Autor/Zeichner: Guillem March, Christopher Cantwell, Javier Rodríguez, KyleStarks u.a.
Erschienen: 2025 (Batman: The Brave and the Bold #1-3, #6-9), Paperback 2025
Batman verliert bei einem Sturz sein Gedächtnis. Er weiß nicht mehr, wer er ist. Er landet auf einer Feuertreppe und wird von einer alleinerziehenden Mutter aufgenommen und gepflegt. Ihre Tochter Aurora ist ein großer Batman-Fan und kann den Helden wieder daran erinnern, wer er früher mal gewesen ist. So muss er alles wieder von vorn lernen, merkt aber, dass seine Muskeln sehr wohl noch viele Fähigkeiten beherrschen. Außerdem bindet er sich an eine mögliche Ersatzfamilie.
Diese Story, die an „How to Be the Batman“ (Detective Comics #190, 1952) erinnert, ist ausgesprochen stark erzählt, sowohl auf der Text- wie auch auf der Bildebene. Zeichner Guillem March (The Joker) erweist sich als fähiger Autor, der mit einer spannenden Story und einfühlsamer Charakterzeichnung über 60 Seiten unterhält – und überrascht. Denn natürlich ist nicht alles, wie es scheint. Hier erinnert die Geschichte an „Urban Legend“ (Legends of the Dark Knight #168). Und trotzdem wirkt nichts abgekupfert, sondern so frisch wie man es in den letzten Jahren selten bei Batman liest.
Superman und die kollektive Erinnerung
Die Neuauflage von The Brave and the Bold ist, genauso wie sein Vorbild von 1955, eine Anthologieserie, in der – trotz des vorgesetzten „Batman“ verschiedene Charaktere abgeschlossene Geschichten bekommen. Nach dem ersten Sammelband, der ganz der Joker-Story The Winning Card gewidmet war, gibt es in diesem zweiten Band auch Auftritte weiterer Helden.
Ums Gedächtnis geht es auch bei Superman. Er folgt einem Notruf vom „Order of the Black Lamp“, der aus einer fiktionalen Abenteuer-TV-Serie seiner Jugend stammt. Die Reise zu einer abgelegenen Berggegend wird zum Nostalgietrip, bei dem aus Fiktion Realität wird. Superman trifft einen Schurken, der die Menschen ihrer kollektiven Erinnerungen berauben will. Denn derjenige, der die Erinnerung beherrscht, kontrolliert die Wirklichkeit (jedenfalls der Menschen). In Zeiten, in denen politische Anführer genau das versuchen, indem sie die Geschichte umschreiben, erhält diese Erzählung eine hohe Relevanz. Zeichner Javier Rodriguez erinnert mit seinem reduzierten, dynamischen Strich an den Animated-Stil und verleiht der pulpigen Story einen zeitlosen Charme. Verspielte Layouts tragen zum allgemeinen Lesevergnügen bei.
Batman und Baseball
Dann trifft Batman auf einen neuen Schurken, Mr. Baseball, der so heißt, weil er von diesem Sport besessen ist, gerne Baseballschläger als Waffe benutzt und sein Kopf mit einem Baseball-Muster vernarbt ist. Nun rächt er sich an den Leuten, die ihm das angetan haben. Batman versucht, das Morden zu stoppen. Flott gezeichnet ist die Kurzgeschichte von Otto Schmidt, aber die Handlung ist doch ziemlich simpel gestrickt und geschrieben sind die Dialoge mit jedem noch so platten Wortspiel, das der Baseball hergibt. Fast schon peinlich.
Um US-amerikanischen Sport geht es auch in der Story um Wild Dog, einer obskuren Figur, die 1987 ihren ersten Auftritt hatte und nun wiederbelebt wird. Es handelt sich um einen ehemaligen Football-Profi und Soldaten, der nun in seinem alten Football-Trikot der Red Dogs und einer Skimaske den Vigilanten spielt (auch wenn das Trikot Rückschlüsse auf seine Identität erlaubt). Hier muss er sich mit Urheberrechtsverletzung und einem neuen Schurken herumschlagen, einem kleinwüchsigen Tyrannen namens Gizmo. Das Ganze ist wunderbar präzise gezeichnet und hat einige witzige Momente, endet aber banal damit, dass der Held den Schurken und seine Handlanger in einem Stadion allein mit einem Baseballschläger fertig macht. Amerikanern dürfte das gefallen.
Das Ganze hat natürlich nichts mit Batman zu tun, genauso wenig wie die (schwächste) Story um die Agentin Emilia Harcourt, also brauchen wir uns mit all dem nicht lange aufzuhalten. Insgesamt also eine gemischte Tüte mit Höhepunkten und Schwächen. Die Hauptschwäche besteht darin, dass Batman auf dem Titel steht und man auch anderes bekommt, über die marginalsten Charaktere des DC-Universums. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Aber es ist nicht den vollen Heftpreis wert.
Wertung: drei von fünf Home Runs.
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„Die Neuauflage von The Brave and the Bold ist … “ – wohl eher „war“, denn mit Ausgabe #20 wurde die Serie im Februar ja auch schon wieder beendet. Das Konzept war aber auch wenig sinnig. Angesichts des Titels hätte man Geschichten aus dem Batman-Universum bzw. Team-Ups mit Figuren aus diesem Universum erwartet, aber nicht x-beliebige Geschichten irgendwelcher Charaktere, die weder generell noch in diesen Geschichten irgendwas mit Batman zu tun haben.
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