Im Jahr 1997 hatte Dan Jurgens die Idee, das DC-Universum komplett neu zu erfinden. Nur die Namen der bekannten Helden sollten gleich bleiben, der Rest sollte total anders sein. Also wie Elseworlds? Nein, eben nicht, sondern Tangent Comics. Na ja, am Ende ist es doch eine Art Parallelwelt geworden.
In dieser Welt hat The Atom die Kubakrise zur nuklearen Katastrophe eskalieren lassen: Kuba und Florida existieren nicht mehr, dafür wurde aus Atlanta die utopische Stadt „New Atlantis“. Superman ist ein normaler Mann, der von der Organisation Nightwing zum nächsten Schritt in der Evolution des Menschen gemacht wurde. Wonder Woman ist ein Alien, Green Lantern ist eine Frau, die Tote heraufbeschwören kann, Flash eine Frau, die sich in Licht verwandeln kann etc.
Batman (erschienen 1998) ist nichts als eine hohle Rüstung, die gesteuert wird von einem uralten Ritter, der bei König Arthur in Ungnade gefallen ist und dafür verdammt wurde. Er darf seine Burg nie mehr verlassen und sehnt sich nach seiner alten Liebe, während er als „Dunkler Ritter“ oder besser gesagt als rote Ritterrüstung das Verbrechen bekämpft.
Leider wird das Ganze in schlappen 23 Seiten abgehandelt, was gerade mal reicht, um den Charakter einzuführen, viel bleibt da nicht für eine packende Story, die ist in ein größeres Ganzes eingebettet, das sich durch alle One-Shots zieht. Ganz innovativ ist die Idee nicht: Im selben Jahr erschien ein Elseworlds-Zweiteiler über einen mittelalterlichen Dark Knight of the Round Table, bereits im Jahr zuvor Dark Knight Dynasty, was ebenfalls zum Teil im Mittelalter spielt.
Wir sehen Batman wieder in dem JLA-Tangent-Heft. Diese Truppe besteht aus Human Target, The Question, Vigilante sowie Johnny Double und bekämpft Superhelden. Nach einem kurzen Kampf bilden die (Superman, Batman, Wonder Woman, Atom) ihr eigenes Team. Na und? Leider nichts. Das war’s, damit endet die Reihe.
Joker wird zur Frau
Viel mehr Raum, nämlich zwei Ausgaben mit insgesamt über 60 Seiten, bekommt der Joker, oder besser gesagt: die Joker, denn auch sie ist eine junge Frau. Damit sie nicht zu sehr an Harley Quinn erinnert (was sie natürlich doch tut), wurde sie zu einer anarchistischen Spaßmacherin modelliert, die Ordnungshüter veralbert. Allerdings findet nur sie das lustig. Joker ist die Nachfahrin von Überlebenden der Atomexplosion, doch Tiefgang lässt die Story vermissen.
Das wird auch in der Fortsetzung „The Joker’s Wild“ nicht besser. Da gibt es sogar drei von der Sorte, jede in einem schrilleren Kostüm. Zuerst schlägt sie sich allein mit einem OMAC-Polizeiroboter rum, dann mit drei zweitrangigen Mitgliedern der JLA. Sinnlose Action und schlechte Flachwitze in quietschbunten Bildern.
Man fragt sich: Wozu erschafft man so aufwendig eine Welt, wenn man damit nichts anfängt? Das dachte man sich bei DC wohl auch, doch erst zehn Jahre später bekam das Tangent-Universum eine ordentliche Geschichte: im Zwölfteiler Tangent: Superman’s Reign. Die One-Shots aus den 90ern wurden in drei Paperbacks gesammelt und sind auch einzeln digital verfügbar.

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