Batman 1966

Batman-TV-Serie von 1966 bis 1968 mit Adam West und Burt Ward. 1966 erschien ein Kinofilm. Ab 2013 wurde das Konzept als Comic-Serie fortgesetzt, 2016 und 2017 folgten zwei Animationsfilme.

Der wildgewordene Mister Freeze

Otto Preminger als Mister Freeze

Otto Preminger als Mister Freeze

Titel: Green Ice/Deep Freeze (dt. Grünes Eis), Ice Spy/The Duo Defy (dt. Spion im Eis)

Drehbuch: Max Hodge/Charles Hoffman

Erschienen: 1966, 1967 (Batman S02E19/20, S02E59-60)


Mister Freeze entführt einer einer Miss-Wahl „Miss Island“, er sperrt sie in einem Gefrierschrank ein, damit sie so kältebedürftig wird wie er und ihn dadurch lieben lernt. Der Plan geht aus nachvollziehbaren Gründen nicht ganz auf, aber eigenartigerweise erfriert die Miss selbst bei unter Null nicht.

Gordon: Call for Help

Unter Frostbeschuss: Gordon ruft Batman um Hilfe.

Ganz anders verhält es sich, als Mister Freeze Commissioner Gordon in seinem Büro vereist, sodass er fast erfriert. Gerade noch so kann er Batman um Hilfe rufen. Die nutzlose Polizei steht ratlos vor der Tür und wartet bis Batman eintrifft, damit er die Tür freisprengt und Gordon rettet. Aber das ist nur ein kleiner Spaß zwischendurch, genauso wie die Eislieferung, in der Freeze Batman Geld schickt, damit die Presse es sieht und davon ausgeht, er stecke mit dem Schurken unter einer Decke. Natürlich stürzt sich die Presse sofort darauf.

Batman, Robin und grünes Eis

Eis mit Geldeinlage

Bei einem Empfang in Wayne Manor raubt Freeze die Gesellschaft aus, lässt sie in den Pool steigen und friert ihn zu. Dann lässt er zwei seiner Leute Batman und Robin spielen, die sich im Kampf schwertun und schließlich auch scheitern. Die öffentliche Meinung von Batman sinkt so schnell wie das Thermometer im Eisschrank. Aber auch das echte Dynamische Duo stellt sich nicht geschickter an. Weil sie Freezes‘ Eiskanone nicht schnell genug ausweichen (können), landen sie in zwei übergroßen „Frostie Freezies“ (Slushs).

Batman & Robin in Frostie Freezies

Batman und Robin in einer eiskalten Todesfalle

Schließlich erpresst Freeze die Stadt: Er will eine Milliarde Dollar, sonst lässt er in Gotham die Eiszeit ausbrechen – mitten im August.

Frozen Gotham

So malt sich Mister Freeze eine neue Eiszeit aus.

Mister Freeze hat hier seine Haare verloren, denn er wird gespielt von Otto Preminger, dem österreichischen Regisseur von Klassikern wie Laura, Anatomie eines Mordes und Exodus. Der wurde allerdings wohl weniger wegen seiner schauspielerischen Qualitäten ausgewählt als wegen seines miesen Charakters. Der war auch der Grund dafür, dass die Rolle danach wieder neu besetzt wurde. Laut Adam West benahm sich Preminger am Set unmöglich. Aber auch seine Figur nervt, wenn sie etwa ein Dutzend Mal „Wild!“ ausruft und sich dauernd die buschigen Augenbrauen reibt.

Bemerkenswert ist der Einsatz seiner Handlanger: Eigentlich hat er nur zwei, aber wenn es zur Schlägerei mit Batman und Robin kommt, tauchen plötzlich zwei weitere zur Verstärkung auf.

Eli Wallach als Mister Freeze

Eli Wallach als Mister Freeze

Eli Wallach (Die glorreichen Sieben, Zwei glorreiche Halunken) gibt als Mister Freeze eine deutlich lebhaftere Figur, mit ausdrucksstarker Mimik und ohne nervige Eigenschaften. Am Ende der zweiten Staffel schafft er es tatsächlich, Gotham zumindest für eine Weile einzufrieren. Alles vereist, sogar der Bat-Computer. Mit einem Eis-Magneten zieht er sogar Eisberge in den Hafen von Gotham an. Und auch mit den Frauen klappt es besser: Er muss niemanden mehr entführen, er hat eine hübsche Eiskunstläuferin als Komplizin.

Mister Freeze mit Komplizin Glacia Glaze

Mister Freeze mit Komplizin Glacia Glaze

Dafür schickt er wieder einen Isländer in eine Eiskammer, um zu bekommen, was er will. Auch Batman und Robin sollen tiefgefroren und anschließend verdampft werden, aber dank eines Geheimausgangs können sie entkommen. Absoluter Höhepunkt ist aber eine ganz andere, viel kniffligere Situation: Als Gordon mit Batman spricht, ruft zeitgleich O’Hara bei Bruce Wayne an. Man verbindet die beiden Telefonhörer, damit sich die beiden absprechen können, und dann muss der arme Bruce zwei Rollen gleichzeitig spielen und es gelingt ihm meisterhaft, ein Selbstgespräch so wirken zu lassen, als wäre es ein Dialog zwei unterschiedlicher Personen. – Ein Brüller!

Diese Szene bleibt aber eine Ausnahme. Denn auch gute Darsteller wie Eli Wallach können nicht viel gegen ein schwaches Drehbuch ausrichten. Beide Freeze-Doppelfolgen der zweiten Staffel bleiben in der üblichen Routine hängen und lassen es an Fantasie vermissen. Ermüdungserscheinungen haben sich schon früher eingestellt, aber nach über 90 Folgen scheint sich der Witz verbraucht zu haben.

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Die Mutter des Verbrechens

Trifft garantiert nie: Ma Parker

Titel: The Greatest Mother of Them All/Ma Parker (dt. Die beste Mutter von allen)

Drehbuch: Henry Slesar

Erschienen: 1966 (Batman S02E09-10)


Kate Barker, besser bekannt als Ma Barker, galt Anfang der 30er Jahre als Anführerin einer Verbrecherbande, zu denen auch ihre Söhne gehörten. FBI-Chef Hoover nannte sie eine der tückischsten, gefährlichsten und einfallsreichsten Kriminellen. Sie wurde 1935 vom FBI bei einem Schusswechsel getötet. Ma Barkers kriminelle Rolle wird heute angezweifelt, aber in der Popkultur hat sie ihre Spuren hinterlassen. Auch bei Batman.

