Autor/Zeichner: Scott Snyder/Nick Dragotta, Marcos Martin, Clay Mann
Erschienen: 2025 (Absolute Batman #7-14), Hardcover/Paperback 2026; dt. Panini 2026
Bruce Wayne trifft Matches Malone! Wie das? Hier sind es zwei verschiedene Personen. Matches ist ein alter Freund, er hat Informationen über das mysteriöse „Ark M“ gesammelt und soll Bruce Arbeitspapiere verschaffen, um ihn auf der Baustelle einzuschleusen. Doch kaum sehen sich die beiden wieder, blutet Matches aus allen Poren und stirbt vor Bruces Augen. Eine Namensliste von Forschern bringt Bruce auf die Spur von Victor Fries. Bruce gibt sich als Elektriker aus und spioniert in Fries‘ Firma V-Core. Als Detektiv muss er jedoch noch viel lernen: Der Kryogeniker durchschaut die Masche sofort und stellt sich als eiskaltes Monster heraus, Mister Freeze nimmt Bruce im Eistank gefangen …
Zwar kann sich der Held aus der Kalamität befreien und – ungeachtet der Geheimidentität – als Batman triumphieren, doch damit gehen die Probleme erst los. Denn bald darauf steigt er in den Untergrund, nach Ark M, einer geheimen Stadt unter Gotham, und wird mit Bane konfrontiert, der hier zu einem gigantischen Hulk mutiert.
Monströser Body Horror
Es geht hier sehr monströs zu. Scott Snyder lässt seiner Vorliebe zum Horror freien Lauf. Hier ist es vor allem Body Horror in seiner extremsten Art. Alles ist maximal ekelhaft. Nicht nur die Monster, von denen es viele gibt, auch wie sich Batman aus seinem zweiten Gefängnis befreit, ist höchst ekelerregend. Bruce Wayne wird selbst zum Versuchskaninchen, aufgeschnitten und mit Venom vollgepumpt und einige Male sehen wir ihn zumindest als Möglichkeit zum Bane-Hulk mutiert.
ACHTUNG: SPOILER!
Und ganz nebenbei entstehen noch anderen Schurken wie Clayface und Man-Bat, aus Waylon Jones wird ein gigantischer Killer Croc, später werden noch aus Bruces Freunden Harvey Dent, Ozzie und Edward Two-Face, Pinguin und Riddler. Das geht Schlag auf Schlag und für alles ist Bane verantwortlich, der wie schon in Knightfall Batman brechen will, indem er zunächst dessen Leben zur Hölle macht und hier erstmal Bruces Freunde bricht. Nur geht hier alles im Schnelldurchlauf. Das ist auch deswegen unbefriedigend, weil so keiner der klassischen Schurken einen eigenen Origin bekommt. Dabei kommt es doch gerade auf diese Mythen an.
Ein Comic wie auf Venom
Soll das der Batman für die 2020er sein? Der Batman für die Generation TikTok? Ein Batman für Eilige, in dem alles, was erzählt werden soll, möglichst schnell abgehakt wird wie auf einer Checkliste, weil man weder weiß, wie lange die Serie Bestand haben wird, noch Vertrauen hat in die Aufmerksamkeitsspanne bzw. Geduld der Leser?
Das ist auch ein Problem der meisten anderen Absolute-Serien: Alles ist von Beginn an da. Statt die Figuren in Ruhe nacheinander aufzubauen, gibt es auch bei Flash schon alle Gegner, die ein Team bilden, genauso wie sich bei Green Lantern schon alle Green Lanterns kennen. So bietet man eine Wundertüte voller Fanservice, in der alle etwas für sich finden können, aber das Einzelne und die Story bleiben auf der Strecke. Vor allem hat man nicht das Gefühl, als würde man einem neuen Universum beim Wachsen zusehen. Hier scheint alles auf Venom zu sein.
Und genauso wirkt auch dieser zweite Band von Batman zwar aufregend, aber dann doch wie der monströse Bane: viel zu vollgepackt, wie dedopt, als würde es fast platzen. Dazu passend werden auch viele winzige Panels auf die Seiten gequetscht. Man könnte auch alles auf doppelt so vielen Seiten in Ruhe erzählen, stattdessen aber hochkomprimiert. Damit ist Absolute Batman das Gegenstück zu den regulären Serien Batman und Detective Comics. Wird dort alles möglichst lange breitgewalzt, damit man viele Comics kauft, ist hier alles auf Tempo angelegt.
Harley Quinn als Red Hood
Als wären die genannten Charaktere nicht genug, gibt es noch eine Liebesbeziehung mit Selina Kyle alias Catwoman, ohne sie aufzubauen und dadurch für weitere Spannung zu sorgen, und Harley Quinn taucht auf als Anführerin der Red Hood Gang, einer Guerilla-Widerstandsgruppe – interessant, aber auch viel zu oberflächlich angerissen. Im Hintergrund zieht der unheimliche Joker als Mann in weiß, der niemals lacht, die Fäden. Um ihn soll es im dritten Band gehen.
Batman kämpft mal wieder wie ein Berserker: brutal und rücksichtslos. Und während er mit sadistischer Lust Stück für Stück Banes Rückgrat mit der Streitaxt zerfetzt, bringt er noch den alten Monty-Python-Witz aus Die Ritter der Kokosnuss. Die Methode wird auch noch verherrlicht: „He’s a genius at violence“, stellt Alfred anerkennend fest. Und auch wenn Batman sein Leben im Endkampf gegen Bane riskiert, verzichtet er auf die Droge – ein Idealist durch und durch. Er überlebt dafür nur durch ein Wunder und viel Glück.
Nick Dragotta zeichnet makellos und überwältigend, detailreich, dynamisch und stilistisch nah dran am Manga. Auch Marcos Martin und Clay Mann machen einen gewohnt guten Job als Aushilfskünstler. Ja, das sieht alles toll aus. Aber etwas mehr Bremse als Vollgas könnte hilfreich sein, um den Look besser genießen zu können.
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