Wer ist eigentlich der Phantom Stranger? Die Figur ist ein Rätsel genau so wie ihr Ursprung, es gibt mehrere Versionen. Eine davon ist eine Variation des Ewigen Juden, eine andere macht ihn zu einem gefallenen Engel usw. Doch als der Stranger zum ersten Mal erschien (im Jahr 1952 in der gleichnamigen Anthologie-Serie), hatte er noch keine übernatürlichen Kräfte, sondern überführte andere, die behaupteten, welche zu haben, als Betrüger. Erst 1969, in seiner zweiten Serie, wird aus ihm eine Art Zauberer.
Batman trifft ihn bald darauf zum ersten Mal in der Team-up-Serie The Brave and the Bold – und darin insgesamt dreimal.
Arise, Ye Ghosts of Gotham (The Brave and the Bold #89, 1970)
In Gotham ziehen eines Tages Leute ein, die Kleidung im Stil des 19. Jahrhunderts tragen und Planwagen von Ochsen ziehen lassen. Es sind „Hellerites“, Angehörige einer Sekte, die sich nach ihrem Propheten Josiah Heller benannt hat. Einst wurden sie als religiöse Minderheit verfolgt und aus Gotham vertrieben, nun kehren sie aus dem Wüstenexil unter der Leitung eines Nachfahren von Heller in ihre alte Heimat zurück, um Reparationen zu verlangen – ihr altes Land. (Wenn euch diese Geschichte bekannt vorkommt, ist es sicher kein Zufall.)
Die Angelegenheit spaltet die Bürger von Gotham: Die einen sind dafür, die anderen dagegen, auf der Straße wird nicht nur demonstriert, sondern auch geprügelt. Wer hätte gedacht, dass eine kleine Gruppe Fremder so starke Emotionen weckt? (Auch hier sind Parallelen zur Realität sicher nicht zufällig.) Doch Bruce Wayne hat eine Lösung: Er schenkt den Helleriten das Gebäude der Wayne Foundation sowie das Grundstück gegenüber. Doch das reicht Heller nicht, er will mehr und warnt die anderen Bürger.
Dann erscheint der Phantom Stranger bei Heller und warnt ihn: Dieser habe eine große Gefahr auf Gotham losgelassen. Kurz darauf tauchen die Geister der Helleriten-Vorfahren auf. Dann wird der Phantom Stranger von einem selbsternannten „Ghost Breaker“ namens Terence Thirteen ausgeknockt und eingesperrt, mit dem Vorwurf, der Stranger sei ein Betrüger. (Eine Anspielung auf die erste Inkarnation des Strangers aus den 50ern.) Und dann ist auch noch Dick Grayson von Hellers Geist besessen, denn es gibt zwei: Der heutige Josiah hat unbewusst seinen Vorfahren heraufbeschworen. Batman muss gegen einen zaubernden bösen Dick kämpfen, der Feuer aus dem Boden schießen lässt – was aber mit ein bisschen Wasser und dem obligatorischen Schlag ins Gesicht erledigt ist.
Und während die Geister untereinander ihre Zauberstrahlen verschießen, wird klar, dass der lebende Heller nur ein gewisser Karl Loftus ist, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und seit seiner Flucht unter Wahnvorstellungen leidet. Sobald Loftus wieder zu sich findet, verschwinden die Geister, die er rief, und die übrigen Helleriten verziehen sich wieder in die Wüste, weil sie Gotham doch nicht mehr so schön zum Leben finden. Auch von Reparationen wollen sie nichts mehr wissen. Gotham habe seine Lektion gelernt, findet Batman. Doch welche soll das sein? Dass sich zum Glück manche Probleme ganz von alleine lösen, wenn man sie nur lange genug aussitzt?
Mansion of the Misbegotten (The Brave and the Bold #98, 1971)
Im zweiten Abenteuer mit dem Stranger, nicht mal ein Jahr später, besucht Batman seinen Freund Roger Birnam, von dem wir noch nie gehört haben und der offenbar auch nicht so ein enger Freund sein kann, weil Batman vor ihm seine Maske nicht auszieht. Dabei ist er sogar der Patenonkel seines Sohnes Enoch. Doch Roger liegt im Sterben, Batman muss ihm versprechen, auf seine Frau und sein Kind achtzugeben. Versprochen – kurz darauf ist Roger tot.
