Legends of the Dark Knight

Vom Wahnsinn befreit

DC Comics

DC Comics

Titel: Going Sane

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Joe Staton

Erschienen: 1994/1995 (Legends of the Dark Knight #65-68), Paperback 2008


„If there’s no Batman to drive crazy, then what’s the point of being crazy?“ (Joker)

„You’re as crazy as I am.“ (Joker)

Hätten Batman und Joker nicht einander – sie wären wohl glücklich verheiratet. Das ist die These von Going Sane. Sie brauchen aber einander. Der Held braucht den Schurken, um sich zu beweisen, und ebenso ist es andersum. Der Joker braucht ein Publikum, einen, an dem er sich abarbeiten kann. Und als Batman nach einer Konfrontation mit dem Joker scheinbar stirbt, und das Publikum plötzlich fehlt, beschließt der Joker plötzlich, ein normales bürgerliches Leben zu führen: er nimmt eine gesündere Hautfarbe an und legt sich den Namen Joseph Kerr zu und er verliebt sich in eine Frau, die die Liebe sogar erwidert.

Klar geht das nicht lange gut. Nicht nur, weil der Joker seinen Wahnsinn nicht einfach so ablegen kann. Sondern auch, weil Batman natürlich nicht tot ist. Er wird von einer Frau gefunden und gesund gepflegt: Lazarus nennt sie ihn. Und wie ein Auferstandener kommt er wieder zu Kräften und sucht seinen Erzfeind. Dank der offensichtlichen Wahl des Decknamens Joseph Kerr findet er ihn schnell. Und kaum ist Batman wieder da, fällt der Geläuterte wieder in den Wahnsinn zurück – mit allem drum und dran.

Die Story hat eine interessante Prämisse, aber ist etwas holzhammermäßig ausgeführt. (Frage am Rande: Warum zerschlägt Batman ständig Dinge?) Vor allem leidet die Geschichte an den sperrigen, manchmal karikaturenhaft überzeichneten Zeichnungen und verwirrenden Seitenstrukturen. Ein talentierterer Künstler hätte mehr herausholen können. Was aber gut gelingt ist, das Abhängigkeitsverhältnis der beiden Antagonisten ausführlich darzustellen. Wir bekommen einen der seltenen Einblicke in Jokers Gedankenwelt – und die sind sehr aufschlussreich:

„He’s a bigger clown than I am. Thinks the world can be stacked and folded and filed! Thinks there’s logic and meaning and order! No matter how many times he slips on a banana peel, he never sees the humor! Never gets the joke! It’s so infuriating! I hate him! Oh, I suppose I should be grateful! After all — he does provide me with my greatest audience! My greatest challenge!“

Der Joker erscheint als Komiker, der seine größte Herausforderung darin sieht, Batman zum Lachen zu bringen (vgl. Return of the Joker). Aber Batman findet den Joker nicht witzig, ihm fehlt auch jeglicher Humor. In der Regel. Denn wie man am Ende von The Killing Joke (1988) gesehen hat, konnte der Joker wenigstens einmal sein Ziel erreichen. Aber das ist die Ausnahme in der Tragödie dieser ganz besonderen Beziehung. Es hat einen Grund, warum sie beide keine (dauerhafte) Partnerin finden: sie sind bereits aneinander vergeben (vgl. The Dark Knight Returns).

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Die grinsende Katze

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Titel: Images

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Bret Belvins

Erschienen: 1993 (Legends of the Dark Knight #50), Paperback 1996 (Dark Legends)


„We can’t go on meeting like this.“ (Batman)

„A true artist never repeats himself.“ (Joker)

Fast hätte er ihn gehabt: Batman platzt mitten in eine Gangster-Versammlung, doch statt sich den Kerl im lila Anzug vorzunehmen, mischt er lieber die üblichen Verdächtigen auf. Das erweist sich bald als Fehler: denn der komische Kauz ist der Joker – und er mordet bald darauf so willkürlich wie perfide. Mit Ansage und … Augenblick mal, die Story kennen wir doch! Ja, stimmt. Es ist eine Variation der allerersten Joker-Story aus Batman #1 (1940). Die wurde 2005 als The Man Who Laughs wieder erzählt, und 1993 schon einmal unter dem Titel Images.