Bei Adam West heißt sie Ma Parker (gespielt von Shelley Winters), hat drei Söhne und eine Tochter als Komplizen, wobei sie die Söhne deutlich lieber mag. Mädchen taugen ihrer Meinung nach nicht zum Verbrechen, was Ma Parker aber nicht daran hindert, selbst zum Maschinengewehr zu greifen. Das tut sie als erstes bei der Verleihung des Mother-of-the-Year-Preises, bei dem sie zwar gewinnt, aber als Gewinn Schmuck und Geld des Publikums einkassieren lässt.

Ma Parker und ihre Kinder

Bisher hat Ma Parker nur den Rest des Landes unsicher gemacht, erst jetzt versucht sie es in Gotham City. Warum sie bisher erfolgreich war, bleibt schleierhaft. Weder sind ihre Kinder besonders schlau, noch gute Schützen. Und in Gotham gibt sich sich Ma Parker keine große Mühe, nicht geschnappt zu werden. Als die Polizei ihr Haus umstellt, schießt sie zwar zurück, aber wartet sonst nur seelenruhig auf Batman und Robin. Doch das ist nur ein Trick.

Kaum ist sie gefasst, spielt sie zuerst die unschuldige Mutter, die nur das Beste für ihre Kinder will. Batman und Robin sind peinlich berührt, werden weich. Doch dann wirft sie eine Rauchbombe und entkommt mit ihrer Bande. Sie zu verfolgen lohnt wie immer nicht, weil der Nebel zu dicht sei, um das Batmobil zu finden, sagt Batman. (Er ist allerdings nicht zu dicht, um die Bande fliehen zu sehen. Sei’s drum.)

Ma Parker und Legs im Altenheim

Verfolgung lohnt sich wirklich nicht, denn unsere Helden haben leichtes Spiel, die Parker-Söhne nacheinander zu fassen. Aber wo könnte sich Ma Parker verstecken? Weil Batman und Robin keine Ahnung haben, raten sie einfach: Sie ist da, wo man sie nicht erwarten würde, weil es zu offensichtlich wäre: in einem Altenheim. Das ist die bewährte Bat-Logik, die sich mal wieder als richtig erweist.

Ab durch die Wand: Ma Parkers Raketen-Rollstuhl

Im Altenheim braust Ma Parker zwar auf einem raketenbetriebenen Rollstuhl davon, aber sie prallt damit nur gegen eine Wand und kommt in den Knast zum Rest der Bande. Allerdings war das der Plan: Sie übernimmt das Gefängnis und erklärt es zu ihrem Hauptquartier, denn dort würde man sie niemals verdächtigen. Erschütternd, dass sie seit Monaten ihre Leute als Wärter eingeschleusen konnte, ohne dass der Direktor etwas gemerkt hat. Aber was ist schon von einem Direktor zu erwarten, der buntlackierte Gitter vor dem Fenster hat?

Batman und Robin auf elektrischen Stühlen

So raffiniert wie es klingt, ist es leider nicht. Batman und Robin lassen sich nicht lange täuschen. Es fehlt dieser Folge an interessanten Ideen. Eine Todesfalle besteht in einem elektrischen Stuhl (gab es schon beim Joker), eine andere in einer Bombe im Batmobil, die hochgeht, wenn Batman schneller als 60 Meilen pro Stunde fährt. Aber da Batman ein Musterknabe ist, der sich an die Regeln hält, wird daraus natürlich nichts. Batman ist sogar so sehr Moralapostel, dass er zwischendurch einen Bürger missioniert, sein Auto abzuschließen. Dafür verteilt er sogar einen Aufkleber für die Stoßstange. Immerhin ein kleines Highlight.

Batman betreibt Präventions-Aufklärung

Ein weiteres: Batman kann einen korrupten Gefängniswärter davon überzeugen, ihn und Robin nicht zu erschießen, weil er nach „nur“ 48 Jahren Aussicht auf Bewährung habe. Die beste Szene ist jedoch eine, die Adam West und Burt Ward wohl selbst am amüsantesten fanden. Robin entdeckt seine Hormone. Er stellt fest, dass ihn die Beine von Ma Parkers Tochter („Legs“) an die von Catwoman erinnern. Batman schmunzelt. „You’re growing up, Robin. Remember: In crimefighting always keep your sights raised.“

Immer schön aufmerksam bleiben, Robin!

Am Ende bekommt Ma Parker Blumen von ihren Kindern in die Zelle geschickt. Es stellt sich heraus: Es ist Muttertag. Batman, Robin, Gordon und der Direktor brechen in schallendes Gelächter aus. Aber wenn man sich vor Augen führt, dass die Waisen Batman und Robin gerade an diesem Tag nichts zu lachen haben, bekommt die Szene einen bitteren Beigeschmack …

Batman mit Nachtsichtbrille

Ma Barker bzw. Parker geht 1987 zurück als Ma Gunn. In Batman #408 betreibt sie eine Schule für Straßenkinder, die sie heimlich zu Kriminellen heranzieht. Jason Todd lässt sie auffliegen und wird später zum zweiten Robin.

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Riddlers Geburtstagstorte für Batman

Batman und Robin's Anniversary Cake

Todesfalle Treibsandtorte: Batman und Robin heben ab

Titel: Batman’s Anniversary/A Riddling Controversy (dt. Riddlers Geheimwaffe)

Drehbuch: William P. D’Angelo

Erschienen: 1967 (Batman S02E45-46)


Überaschungsfeier für Batman

Überaschungsfeier für Batman

Als Commissioner Gordon bei Batman anruft, ist es so wichtig, dass er es nicht einmal am Telefon besprechen kann, er lässt ihn und Robin in ein Hotel kommen. Auf Batman wartet – eine Überraschungsfeier zu seinem Jubiläum. Da kommt selbst ihm eine Träne.

Batman ist gerührt.

Batman ist gerührt.

Wie viele Jahre er schon im Dienst ist, erfahren wir leider nicht, ist auch egal. Denn die Feier ist ohnehin nicht von langer Dauer. Kaum hebt Batman an zu sprechen, steigt grüner Rauch auf und der Riddler erscheint als Feuerwehrmann. Er stiehlt ein goldenes Kalb mit Spenden und entwischt mit einem Sprung durchs Fenster.

Riddlers großer Sprung

Falsche Feuerwehr: Riddlers großer Sprung

Der Riddler sieht anders aus als sonst: Er trägt einen Schnurrbart und hat auch ein paar Pfund zugelegt, dafür hat er sich die irre Lache abgewöhnt. Kein Wunder, der Schurke wird von einem neuen Darsteller gespielt. John Astin (Addams Family) vertritt Frank Gorshin, der in der zweiten Staffel wegen Honorarverhandlungen pausiert.

