Batman tanzt den Plot-Twist

DC Comics

Titel: Batman Vol. 6: Abyss

Autor/Zeichner: Joshua Williamson/Jorge Molina, Mikel Janin

Erschienen: 2021-2022 (Batman #118-121, #124), Hardcover 2022


Die letzte Zeit war für Batman sehr aufregend: da gab es den Joker War, bei dem Bruce Wayne sein Vermögen verloren hat, in Scarecrows Fear State verlor er fast den Verstand, zwischendurch stand er unter Mordverdacht und mutierte zu einem Monster. Aber das ist eigentlich der ganz normale Wahnsinn in Gotham. Uns so geht das Leben aufregend weiter, weil ja schließlich jeden Monat mehrere Comichefte gefüllt werden müssen.

Doch auch die Leserschaft muss mal ein wenig ausruhen, also gibt es nun mal wieder ein kleines Intermezzo zum Durchschnaufen. Batman hat sich ein neues Kostüm zugelegt, ohne schwarze Unterhose, dafür wieder mit dem gelben Logo (das leuchten kann). Er versichert sich, Verbrechern immer noch Angst einzujagen, und zwar so, dass allein seine Silhouette sie dazu bringt, sich freiwillig der Polizei zu stellen. Und dann bekämpft er noch Firefly, der – ganz Oldschool – bei einem Maskenball mit dem Thema „Schurken“ Reibach zu machen versucht.

Batman Inc. – Mörder?

Doch dann die Nachricht: Batman Inc. wurde verhaftet wegen Mordverdacht! Wir erinnern uns: Batman Incorporated ist ein Zusammenschluss internationaler maskierter Helden, die in Batmans Tradition stehen (hervorgegangen aus dem „Club of Heroes“). Nun sollen fünf von ihnen (Man-of-Bats, El Gaucho, Bat-Man of China, The Dark Ranger und The Hood) einen Schurken namens Abyss ermordet haben. Also reist Batman nach Badhnisia, einem korrupten Inselstaat in Asien, um den Fall zu klären.

ACHTUNG: SPOILER!

Angriff im Dunkeln: Batman und Abyss. (DC Comics)

Dann beginnt Batman zu tanzen. Er tanzt den Twist. Genauer gesagt: eine Reihe von Plot-Twists. Erster Twist: Plötzlich steht Lex Luthor vor ihm und teilt ihm mit, dass er nun Batman Inc. finanziert, seit Bruce Wayne kein Geld mehr hat. Doch dann (Twist zwei) will versucht er, Batman von der Polizei erschießen zu lassen. Das scheitert, denn Batman schafft es, in Sekunden die Polizisten aufzuknüpfen und noch einen Abschiedszettel zu schreiben, allerdings nicht mehr, Lex zu fesseln oder zu verprügeln.

Twist drei: Als wäre nix passiert, bietet Lex kurz darauf Bruce an, mit ihm zusammenzuarbeiten, um Abyss‘ Leiche von der Polizei zu stehlen, sie zu untersuchen und Batman Inc.s Unschuld zu beweisen. Batman macht das lieber alleine und vor Ort – ist auch praktischer. Twist vier: Plötzlich wird es dunkel und Abyss steht direkt vor ihm, verletzt und blendet ihn.

Batman schafft es trotz des Handicaps, in das Hochsicherheitsgefängnis von Lex einzudringen, um Batman Inc. zu befreien. Twist fünf: Die sind weder erfreut noch dankbar und prügeln auf ihn los. Als die Wärter auftauchen, haut man gemeinsam ab aufs Dach. Twist sechs: Lex taucht auf und sagt, er habe alles genauso geplant, damit Batman für ihn arbeitet. Da kommt auch schon Twist sieben um die Ecke in Form von Abyss, der sich als eigentlicher Anführer von Batman Inc. herausstellt. Batman soll nun ihnen helfen, Lex Luthor zu töten. Batman hat was dagegen, also wollen sie nun ihm und Lex an den Kragen.

Let’s Twist Again!

Abyss und Batman Inc. (DC Comics)

Twist acht: Batman sagt „Code: Club of Heroes“ und schon wechselt die Bande wieder die Seite – alles nur eine Undercover-Mission, sie arbeiten weder für Abyss noch für Luthor. Twist neun: Luthor hat Abyss als privaten Batman erschaffen wollen, das ging aber in die Hose. Abyss haut ab, Batman kämpft kurz gegen ihn, dann verschwindet der Schurke mit dem guten alten Rauchbombentrick. (Oder auch Twist zehn.)

Fazit

Okay, aber was sollte das ganze Theater? Damit wollten die Helden Lex entlarven. Ich finde ja, es wäre viel einfacher gewesen, Batman anzurufen, aber – wie ich (Kind des 20. Jahrhunderts) hier lesen musste – das macht man heutzutage nicht mehr. Na ja, eine Textnachricht hätte es auch getan – aber: Dann gäbe es die Geschichte nicht. Wir hätten sie nicht vermisst. Auch wenn sie durchweg beeindruckend inszeniert ist.

Nach so vielen Twists ist uns sehr schwindlig und zum Schluss (um den Buchumfang zu rechtfertigen) gibt es noch einen unnötigen Epilog zum Cool Down, bei dem es mal wieder darum geht, warum Batman nicht tötet. Wir erfahren, dass Bruce einst Joe Chill im Knast aufgesucht hat, um seine Entscheidung zu treffen. Außerdem sehen wir Batman in Japan mit einem Mädchen als Robin.

Batman Inc. sehen wir bald wieder in einer eigenen Serie. Vorher aber noch das Event Shadow War. Danach geht es weiter mit einem neuen Autor: Chip Zdarsky übernimmt die Batman-Serie – und verhilft ihr nach langer Durststrecke hoffentlich wieder zu neuem Ruhm.

>> Batman 2020-2029


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