Da ist sie: die erste offizielle deutsche Superman-Story! Gezeichnet von keinem Geringeren als Flix, dem Meister, dem wir „Held“ zu verdanken haben (neben Spirou in Berlin, Das Humboldt-Tier, Faust und Don Quijotte etc.). „Man of K-Rupp-Stahl“ spielt auf die Nazi-Idee vom Übermenschen an, auf die Superman eine (jüdische) Antwort darstellt sowie auf das Hitler-Zitat „Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“. Die Story spielt 1948 im besiegten Deutschland, wo der Industrielle Rupp mit einer Kryptonit einen Stahl herstellen will, der härter ist als Superman.
Die Weltpresse wird nach Berlin ins Olympiastadion geladen, Clark Kent und Lois Lane fliegen mit Jimmy hin. Superman wird herausgefordert, doch als er sich nicht zeigt, wird Lois Lane aus dem Publikum herausgegriffen und in den K-Rupp-Stahl-Käfig gesteckt. Der Held rettet sie, wird aber Kryptonit ausgesetzt und geschwächt. Lois rettet ihn und entlarvt Lex Luthor als Strippenzieher.
Diese nette kleine Zehn-Seiten-Geschichte ist Teil der Anthologie Superman: The World, in der – nach dem Vorbild von Batman: The World und Joker: The World – Autoren und Zeichner aus aller Welt ihre Sicht auf den Überhelden zeigen. Wir beginnen mit Dan Jurgens und Lee Weeks in den USA, dann lässt Jorge Jimenez Superman ohne Kräfte durch Granada in Spanien laufen, was überaus zu charmanten Szenen führt, Marco Nucci und Fabio Celoni versetzen ihn von Florenz nach Dantes Inferno, also in die Hölle, was extrem bunt und überbordend ausfällt.
Sightseeing und Götter
Oft geht es in den Kurzgeschichten um Sightseeing, was mit der Handlung nicht viel zu tun hat, aber die Tourismusbehörden freuen dürfte – wie etwa in Serbien, wo Superman gegen Lobo kämpft, dann werden auch plumpe Klischees bedient wie Paris als Stadt der Liebe, um dann von einem menschenfressenden King Shark ruiniert zu werden und zu einer weiteren stumpfen Prügelei ausartet. Superman wirkt meist routiniert und unterfordert.
Mehrere Male trifft Superman auf Götter oder andere übernatürliche Wesen, wie etwa in der Türkei (Sol Invictus), Kamerun und Mexiko, in Polen auf die Wintergestalt Marzanna, was aber oft relativ banal bleibt. In Argentinien gibt es eine Begegnung mit Swamp Thing. Am Rande geht es auch um Kolonialismus: In Indien hält der Held Tempelplünderer auf, in Brasilien trifft er auf einen Schamanen, dem ein roter Umhang Zauberkräfte verleiht, was Superman Anlass zum Nachdenken über sich selbst bringt.
Superman gegen Zynismus
Wie es besser geht, zeigt der tschechische Beitrag. Dieser ist ist, obwohl er in ferner Zukunft auf einer tschechischen Raumstation spielt, extrem kritisch mit dem Tschechien der Gegenwart, wo Überheblichkeit, Fremdenfeindlichkeit und Bürokratie herrschen und vor denen nicht mal Superman sicher ist. Am Ende steht das klare Plädoyer für alle Pessimisten: Zynismus ist keine Alternative. Nirgendwo. Diese Botschaft ist heute wieder sehr nötig.
Superman: The World ist, wie für eine Anthologie üblich, eine bunte Tüte, auch in grafischer Hinsicht. Bekannte Künstler wie Lee Weeks und Stevan Subic (The Riddler: Year One, Batman: Full Moon) wechseln sich ab mit weniger bekannten, aber durchaus fähigen (Sid Kotian und Ethem Onur Bilgic), andere sind sehr cartoonhaft (wie der mexikanische Beitrag) oder zu glatt und bieder (wie der kamerunische), während der brasilianische mit seiner sperrigen Wimmelästhetik zwar einzigartig, aber gewöhnungsbedürftig bleibt.
Für jeden Geschmack dürfte hier etwas dabei sein. Allerdings sind es meiner Meinung nach mehr schwache als starke Storys.
Bilanz: Fünf von vierzehn roten Capes.

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Flix? Großartig! Danke für den Hinweis!
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