Auch der Riddler braucht mehr Geld, denn er will für drei Millionen Dollar eine Geheimwaffe kaufen, mit der man so ziemlich alles in Luft auflösen kann. Damit läge ihm die Stadt zu Füßen. Wie schon so oft wäre es natürlich einfacher, sich mit den drei Millionen ein schönes Leben zu machen oder man könnte statt des Geldes einfach die Waffe klauen. Aber das wäre ja viel zu einfach. Offenbar will der Riddler mehr: Macht und Rache. Schon Egghead und Pinguin haben versucht, die Herrschaft über Gotham zu übernehmen.

Batman und Robin müssen Kreuzworträtsel und andere schwierige Situationen lösen. Zum Beispiel eine Prügelei unter Wasser. Der Riddler flutet einen Tresorraum und lädt das Geld in einen wasserdichten Sack. Fragt sich nur, was der nützt, wenn man ihn unter Wasser öffnet, um das Geld reinzustecken. Als das Dynamische Duo auftaucht (oder vielmehr abtaucht), muss es die Gauner in Slow Motion aufhalten. Die Szene ist natürlich nicht unter Wasser gedreht, sondern nur mit billigen Spezialeffekten. Aber dabei zuzusehen, wie alle nur so tun, als wären sie unter Wasser, ist eine spaßige Abwechslung in der Batman-Routine.

John Astin als Riddler

John Astin als Riddler

Wie immer tappen die beiden später in eine ganz offensichtliche Todefalle: Batman und Robin sollen Modell stehen für zwei Tortenfiguren – und zwar auf der Torte. Kaum stellen sich die beiden auf den Zuckerguss, versinken sie im Treibsand. Aber wie gut, dass sie einen Raketenantrieb an sich haben, den sie bei dieser Gelegenheit im Ernstfall testen können.

Batman und Robin lösen ein Rätsel

Castro lässt grüßen: Batman und Robin lösen ein Rätsel

Der Riddler wiederum testet seine Superwaffe lieber an Statuen als an Batman und Robin, sondern lieber an Statuen. Dazu verkleidet er sich als Straßenkehrer. Und weder Batman noch die Polizei verdächtigen ihn, obwohl er der einzige Mensch in der Nähe ist. Natürlich ist das nur ein Vorgeschmack auf das, was Gotham droht. Der Riddler will das Polizeipräsidium verschwinden lassen, wenn nicht alle Strafgefangenen freigelassen werden. Doch als Batman mit Robin ein weiteres Rätsel mit Querdenkerei und wilden Assoziationen löst, kommt ihm eine bessere Idee …

Bruce hilft Dick bei den Hausaufgaben

Geometrie-Nachhilfe für Dick

Ja, Batman kann in dieser Episode so gut wie alles. Sogar das Wetter beeinflussen, um Gewitterwolken und Blitze zu erzeugen, die auf die Sekunde und den Punkt einschlagen. Und im Batmobil gibt es eine Vorrichtung, mit der man Ergebnisse aus dem Batcomputer herunterladen kann. Umwege zur Bathöhle sind also eigentlich unnötig. Aber wo wäre diese Serie ohne Umwege? Im Grunde ist sie nichts anderes als eine Abfolge von sinnlosen Umwegen und faulen Abkürzungen.

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Batman gegen Black Widow

Angriff der Schwarzen Witwen

Titel: Black Widow Strikes Again/Caught in the Spider’s Den (dt. Die schwarze Witwe)

Drehbuch: Robert Mintz

Erschienen: 1967 (Batman S02E55-56)


Batman und Robin sind ein Rätsel. Einerseits rennen sie sofort zum Telefon, wenn Commissioner Gordon dran ist, sie verlieren keine Zeit, zum Polizeihauptquartier zu fahren, deshalb ziehen sie sich auch beim Stangenrutschen um. (Und tauschen die Stangen!) Aber dann, wenn sie den Übeltäter sehen, wenn sie ihn einfach schnappen und zur Strecke bringen könnten, zögern sie plötzlich.

Black Widow (Tallulah Bankhead)

Wie sie mit Black Widow umgehen ist ein besonders gutes Beispiel dafür. Ja, auch Batman hat eine Black Widow. Sie sieht kein bisschen aus wie Scarlet Johansson. Höchstens in 30 Jahren vielleicht. Diese Black Widow hat einen Spinnentick und raubt Banken aus, indem sie die Großhirne der Bankdirektoren ausschaltet. Außerdem nuschelt und lallt sie, als wäre sie halb gelähmt oder anderweitig betäubt. (Tatsächlich hatte die Schauspielerin Tallulah Bankhead ein Alkohol- und Drogenproblem und starb ein Jahr später.)

Das Dynamische Duo versteckt sich

Als Black Widow eine Bank betritt, könnte man die alte Lady einfach abführen und zur Polizei bringen. Fall gelöst in fünf Minuten. Aber nein: Das Dynamische Duo versteckt sich hinter einem Bankschalter und harrt aus, bis sie ihren ersten Schritt macht. Sie lassen die Witwe ihr teuflisches Gerät einsetzen, aber es zeigt keine Wirkung, weil sie vorbereitet sind. Trotzdem lässt man sie seelenruhig ein Nervengift aus der Handtasche holen und Batman damit lähmt. Nur Batman – obwohl Robin danebensteht, und der lässt die Alte einfach so weggehen, ohne es auch nur zu versuchen.

Batman gelähmt

Normalerweise ist dieser Unsinn unterhaltsam. Aber leider steht diese Szene für die ganze Doppelfolge, die unter Lähmungserscheinungen leidet. Bis auf zwei riesige Gummispinnen hat sie nicht viel zu bieten. Weder Witz noch Action. Nur ganz am Ende wird Batman plötzlich proaktiv. Und das auf sehr seltsame Weise: Mit seinem umgemodelten Brain-Wave Bat-Analyzer, der nichts anderes ist als eine aufgemotzte Trockenhaube, verändert er im Knast die Gehirne von Black Widow und ihren Handlangern, um sie zu „ehrlichen und nützlichen“ Bürgern zu machen. Kurz gesagt: Gehirnwäsche.

