Deutscher Titel: Absolute Flash: Eine neue Welt
Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Nick Robles, A.L. Kaplan
Erschienen: 2025 (Absolute Flash #1-6), Hardcover/Paperback 2025; dt. Panini 2025
„Am I a hero or am I a monster?“ (Wally West)
Flash ist einer dieser DC-Charaktere, von dem es gleich mehrere Namensträger gibt. Aber wer ist eigentlich der beste Flash aller Zeiten? Jay Garrick war der erste, aber er ist mit seinem Suppenteller auf dem Kopf eher was für Nostalgiker. Barry Allen hat den Flash neudefiniert und 30 Jahre lang geprägt, bis er während der Crisis den Heldentod starb. Und auch wenn dessen Sidekick Kid Flash (Wally West) ihn erfolgreich beerbt hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis Barry zurückkehrte – und wie! Mit Flash: Rebirth, Flashpoint sind zwei moderne Klassiker entstanden. Doch während des Reboots von The New 52 wurde Wally West ausradiert, was natürlich vielen Fans nicht gefiel, sodass er während DC Rebirth zurückkehrte. In Film und Fernsehen heißt der Flash definitiv Barry Allen.
DC hat sich für seine Version des Absolute Flash für Wally West entschieden, was seltsam ist, wenn man bedenkt, dass er so auch in der regulären Serie heißt. Hier ist er ein 15-Jähriger, der unter Entwurzelung und Einsamkeit leidet, während sein alleinerziehender Vater Rudy West für das Militär in Fort Fox Geheimwaffen entwickelt. Einer der Forscher heißt Barry Allen und macht Wally zum Flash. Warum und wie genau, wird in den ersten sechs Ausgaben nur angedeutet. Offenbar diente Wally als Versuchskaninchen in einem Experiment. Irgendwie ging das schief, Barry starb (ein Wink Richtung Crisis) und seitdem jagt ein orientierungsloser Wally durch die Wüste und versucht, seine Kräfte zu verstehen und zu kontrollieren. Währenddessen lässt Vater Rudy nach dem Sohn suchen – und zwar mit den Rogues, Militär-Varianten von Captain Cold, Captain Boomerang, Trickster und Golden Glider.
Grodd und Heat Wave
Im Grunde besteht der ganze erste Teil aus dieser Flucht und Suche. Zwischendurch jagt man den telepathischen Affen Grodd auf Wally, der sich hier als grünes Äffchen erweist und sich schnell mit Wally anfreundet, nachdem sie sich telepathisch annähern und Parallelen in ihren tragischen Vorgeschichten erkennen. Später kämpfen sie gemeinsam gegen einen monströsen Heat Wave.
Ansonsten wird die eigentlich linear ziemlich simple Story dadurch aufgebrochen, dass Lemire ständig in der Zeit springt und nur andeutet, was bisher geschah. So versucht er, die Spannung auch dadurch zu steigern, dass er Informationen nur häppchenweise nachliefert, in denen eine Verschwörung großen Ausmaßen deutlich wird. Neben Rückblenden gibt es auch immer wieder Vorausdeutungen, wie etwa auf den Mirror Master in Jahr später und auch auf Flashs Zukunft, der in zwei Welten zum Helden und zum Monster wird. Lemire hat eine Vorliebe für dieses Motiv – hier wird es sehr strapaziert.
Zu wenig geboten, um mitzufiebern
Die Zeichnungen von Nick Robles sind meist klar, werden aber durch absichtlich verwirrende, fast schon psychedelisch anmutende abstrakte Kompositionen aufgebrochen, wenn Wally seine Kräfte einsetzt. Dann wird der Comic zu einer bunten Herausforderung in Gelb- und Rottönen. Die Zeichnungen von A.L. Kaplan haben leichte Manga-Anleihen, lassen es aber an Ausdruck vermissen.
Ich bin nicht vertraut genug mit Flash-Comics, um einschätzen zu können, inwiefern diese Absolute-Version etwas Neues darstellt. Immerhin wirkt der Origin – wenn auch nicht ganz erklärt – glaubwürdiger als der Freak Accident, dass irgendwo zweimal der Blitz einschlägt und dank eines zufälligen Chemiecocktails jemand dieselben Kräfte bekommt.
Doch vielleicht bietet Lemire auch zu wenig Informationen und Entwicklung, um seine Leser ganz mitzunehmen. Wally bleibt zu zweidimensional, die Handlung ist vollgestopft mit Charakteren und schreitet einerseits zu schnell voran, andererseits passiert nicht genug, um dranzubleiben. Ich brenne nach dem ersten Band nicht unbedingt darauf, den zweiten zu lesen. Vielleicht ist dieser Flash etwas für die Geduldigeren.
