Talia

Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 1)

DC Comics

Titel: Tales of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Bob Brown, Neal Adams, Irv Novick

Erschienen: 1971-1972 (Detective Comics #411, Batman #232, 235, 240, 242, 243, 244), Paperback 1991


Die Geschichte von Ra’s al Ghul beginnt ungewöhnlich geheimnisvoll. In den ersten Auftritten erfährt man so gut wie nichts über die Herkunft, Fähigkeiten und die Motive des Schurken. Er bleibt ein mysteriöser Machtmensch – und seltsamerweise stellt Batman auffallend wenig Fragen, um das Rätsel zu klären.

Batman trifft zuerst dessen Tochter Talia, nachdem sie von Doctor Darrk, dem Anführer der League of Assassins, entführt worden ist (Detective Comics #411). Mit dieser tödlichen Geheimorganisation hatte es Batman bereits in Detective Comics #405-406 (1970) zu tun. Ein Hinweis führt ihn nach Asien, wo er gefangengenommen und mit Talia eingesperrt wird. Die Hintergründe bleiben vage. Sie erklärt ihm, dass Darrk irgendein Geschäft mit ihrem Vater hatte. Batman darf sie dann gegen einen Stier verteidigen. Doch als er Darrk der Polizei übergeben will, zückt der Schurke ein Messer, Talia schießt auf ihn und er fällt vor einen Zug.

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Erst in Batman #232 trifft Batman Ra’s al Ghul. Zuerst wird Robin von Unbekannten entführt, dann taucht plötzlich Ra’s in der Bathöhle mit seinem Diener Ubu auf, erklärt ihm, dass er Batmans wahre Identität herausgefunden habe und dass auch Talia entführt worden sei (schon wieder). Batman soll ihm helfen, sie wiederzufinden. Eine Spur führt sie nach Kalkutta. Batman muss gegen einen Leoparden kämpfen und sich beim Bergsteigen gegen Attentäter wehren.

Doch dann wird ihm klar: Die ganze Sache stinkt. Talia ist nicht entführt, Ra’s hat den Aufwand nur betrieben, um Batman zu testen. Er will Batman zu seinem Nachfolger und zum Schwiegersohn machen – Talia sei verliebt in ihn. Und im letzten Panel zeigt sie es ihm, indem sie ihn küsst. Batman schaut entsetzt. Aber mehr passiert nicht. Die Geschichte ist plötzlich zu Ende und erst drei Ausgaben später sehen wir Ra’s und Talia wieder, allerdings seltsamerweise ohne dass die ganze Nachfolge- und Heiratsthematik eine Rolle spielt.

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In Swamp Sinister (Batman #235) bekommt Bruce Wayne eine Leiche per Post zugeschickt, kurz darauf taucht Ra’s al Ghul auf und bittet mal wieder um Hilfe. Batman soll eine Chemikalie wiederfinden, die dazu benutzt werden kann, eine tödliche Seuche herzustellen. Diese hat ihm ein ehemaliger Mitarbeiter gestohlen. Wieder hilft ihm Talia und am Ende gibt es wieder ein Küsschen auf die Wange. Batman ist nicht besonders erfreut, denn Talia hat sich hier als mordlüstig erwiesen. Aber sie ist sich sicher, dass sich seine Meinung bald ändern werde.

In Vengeance for a Dead Man (Batman #240) beginnt die Story damit, dass Batman bei einer Ermittlung in einem Mordfall auf Talia trifft (wieder gibt’s einen Schmatzer). Der Leiter einer Forschungseinrichtung wurde ermordet und der Leiche wurde das Gehirn entfernt. Der Mörder ist schnell gefunden, aber als Talia ihm ein Wahrheitsserum verabreichen will, drückt sie ihm ein Amnesie-Mittel rein – aus Versehen, wie sie behauptet.

Batman glaubt ihr kein Wort. Er verfolgt sie, als sie mit dem U-Boot in ein Unterwasser-Versteck ihres Vaters. Ra’s al Ghul hat das Gehirn des Toten nicht nur konserviert, sondern auch zum Sprechen gebracht, weil es für ihn wertvolle Informationen über die US-Außenpolitik hat. Diese könnten ihm helfen, mit seiner Organisation eine bessere Welt zu schaffen, und dazu gehört, dass Batman Talia zur Frau nimmt.

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Erst jetzt sagt Batman Ra’s die Meinung: Er will nicht. „You’re mad … Insane with the need for power! I’ve never realized it until this moment!“ Manchmal hat auch der weltbeste Detektiv eine lange Leitung. Und offenbar hat Batman, der sonst so gründlich Nachforschungen anstellt, seine Hausaufgaben nicht gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass er abgelenkt war, in Gedanken bei Talia. Indirekt gesteht er ihr, dass er sie so liebt wie sie ihn. Aber Vater und Tochter schaffen es, abzuhauen noch bevor Batman etwas dagegen tun kann – und auch bevor das Gehirn Ra’s sagen kann, was er wissen will. Ist wohl doch nicht so wichtig, denn es geht später ja auch ohne.

Danach betreibt Batman einen immensen Aufwand, um Ra’s al Ghul zu finden. Zuerst inszeniert er Bruce Waynes Tod, dann nimmt er die Identität eines Gauners an, der auf der Flucht vor ihm von einem Querschläger getötet wird: Matches Malone. (Das Alter Ego soll ihm später noch viele gute Dienste bei Undercover-Ermittlungen erweisen.)