Gehirnwäsche statt Haartrockner

Natürlich ist das genauso wenig ernst zu nehmen wie der Rest der Serie. Aber wenn man bedenkt, dass Batman ein Moralapostel ist, der nicht mal bei Rot über die Straße geht und an die Rehabilitation glaubt, dann ist das ein sehr bedenklicher Eingriff in die Grundfreiheit, die er ansonsten so hochhält. Nein, es ist sogar ein Skandal, der leider ohne Folgen bleibt.

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Batman im Wahlkampf gegen Pinguin

Pinguin macht Wahlkampf

Titel: Hizzonner the Penguin/Dizzoner the Penguin (Wahltag)

Drehbuch: Stanford Sherman

Erschienen: 1966 (Batman S02E17-18)


Commissioner Gordon ist außer sich: Der Pinguin hat nicht nur einen Raubüberfall verhindert, er war auch noch freundlich zu einem Polizisten, hat einen Kinderwagen vor einem Lkw gerettet und hat 100.000 Dollar für wohltätige Zwecke gespendet. Das ist ja unerhört! Da ist doch was faul! Und es gibt natürlich wieder mal nur einen Mann, der der Sache gewachsen ist …

In einer normalen Welt würde man sich freuen: Ein ehemaliger Verbrecher ist endlich resozialisiert! Aber in Batmans Welt hält ein Polizist es auch eher für bemerkenswert, dass der Pinguin einen Raub verhindert, als selbst den Täter zu fassen, obwohl er selbst dabeisteht. Daher verwundert es nicht, dass Gordon seinen eigenen Leuten nichts zutraut – und anderen Wohltätern dafür alles.

Wahlwerbung für den Pinguin

Aber Gordons Intuition trügt ihn nicht: Der Pinguin hat etwas vor. Er will Bürgermeister werden. Verboten ist das nicht. Und obwohl er gerade erst angefangen hat, liegt er in Umfragen mit 60 Prozent vorn. Batman sieht keinen Grund zur Sorge, dass der Gauner gewählt werden könnte: „People of Gotham City are not as simple-minded as he might think.“ Man muss kein Zyniker sein, um zu merken, dass sich Batman irrt.

Pinguin in seiner Wahlkampfzentrale

Der amtierende Bürgermeister gibt sich geschlagen noch bevor der Wahlkampf beginnt. Nur einer kann gegen den Pinguin gewinnen: Batman! Er sei der einzige in Gotham mit einem makellosen Ruf, sagt Gordon. Es klingt sehr trostlos, wenn man so etwas über eine ganze Stadt sagt. Batman sträubt sich zunächst, sagt dann aber zu. Drei Stunden später sind 55 Prozent für Batman und nur noch 35 Prozent für den Pinguin. Die Menschen von Gotham sind ein sehr wankelmütiges Volk. Es entscheidet aus dem Bauch heraus.

Neue Methoden des Guerilla-Marketings

Doch der Pinguin holt bald auf, denn er fährt eine erfolgreiche Strategie: Große Show, keine Politik. „Issues confuse people.“ Batman sieht das anders. Der unverbesserliche Idealist glaubt an Inhalte. Na ja, ein bisschen Showmanship würde nicht schaden, meint Robin, doch Batman winkt ab.

„I’m convinced the American electrorate is too mature to be taken in by cheap vaudeville trickery. After all, if our national leaders were elected on the basis of tricky slogans, brass bands and pretty girls, our country would be in a terrible mess, wouldn’t it?“

Ein klarer politischer Appell, den er da auch an die TV-Zuschauer richtet. In Trump-Zeiten klingt das noch mehr wie ein böses Omen. Klar, dass das nur schiefgehen kann.

Aber Batman bleibt bei seinem Idealismus und hält lieber Reden über Inhalte. Reden, zu denen kaum jemand kommt und die Anwesenden einschläfert. Ein begnadeter Rhetoriker ist er leider nicht. Es hilft auch nicht, als er aus hygienischen Gründen keine Babys küssen will. Der Pinguin wirbt ihm Wähler ab, lässt eine Bauchtänzerin und eine Rock-Band auftreten (Paul Revere and the Raiders!). Der Mann weiß einfach, was dem Volk gefällt.

Wagschale des Todes

Um ganz sicherzugehen, lockt er Batman und Robin trotzdem in eine Todesfalle. Sie hängen in einer Waagschale über Schwefelsäure, auf der anderen Seite schmelzen Eisbrocken. Wie gut, dass Batmans Anzug zufällig säureresistent ist …

Als schließlich die Stimmen ausgezählt werden, hält der Pinguin die Wahlhelfer als Geiseln. Am Ende ist alles vergebens, denn Batman gewinnt doch die Wahlen. Unerklärlicherweise. Das Gute hat gesiegt. So klappt das nur im Fernsehen.

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Batman trifft Green Hornet

Batman, Robin, Green Hornet und Kato

Titel: A Piece of the Action/Batman’s Satisfaction (dt. Die grüne Hornisse)

Drehbuch: Charles Hoffman

Erschienen: 1967 (Batman S02E51-52)


„That’s the problem with dual identities, Robin. Dual responsibilities.“ (Batman)

Batman bekommt Konkurrenz: Green Hornet und Kato überfallen in Gotham eine Briefmarkenfabrik, ohne etwas mitzunehmen. Zunächst scheint es, als wären sie die Schurken, für die sie gehalten werden. Die maskierten Helden müssen sich vor Batman und Robin behaupten. Tatsächlich gab es parallel zur Batman-Serie eine Green Hornet-Serie, die nur eine Staffel hielt. Van Williams spielt neben Bruce Lee, der daraufhin zum Star wurde. Bereits in der Folge … hatten die beiden einen Gastauftritt.

Colonel Gumm

In dieser Doppel-Folge ist ihr gemeinsamer Feind Colonel Gumm, der in der Briefmarkenfabrik von Pinky Pinkston, Fälschungen druckt und plant, eine Briefmarkenausstellung zu plündern. Pinky ist eine junge Dame, die sich selbst ihre Haare und ihr Hündchen pink färbt, und sowohl mit Bruce Wayne als auch mit Britt Reid (Green Hornet) befreundet ist. Die beiden Herren kennen sich aus ihrer Jugend. Schon damals waren sie Rivalen.

Green Hornet und Kato als Briefmarken

Batman und Robin helfen Green Hornet und Kato aus der Klemme, als Colonel Gumm sie in eine Briefmarken-Maschine steckt. Zuvor sieht es nicht gut für sie aus, als Gumm zwei lebensgroße Briefmarkenversionen von ihnen aus dem Drucker holt. Später verkloppen sie Gumm und seine Schergen. Bruce Lee hebt das Niveau des Kampfes natürlich gewaltig. Dafür kann Batman mit Klugscheißerei punkten, indem er erklärt, welches Gerät die Bilder von Green Hornet und Kato produziert hat. Batman zeigt sogar eine neue Fähigkeit: Er kann die Farbe Pink riechen.

