Titel: Batwoman Vol. 1: Hydrology (dt. Hydrologie)
Autor/Zeichner: J.H. Williams III, W. Haden Blackman/J.H. Williams III
Erschienen: 2011 (Batwoman #0, 1-5), Paperback 2012, Omnibus 2021; dt Panini 2012
Batwoman war 1956 aus der Not heraus geboren. Batman und Robin mussten vom Verdacht befreit werden, schwul zu sein. Außerdem wurde Catwoman 1954 abgeschafft, eine neue, weniger zweitdeutige Frauenfigur musste her. Kathy Kane war so etwas wie eine Anstandsdame. Batman tat sich anfangs schwer mit ihr, sie tat sich schwer, sich zu behaupten. Zu einer echten Annäherung kam es nicht, eine gemeinsame Heirat mit Kindern wurde bloß in „Imaginary Stories“ ausgetragen. Und als man Batman 1964 ein Update verpasste, mit einem „neuen Look“ und zeitgemäßeren Geschichten, verschwand auch Batwoman, wurde verdrängt vom neuen Batgirl (Barbara Gordon), kehrte in den 70ern kurz zurück und wurde 1979 getötet (Detective Comics #485).
Doch als Batman 2009 ebenfalls scheinbar starb, wurde er nicht nur von Dick Grayson ersetzt, sondern auch von einer neuen Batwoman: Kate Kane, Bruce Waynes rothaariger Cousine, die sich zum Judentum und Homosexualität bekannte. Die neue Batwoman war die moderne Antwort auf die Figur auf die 50er-Jahre. Die Storyline Elegy (2009) baute sie zu einem Charakter aus und zeigte, dass sie funktionieren kann, auch dank der Zeichenkunst von J.H. Williams III (Promethea).
Zwei Jahre später, nach dem Reboot von The New 52, bekam Batwoman ihre erste eigene Serie, diesmal nicht nur gezeichnet, sondern auch geschrieben von J.H. Williams, unterstützt von Autor W. Haden Blackman.
Zunächst fragt sich Batman, was wir schon wissen, nämlich ob Batwoman wirklich Kate Kane ist. Wir sehen sie in Aktion und bekommen erneut ihre Vorgeschichte erzählt, nur damit Batman sich am Ende sicher sein kann: „Kate Kane is Batwoman.“ Nun, da er Bescheid weiß, wollen aber andere ebenfalls herausfinden, wer in dem schwarz-roten Kostüm steckt: Das Department of Extranormal Operations (D.E.O.) schickt Agentin Chase los, um Batwoman zu rekrutieren. Sie soll der Behörde gegen die Terrororganisation Medusa helfen. Batman macht ihr zuvor das Angebot, sich Batman Incorporated anzuschließen.
Batwoman hat aber zunächst damit zu tun, einen Geist zu fassen, der Kinder entführt und ertränkt. Außerdem bildet sie den Sidekick Flamebird aus und bandelt nebenbei noch mit Detective Sawyer an.
Schwächen in der Handlung, visuelle Stärken
Der Fall geht einem nicht wirklich nah, ist zu schnell gelöst und nur der Auftakt zu der Fortsetzung. Ein verfluchter Wassergeist ist eben selten ein guter Gegner. Aber das ist alles fast schon egal angesichts der Seitenlayouts, die einen immer wieder staunen lassen: mal sind die Panels klassisch rechteckig, mal gezackt, mal in Wellenform. Williams ist nicht nur ein Meister der Präzision und Dynamik, sondern auch der Stile, wechselt innerhalb einer Seite zwischen einer Ligne claire ohne Schatten zu einem Noir-Stil mit harten Schatten, dazwischen setzt er immer wieder Lavierung als Mittel ein, wodurch vor allem Batwoman plastisch wirkt. All das sorgt für viel Abwechslung.
Visuell ist hier also einiges los und bereitet dem Auge viel Freude. Die Schwächen der Handlung (warum geht Batwoman ins Wasser, obwohl sie weiß, dass es dumm ist?) sind verziehen, der Schwerpunkt liegt hier ohnehin in der Einführung der Figuren und einer späteren Mission. In dieser Hinsicht ist Hydrology gelungen und macht neugierig auf die kommenden drei Bände, an denen Williams beteiligt war. Leider zeichnet er aber nicht jede Ausgabe. Hoffentlich bleibt man trotzdem dran.

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