Was macht diese Version interessant? Dennis O’Neil gibt dem Joker einen Cousin namens Melvin Reipan, der etwas zurückgeblieben und naiv, aber ein Chemie-Genie ist. Er braut dem Joker sein Gift zusammen – und dieser testet es zunächst an Melvins Katze. Dabei wird angedeutet, dass Jokers echter Name mit Ja… beginnt, er ihn aber nicht mehr hören will. Auch Cousin Melvin überlebt seinen ersten Auftritt nicht, Bruce Wayne spendiert ihm ein pompöses Grab. (Warum auch immer; manchmal schießt der Milliardär etwas übers Ziel hinaus.)

Sonst ist die Geschichte eben mehr oder weniger die vertraute: Persönlichkeiten werden bedroht, mit viel Polizei geschützt, aber dann sterben sie doch lachend. Dabei stellen sich die Bullen ziemlich dämlich an: Wenn schon der erste wegen vergiftetem Papier draufgegangen ist, wieso gehen sie dann davon aus, dass sie das nächste Mal mit mehr Polizei und einem Tresor für mehr Sicherheit sorgen können? Am Ende läuft es leider auf banale Beweggründe hinaus: der Joker giert bloß nach Geld. Im Finale haut er Batman eine rein, Batman revanchiert sich mit einem Haken und das war’s. Ziemlich banal. Die einzige Pointe: Bruce Wayne glaubt am Ende dann tatsächlich, dass der Fall damit erledigt wäre. Aber das ist nur einer von vielen seltsamen Schlüssen, die der Meisterdetektiv in dieser sperrigen Story zieht.

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Der eingebildete Batman

Titel: Mask (dt. Die Maske)

Autor/Zeichner: Bryan Talbot

Erschienen: Legends of the Dark Knight #39-40 (1992), dt. Panini 2015 (Special Comicfest München)


„Am I really insane? Mad as a hatter? Bats in the belfry?“ (Bruce Wayne)

Kaum hat Batman ein paar Einbrecher verdroschen, wird ihm plötzlich unwohl. Er verliert das Bewusstsein und findet sich einige Zeit später in einem Krankenhaus wieder. Dort erklärt man ihm, dass er sich die Sache mit Batman bloß eingebildet habe. In Wirklichkeit ist Bruce Wayne ein Alkoholiker, der sich in eine Fantasiewelt flieht, um seine schlimme Kindheit zu verdrängen. Und tatsächlich plagen Bruce Wahnvorstellungen: seine Ärzte erscheinen ihm als Schurken wie Joker, Two-Face und Catwoman. Immer wieder durchschreitet er als Batman Alpträume … Was ist hier los? Ist alles nur Einbildung oder ist das bloß perverse Manipulation? Aber wer steckt dann dahinter?

Batmans wahre Maske

Batman erkennt seine wahre Maske.

Bryan Talbot erzählt mit dem Zweiteiler Mask eine Batman-Story, die es in sich hat: Einerseits inszeniert er einen beklemmenden Alptraum, indem er Batman durch eine dystopische Hölle irren lässt, andererseits ist die Geschichte auch eine kritische Studie der Figur Batman, die nicht nur psychologisch in die Tiefe geht, sondern auch die kulturhistorischen und mythologischen Hintergründe der Fledermaus ergründet. Dabei fallen auch solche schonungslosen Sätze wie: „You see the world as meaningless chaos. You feel that you need to impose order. It’s a fundamentally fascist impulse that many people share.“ Hier wird das Konzept von Batman regelrecht auseinandergenommen.

Batmans mythologischer Ursprung.

Fledermäuse und der Teufel: Batmans mythologischer Ursprung.

Zusammen mit den ausdrucksstarken, abgründig-düsteren Panels und der einfallsreichen Seitenarchitektur ist eine der beeindruckendsten Batman-Storys entstanden, die man unbedingt gelesen haben sollte. Es ist einer der seltenen Momente, in denen man Perfektion genießen darf.

Batman stürzt ab

Billiges Selfmade-Kostüm und kein Gadget-Gurt: Batman stürzt ab.

Anmerkung: Die Originalfassung von Batman: Mask kann man in digitaler Form über Comixology herunterladen (ebenso wie jede andere Ausgabe von Legends of the Dark Knight).