Bruce, Pinky, Britt – und ein pinker Hund.

Natürlich geht es auch um doppelte Identitäten. Pinky stellt die steile These auf, Bruce sei Green Hornet und Britt sei Batman. Wie soll das gehen wenn beide in unterschiedlichen Städten leben? Jedenfalls kommt es zu interessanten Aufeinandertreffen der beiden Helden, die die Geheimnisse ihres Gegenübers nicht kennen.

Batman sichert die Buchstabensuppe.

Der Höhepunkt des Absurden ist aber eine andere Szene: Colonel Gumm isst am liebsten Buchstabensuppe. Als Pinky von ihm festgehalten wird, lässt sie ihren Hund von einem Teller Suppe fressen. Batman fällt später sofort auf, dass fehlen die Buchstaben J, Q und Z fehlen. Wie gut, dass er den leeren Alphabet-Soup-Bat-Container dabei hat, inklusive Bat-Trichter. Die verstaut er dann irgendwo hinter seinem Cape, wahrscheinlich in einer Halterung seines Gürtels. In der Batcave wird dann das Ganze mit dem Alphabet-Soup-Dryer getrocknet.

Robin fällt anschließend die Drecksarbeit zu, aus dem Buchstabensalat schlau zu werden. Natürlich ist das Unterfangen zum Scheitern verurteilt. Seine einzige Erkenntnis ist, dass es keine Satzzeichen in Buchstabensuppe gibt. Wieder was gelernt. Da hat Batman eine Idee: Er kehrt die Nudeln zusammen und füttert damit den Bat-Computer. Der spuckt die Buchstaben sofort in richtiger Reihenfolge aus. Die Botschaft lautet:

„If anyone can decode this message: Gumm is taking me to warehouse as hostage. Watch stamp exhibition tonight. Pinky Pinkston.“

Und dass nur, weil Frau Pinkston alle Js, Qs und Zs an ihren Hund verfüttert hat. Doch als Batman eine Seite aus den Gelben Seiten hineinsteckt, versagt der Computer. Tante Harriets Haartrockner hatte einen Kurzschluss und hat die halbe Stromversorgung lahmgelegt. Und das alles nur wegen der Eitelkeit einer Frau. Als Batman schon resigniert die Schlacht für verloren erklären will, springt Robin als Motivator ein: Früher wurden Schlachten auch ohne Elektrizität geschlagen. Das baut Batman wieder auf.

Green Hornet & Kato

Selbst in der letzten Schlacht ist nicht klar, wer Freund und Feind ist: Batman und Robin prügeln sich nicht nur gegen die Schurken, sondern auch gegen Green Hornet und Kato. Als Robin von Bruce Lee umgekickt wird, ist Robin froh, dass sie nicht jede Woche gegen sie antreten müssen.

Robin legt sich mit Bruce Lee an

Fast 40 Jahre später kam es zu einem Wiedersehen im Comic: Batman ’66 Meets the Green Hornet (2014-2015), geschrieben von Kevin Smith und Ralph Garman, gezeichnet von Ty Templeton.

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Schamloser Cowboy

Showdown mit Shame

Titel: Come Back, Shame/It’s How You Play the Game (High Noon in Gotham City)

Drehbuch: Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E25-26)


„Shame on you, Shame!“

Ein Ganove klaut einen Rennwagen und noch zwei weitere Autos. Als Gordon bei Batman anruft, ist der Held verwundert: Damit müsste selbst die Polizei vom Gotham fertig werden können. Doch der Dieb ist nicht irgendwer, sondern Shame, ein bekannter Ganove, der sich wie ein Cowboy anzieht. Offenbar reicht das schon, um die besondere Expertise von Batman und Robin zu bemühen. Dafür müssen Bruce und Dick leider ihr Spiel mit der Autorennbahn unterbrechen. (Bruce ist übrigens auch darin seinem Mündel überlegen.)

 

Shame klaut die Autos, um aus den Teilen einen eigenen Motor für sein Fluchtfahrzeug zu bauen. Damit will er vier wertvolle Stiere stehlen und das Batmobil abhängen. Mal wieder so ein sehr umständlicher Plan, der nicht wirklich Sinn ergibt. Aber was will man auch von einem solchen Typen erwarten? Shame entspricht dem Klischee des Westernhelden, sein Geheimversteck liegt auf einem verlassenen Studiogelände für Westernfilme.

Schamloses Kostüm

Warum der Schurke Shame heißt, erschließt sich nicht, denn wenn der Cowboy eins nicht hat, dann ist es Schamgefühl für sein mangelndes Stilbewusstsein: Seine rote Weste, sein geblümtes Hemd und seine lila Krawatte mit weißen Punkten wollen so gar nicht zu der Lederkluft passen, die er trägt. Das ist aber auch schon das Bunteste an seinem Charakter. Dieser Möchtegern-John Wayne (dargestellt von Uncle Ben-Darsteller Cliff Robertson) hat den Charme eines Spucknapfs und ist so humorlos und fade, dass man sich nach King Tut und Egghead sehnt. (Auch seine Komplizen machen es nicht besser und schon gar nicht der Junge, der redet wie ein Zombie und Shame hinterher rennt, um von ihm sein Radio wiederzukriegen.)

 

Trotzdem gibt die Folge einige Höhepunkte her: Bruce und Dick kaufen Unterwäsche für Tante Harriet, Bruce versucht eine Kuh von der Straße zu ziehen und als Bruce sein Auto von Shame stehlen lässt, kommt das Batcycle per Fernsteuerung angefahren, Bruce überreicht Alfred ein zusammenfaltbares Fahrrad und auf diesem „Alf-Cycle“ fährt er davon. Bruce und Dick steigen in zivil auf das Batcycle, ohne sich darum zu sorgen, dass jemand sie sehen könnte. Hier fällt der Unterschied zwischen den Rollen auf: Wenn Bruce das Kostüm nicht trägt, redet er ganz ruhig und ohne Pathos, ja man könnte ihn fast schon cool nennen. Ein Jammer, dass Adam West nie James Bond gespielt hat.

Bat-Ballistik

Eine Saloon-Prügelei später liegt das Dynamische Duo besiegt am Boden. Jetzt könnte Shame sie einfach erschießen. Warum er es nicht tut? Weil es unsportlich wäre, sagt er. Offenbar denkt Shame, es wäre viel sportlicher, die beiden zu fesseln, mit Holzpflöcken am Boden zu befestigen und sie von einer Viehherde zertrampeln zu lassen.