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Als Matches verhindert er, dass einer von al Ghuls Schergen, Lo Ling, einen Wissenschaftler entführt, Harris Blaine, weil er an „etwas“ arbeite, was ihm nützlich sei. Wieder bleibt dieses Etwas vage. Batman bittet Blaine, ihm dabei zu helfen, Ra’s al Ghul aufzuhalten. Alleine schaffe er es nicht, bisher sei es nur zum Unentschieden zwischen ihnen gekommen, aber er müsse besiegt werden, weil er besessen von weltweiter Macht sei und eine Diktatur des Verbrechens errichten wolle.

Hier könnte man stutzig werden: Was hat Batman eigentlich gegen Ra’s? Und was genau hat er gegen ihn in der Hand? Batman hat Ra’s vorgeworfen, unmenschlich gehandelt zu haben, indem er das Gehirn zum Sprechen brachte. Aber Ra’s wandte ein: „It it inhuman to prolong life in whatever form?“ Der Punkt geht klar an ihn: Er hat ein Bewusstsein vor dem Tod bewahrt. Das Ganze mag zwar geschmacklos erscheinen, aber getötet hat er bislang nicht. Angegriffen haben seine Leute nur Batman, aber das nur als Reaktion auf sein Eindringen. Und mehr als Andeutungen hat Ra’s über seine Pläne auch nicht gemacht. Worüber regt sich Batman eigentlich auf? Ist er noch nachtragend wegen Robins Entführung? Auch wenn sie prinzipiell justiziabel gewesen wäre, war die ganze Sache bisher ziemlich harmlos …

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Batmans Motiv bleibt also noch schleierhafte als das seines Gegners. Aber zunächst ist da die Sache mit dem Handlanger Ling. Batman rettet ihm das Leben, aber weil Ling jetzt bei zwei Herren in einer Lebensschuld steht und sich das nicht verträgt, entscheidet sich Lings Loyalität in einem Messerduell mit Batman. Gemeinsam mit Blaine fliegt er als Matches in die Schweiz, wo Ra’s untergetaucht ist. (Wieder Berge!) Ihnen schließt sich die Skifahrerin Molly Post an, die auch noch eine Rechnung mit dem Schurken offen hat.

Jeder der vier macht sich auf der Quest nützlich und als sie endlich zu Ra’s Versteck vordringen, ist ihr Gegner tot. Kurz darauf wird er in der Lazarus-Grube versenkt und wiederbelebt. Wahnsinnig verfolgt er die vier Helden, verletzt Ling und schlägt Batman K.O., dann haut er mit Talia in einem Hovercraft ab. Molly versucht ihn aufzuhalten, aber wird dabei verletzt. Batman muss sich um sie kümmern und kann Ra’s nicht weiter verfolgen.

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Er findet ihn kurz darauf trotzdem: in der Sahara. Ra’s zollt dem Detective seinen Respekt und bietet ihm eine Chance: Es kommt zu einem Duell mit Schwertern. Batman kämpft oben ohne, aber mit Maske. Batman wird von einem Skorpion gestochen, Ra’s überlässt ihn dem Tod, aber Talia verabreicht ihm bei einem letzten Kuss ein Gegenmittel und so kann Batman doch – mit einem finalen Faustschlag – triumphieren.

Talia kommt natürlich ungeschoren davon. Es gibt sogar noch einen großen Abschiedskuss. Warum er sie verschont, bleibt auch hier unklar. Batmans Urteilskraft scheint bei ihr sehr getrübt zu sein. Allerdings scheint es sich von selbst zu verstehen, dass ihre Liebe keine Zukunft hat. Immerhin liefert Batman Ra’s den Behörden aus.

Damit endet die erste große Ra’s al Ghul-Story. Bemerkenswert ist, dass diese Geschichte zwar über ganze sieben Ausgaben erzählt wird, aber nicht direkt hintereinander. Zwischen den ersten Kapiteln liegen stets mehrere Ausgaben, erst die letzten drei bilden eine durchgehende Story. Erst nach und nach werden Informationen preisgegeben, aber die eine große Erklärung gibt es nicht. Vieles bleibt offen, vor allem, was Ra’s überhaupt will und wie er es erreichen will.

Am Ende erklärt er selbst, dass er sich weder für einen Kriminellen noch ein Genie hält, sondern für einen Künstler: „I have a vision … of an earth as clean and pure as a snow-swept mountain … or the desert!“ Er will auf der Erde Harmonie herstellen. Wie das gehen soll, bleibt unklar. Die Vernichtungspläne, für die er später berüchtigt sein wird, formuliert er hier noch nicht. Aber Batman bleibt dabei: Ra’s ist irre. Das muss wohl der untrügliche Instinkt des Detektivs sein.

(Fortsetzung folgt.)