Dystopische Variationen

Titel: Legends of the Dead Earth

Autor/Zeichner: Doug Moench, Chuck Dixon, Alan Grant/Vincent Giarrano, Flint Henry, Barry Kitson, Brian Apthorp

Erschienen: 1996 (Batman Annual #20, Detective Comics Annual #9, Shadow of the Bat Annual #4, Legends of the Dark Knight Annual #6)


„Whatever happens to me — the legend will never die!“ (Batman)

Im Jahr 1996 standen alle DC-Annuals unter einem Titel: Legends of the Dead Earth. Erzählt wurden Geschichten aus alternativen Universen (allerdings ohne Elseworlds-Label), in denen die Helden in verschiedenen Versionen einer düsteren Zukunft kämpften. Auf einer toten Erde leben die Legenden weiter, so das Motto der Reihe.

Im Batman Annual erzählt ein alter Mann in einer dystopischen Zukunft ein paar Kindern Legenden von Bat-Man, einem geflügelten Helden, der einen Sidekick namens Darkbird hat. Die bekannten Schurken erscheinen in abgewandelter Form: der Joker ist der Mad Jester, der Menschen mit manipulierten Holo-Programmen zum Lachen bringt, Catwoman ist Cat-Fem, eine Mensch-Tier-Hybridin, Two-Face ist Split-Face und Scarecrow ist ein Vogelmensch, der tatsächlich zunächst als Vogelscheuche arbeitet, bevor er vor Angst wahnsinnig wird und seinen Job verliert. Auch wenn die Figuren und Anekdoten nicht alle durch Einfallskraft glänzen, ist dieses Heft das gelungenste der vier.

Im Detective Comics Annual ist Batman ein Riesen-Roboter, im Shadow of the Bat Annual führt Batman eine Armee gegen eine feindliche Reptilien-Spezies an und reitet dabei auf Dinosauriern. Der vierte Teil (Legends of the Dark Knight Annual) spielt zwar in einer Art Zukunft, aber das Szenario mutet mittelalterlich an. Batwoman ist hier die Heldin, die das Erbe ihres Vaters Robert Kane antritt. Batman war ein Henker für einen Schurkenstaat, der Selbstmord beging, nachdem er seine Schuld nicht mehr ertrug. Batwoman macht reinen Tisch.

Auch wenn das Konzept einen interessanten Ansatz verspricht und den Schöpfern kreative Freiheit zu gewähren scheint, kommt bei Batman nicht viel Interessantes bei rum. Bloß oberflächliche Variationen des Altbekannten in verschiedenen Dystopien. Kein Wunder, dass diese Storys bisher nicht wiederaufgelegt wurden.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Welke Blüten

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 5

Autor/Zeichner: Ron Marz, Aaron Lopresti u.a./diverse

Erschienen: 2015


„The tale is in the telling.“ (Edgar)

Anthologie bedeutet ursprünglich Blütensammlung. Doch wie so oft sind es nicht bloß schöne Blüten, die gesammelt werden. Die Qualität schwankt. So ist es auch mit den Legends of the Dark Knight. Leider ist Band fünf besonders schwach geworden. Denn die Fantasie treibt hier keine Blüten: Mäßig inspirierte Autoren steuern sechs Geschichten bei, die von mäßig begabten Zeichnern inszeniert werden.

Es beginnt mit einer Story von Aaron Lopresti um einen verrückten Wissenschaftler, der Batman zu klonen versucht und dabei ein Monster erschafft. Diese Frankenstein-Adaption ist nicht nur allzu platt, die Idee wurde bereits in einer Elseworlds-Geschichte realisiert – und zwar viel interessanter. Bei einem Klassiker der Literatur bedient sich auch Nevermore, eine Adaption der Edgar Allan Poe-Story Das verräterische Herz. Allerdings ist hier Poe selbst der Schurke – oder wenigstens ein Irrer, der sich so inszeniert und seine Handlanger nach Poe-Figuren geformt hat. Das Ganze soll wohl eine Hommage sein, aber es wirkt so uninspiriert, als hätte man bloß ein paar bekannte Motive auf einen Haufen geworfen. (Eine ähnliche Idee wurde ebenfalls bereits verwendet, in der fünfteiligen Elseworlds-Miniserie Nevermore.)

Eine ausführliche Story ist dem Riddler gewidmet, eine andere handelt von neuen Gegnern, einem zündelnden Rächer und einem menschenaussaugenden Monster. Zum Schluss müssen sich Robin (Dick Grayson) und Batgirl nach einem Ausbruch aus Arkham fragen, was Batman tun würde, um Killer Croc, Man-Bat und Clayface wiedereinzufangen. Batman erscheint hier als graue Eminenz im Hintergrund, die für alles einen Plan hat – was natürlich nicht immer so ist.

