Batman Beyond: Comic-Adaption eines Zeichentricks

Titel: Batman Beyond (Vol. 1)

Autor/Zeichner: Hilary S. Bader/Rick Burchett, Joe Staton

Erschienen: 1999 (Miniserie #1-6), Paperback 2024 (Compendium, zusammen mit Batman Beyond Vol. 2 #1-24)


Was unterscheidet einen Zeichentrick vom Comic? Klar: Der Zeichentrick „lebt“ durch Animation, der Comic ist statisch. Im Film sehen wir eine schnelle Abfolge vieler (gleich großer) Einzelbiler. Beim Comic sehen wir vergleichsweise wenige Bilder, die nebeneinander stehen, aber unterschiedlich groß sind – die Bewegung ist Illusion bzw. wir müssen sie beim Lesen selbst herbeiführen.

Immer wieder gibt es Comics, die Zeichentrickfilme oder Serien fast eins zu eins adaptieren – und dabei zeigt sich das Gefälle zwischen den beiden scheinbar ähnlichen, aber dann doch sehr unterschiedlichen Medien. Zu Beginn der Comicserie Batman Beyond hat man einfach in den ersten zwei Ausgaben die ersten zwei Episoden der Zeichentrickserie adaptiert („Rebirth„). Jeweils 22 Seiten pro 22 Minuten Sendezeit – das müsste in etwa hinhauen, doch tatsächlich klappt das nicht.

Das liegt zum einen daran, dass der Prolog mit dem gealterten Batman um drei Seiten erweitert wird. Zunächst wird erzählt, wie Batman seinen neuen schwarzen Kampfanzug entwickelt, bzw. auf die Idee kommt. Bei der Gelegenheit muss Batman erneut erklären, dass er keine Feuerwaffen mag – für alle Leser, die es noch nicht wissen. Erst dann setzt die Handlung ein, in der Batman einen Einsatz verpatzt und dann aus Verzweiflung zur Waffe greift und sich daraufhin zur Ruhe setzt: „Never again.“

Bruce Waynes letzter Einsatz als Batman. (DC Comics)

Doch auch wenn Batman im Comic die Waffe hinterher dramatisch wegwirft und „No!“ schreit, auch wenn das letzte Panel der Seite in Scherben zerbricht, wirkt die Sequenz abgehetzt und weniger dramatisch als die drei Minuten im Film. Wir bekommen weit weniger zu sehen, aufs Wesentliche reduziert, aber dann doch zu sehr beeilt. Die Höhepunkte bekommen nicht den nötigen Raum, sondern wirken in die Seiten gequetscht. So auch am Ende, wenn aus Derek Powers der Superschurke Blight wird.

Etrigan und Mumie

DC Comics

Die Story der ersten zwei Episoden hätte mindestens drei bis vier Comichefte verdient, um eine würdige Adaption zu bekommen. Stattdessen hat man aber die übrigen vier Hefte mit willkürlichen Episoden ohne Zusammenhang gefüllt, sodass sie nicht wie eine Miniserie wirken. In Ausgabe drei kehrt Blight zurück, in Ausgabe sechs die Formwandlerin Inque, aber in Heft vier kämpft Batman (ausgerechnet) mit Etrigan (der in der TV-Serie nie vorkommt) gegen einen bösen Dämon und im fünften Teil muss er eine wiederauferstandene Mumie davon abbringen, sich an Terrys Freundin ranzuschmeißen, weil sie zufällig seiner alten Liebe ähnelt. Abgesehen von der abgedroschenen Handlung (siehe Catwoman Annual #4) ist die Geschichte auch konfus erzählt.

DC Comics

Insgesamt wird hier nichts geboten, das die Figuren der Serie interessant weiterdenkt. Alles ist auf Action aus, was zwar nicht das Verkehrteste ist, aber eben auch sehr oberflächlich. Es fehlen die ruhigen Momente, die die Höhepunkte der Vorgängerserien wie Batman Adventures ausgemacht haben. Und so bleibt einem nur, sich mit den schönen Covern zu trösten, gezeichnet von Größen wie Bruce Timm, Darwyn Cooke und James Tucker. Ach ja, der Animated-Stil ist einfach schön anzuschauen, auch wenn nicht immer etwas von Wert erzählt wird.

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