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics


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Doppeldate mit Lois und Clark

DC Comics

Titel: Rules of Engagement (Batman Vol. 5)

Autor/Zeichner: Tom King/Joelle Jones, Michael Lark, Clay Mann

Erschienen: 2018 (Batman #33-37, Batman Annual #2), Paperback 2018 (Batman Vol. 5)


„I’ll always be second to a child’s idiotic fantasy.“ (Selina Kyle)

Kaum sind Batman und Catwoman verlobt, erleben sie ihr erstes gemeinsames Abenteuer als Paar. In der Wüste von Khadym treffen sie auf Talia al Ghul, wo sie sich Schwertkämpfe mit ihr liefern, wobei Selina länger durchhält als Bruce. Nebenbei erfahren die drei Robins und Duke Thomas erst von Alfred von der Verlobung und fragen sich, wieso Bruce ihnen so etwas vorenthält …

Dann kommt es zum Doppeldate zwischen Bruce, Selina, Superman und Lois Lane. Ein Kapitel lang geht es um die Frage, wer wen anrufen soll, um ein Treffen vorzuschlagen. Ein Kapitel lang sehen wir die vier auf einem Jahrmarkt. Weil das Motto Superhelden lautet, tauschen die beiden Herren und Damen ihre Kostüme: Batman wird zu Superman und umgekehrt. Lois Lane wird zu Catwoman und Catwoman zu Selina Kyle in Lois‘ Kleid. Und so plaudert man über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die Ehe.

Schließlich ist da noch ein sentimentales Schlusskapitel, in dem eine Episode aus der Anfangszeit von Batman und Catwoman erzählt wird, verbunden mit einer Zukunftsepisode über die letzten Tage des alten Paares.

Der fünfte Band von Tom Kings Batman-Serie ist der bisher ruhigste und nachdenklichste, aber auch der heiterste und emotionalste, aber obwohl ein Spannungsbogen fehlt, unterhält er besser als die meisten vorherigen. Da ist zum einen der Humor, der die Geschichten mit Ironie durchzieht, da sind zum anderen Highlights wie Batman und Superman beim Baseball. Man mag das lächerlich finden, aber Tom King bekommt es gut hin, dass es Spaß macht, ohne weh zu tun.

Und natürlich sind die Zeichungen von vorn bis hinten erstklassig: Mit Joelle Jones darf erstmals eine Frau an Batman ran und man fragt sich, warum das erst jetzt passiert, da mit Selina Kyle auch eine Frau dauerhaft in Batmans Leben tritt. Jetzt müsste man sie nur noch Batman schreiben lassen, aber so weit ist man bei DC wohl noch nicht …

Mehr Batman von Tom King:

Ra’s al Ghul muss sterben

Titel: Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Klaus Janson

Erschienen: 2003-2004 (Mini-Serie #1-9, Detective Comics 783; Paperback 2004, Deluxe Edition 2017), dt. Panini 2005 (2 Sonderbände)


„… it’s always for the greater good …“

Ra’s al Ghul ist dem Ende nah: da Batman ihn von seinen Kurbädern in Lazarusgruben abhält, droht dem Erzfeind der baldige Tod. Er bietet dem Detective einen Deal an: wenn Batman ihm verrät, wo er eine Lazarusgrube findet, bekommt er einen Trank, dank dem er mit seinen toten Eltern sprechen kann. Doch da ist noch Nyssa, eine Tochter des Dämons, die ihren eigenen Plan verfolgt: Rache zu nehmen an dem, was ihr Vater ihr über Jahrhunderte angetan hat. Auch Talia wird Teil des Plans.

Anfangs habe ich mich etwas schwer damit getan, weil mich Klaus Jansons sperrige Zeichnungen abgeschreckt haben. Aber die Story hat mich dann doch sehr schnell eingenommen, dass das Buch zum regelrechten Pageturner wurde. Denn Death and the Maidens ist eine sehr persönliche Geschichte, die viel Wert legt auf innere Konflikte und Charaktere. Insofern gibt es hier kaum Batman zu sehen, im Vordergrund steht Bruce Wayne und sein Verhältnis zu seinen Eltern. Er muss sich die Frage stellen: Handelt er überhaupt in ihrem Sinne, wenn er sich als Batman verkleidet? Und spielt das überhaupt eine Rolle, ob er damit ihren Willen erfüllt?

Die Frage verliert sich gegen Ende, wenn es um den Familienkonflikt der al Ghuls geht. Aber der hat es in sich. Ra’s bekommt eine neue Tiefe: wir erfahren nämlich, dass er schon mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat, auch wenn er ihre Motive nicht teilte, hieß er dennoch ihren Genozid gut. Noch dramatischer wird es, dass er selbst seine Tochter Nyssa nicht vor dem Konzentrationslager bewahren wollte – alles „für das größere Wohl“, die Welt von allem Bösen, also den Menschen, zu befreien.

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen hervorragend. Und dann kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die Zeichnungen nicht den persönlichen Geschmack treffen. Death and the Maidens ist einer der besten Batman-Comics des neuen Jahrtausends. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder neu aufgelegt wurde – in einer gebundenen Deluxe-Edition.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.

Robin, Redbird, Dead Bird

Titel: Batman Incorporated – Demon Star/Gotham’s Most Wanted

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Chris Burnham

Erschienen: 2012-2013 (Batman Incorporated #0-13, Special #1), Paperbacks 2013; dt. Panini 2015 (Paperback)


„Gotham. Or Damian. Whichever you choose, the other dies.“ (Talia)

Talia al Ghul will Rache. Dafür dass sie ihren Sohn Damian an Batman verloren hat, hat sie ein Kopfgeld auf Robin ausgesetzt. Eine Schar von Auftragskillern fällt über Gotham her. Batman schart seine erweiterte Familie um sich, die Jungs und Mädels des weltweiten Superheldennetzwerks Batman Incorporated. Aber damit nicht genug: mit ihrer Geheimorganisation Leviathan hat Talia auch Gothams Gesellschaft infiltriert, um die Stadt zu zerstören; Kinder werden zu Zombies. Batman muss sich entscheiden, ob er die Stadt oder seinen Sohn retten will.