Nichts davon vermag zu fesseln, nichts davon unterhält besonders. Man nimmt es zur Kenntnis und hat es sofort wieder vergessen. Wahre Legenden sehen anders aus. Diese Blütensammlung enthält bloß welkes Zeug.

>> Batman 2011-2019

Die Leiden des jungen Wayne

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 4

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2014 (Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #2-4, Paperback 2015)


„Should have taken that position with that nice Cobblepot family.“ (Alfred Pennyworth)

Es ist ein Running Gag, der eigentlich nicht mehr witzig ist, aber immer noch zum Batman-Mythos dazugehört: Während James Gordon noch spricht, haut Batman einfach ab – einfach so, ohne ein Wort und ohne Spuren. Manchmal sagt Gordon dann: „Wie macht er das bloß?“ oder „I Hate It When He Does That“, so der Titel der ersten Story aus dem vierten Legends-Band. Hier fragt Gordon: „Where did he learn that?“ Und daraufhin erfahren wir die Vorgeschichte. Ein junger Bruce ist mit Alfred in Thailand unterwegs, wo er einer jungen Einheimischen begegnet. Sie wird vom örtlichen Regime verfolgt, weil ihr Vater ein Aufständischer ist. Nachdem er ihr zum ersten Mal begegnet und sie ihn – im Nichts verschwindend – stehen lässt, verliebt er sich in sie und jagt ihr nach. Am Ende verrät sie zwar ihm das Geheimnis, aber leider nicht den Lesern …

Dies ist nicht die einzige Anekdote aus Batmans Jugend im vierten Band der Legends. Es gibt auch eine in der Mitte und am Ende. Die letzte Story – The Echo of Pearls – verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Sie erzählt die Entstehung von Batman aus der Sicht der Höhle. Der Sturz des jungen Bruce hinein wird als der erste Einfall von Licht in die Finsternis beschrieben (Achtung: Symbol!), später sucht der Junge in der Höhle Trost nach dem Elternmord, schließlich – nach langer Abwesenheit – schickt ihm die Höhle eines ihrer Kinder nach Bruce aus, nämlich die Fledermaus, die durch sein Fenster kracht und ihn auf die Idee für Batman bringt. Damit dürfte das letzte Rätsel um Batman geklärt sein. Zum Schluss beschreibt die Höhle Batman als ihren Jungen, der bloß spielt und sein Hauptquartier mit Spielzeug vollstellt – eine wunderbare Wendung zwischen Selbstironie und Psychoanalyse.

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Zurück zum Wesentlichen

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 3

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013-2014 (Legends of the Dark Knight #11-13, Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #1)


„If this is the best you can do … m-maybe it’s time you hung up that stupid costume and retired.“

„If there is a god … I think he abandoned Gotham a long time ago.“ (Batman)

„We don’t have choices. We’re slaves to our natures.“ (Two Face)

Da gibt es den schwer gepanzerten Bat-Suit, eher ein Kampfanzug als ein Kostüm, den Bat-Wing-Gleiter mit dem Bat Disruptor-Kraftfeld, das Kugeln ablenkt, die Netze, mit denen Schurken im freien Fall an Wände geheftet werden können, den Bat Tracer zum Aufspüren von Flüchtigen, und die computergesteuerten Bat Discs, die Wurfgeschosse, die ihr Ziel verfolgen – fehlt eigentlich nur noch das Anti-Hai-Spray. Doch als all der technische Schnickschnack bei einem Einsatz gegen Ra’s al Ghul versagt und Batman zudem einsehen muss, dass ihn seine Hilfsmittel ein Vermögen kosten und seine Firma in den Ruin treiben, besinnt er sich auf die guten alten Tugenden der Handarbeit. Doch dabei zeigt sich, dass Batman aus der Form geraten ist …

Davon handelt Return of Batman, die stärkste Geschichte von Legends of the Dark Knight Vol. 3. Sie steht in gewisser Weise der Tendenz der vergangenen Jahre entgegen, dass der Held, der sich einst mit Seilen von Haus zu Haus schwang, immer mehr Iron Man gleicht – und dabei etwas von seinem ursprünglichen Reiz einbüßt. Wir sehen einen dekadent gewordenen Batman, der sich erst wieder an Batarangs und Nahkampf gewöhnen muss und dabei wie ein Anfänger den Arsch versohlt kriegt. Ein Opfer, das er bei der Rettung verletzt, legt ihm sogar nahe, in Rente zu gehen (siehe oben).