 

Batman rettet sich mal wieder sehr kreativ: Er befreit seine Hände, nimmt seinen Umhang ab und wedelt damit rum wie ein Stierkämpfer, ruft „Toro! Toro!“ und lenkt so die Herde von sich und Robin ab. Reagieren Stiere nicht eigentlich auf rote Tücher? Nein, sagt Batman, das sei ein Irrtum, denn Stiere seien farbenblind und reagierten nur auf die Bewegung. „Holy toreador!“, ruft Robin, doch Batman korrigiert: Nein, es heiße „Matador“. Toreador sage man nur umgangssprachlich, in Anlehnung an Bizets Oper Carmen. Wieder was gelernt.

Shame haut ab, die Helden folgen ihm dank Essensspuren auf dem Lenkrad zu einem Imbiss („Holy guacamole!“), aber finden ihn dort nicht mehr. Nur wo könnte er sich verstecken? Robin meint, er könnte nicht zurück zu dem alten Studio-Set zurückkehren, weil sie das bereits kennen. Aber Batman ist schlauer: Was ist, wenn Shame genau das denkt, dass sie das denken und deshalb denkt, dass er sich wieder dort verstecken könnte? „Holy Bat-logic!“, ruft Robin und tatsächlich treffen sie Shame dort wieder.

Doch sie geraten in einen Hinterhalt. Als Robin an der Ferse angeschossen wird, sieht man weder Blut noch Wunden. Stattdessen holt Batman die Kugel ohne größere Schmerzen aus dem Fuß, bringt ihn in die Bathöhle und heilt ihn mit Decken (?), heißem Wasser (?) und Baticillin-Pillen. Eine Wunderkur: Kurz darauf springt Robin wieder munter durch die Bathöhle.

Shame raubt in der Zwischenzeit seine begehrten Stiere. Und wieder stellt sich die Frage: Wo könnte er sich (und die Stiere) verstecken? Wieder kommt die Bat-Logik zum Einsatz: Doch ganz bestimmt nicht auf einem Viehhof, denn in einer Menge, denn da könnten sie ja leicht gefunden werden. Stattdessen eher auf einem verlassenen Ort, wo niemand nachschauen würde. Also geht es wieder zurück auf das alte Studiogelände. Die Bat-Logik verlangt nach einer würdigen Kulisse für das Finale.

Shame beim Showdown

Beim typischen Western-Showdown treten Batman und Robin ihrem Gegner ohne Waffen gegenüber. Natürlich zu High Noon. Und um auch das letzte Klischee zu erfüllen, fällt der Satz „This town ain’t big enough for both of us.“ Batman ist sich sicher: Shame würde nie auf einen Unbewaffneten schießen, das verstieße gegen den Western-Code. Dass sie bereits aus vollen Rohren beschossen worden sind und Robin bereits eine Kugel abgekriegt hat, scheint vergessen. Man hilft sich mit einer Rauchbombe, die Bösen schießen die Magazine leer und man kann die Sache mit Fäusten lösen. Auch dabei kommt es zu absurden Szenen, wie Robin, der auf einem Schurken Rodeo reitet …

 

Zum Schluss erteilt uns Batman noch eine Lektion zum Umgang mit Schusswaffen: „Great care must be taken in the use of firearms. They can be quite dangerous if used improperly.“ Von Batman können die Amerikaner noch heute viel lernen. Oder, wie es Cliff Robertson später als Uncle Ben sagt: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“

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Batman gegen Liberace

Liberace alias Chandell

Titel: The Devil’s Fingers/The Dead Ringers (dt. Tödliches Fingerspiel)

Drehbuch: Lorenzo Semple Jr.

Erschienen: 1966 (Batman S02E15-16)


Tante Harriet hat Besuch vom großen Pianisten Chandell (gespielt von Liberace). Sie proben gerade ein Stück, das sie gemeinsam bei einem Wohltätigkeitskonzert der Wayne Foundation spielen sollen. Als Chandell ein schottisches Stück spielt, kommen drei schöne Frauen in Schottenröcken durchs Fenster gestiegen, bedrohen die beiden mit einem Dudelsack und rauben sie aus. Die Polizei ist sofort zur Stelle, um Batman und Robin zu rufen, aber da bekommt Gordon am Telefon von Alfred mitgeteilt, dass das Dynamische Duo Urlaub mache. Gordon ist fassungslos: „Catastrophic! … The moment we’ve dreaded for years has arrived!“ Das bedeutet, dass die Polizei von Gotham zum ersten Mal einen Fall selbst lösen muss.

Schon bei der Spurensicherung sind die Ordnungshüter überfordert und geben schnell auf. Gordon und O’Hara sehnen sich nach den inspirierendsten Worten der englischen Sprache: „To the Batmobile, Robin! Let’s go!“ Um keine unnötigen Risiken einzugehen, fährt Gordon schwere Geschütze auf – buchstäblich. Um Chandell bei  einem Konzert zu schützen, lässt er Zugänge mit Sandsäcken, Stacheldraht und Maschinengewehren bewachen. Beim ersten Anzeichen von kriminellen Machenschaften soll scharf geschossen werden.

Batman und Robin mit Chandell

Es nützt alles nichts. Das Publikum ist schlauer: Wir erfahren schnell, dass Chandell selbst der Schurke ist, der Böses im Schilde führt. Bei einem Konzert spielt er Piano und muss sich einmal verspielen, damit bei der Burma Import Company  eine Bombe hochgeht. Seine drei Komplizinnen führen davor einen burmesischen Tanz auf und versetzen einen Polizisten in Staunen.

Bruce Wayne, der im Wald bei der Jagd hockt, hört sich das Konzert im Radio an, bemerkt den Fehler und wird sofort skeptisch: Dass der große Chandell sich verspielt, ist eine Unerhörtheit, für die er sofort den Urlaub unterbricht und Dick Grayson, der sich gerade an eine Mitschülerin ranschmeißt, folgt ihm. Verbrechensbekämpfung geht eben vor. In der Zwischenzeit ist Gordon in der Krise. Aus lauter Verzweiflung hat er sich ein Pillenarsenal zugelegt. Seine Freude könnte nicht größer sein, als er endlich Batman am Telefon hört.