SPOILER: Am Ende muss Damian dran glauben. Getötet wird er im Kampf mit dem Schurken The Heretic, einem Handlanger von Talia, der auch noch ein aufgemotzter Damian-Klon ist.

Mit den letzten zwei Bänden von Batman Incorporated beendet Grant Morrison sein Batman-Epos, das er 2006 mit Batman and Son begonnen hat. Für Einsteiger gibt es am Anfang eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse. Bemerkenswert ist, dass Batman Inc. dort weitermacht, wo es vor dem Reboot von The New 52 (2011) aufgehört hat. Im Laufe der Story wird klar, dass offenbar die Ereignisse in Morrisons Epos (Batman RIP etc.) seit 2006 auch in der neuen Continuity stattgefunden haben.

Dass alles auf Damians Tod hinausläuft, ist nur konsequent: Morrison vernichtet die Figur, die er geschaffen hat. Der Tod verläuft hochdramatisch: dem Kleinen wird so ziemlich jede erdenkliche Wunde zugefügt bevor er stirbt. Inszeniert wird die Szene mit einigen Anleihen in der Comicgeschichte. Und Batman plagen wieder Schuldgefühle – denn er hat seit Jason Todd (A Death in the Family) nichts dazugelernt. Talia ist zwar auch betroffen (warum hat sie es dann zugelassen?), aber zieht ihren Plan weiter durch: sie lässt den Wayne-Tower hochgehen und hetzt die Stadt gegen Batman auf, der mutiert dank Man-Bat-Serum zur Fledermaus und besiegt Leviathan im Kampf. Erledigt wird er jedoch von Talias Schwert. Die Frau hat eindeutig ein Problem, ihr Temperament zu zügeln. Und das war schon immer das Problem mit der Figur: sie ist zu wankelmütig und unberechenbar. Wohl der alten Zeiten wegen küsst Batman sie bevor er sie im Schwertduell bekämpft. Überzeugend ist derlei Zärtlichkeit längst nicht mehr.

Aber was sollte eigentlich dieser Riesen-Aufriss mit Batman Inc.? Welchen Zweck erfüllen die vielen internationalen Batmen, die zuvor so ausführlich eingeführt wurden? Kurz: gar keinen. In dem großen Epos sind sie mehr oder weniger bloß schmückendes Beiwerk. Das enttäuscht. Wohl deshalb gibt es als Zugabe am Ende des zweiten Bandes noch ein paar Anekdoten von den anderen Batmen (z.B. aus Japan). Ein überflüssiger Anhang, der niemanden zu interessieren braucht.

Apropos überflüssig: Wir erfahren auch, wie Talia zur Welt kam und ausgebildet wurde, und wir bekommen wieder eine Vorschau in Damians Zukunft als Batman (wie in Batman and Son), der gegen die Folgen einer Joker-Epidemie kämpft. Damian benennt sich zwischenzeitlich von Robin zu Redbird um und baut sich mit Hund, Katze und Kuh einen Streichelzoo auf. Gipfel der Dämlichkeit ist, wenn die „Bat-Cow“ tatsächlich einmal im Cape auf der Straße steht und damit Verbrecher ausschaltet. Aber es gibt auch ein Wiedersehen mit Matches Malone – die Story hat also durchaus ihre Momente. Nachhaltig im Gedächtnis wird sie aber nicht bleiben.

Mehr zum Thema:

Batman macht Filialen auf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Incorporated

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Chris Burnham, Michel Lacombe, Scott Clark, Cameron Stewart, Dave Beaty

Erschienen: 2010-2012 (Batman Inc. #1-8, Batman Inc. Leviathan Strikes!), Paperback 2012, dt. Panini 2013 (Paperback)


„Batman is everywhere.“ (Bruce Wayne)

Eigentlich ist Batman ein einsamer Kämpfer. Und eigentlich ist er es auch überhaupt nicht. Sehr früh schon wurde er mit Robin zum Teamplayer, bald darauf kam Alfred hinzu, in den 50ern wurde die Bat-Familie erweitert um Batwoman, Batgirl, Bat-Hound und Bat-Mite, später Nightwing, weitere Batgirls, Red Hood, Huntress, Spoiler, Red Robin und andere. Nach Batmans Verschwinden (bzw. „Tod“ in Final Crisis) wurde der Kreis der Familie sogar um einige Reservisten erweitert. Batman ist schon lange kein einsamer Wolf.

Da ist es nur folgerichtig, wenn der Kontrollfreak Batman (nach seiner Rückkehr) sein Netzwerk auf die ganze Welt ausdehnt: Batman Incorporated. Wie Bruce Wayne es bereits als Geschäftsmann längst ist, wird auch Batman zu einem Global Player. Wayne tritt nun öffentlich als Sponsor von Batmans Franchise-Unternehmen auf und lässt Batman-Roboter bauen, während Batman in der Welt herumzieht und Filialen aufmacht: in Japan, Argentinien, Afrika, Australien und sogar in einem Indianer-Reservat. Lokale Helden werden zu Batmen oder wenigstens zu seinen Gefolgsleuten gemacht. Und passend dazu tritt ein neuer Schurke auf, der es auf die Helden abgesehen hat: der mysteriöse Terrorist Leviathan.

