause von zwei missgestalteten Männern angegriffen, Batman kann sie nur mit Mühe vo Mord abhalten und geht fast selbst dabei drauf. Hinter all dem steckt ein Unbekannter, der nur als „The Voice“ per Radio seine Befehle kundtut. Er verfolgt einen Masterplan, der mit dem drohenden nächsten Krieg zu tun hat …

Was Batman von Anfang an ausmacht

The Bat-Man: First Knight ist eine Story, wie man sie sich seit 85 Jahren wünscht. Sie versetzt die Figur dorthin zurück, wo sie herkommt und im Grunde auch hingehört. Batman trägt hier sein ursprüngliches Kostüm mit langen großen Ohren, die wie Dämonshörner wirken, und lila Handschuhe, auch ist sein Batmobil noch ein ganz normales Auto wie in Detective Comics #27.

Diesen Retro-Kurs verfolgte neuerdings auch die Zeichentrickserie Batman: Caped Crusader, aber hier ist ist es nicht nur Nostalgie in einer bereinigten Fantasiewelt, sondern ein nahezu historisches 1939 mit all seinen Problemen: Die USA befinden sich in einer Depression, Verbrechen und Korruption florieren, von Hitlerdeutschland droht ein neuer Weltkrieg auszugehen, Juden fliehen vor Verfolgung und finden auch im vermeintlich gelobten Land USA keine neue Heimat.

All das spart die Zeichentrickserie aus, hier aber wird alles Teil der Story, die nichts Menschliches wie Unmenschliches auslässt. First Knight hat auch sonst alles, was einen Batman-Comic von Anfang an ausmacht: den Pulp-Charakter eines alten Detektivromans, Monster Men wie bei Hugo Strange, einen unerfahrenen Batman, der für alle noch ein Mysterium darstellt, einen Pfeife rauchenden Bruce Wayne und seine erste Liebe Julie Madison. Nur die klassische Schurkenriege fehlt – was in einer Flut von Joker-Comics ungemein wohl tut.

DC Comics

Während Frank Miller und David Mazzucchelli in Year One Batman zu seinem Ursprung zurückführten, aber in die Moderne übertrugen, wird hier Batman für die Zeit seiner Entstehung neu erfunden. Überraschend, dass ausgerechnet ein Superman-Veteran und Vielschreiber wie Dan Jurgens (Death of Superman) diesen kühnen Schritt gewagt hat. Seine Dialoge überzeugen nicht immer, vor allem Batmans Selbstgespräche wirken zuweilen unfreiwillig komisch bzw. unzeitgemäß, aber das sind Kleinigkeiten.

Dafür lässt Zeichner Mike Perkins den Comic umso mehr glänzen. Mit seinem realistischen Noir-Stil verleiht er dem Werk eine düstere, aber pulsierende Atmosphäre, von der man kaum genug kriegen kann. Das Gotham der 30er wirkt lebendiger als je zuvor und dazu glaubwürdig, sein Batman ist eine Augenweide, auch wenn sein Kostüm handgemacht wirkt und nicht überstilisiert ist. Diesen Effekt hat zuletzt nur Lee Bermejo so gut gemeistert. Perkins lässt seinen Bruce Wayne wie Gregory Peck aussehen – eine Verneigung vor Mazzucchelli.

Anleihen bei Dr. Mabuse

Variant Cover von Ramon Perez und Jacob Phillips (DC Comics)

Die Geschichte selbst hält in Atem mit einem klassischen Detektivplot, Horror-Momenten á la Frankenstein, Highlights wie Batman auf dem Elektrischen Stuhl und Zweifel, ob Schusswaffen nicht doch ein angemessenes Werkzeug sind, um sich gegen übermächtige Gegner zu verteidigen. Dabei spielen auch die normalen Menschen tragende Rollen, wie etwa ein Rabbi.

Der Schurke The Voice (der sehr an Fritz Langs Dr. Mabuse erinnert) entlarvt sich als Mann mit einer interessanten Agenda, die sowohl ins Jahr 1939 wie in die Gegenwart passt: Er ist ein Isolationist, der den drohenden Krieg von Amerika fernhalten und zumindest für die Sicherheit der Stadt die Macht in ihr übernehmen will, nur um dort eine Diktatur aufzubauen – also genau das, wovon man sich abschotten will. Oder um es mit einem populären Slogan zu sagen, das ist eine der Gefahren von: „America first„.

Damit bestätigt The Bat-Man: First Knight nicht nur erneut, dass die interessantesten Batman-Comics derzeit eher die für sich stehenden, abgeschlossenen Geschichten erzählen, es ist für mich auch die beste Neuerscheinung des Jahres. Ich denke, Bob Kane und Bill Finger hätten ebenfalls ihre Freude daran gehabt. Mehr davon!

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