Poison Ivy erntet Kinder

DC Comics

Titel: Poison Ivy: Cycle of Life and Death (dt. Kreislauf von Leben und Tod)

Autorin/Zeichner: Amy Chu/Clay Mann

Erschienen: 2016 (Miniserie #1-6), Paperback 2016; dt. Panini 2016


Ich weiß nicht, wie und warum, aber Pamela Isley hat eine zweite Chance bekommen. Nun arbeitet sie im Botanischen Garten von Gotham und erforscht, wie Pflanzenzellen mit menschlichen kombiniert werden können. Ihre Rolle als Poison Ivy hat sie hinter sich gelassen und seltsamerweise scheint niemand von ihrer Vorgeschichte als Verbrecherin zu wissen. Pamela hat aber nicht unbedingt das Gemeinwohl im Sinne, sondern ihr eigenes: Sie will eigene Kinder zeugen, aber ohne Mann. Als Pflanzen-Mensch-Hybride. Das gelingt auch sofort. Sie erntet sie einfach aus einer riesigen Pflanze und dann wachsen sie innerhalb von Monaten zu Erwachsenen heran. Leider sterben währenddessen Kollegen in ihrem Labor – vergiftet, aber Pamela ist diesmal unschuldig.

Was wie ein typischer Krimi anfängt, wird schnell wieder fallengelassen. Ivy findet heraus, dass neben ihrer Forschung ein anderes, geheimes Labor besteht, in dem jemand Experimente mit „sporelings“, also Mensch-Pflanzen-Hybriden durchführt und eine Reihe von Fehlschlägen produziert. Pamela vernichtet das Labor vor lauter Wut. Wer hinter den Versuchen steckt, klärt sich von selbst, als der Schurke über ihre Kinder herfällt.

DC Comics

Cycle of Life and Death ist Ivys erstes großes Solo-Abenteuer, allerdings erinnert die Grundidee der Familiengründung natürlich stark an die Batman-TAS-Episode „House and Garden“. Zwischendurch tauchen ihre alten Gefährtinnen Harley Quinn und Catwoman auf, am Ende gibt es einen Deus-ex-machina-Gastauftritt von Swamp Thing (man ist ja durch „The Green“ miteinander verbunden und kann bei Bedarf einander um Hilfe „anrufen“).

Kinderwunsch steht über Ökologie

Clay Mann zeichnet wie gewohnt perfekte, elegante Frauenkörper und Gesichter, die einander zum Verwechseln ähneln. Die Farbgebung ist routiniert leuchtend bunt, mit viel Grün dazwischen. Ivy trägt (auch wenn es auf dem ersten Cover noch anders aussieht) wieder ein typisches Blätterkostüm, angereichert mit kleinen Arabesken auf den Gliedmaßen – und sie kann auch das Morden nicht lassen, was seltsamerweise ohne Konsequenzen bleibt.

Für Fans der Figur ist es sicher interessant, das alles zu lesen, aber der Charakter bekommt leider auch hier nicht mehr Tiefe als sonst, auch fehlen die typischen Umweltschutzaspekte, die in Zeiten der Klimakrise angemessener sind als je zuvor. Doch im Gegenteil: Gleich zu Beginn findet Pamela Isley in Angola eine seltene Pflanze, ein „lebendes Fossil“ (das übrigens falsch erklärt wird als ein Lebewesen, das sehr alt wird) und ihr fällt nichts Besseres ein, als sie auszubuddeln und nach Gotham zu nehmen – in ein fremdes Ökosystem -, um sie für ihre Zwecke auszubeuten. Im Mittelpunkt steht also nur eine Frau, die gegen alle Widerstände ihre private Agenda (Kinderkriegen) durchsetzt und sich über andere Mad Scientists empört, obwohl sie selbst eine ist.

Schade, man hätte in sechs Ausgaben eine interessantere Story erzählen können. In dem Swamp-Thing-Crossover liegt mehr Potenzial. Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal.

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2 Kommentare

  1. Ja, guter Punkt, treffende Kritik, ich hatte mir auch mehr erhofft, gleichzeitig würde die Geschichte eher positiv rezipiert meiner Wahrnehmung nach und die deutsche Panini Ausgabe ist vergriffen….

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  2. Hallo Lukas, vielen Dank für deinen Artikel.
    Endlich: „Poison Ivy: Cycle of Life and Death“! Den üblichen Kritiken im Internet traue ich nicht über den Weg und auch, wenn deine Rezension eher gemischt ausfällt und man evtl. ein wenig mehr in die Tiefe hätte gehen können was die Charactere betrifft, so freue ich mich doch darüber, dass Ivy’s erstes großes Solo Abenteuer ein klassisches ist, ohne Pflanzengöttinen Gedöns und Metamorphosen. Einfach Pamela und das auch noch in fast klassischem Gewand. Ein wahres Fest für die Augen und ein echter Leckerbissen für einen Nostalgiker wie mich. Die ganz großen Wandlungen laufen ja in Ivy’s aktueller Solo Serie und von dem, was ich bisher davon weiß, bin ich eher nicht so sehr begeistert bisher…
    Umso besser, dass ich mir „Cycle of Life and death“ soeben auf ebay geordert habe. Kann es kaum erwarten, bis ich es in den Fingern hab. Du machst mich noch arm, Lukas 😉

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