Grant Morrison führt mit Batman Incorporated zu Ende, was er mit Batman and Son begonnen hat: eine Mega-Story. Daher ist diese Geschichte nur zu verstehen, wenn man alles seitdem gelesen hat – oder wenigstens den ersten Band (inklusive Black Glove). Denn die Grundidee internationaler Batmen ist bereits im Club of Heroes eingeführt, ebenso wie ein Charakter namens El Gaucho.

Die Geschichte ist aber auch mit dem ganzen Wissen im Hinterkopf typisch Grant Morrison, also voller Charaktere und Nebenhandlungen. Zunächst beginnt es sehr episodenhaft, dann erschließt sich der Zusammenhang, immer wieder aber gibt es irritierende Sprünge, in der mehr hinzugefügt wird, als dem Ganzen gut tut, wie etwa einen Exkurs, in dem die historisch erste Batwoman nachträglich in die Continuity eingefügt wird (als Batmans erste Liebschaft).

Trotz dieses Anspruchs ist Batman Incorporated überwiegend kurzweilig und unterhaltsam zu lesen. Morrison sorgt für reichlich Abwechslung, lässt Bruce Wayne sogar Tango tanzen und nimmt sich in der Indianer-Episode sogar Zeit für reichlich Sozialkritik. Die Story hat einige starke Momente, auch wenn bei dem ganzen Reisen sich beim Lesen manchmal Jetlags einstellen.

Die Zeichenstile variieren stark, sind aber meist solide bis prächtig gelungen. Einzige Ausnahme: Kapitel 8 ist wieder (wie schon die Joker-Story „The Clown at Midnight„) am Computer mit 3D-Technik gezeichnet. Damit soll eine Virtual Reality abgebildet werden, aber die sieht furchtbar leblos und abstoßend aus. Dann schon lieber Arkham Knight auf der PS4 spielen. Comicfiguren müssen handgemacht sein: egal ob gezeichnet oder gemalt, aber auf keinen Fall so.

Ein abschließendes Urteil über Batman Inc. ist nach Band 1 nicht möglich, denn dies ist bloß der Auftakt zu einer größeren Geschichte, die sich noch über zwei weitere Bände erstreckt. Fortsetzung folgt.

>> Batman 2000-2011

Zombie-Batman greift an

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 2: Batman versus Robin

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Cameron Stewart, Andy Clarke

Erschienen: 2010 (Batman & Robin #7-12), Paperback 2010; dt. Panini 2011 (Paperback)


„Being Robin is the best thing I’ve ever done, mother.“ (Damian Wayne)

Batman-Stellvertreter Dick Grayson hat die letzte (die allerletzte?) Lazarusgrube in England aufgespürt und versucht, den Leichnam seines Mentors Bruce Wayne wiederzubeleben. Leider geht das schief. Weil Darkseid die Leiche gegen einen seiner missglückten Batman-Klone ausgetauscht hat, taucht ein ziemlich aggressiver Batman-Zombie aus der Grube auf, der aus irgendeinem Grund alles töten will, was ihm in den Weg kommt. Zum Glück ist Batman Grayson nicht allein: mit dabei hat er nicht nur Knight und Squire (Englands Batman und Robin-Abklatsch), sondern auch Batwoman, die zufällig aus einer explodierenden Kiste gesprungen kommt.

Und was ist mit Robin? Der bekommt nach seiner Querschnittslähmung, die ihm der Schurke Flamingo verpasst hat, eine neue, künstliche Wirbelsäule von Mutti Talia verpasst. Obwohl er sich danach schonen muss, kommt es zur Konfrontation mit dem Zombie-Batman, der über Wayne Manor hereinfällt. Mit Batman und Batwoman können sie das Schlimmste abwenden, aber am Ende bleibt die Gewissheit: der wahre Batman ist nicht tot, sondern bloß verschollen in der Zeit.

Fremdgesteuerter Zombie-Robin

Darum geht es im zweiten Teil des Bandes: Batman und Robin untersuchen Wayne Manor nach Hinweisen, die der alte Fuchs Bruce in der Vergangenheit hinterlassen haben könnte. Doch während Dick eine geheime Bathöhle inspiziert, dreht Damian durch und versucht ihn umzubringen. Hier wird klar, dass Talia über die künstliche Wirbelsäule ihren Sohn kontrolliert. Noch schlimmer wird es, als Deathstroke die Fernsteuerung übernimmt. Auf Zombie-Batman folgt also eine Art Zombie-Robin. Und dann kommt auch noch eine Verbrecherbande dazu, die ein Geheimnis in Wayne Manor sucht – im Auftrag des Schurken El Penitente. Ganz zu schweigen von Oberon Sexton, dem vermummten „Gravedigger“, ein mysteriöser Helfer, der sich am Ende als ein Schurke offenbart, mit dem man nicht gerechnet hat.