Bald schon passieren seltsame Dinge: Ein Gast von der Trauerfeier stirbt bei einem Ritualmord, im Haus der Birnams taucht ein Geist auf, dann sieht Batman, wie dort eine Gesellschaft den kleinen Enoch auf einem Teufelsthron verehrt. Batman wird ausgeknockt und dann noch im Schlaf von Enoch gequält. (Und das noch Jahre vor dem Film Das Omen! Aber dafür lässt Rosemarys Baby grüßen.)
Der Phantom Stranger befreit ihm vom Fluch und erklärt Batman, dass dieser sich das alles nicht eingebildet habe: Enoch und seine Mutter sind des Teufels! Trotz der Warnung wird Batman bald wieder ausgeknockt und soll geopfert werden, da taucht Lucifer höchstselbst auf und reklamiert das Menschenopfer für sich – doch es ist nur der Phantom Stranger.
Batman entführt den kleinen Satansbraten und stellt fest, dass dieser ein ganz normales Kind zu sein scheint. Und tatsächlich: Es gibt zwei von der Sorte. Ein Zwilling ist gut, der andere böse. Tja, da hat Batman also ein unschuldiges Kind traumatisiert – Pech gehabt, man kann nicht immer Recht haben. Also will er sich diesmal den richtigen Satansbraten schnappen. Die Mutter flieht mit dem Jungen in ihrem Haus nach oben, sieht den Geist ihres Gatten, erschreckt sich und stürzt mit dem Sohn die Treppe hinab – beide sind sofort tot. Da konnte auch der Stranger nicht rechtzeitig eingreifen. Erste Hilfe? Lohnt nicht.
Doch plötzlich gibt es für die Geistererscheinung eine rationale Erklärung: Das Porträt von Roger Birnam wirkte im Mondlicht geisterhaft und die eigenen Schuldgefühle ließen seine Frau erschaudern. Damit hat Roger also seinen Tod selbst gerächt. Also hätte es die beiden Helden eigentlich nicht gebraucht. Außer Batman, der verspricht dem überlebenden Jungen (den er durch Entführung und den Tod seiner Familie doppelt traumatisiert hat), immer auf ihn aufzupassen. An der Stelle des Jungen wäre ich auch skeptisch …
A Choice of Dooms (The Brave and the Bold #145, 1978)
Beim dritten Mal jagt Batman einen Diamantenschmuggler namens Lustig. Als dieser auf den Helden schießt, greift der Phantom Stranger aus dem Nichts als Retter in der Not ein. Dann stellt sich heraus: Der Gauner wurde gelinkt und dann will er gegen seinen ehemaligen Boss Kaluu aussagen, Batman soll ihn beschützen, doch vor Gericht versagt Lustig plötzlich die Stimme.
Kaluu hat den Mann nämlich mit einer Voodoo-Puppe manipuliert. Batman will sich die Puppe schnappen, wird dann aber beim Einbruch erwischt und überlegt es sich anders: Nein, es soll alles nach den Regeln laufen. (Warum dann der Einbruch und versuchte Diebstahl?) Allerdings glaubt Batman nicht an Hokuspokus, sondern denkt, es sei bloß Suggestion, die Lustig beeinflusst. Batman versucht, den „Bann“ zu brechen, indem er Lustig noch mehr Angst einflößt, doch damit macht er alles nur noch schlimmer. Erst der Stranger bringt ihn auf den richtigen Pfad: Batman sollte lieber das Vertrauen zurückgewinnen, dass der Mann in ihn hatte. Am Ende schafft er es, indem er Lustig mit einer falschen Puppe täuscht.
Aus irgendeinem Grund muss Batman dann Kaluu selbst einbuchten – als könnte das die Polizei nicht machen, aber irgendwie muss man ja noch drei Seiten füllen und wir hatten noch keine Prügelei mit einem würdigen Gegner. Also schickt Kaluu seinen manipulierten Schläger vor und der Stranger muss Batman (schon wieder) aus der Patsche helfen. Im Grunde tut er nichts, außer zu erscheinen. Kaluu holt eine Stranger-Voodoo-Puppe hervor (in der ein Haar des Geistes steckt), doch als er hineinsticht, bricht er selbst tot zusammen. Warum? Wegen der „Macht der Wahrheit“. – Keine weiteren Fragen …

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