Der Superman aus dem Dschungel

Cover von Mike Mignola (DC Comics)

Titel: The Feral Man of Steel

Autor/Zeichner: Darren Vincenzo/Frank Fosco

Erschienen: 1994 (Superman Annual #6)


Superman trifft Dschungelbuch – kann das gutgehen? Zunächst liegt das gar nicht mal so fern: Mogli wie Kal-El sind zunächst Waisen- bzw. Findelkinder. Hier landet die Rakete von Krypton in Indien, das Kind wird von Wölfen aufgezogen, es bekommt den Namen „K’l’l“ (was in der Wolfssprache weiße Haut bedeutet), entdeckt seine übermenschlichen und -tierischen Kräfte. Dann wird seine Mutter von Menschen erschossen und K’l’l will sich rächen. Vorher tötet er noch den Tiger Khan im Kampf, legt sich sein Fell um und verpasst sich eine Superman-Armbinde, nachdem er das Abzeichen in seiner Rakete findet.

Eine Expedition zieht los, um den wilden „Jungle Man“ zu fangen, der Kugeln abprallen und Waffen schmelzen lässt. Dabei ist auch Lois Lane, dann schließt sich auch Lex Luthor an, der einen mysteriösen grünen Stein dabei hat …

Kolonialismus und Imperialismus

Den Rest kann man sich denken: Superman stürmt mit den Tieren das Lager, die Schöne zähmt das Biest, lehrt ihn Englisch, sie verliert ihre Scham vor ihm, als sie nackt vor ihm badet. Lex wird eifersüchtig, wird von ihr abgewiesen und mit Hilfe des grünen Steins überwältigt er Superman und bringt ihn nach London, wo dieser dann bei einer Theateraufführung die Königin ermorden soll.

Im Grunde geht das Konzept auf, die Elemente von Rudyard Kiplings Dschungelbuch fügen sich in die des Superman-Mythos gut ein, die Erzählung schreitet zügig voran, ohne Durchhänger. Leider aber überzeugen die Zeichnungen nicht ganz. Es gibt einige starke Panels, besonders in den dramatischen Sequenzen am Ende, doch Frank Fosco versagt leider oft bei Tieren, sie wirken steif und unbeholfen, ebenso wie einige Nebenfiguren, auch mit Lois Lane tut er sich schwer. Frauen zu zeichnen, ist eine Kunst für sich, die auch Profis nicht alle beherrschen.

Allein das Ende hinterlässt einen seltsamen kolonialistischen Nachgeschmack: Dank des geadelten Helden Superman (Sir Clark of Kent) beherrscht Großbritannien ein Drittel der Welt und voraussichtlich niemals verschwinden wird. Kuruzum: Ein Hoch auf den Imperalismus – höchst fragwürdig. Zum Schluss heißt es dann noch wie zur Rechtfertigung, dass Superman und seine drei superbegabten Kinder der westlichen Zivilisation eine neue Renaissance bescheren, und Architektur, Menschenrechte und Umweltschutz inspirieren. Hoffentlich sind damit auch die Rechte der kolonisierten Völker gemeint. Aber um diesen Fragen nachzugehen, dafür bleibt hier leider keine Gelegenheit.

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