Mit dem zweiten Band beginnt Batman & Robin Spaß zu machen. Fans bekommen einen Kampf Batman gegen Batman und dann Batman gegen Robin geliefert, Archäologie-Mystery á la Indiana Jones, krachende Action mit Wow-Faktor, auch ein bisschen Familiendrama und noch vieles mehr, wonach man nie gefragt hat. Grant Morrison bleibt sich zwar treu, zu viele Ideen und Figuren in seine Storys zu packen und es seinen Lesern nicht leicht macht, den Überblick zu bewahren, aber wer noch den ersten Band zum Nachschlagen bereit hat, für den ergibt sich langsam das Gesamtbild. Denn obwohl zwei Geschichten erzählt werden, läuft die Rahmenhandlung im Hintergrund immer mit und tritt allmählich in den Vordergrund.

Talia al Ghuls Handeln ist immer noch so unlogisch, wie es Morrison gerade passt: Warum sie sich darüber beklagt, ihren Sohn an Batman verloren zu haben, obwohl sie ihn bei ihm ausgesetzt hat, muss man nicht verstehen. Erst recht nicht, warum sie sich so sehr um Damian bemüht, obwohl sie bereits einen Klon von ihm in der Mache hat. (Damian scheint das nicht zu stören.)

Zeichnerisch überzeugen weder Cameron Stewart noch Andy Clarke vollkommen. Beiden fehlt das gewisse Etwas, aber vor allem Clarkes sauberer Stil lässt bei den Figuren das Leben vermissen.

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Bruce auf Badekur

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Out of the Past

Drehbuch: Paul Dini

Erschienen: 2000 (Batman Beyond S03E04)


„There’s no way I’m wearing the Robin suit.“ (Terry McGinnis)

„Whatever was in there died years ago.“ (Bruce Wayne)

Der alte Bruce Wayne bekommt von seiner ehemaligen Geliebten Talia al Ghul ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: ein Bad in der Lazarus-Grube. Da er darunter leidet, nicht mehr wie früher bei Kräften zu sein, willigt er ein. Terry kommt mit. Die erste Prozedur verläuft wie erwünscht, Bruce wird verjüngt, doch als er es sich anders überlegt, will ihn Talia nicht gehen lassen. Dann stellt sich heraus, dass ihr totgeglaubter Vater Ra’s in ihr präsenter ist als gedacht. Bruce und Terry kämpfen gemeinsam gegen die finsteren Machenschaften.

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Die Episode gehört zu den stärksten der Serie Batman Beyond – nicht von ungefähr hat sie Paul Dini geschrieben. Schon allein der Anfang ist brillant: Zu Bruce’s Geburtstag geht Terry mit ihm in die Vorstellung eines Batman-Musicals. Bruce ist alles andere als erfreut von dem albernen Singsang auf der Bühne. Als dann auch noch Batman und ein James Gordon-Verschnitt ein gemeinsames Lied trällern, verdrückt sich der alte Griesgram in seine Höhle, wo er in der guten alten Zeit schwelgt, indem er sich die Fotos von Frauen aus der Vergangenheit ansieht. Großes Kino.

Bemerkenswert ist eine Marginalie: In der Episode taucht eine Idee wieder auf, die bereits in dem Comic Son of the Demon erstmals durchgespielt wurde: ein vergessener Sohn von Bruce Wayne und Talia. Grant Morrison hat den Sohn später in Batman and Son Damian genannt und als neuen Robin in der Continuity etabliert.

Opfer für Opa

DC Comics

DC Comics

Titel: The Resurrection of Ra’s al Ghul (dt. Die Auferstehung von Ra’s al Ghul)

Autor/Zeichner: Grant Morrison, Paul Dini u.a./Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2007-2008 (Paperback 2008), dt. Panini 2008


„Sometimes, looking at the ‚big picture‘ can paralyze you, right? Well I’m tired of analyzing everything to death …“ (Tim Drake)

Wie wir schon öfter festgestellt haben, stirbt in der Welt der Superhelden niemand für immer. Schon gar nicht totzukriegen ist Ra’s al Ghul. Er ist das beste Beispiel für die ständige Erneuerung im Wechsel von Tod und Auferstehung. Selbst nachdem er in Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen) wirklich gestorben ist, war klar, dass seine Wiederkehr nur eine Frage der Zeit war. Doch die Wiedergeburt gestaltet sich schwierig. Ra’s kehrt zunächst als ziemlich übel zugerichtete Mumie zurück.

Um wieder zurück zu alter Frische zu finden, soll sein Enkel, Bruce Waynes Sohn Damian, als Körperspender herhalten. Der Kleine hat verständlicherweise keine Lust, sich für seinen Opa zu opfern – und auch seine Eltern haben etwas dagegen. Während Batman in Asien herumturnt, fällt die League of Assassins über Wayne Manor her, Talia heuert ein paar Killer-Miezen an, die ihn beschützen sollen, Nightwing und Robin helfen aus. Währenddessen will auch ein anderer mächtiger Greis, der bloß Sensei genannt wird, die Auferstehung seines Erzfeindes verhindern.

Schließlich ist Damian aber nicht mehr so wichtig und Batman muss sich entscheiden, ob er seinen Sohn oder seinen Adoptivsohn Tim Drake für Ra’s opfern möchte. Die salomonische Lösung findet sich in anderen Trägern. Und hier hakt die Logik der Story am meisten: Wenn Ra’s einen Körper braucht, der seine DNA trägt, warum ist er zunächst hinter Damian her, wenn es schließlich auch andere Spender tun?