Chandell ist ein Verbrecher aus Not: Sein böser Bruder Harry (ebenfalls gespielt von Liberace) erpresst ihn, zu verraten, dass Chandell seine Berühmtheit einem Betrug zu verdanken hat, weil er einst bei einem Konzert im Weißen Haus auf einem automatischen Klavier spielte. Chandell will Bruce und Dick töten, Aunt Harriet heiraten und von der Erbschaft seinen Bruder auszahlen.

Batman und Robin, Harry und die Stanzmaschine

Batman und Robin landen in einer ganz besonderen Todesfalle: Einer Stanzmaschine für Pianola-Noten. Als sie langsam auf einem Fließband hineingezogen werden, fordert Batman Robin auf, ihm nachzusingen. Beide singen quer durcheinander, als wären sie verrückt geworden und kommen heil auf der anderen Seite wieder raus. Die Erklärung: Die Maschine reagiert auf Töne, die sie hört, und Batman hat sich einfach Töne vorgestellt, mit denen die Maschine an ihnen vorbeistanzt. Einfachste Lösung wäre demnach gewesen, still zu sein. Aber dann gäbe es eine alberne Szene weniger …

Zum Einsatz kommen sonst der Bat-Shield, eine Rauchbombe und zum ersten Mal bewährt sich der Batarang, um jemanden auszuknocken. Und erstmals nimmt auch Tante Harriet eine Waffe in die Hand, um einen Gauner in Schach zu halten, aber nur mit mäßigem Erfolgt. Die Polizei nutzt ihre „Subtle Interrogation Lamp“, eine Vorrichtung, mit der man Verdächtige wie Harry beim Verhör zum Schwitzen bringen kann. Aber leider hat der gewiefte Anwalt von Harry Tropenhelm und Sonnenbrille dabei.

Am Ende landet die Bande zwar im Knast, aber Chandell darf zu seiner getreiften Sträflingskleidung trotzdem Glitzer tragen und ein gestreiftes Piano spielen. So geht die Zeit schneller rum. Aber ein Wiedersehen mit ihm wird es in der Serie nicht mehr geben.

Chandell in Streifen

Zum Schluss ein Wort Bat-Philosophie:

Robin: „Self-control is sure tough sometimes, Batman.“
Batman: „All virtues are, old chum. Indeed, that’s why they’re virtues.“

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Minnesänger grillt Batman

Minstrel mit Klampfe

Titel: The Minstrel’s Shakedown/Barbecued Batman? (dt. Minnesänger – Börsensprenger)

Drehbuch: Francis M. & Marian B. Cockrell

Erschienen: 1966 (Batman S02E05-06)


Ein neuer Gegner für Batman: Der Minstrel, ein Minnesänger, mischt die Börse von Gotham auf und erpresst sie, es wieder zu tun. Wie hat er das geschafft? Heute würde man ihn einen Hacker nennen. Aber wie kann ein mittelalterlicher Minnesänger zugleich ein elektronisches Genie sein? Eine seltsame Kombination, findet auch Gordon. Da wird er von Robin eines Besseren belehrt: Musik und Elektrizität werden beide durch Wellen übertragen. Und zwar durch fast identische Naturgesetze, ergänzt Batman. Es sei also logisch, dass ein krimineller Musiker sich so betätigt. Demnach könnte also jeder Pianist ohne Probleme zum Elektrotechniker umschulen oder andersrum – gut zu wissen.

Minstrel sprüht Funken

Die Polizei will helfen, sie macht sich Sorgen um das Dynamische Duo. Aber Batman winkt ab: Nach Pinguin, Archer, Clock King, King Tut und Catwoman, werden sie wohl auch mit diesem Minstrel fertig. Leichter gesagt als getan. Denn kaum stehen sie ihm zum ersten Mal gegenüber, kann er sie mit ein bisschen Funkensprühen von sich fernhalten. Auch wenn Batman seine Bat-Drone einsetzt, kann er nicht verhindern, in eine fiese Falle gelockt und auf einen rotierenden Radarwellen-Grill gebunden zu werden.

Batman und Robin werden gegrillt

Während die Helden langsam vor sich hinbrutzeln, singt Minstrel ein nettes kleines Lied:

Batman and Robin rotate and revolve
As the heat grows your bodies dissolve
When it’s still hotter, then you will melt
Nothing left but your utility belt.

Doch natürlich entkommen sie auch dieser Todesfalle ohne dass selbst ihre Capes Schaden nehmen. Minstrels Handlanger lassen sie ebenso laufen wie die hübsche Komplizin Octave, obwohl sie sich ihm freiwillig ergibt. Batman flirtet hart mit ihr: Allein vom Aussehen her sei er von ihrer Unschuld überzeugt. Er gibt ihr ihre Handtasche zurück – aber natürlich mit einer Wanze.

Kleiner Flirt, Batman-Style

Im Finale geht es um nichts Geringeres als das Ende der Welt. Der Minnesänger kann nämlich mit Ultraschallwellen Gebäude zum Schwanken bringen. Aber das klingt spektakulärer, als es ist.

Auch wenn die Episode sonst nicht viel zu bieten hat, gibt es zwei interessante Szenen, die den postmodernen Batman vorwegnehmen: In einer Szene hat Alfred ein Abendessen vorbereitet, aber Batman und Robin sind zu sehr mit Basteln beschäftigt. Ein Erdnussbutter- und Wasserkresse-Sandwich und ein Glas Milch hätten es auch getan, sagt Batman. Alfred macht sich Sorgen um ihre Gesundheit: die langen Arbeitszeiten und die ausgelassenen Mahlzeiten könnten zum Problem werden. Aber Batman ist sich sicher: Wir haben noch einige gute Jahre vor uns.

Essen ist fertig

In der zweiten Szene wagt es Chief O’Hara, das Dynamische Duo anzuzweifeln. Eigentlich wisse man nichts über die beiden, sagt er. Es seien nur zwei Maskierte, zwei Stimmen am Telefon – wo kommen sie her, wo gehen sie hin? Woher die Sicherheit, dass sie nicht selbst einmal zu Übeltätern werden? Gordon wird sauer, schreit ihn zusammen. Selbst als er sich entschuldigt, kennt der Commissioner keine Gnade: Batman und Robin auch nur infrage zu stellen, duldet er nicht. „They are the guardian angels of the city.“

Batman und die Bat-Drohne

Als der Minstrel endlich gefasst ist, will es Tante Harriet nicht wahrhaben. Kann ein Mann, der so schön singt, wirklich ein böser Mensch sein?, fragt sie sich. Selbst als der Minstrel am Ende droht, aus dem Knast auszubrechen und Batman zu töten, bittet sie Bruce, für den armen Mann ein gutes Wort beim Commissioner einzulegen. Kein Wunder, dass die Frau nie kapieren wird, dass sie mit Batman und Robin unter einem Dach wohnt.

