Titel: Lucky Day/Never an Option/Choices
Autor/Zeichner: Ty Templeton, Scott Peterson/Rick Burchett, Tim Levins
Erschienen: 1998, 1999, 2022 (Gotham Adventures #2, 12, 44)
Two-Face hatte in The Animated Series einige sehr dramatische Auftritte, angefangen bei seinem Origin bis hin zu Tim Drake und seiner Rolle als Judge (Richter). In der zweiten Ausgabe von Gotham Adventures tauchte er passenderweise wieder auf. Schauen wir uns zunächst mal das Cover an, denn allein das ist ein Blickfang. Ungewöhnlicher-, aber konsequenterweise ist es schwarzweiß. Es gibt keinen Batman oder ein anderes Mitglied der Bat-Family zu sehen, stattdessen nur Two-Face, sein Gesicht nur angedeutet, im Schatten, im Vordergrund seine riesige Hand, die eine noch riesiger erscheinende Münze wirft, im Hintergrund eine Reihe von Lichtern, die Showbiz ankündigt. Dramatischer geht’s nicht – ein perfektes Cover!
Auf der ersten Seite sieht man klein die andere, versehrte Hand eine Münze werfen, diesmal mit Jin-Jang-Symbol. Das große Bild bringt uns in die Story: Bei der Game-Show Lucky Day tritt ein älterer Mann namens Lester auf, es geht um über zwei Millionen Dollar. Dann taucht Two-Face aus dem Publikum auf und kündigt nicht nur an, das Geld rauben zu wollen, sondern auch Lester bloßzustellen, denn dieser ist sein Vater – mit ihm hat er eine Rechnung offen.
Von ihm hat er nicht nur die Münze (gestohlen), er hat ihm auch eine schwere Jugend zu verdanken: Lester war spielsüchtig, hat Harvey und die Mutter geschlagen, schließlich die Familie verlassen, als Harvey 13 Jahre alt war (vgl. auch Batman Annual #14, 1990). Bevor es Prügel gab, warf der Vater eine Münze. Damit habe er dem Sohn nur eine Lektion verpassen wollen, rechtfertigt sich dieser. Nun ist es Harvey, der eine Münze wirft. Es geht nicht gut für Lester aus – doch da kommen auch schon Batman und Batgirl dazwischen. Zum Glück ist die Show live und keine Aufzeichnung …
Am Ende jagt Two-Face die Kohle in die Luft, nur wenig bleibt noch als Gewinn übrig, aber das kassiert die Polizei als Beweismittel ein. Gegen Two-Face wenden sich die eigenen Handlanger, als sie sich von ihm gelinkt sehen.
Two-Face als Held wider Willen
Zehn Ausgaben später wird Two-Face zum Helden. Er ist mit einer gezinkten Münze abgehauen, die ihm seine Psychiaterin untergejubelt hat und die immer nur auf die unbeschädigte Seite fällt. Dadurch begeht der Gespaltene eine Reihe von guter Taten. Am Flughafen hält er ein paar Ganoven auf, im Museum ein paar Einbrecher.
Trotzdem ist er immer noch bereit, Batman umzubringen, als er die Gelegenheit dazu hat. Schließlich muss in Batman davon abhalten, sich außer Landes schmuggeln zu lassen. Doch selbst als Harvey weiß, dass die Münze Fake ist, hält er an ihrem Urteil fest. Denn auch der Austausch war ein Wink des Schicksals.
Das Motiv gehört von Anfang an zu der Figur. Schon bei seinem ersten Auftritt (Detective Comics #66, 68, 1942) beging er mal Verbrechen und mal Wohltaten, je nachdem wie die Münze fiel. Hier aber bekommt Two-Face wieder eine fatalistischere Note. Er ist bereit, für seinen Wahn zu sterben – auch wenn das gar nicht nötig ist. Gutes Tun heißt für ihn: Batman leben zu lassen und sich selbst aufzugeben.
Schwierige Entscheidungen
In der dritten Story spielt Two-Face als Charakter kaum eine Rolle. Er dient nur als Katalysator für eine Reihe schwieriger Entscheidungen, die Batman treffen muss. Im Vordergrund steht seine Beziehung zum Rest der Bat-Family. Am Anfang sehen wir Two-Face mit einem Taser vor Nightwing und einem Baby stehen. Nightwing muss sich entscheiden: Wenn er das Baby rettet, bekommt er einen Stromschlag. Er tut es, wird getasert, verliert es, Robin fängt es zum Glück auf und übergibt es der Mutter.
Daraufhin muss sich Robin entscheiden, was er tun soll. Batman eilt herbei und befiehlt: Robin soll Nightwing wiederbeleben, während er Two-Face jagt. Und so geht es weiter in einem perversen Spiel: Der Schurke konfrontiert Batman aufs Neue, er muss sich zwischen zwei Menschenleben entscheiden – er entscheidet sich für beide. Beim nächsten Mal stehen noch mehr Leben auf dem Spiel.
Während er sich ins Getümmel stürzt, ruft er den Rest der Bat-Family herbei. Nightwing sollte sich schonen, aber er kommt trotzdem mit. Robin erzählt ihm, dass Batman eben einfach davongeeilt ist, ohne nach seinem Wohl zu schauen. Nightwing rechtfertigt ihn: Batman habe Robin vertraut und wollte mehr Menschenleben rettet.
Doch während er weiter ausführt, warum all die Leben der Menschen wertvoll und solche Entscheidungen immer schwierig sind und Batman weiß, was er tut, wirkt er angestrengter und wütender dabei. Two-Face weiß das. Als er am Ende wieder in Arkham sitzt, sagt er zum gar nicht glücklich wirkenden Batman: „I’m (…) sure he won’t hate you forever for leaving him there in the street to die. I’m sure he will understand about the greater good and the choice you hat to make and all that. My question is … will you ever really?“
Damit wird klar: Two-Face hat sein Ziel erreicht. Er hat das Verhältnis zwischen Bruce und Dick gespalten. Und während wir ebenfalls mit einem bitteren Nachgeschmack zurückgelassen werden, ist nur eins gewiss: Diese Comicserie ist nur scheinbar für Kinder gemacht.

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