Absolute Green Lantern Vol. 1: Without Fear

DC Comics

Deutscher Titel: Absolute Green Lantern – Die schwarze Hand

Autor/Zeichner: Al Ewing/Jahnoy Lindsay

Erschienen: 2025 (Absolute Green Lantern #1-6), Hardcover/Paperback 2025; dt. Panini 2025


Wie bei Flash stellt sich bei Green Lantern die Frage, wer die absolute Inkarnation der Figur ist. Green Lanterns sind ja eigentlich ein Kollektiv, ein intergalaktisches Corps. Die Auswahl ist daher groß: Hal Jordan? John Stewart? Guy Gardner? Für das Absolute Universum hat man sich für alle drei entschieden. Sie alle spielen jedenfalls eine Rolle in der Geschichte. Doch als wahre grüne Laterne dient Sojourner „Jo“ Mullein, die schwarze queere Frau aus der Miniserie Far Sector.

Die Story weicht stark vom üblichen Schema der Ringübergabe durch einen Außerirdischen ab. Zunächst sehen wir einen von Furcht erregten Hal Jordan eine Landstraße durch die Wüste entlanglaufen. Ein Polizist hält ihn an, bittet ihn, die Hand aus der Tasche zu nehmen, sieht sich bedroht. Hal holt sie heraus und tötet den Polizisten, dass nur noch ein Loch im Asphalt übrig ist – anscheinend unabsichtlich.

Unter der grünen Kuppel

Denn Hal Jordan hat eine schwarze Hand mit bösen Zauberkräften. Wie das? Das erfahren wir in den Rückblenden: Fünf Tage zuvor erscheint in der Kleinstadt Evergreen aus dem Nichts ein großes grünes Kraftfeld in Form des Green-Lantern-Symbols. Betroffen sind auch die Gäste eines Diners, vor allem drei Freunde, unsere üblichen Verdächtigen: Hal Jordan ist kein Pilot, er verkauft Spielzeug übers Internet, John Stewart ist Architekt, Jo Mullein ist ehemalige Polizistin.

Ein vierarmiges Alien namens Abin Sur erscheint und sagt: Er komme von der grünen Laterne und die Menschen sollen sich nicht fürchten. Da er sonst aber ziemlich vage bleibt, jagt er den Menschen eine große Angst ein. Nachdem Polizist Guy Gardner auf ihn schießt, wird dieser scheinbar von Abin Sur getötet. Auch andere sterben. Bis John herausfindet, dass man mit goldfarbenen Dingen durch das Kraftfeld dringen kann …

Sonst sehen wir, wie fünf Tage später Jo mit ihren neuen grünen Kräften versucht, Hal zu helfen und seine dunklen Kräfte zu besiegen. Um das Problem zu lösen, reicht es am Ende banalerweise, sich bloß die Hände zu schütteln.

Was es mit all dem auf sich hat, wird erst in Kapitel sechs halbwegs erklärt: Es gibt verschiedene Stufen der Erleuchtung, schwarz, rot, grün und gelb. Und Abin Sur hat die Leute getestet, um sie zu Auserwählten zu machen für etwas, das kommt. Doch was das ist und was Abin Sur will, das bleibt leider offen.

Mythologie als großes Geheimnis

Autor Al Ewing fährt hier eine ähnliche Strategie wie Jeff Lemire bei Absolute Flash: Er hüllt seine neue Mythologie in ein großes Geheimnis und gibt es nur allmählich preis, oder genauer gesagt in einem Informationsschwall am Ende von Band eins. Doch was uns wirklich interessiert, bleibt auf der Strecke. Über die einzelnen Charaktere erfahren wir leider nicht viel. Die ständigen Zeitsprünge sollen über die Durststrecke des „Under-the-Dome“-Plots hinweghelfen.

Damit kränkelt dieser Band wie auch Absolute Flash an einer Überfülle an Figuren und Exposition. Statt sich Zeit zu lassen, um uns erst einmal für die Protagonisten und ihre Freundschaft zu erwärmen, werden wir in die Handlung geworfen und sind frustriert, dass da ein Alien erscheint, das unnötigerweise in Rätseln spricht und die Heldin nichts selbst herausfindet, sondern von John zumindest die Hälfte erklärt bekommt. Außerdem werden noch weitere Figuren wie Alan Scott und Kyle Rayner angedeutet. Ein Overkill, der wohl auch die alten Green-Lantern-Fans abholen soll, aber damit vergrault man eher die Leser, die sich nicht gut mit der Materie auskennen.

Manga-Zeichnungen und düstere Farben

Und dann sind da noch die Zeichnungen von Jahnoy Lindsay. Sehr stark angelehnt an Mangas – das ist Geschmackssache, mich überzeugt es oft nicht. Aber unverzeihlich ist die Kolorierung. Manche Panels sind so dunkel, dass man kaum etwas erkennen kann. Besonders ärgerlich bei dunkelhäutigen Figuren, die zuweilen gesichtslos erscheinen.

Ganz ohne Potenzial ist die Serie jedoch nicht. Besonders gelungen ist eine Sequenz, in der es um Ringe geht: Während der von der schwarzen Macht beherrschte Hal Jordan Jo dazu auffordert, den Ring abzunehmen, fühlt sie sich erinnert an ihre Scheidung, in der ihre Ex sie ebenfalls dazu aufgefordert hat – nur dass es um den Ehering ging. Höchst raffiniert! Leider sehen wir von solchen Szenen nicht viel.

Damit gehört Absolute Green Lantern neben Absolute Flash zu den schwächsten Beiträgen zu diesem neuen Universum. Wer sich für eine alternative Grüne Leuchte interessiert, ist mit Green Lantern: Earth One besser dran.

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