Interessant ist in der Geschichte aber ein Seitenaspekt: Robin Tim Drake, der von Ra’s in Versuchung geführt wird, die Seiten zu wechseln, verhandelt mit Nightwing an der Lazarusgrube die Frage, ob es zulässig ist, die Toten ins Leben zurückzuholen. Spannender als die Keilerei zwischen den beiden ist der Dialog: Tim hat drei Menschen verloren, die ihm wichtig waren (seinen Vater, Spoiler und Superboy), auch Nightwing kennt die Verlusterfahrung, aber die Konsequenz daraus wäre, alle wiederzubeleben – und das wäre untragbar. Der zentrale Satz in der Diskussion: „… in a world where Jason Todd can come back … then why can’t my dad …?“

So bietet The Resurrection of Ra’s al Ghul actionlastiges Schwertkampf-Abenteuer, bei dem Batman zwar eine untergeordnete Rolle spielt, aber dafür eine ungewöhnliche Rüstung tragen darf. Im Mittelpunkt stehen die drei Robins und ihr Verhältnis zueinander. Über das übliche Gut-gegen-Böse-Spiel hinaus werden zwei große Familiendramen geboten, in denen die Charaktere vor allem viele Konflikte untereinander austragen müssen. So sehen wir dabei zu, wie sich Damian von seiner Mutter lossagt – ganz einfach weil Papa Batman der coolere Elternteil ist. Getrübt wird das Lesevergnügen leider etwas durch die stark variierende Qualität der Zeichnungen.

>> Batman 2000-2011

Rache für Ra’s

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Son of Batman

Drehbuch: Joe R. Lansdale, James Robinson

Erschienen: 2014 (Direct-to-Video)


„I owe my grandfather a death.“ (Damian)

„The psychos are just keep getting younger.“ (Nightwing)

„You can’t fight crime by becoming a criminal.“ (Batman)

Der Film zu Grant Morrissons Comic-Storyline Batman and Son hat bis auf die Grundidee nicht viel mit der Vorlage zu tun: Talia al Ghul klärt Batman darüber auf, dass sie einen gemeinsamen Sohn haben und übergibt Damian in die Obhut des Vaters – und dann gibt es Kämpfe mit einer Man-Bat-Armee. Doch die Bedingungen sind im Film ganz andere. Der Gegner heißt Deathstroke. Er ist hier ein abtrünniger Anhänger von Ra’s al Ghul, der eines Tages mit einigen anderen der League of Assassins über die Burg seines Mentors herfällt und ihn umbringt. Klein-Damian sticht Deathstroke im Kampf ein Auge aus. Der Attentäter flieht, schwört Rache und zwingt Kirk Langstrom dazu, ein Serum zu entwickeln, dass seine Ninjas in Man-Bats verwandelt.

In der Zwischenzeit kommen sich Batman und Damian näher – eine Beziehung mit Hindernissen, denn der Sohn ist mehr Klugscheißer und Draufgänger als sein Vater. Allerdings fehlen einige Aspekte, die die Story im Comic interessant machen: die Rivalität und den Kampf mit Robin Tim Drake zum Beispiel. Stattdessen gibt es bloß einen kurzen Kampf mit Nightwing. Und Damian kommt auch nicht in den Genuss, einem Schurken den Kopf abzusäbeln – und das obwohl das Blut in dem Film nur so spritzt. (Zurecht ist er erst ab 16 Jahren freigegeben.) Schließlich vermisst man auch Batmans Ausraster, bei dem der Vater seinen missratenen Jungen zur Ordnung ruft. Die Konflikte spielen sich eher auf Sparflamme ab, zu schnell gehorcht der Bengel seinem Vater.

Doch allen Mangelerscheinungen zum Trotz sind die größten Veränderungen wie der Einsatz von Deathstroke nachvollziehbar und sorgen dafür, dass Son of Batman ein dichteres, stimmiges Ganzes bildet, wohingegen Grant Morrisons Vorlage ziemlich ausfranst. Damian wird mehr in die Story integriert, weil ihn ein klassisches Rachemotiv antreibt, und auch Deathstroke hat seine Gründe, gegen die Familie al Ghul vorzugehen. Leider ist der Film nicht ganz frei von Blödsinn. Zum Beispiel wenn etwa in der ersten Szene Ra’s al Ghul Gewehrkugeln mit dem Schwert abwehrt, obwohl er von Feinden umzingelt ist und sie einfach nur alle auf einmal auf ihn schießen müssten, um ihn umzulegen. Oder wenn später Deathstroke auftaucht und seinen Soldaten Einhalt gebietet, weil er selbst seinen Feind töten will. Von solchen Logiklöchern abgesehen ist Son of Batman eine kurzweilige Unterhaltung mit reichlich Action und knackigen One-Linern, was sowohl Comicleser als auch -nichtleser bei Laune halten dürfte.