Eine verkehrte Welt, in der die Besten angezweifelt und die Bösesten verklärt werden …

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Egghead übernimmt Gotham City

Vincent Price als Egghead

Titel: An Egg Grows in Gotham/The Yegg Foes in Gotham (dt. Ein dickes Ei für Gotham City)

Story/Drehbuch: Edwin Self/Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E13-14)


„I know it seems we call the Caped Crusaders pretty often, but there’s no other way to handle it.“ (Gordon)

Vor vielen Jahren wurde Gotham City von drei Familien gegründet: den Savages, den Tylers und den Waynes. Das ursprüngliche Land wurde von den Mohikanern gepachtet, zum Spottpreis von neun Waschbärfellen. Seitdem muss die Pacht alle fünf Jahre erneuert werden, zum gleichen Preis und von den Vertretern der vier Parteien – so will es Gothams Verfassung. Bruce Wayne und die Millionäre Pete Savage und Tim Tyler sollen die Felle dem letzten Mohikaner, Chief Screaming Chicken übergeben. Doch vor der Nacht der Zeremonie stiehlt ein Schurke die Urkunde.

Egghead mit Hauptquartier mit Handlangern

Der Schurke ist ein neuer für Batman: Egghead (gespielt von Vincent Price), ein glatzköpfiger Erfinder mit einer Vorliebe für Eier, Eiförmiges und Wortspiele. Er ernährt sich nur von weißen Eiern der Güteklasse A, seine kahlen Helfer heißen Benedict und Foo Yung (nach den Eierspeisen), seine Sekretärin Bacon.  „The smartest villain we ever faced“, gibt Batman zu. Und tatsächlich ist er der einzige Mensch in der Serie, dessen Gehirn schlau genug war, zu schließen, dass nur Bruce Wayne Batman sein könne. (Auch wenn diese Vermutung so schnell zerschlägt wie ein Ei.)

Doch was will Egghead mit der Urkunde? Robin hat eine Vermutung: Vielleicht will er einen Krieg zwischen den Bürgern von Gotham und den Indianern anzetteln! Batman bezweifelt das. Es ist nur noch ein Mohikaner übrig. Nein, Egghead will die Übergabe verhindern, selbst einen Deal mit dem Indianer aushandeln und Gotham City übernehmen.

Und so passiert es auch: Egghead nimmt alle drei Millionäre gefangen, sie verpassen den Termin und Egghead kriegt den Zuschlag für Gotham. Kurz darauf entlässt er den Bürgermeister und den Commissioner, er selbst wird Polizeichef und es bricht eine bizarre Anarchie aus: Während Kriminelle rauben dürfen, wie sie wollen, und Schießereien auf offener Straße zur Tagesordnung werden, kümmert sich die Polizei nur noch um Verkehrssünder und Ordnungswidrigkeiten. Egghead bedient sich bei den  Steuereinnahmen der Stadt.

Aber vom Alltag unterscheidet sich das erst, als Batman und Robin aus der Stadt geworfen werden. Nun kann (und will) sich niemand mehr gegen den Schurken wehren. Die Lösung steht im Kleingedruckten der Verfassung: Kriminelle dürfen nicht die Stadt regieren. Bruce und Dick müssen erst die Urkunde stehlen, um dahinterzukommen. Auf die Idee, dass die US-Verfassung die Eigentumsrechte schützt, kommt natürlich niemand. Aber so ergibt sich das schöne Finale, bei dem sehr viele Eier zu Bruch gehen.

Batman und Robin auf Lachgas

Egghead wirft vor allem gerne Bomben- und Rauch-Eier, eines sogar mit Lachgas, das Batman und Robin nur mit einer Traurigkeitspille bekämpfen können. Ansonsten wird wirklich keine Gelegenheit ausgelassen für Kalauer mit Ei-Bezügen: Von „eggcelent“ bis „eggcuisite“. Auch sonst ist es eine philologische Folge: Einmal gibt Batman sogar Robin Nachhilfe in englischer Sprachgeschichte, indem er anhand von Eggheads Tarnfirma „The Gothi Oeufs Caviar Company“ erklärt, dass Gothi Fisch bedeutet.

Kleine englische Sprachkunde

Die Autoren beweisen auch Traditionsbewusstsein in Sachen Pulp-Kultur: Batman sagt einmal den Satz „Who knows where evil lurks“, der von der berühmten Radio-Ansage seines Vorläufers The Shadow stammt, der Indianer benutzt einmal das Wort „Kemosabe“, ohne zu wissen, was es bedeutet. Er habe es einmal im Radio aufgeschnappt, sagt er, und tatsächlich stammt es aus dem Radio-Hörspiel The Lone Ranger (1949-1957).

Begrüßung des letzten Mohikaners: Batman und Screaming Chicken

Was die Darstellung des armen Indianers angeht, die ist leider genauso klischeebehaftet wie alles andere, nur dass es leider zu Lasten der unterdrückten Minderheit geht: Der Häuptling wird als armer Tropf gezeigt, der albernen Kopfschmuck trägt und in einem Tipi am Straßenrand Souvenirs, Decken und Pizza verkauft. Als wäre das nicht traurig genug, erscheint er als naiver Idiot, der schlechtes Englisch spricht, eine kurzes Gedächtnis hat und sich ständig übers Ohr hauen lässt.

Zwar denkt Screaming Chicken, der Preis für Gotham sei mit neun Pelzen zu gering angesetzt, aber er verlangt stattdessen nur zwölf. Batman ist unnachgiebig: So steht es im Vertrag. Der Philanthrop Bruce Wayne kennt plötzlich keine Almosen mehr. Und der Häuptling gibt sich geschlagen. Der Indianer (im Allgemeinen) sei eben kein guter Geschäftsmann, sagt er. Selbst Egghead bietet ihm später nur 100 Dollar im Monat an (plus so viele Eier er will) und er lässt sich auf den Ganoven ein, ohne seine Motive zu hinterfragen.

Der absolute Tiefpunkt: Am Ende sagt Screaming Chicken in einem Moment von Peinlichkeit: „My face is so red.“ Seltsam, dass man diese Stereotype bisher nicht zensiert hat … Allerdings gibt es eine wunderbar schräge Szene, in der Batman den Häuptling mit einem bizarren Ritual begrüßt. Die allein ist sehr witzig – hätte diese ganze Indianer-Sache nicht einen so bitteren Beigeschmack.

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