Doch auch darüber hinaus ist der dritte Legends-Band deutlich besser als sein direkter Vorgänger, was auch daran liegt, dass zwei Storys besonders lang geraten sind und in ihnen mehr Raum zum Erzählen bleibt. Wie etwa bei Without Sin. Hier kommt Batman mal wieder mit der Kirche in Kontakt – eine seltene Gelegenheit. Ein Pfarrer wird ermordet. Weil die eine Gesichtshälfte der Leiche zerstört ist, ist Two-Face der Hautpverdächtige. Doch der Schurke hat neuerdings zu Gott gefunden und der Kirche Geld gespendet – wie passt das zusammen? Batman geht der Sache nach und die Geschichte liest sich wie eine bessere Tatort-Folge, aber am interessantesten sind die Gespräche zwischen Batman und einem Pfarrer, die von Gott und der Welt und eben von der Frage nach der Schuld handeln. Wir erfahren nebenbei, dass Batman nicht religiös ist, aber seine Bibel kennt. Auch Two-Face bekommt eine neue Facette verliehen.

In drei weiteren Geschichten wird eher mäßiges Amusement geboten: What Happened Was … ist eine Rashomon-Variation um den Calendar Man mit einem allzu vorhersehbarem Verlauf. Unlucky Thirteen ist eine Kurzgeschichte über Glück, Pech und anderen Aberglauben, bei der Batman noch einmal den amerikanischen Urglauben bezeugen darf, dass jeder für sein Schicksal selbst verantwortlich ist. Und in Dr. Quinns Diagnosis darf Harley Quinn Batmans Psychiaterin spielen – allerdings ist das nicht besonders ergiebig, weil Batman nicht sehr auskunftsfreudig ist und außerdem nervt die Frau mit ihrer dämlichen Hampelei wie eh und je.

Grafisch herausragend ist allein die Kurzgeschichte Adaptation von Rafael Albuquerque, der in gewohnter Qualität verstörende, ausdrucksstarke Bilder zeichnet. Ein gealterter Bruce Wayne wird von seinen Dämonen in Alpträumen geplagt, in der Realität fühlt er sich nutzlos. Also beschließt er, einen alten Erzfeind wiederauferstehen zu lassen. Eine drastische Horror-Story, wie sie beinahe in Black and White stehen könnte (abgesehen von zwei Seiten Überlänge und den Farben). Bitte mehr davon.

>> Batman 2011-2019

Roter Zorro stiehlt Batman die Show

DC Comics

DC Comics

Titel: Collected Legends of the Dark Knight (Blades, Legend of the Dark Mite, Hothouse)

Autor/Zeichner: James Robinson, John Francis Moore, Alan Grant/Tim Sale, P. Craig Russell, Kevil O’Neill

Erschienen: 1994 (Paperback, Originalausgaben: 1992-1993, Legends of the Dark Knight #32-34, 38, 42-43)


„I am so sick … and sick and tired … of hunting the bad man.“ (Batman)

„Remember, Batman, the potential for evil is in every man. In every man. Even you.“ (The Cavalier)

Drei frühe Erzählungen aus der Serie LOTDK: eine hervorragende, eine mittelmäßige, eine bescheuerte. Die beste sollte man gelesen haben: Blades von James Robinson handelt von einem Batman am Rande seiner Fähigkeiten. Er jagt einen Serienmörder, der es auf alte Menschen abgesehen hat, aber er findet keine Spur, die zum Täter führt – das treibt ihn zur Verweiflung. In dieser Krise erscheint ein neuer Vigilant in Gotham: der Cavalier. Dieser Held mit roter Maske und Schwert orientiert sich an den Helden der Stummfilmzeit wie Zorro oder Robin Hood (beide dargestellt von Douglas Fairbanks). Für Batman ist das besonders bitter, weil Zorro sein Jugendheld ist – und er sich von ihm die Show stehlen lassen muss. Doch als auch noch ein Juwelendieb auftaucht, wird klar, dass der Cavalier nicht der Strahlemann ist, der er vorgibt zu sein.

Die Story hat alles, was man sich wünschen kann: einen gebrochenen, selbstzweifelnden Helden, einen ambigen Gegner und einen mysteriösen, scheinbar übermächtigen Mörder, der als Phantom den Helden plagt. Vollendet wird das Ganze durch die herrlichen, noiresken Zeichnungen von Tim Sale, der später mit Jeph Loeb die Meisterwerke Haunted Knight, The Long Halloween und Dark Victory geschaffen hat. Schon mit dieser frühen Arbeit erweist sich Sale als wahrer Künstler.