Der Enkel des Dämons

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Son/The Black Glove (dt. Batmans Sohn/The Black Glove)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Andy Kubert, J.H. Williams III, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2006-2008 (Batman #655-658, 663-669, 672-675, Paperbacks 2007 (Batman and Son), 2008 (The Black Glove), beide Storylines 2012/2014), dt. Panini Paperback 2010/2011


„All this comic book stuff is way too highbrow for me.“ (Bruce Wayne)

„If there’s one thing I hate … it’s art with no content.“ (Batman)

„There’s a new Robin now.“ (Damian)

Nach dem Tod ihres Vaters Ra’s (in Death and the Maidens, dt. Der Tod und die Mädchen) macht Talia al Ghul sich ihre eigene Man-Bat-Armee, die in London einfällt und die Frau des Premierministers entführt. Als Batman das zu verhindern versucht, macht ihm Talia klar, dass er einen Sohn hat: Damian. Weil sie gerade damit beschäftigt ist, das Erbe ihres Vaters fortzuführen, indem sie die Welt terrorisiert, gibt sie Damian in Batmans Obhut. Doch der Kleine ist nicht nur aufsässig gegen seinen Vater, Alfred und Robin, sondern auch eine Tötungsmaschine, die mit dem Schwert kurzen Prozess mit seinen Gegnern macht.

Batman hat einen Sohn? Das kommt uns doch bekannt vor! Richtig: In Son of the Demon (1987) hatte Batman tatsächlich ein engeres Verhältnis mit Talia, aus dem ein Kind hervorging. Doch das war keine kanonische Geschichte, eher ein Was-wäre-wenn-Szenarion – noch bevor es Elseworlds gab. Grant Morrison hat mit seiner ersten Batman-Story im neuen Jahrtausend diese alte Geschichte wieder ausgekramt und wörtlich genommen.

Es hat sich gelohnt: Damian ist ein kleiner Satansbraten, den man gerne haben muss, obwohl er nervt. Abgesehen von dem herrlichen Humor der Dialoge macht es Spaß, Batman einmal auf ganz andere Art an die Grenzen seiner Fähigkeiten gehen zu sehen – nämlich als überforderter Erzieher. Damian legt schnell das alte Robin-Kostüm an, allerdings ohne die grüne Schuppenunterhose, dafür aber mit cooler Kapuze, und stiehlt in der Rolle dem streberhaften Langweiler Tim Drake die Show. Es amüsiert zu verfolgen, wie der Kleine Wayne Manor aufmischt. Dass die Story nach vier Kapiteln in einem schnellen Showdown in Gibraltar etwas abrupt endet, ist zwar bedauerlich, aber es handelt sich bloß um den Auftakt zu etwas Größerem: Talia hat Pläne …

Und auch Grant Morrison hat welche, wie man an den vielen Ideen sieht, die er in seine ersten Storys gesteckt hat. Der größte Teil des Bandes enthält auch die Storyline The Black Glove, die den Rahmen um die Damian-Story bildet. Batman muss gegen drei Pseudo-Batmen kämpfen, die Gotham terrorisieren. Es handelt sich um Polizisten, die in einem Geheimprogramm dazu ausgebildet wurden, Batman einmal zu ersetzen. Währenddessen stirbt das Original fast an einem Herzinfarkt. Dabei halluziniert er vom ersten Robin, Joe Chill und Bat-Mite, wir erfahren von einem seltsamen Meditationsritual, dem Thögal, dem sich der junge Bruce in Nanda Parbat unterzogen hat, später ließ er sich als Batman für zehn Tage in einer Isolationskammer einsperren, um durch Bewusstseinsveräderung herauszufinden, wie der Joker tickt.

Eine Binnen-Story führt die böse Geheimorganisation The Black Glove ein, die später noch in Batman R.I.P. wichtig sein wird. Obwohl der Dreiteiler visuell sehr interessant und vielseitig aufbereitet ist, mutet die Handlung etwas seltsam an: Batman fliegt mit Robin auf eine karibische Insel, weil dort ein gelangweilter Bonze namens Simon Hurt ein paar drittklassige kostümierte Helden versammelt. Es ist unbegreiflich, warum Batman an so einem Quatsch teilnehmen sollte – hat er nichts besseres zu tun? Als er da ist, muss er zusammen mit den anderen (die alle auf ihre Weise Batman-Verschnitte sind) einen Serienmörder fassen, der sie einen nach dem anderen tötet.

Privat ist Bruce Wayne ebenfalls gut damit beschäftigt, Bekanntschaft mit Jezebel Jet zu machen – eine Frau, der er sogar seine Geheimidentität offenbart. Ein Kapitel ist der Zukunft gewidmet: Wir sehen Damian Wayne als Batman gegen einen der falschen Batmen kämpfen, während Comissioner Barbara Gordon ihn jagt. (Außerdem gibt es eine ungewöhnliche Joker-Story in Prosa, die mit computergenerierten Bildern illustriert ist, aber der werde ich mich ein andermal gesondert widmen.)

Es wird also viel Stoff geboten. Typisch Grant Morrison, der Mann für die großen Epen. Aber die Fülle überfordert den Leser: leider ist die Handlung zu zersplittert, eine klarere Struktur wäre wünschenswert gewesen. Beurteilen kann man das Ganze eigentlich nur im Rückblick, wenn man noch weiter gelesen hat. Eins ist klar: Es ist eine zum Teil eine anspruchsvolle, zuweilen verwirrende, aber weitgehend unterhaltsame Lektüre. Besonders der erste Teil mit Damian ist gelungen und auch die Rahmenhandlung mit den Fake-Batmen hat ihre Reize. Die grandiosen detailreichen und vitalen Zeichnungen von Andy Kubert, J.H. Williams III und Tony S. Daniel machen den Band auch zu einem visuellen Genuss.

>> Batman 2000-2011


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