Sind die Maßstäbe erst einmal so hoch, ist es schwierig mitzuhalten. Die Geschichte Hothouse ist solides Mittelmaß. Batman untersucht den Selbstmord eines Mannes und der Weg füht ihn zu Pamela Isley, die ihren ersten Auftritt als Poison Ivy hinter sich hat und nun versucht, eine anständige Bürgerin zu sein, was nicht ganz gelingt. Trotz einiger ambitionierter Ansätze schafft es die Story nicht, eine Zugkraft zu entwickeln.

Die dritte Story des Bandes heißt Legend of the Dark Mite. Genug gesagt.

Batmans Blindenführer

DC Comics

DC Comics

Titel: Blink

Autor/Zeichner: Dwayne McDuffie/Val Semeiks

Erschienen: 2002-2003 (Legends of the Dark Knight #156-158, #164-167; Paperback 2015)


„Geez. Snuff films, baby snatchers, don’t you know any nice people?“ (Lee Hyland/Blink)

Lee Hyland ist blind, doch er hat eine besondere Gabe: er kann durch die Augen der Menschen sehen, die er berührt. Der schmächtige Mann mit Hut macht sich diese Gabe zunutze, indem er das Leben der Menschen eine Weile beobachtet und sie dann abzieht – bislang mit Erfolg. Doch eines Tages wird er Zeuge eines Mordes und weil er zur falschen Zeit am falschen Ort ist, gerät er selbst unter Mordverdacht. So kreuzt sich sein Weg mit dem von Batman, der dabei ist, einen Serienmörder zu fassen. Schnell wird klar: Der Mörder ist nur ein Teil des Problems, denn er handelt im Auftrag eines Mannes, der für andere Snuff-Filme dreht. Lee Hyland wird vom Gauner zu Batmans Helfer.

In der zweiten Story des Bandes jagt Batman einen Babyhändler-Ring, während Lee Hyland von einer sinistren Regierungsorganisation gefangen gehalten und unter dem Namen Blink dazu missbraucht wird, um Terroristen aufzuspüren. Batman befreit seinen Kumpel und verbündet sich erneut mit ihm, um die anderen bösen Buben zu fassen. Doch die Aufgabe nimmt ihm plötzlich ein anderer ab: einer aus der Babyhändler-Bande besinnt sich und beginnt, seine eigenen Leute abzuknallen. Wieder muss Batman einen Serienmörder vom Töten abhalten. Und dann wird auch noch Hylands Frau entführt …

Blink und Don’t Blink sind zwei typische Legends-Storys aus Batmans Frühzeit. Wir sehen einen etablierten Helden, der immer noch Fehler macht und in seinem Tagebuch Rechenschaft darüber ablegt. Passagen daraus begleiten die Geschichte und erlauben uns Einblicke in Batmans Gedanken. Viel Tiefe ist darin zwar nicht, auch kaum Persönliches, aber dafür einige selbstironische Spitzen. Ansonsten gibt es keinen Bruce Wayne, keine Rückblenden oder andere typische Nebenfiguren, es wird bloß Batman in Action gezeigt. Und sein blinder Begleiter ist ein netter Sidekick, der ihn dank seiner seherischen Fähigkeiten allerdings auch nicht vor Fehlern bewahren kann. (Leser könnten sich an Filme wie Being John Malkovich oder Minority Report erinnert fühlen – und müssen selbst entscheiden, ob es sich dabei um Zitate oder Plagiate handelt.)

Val Semeiks (bekannt für die One Million-Mini-Serie) liefert mit seinen klaren Zeichnungen eine solide, wenn auch formal uninspirierte Arbeit ab. Für meinen Geschmack ist die Stimmung der Panels zu heiter, es fehlt an Schatten und Nacht. Und Batman sieht zu sehr so aus, als hätte er Schulterpolster unter seinem Cape. Dafür sind die Cover von Brian Stelfreeze besonders gelungen, weil sie mit ihrem Split-Screen-Design mit dem üblichen Schema brechen. Blink ist zwar keine hohe Kunst, aber kurzweilige Unterhaltung.

News of the Weird

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 2 (dt. Megaband 1: Gothams Legenden)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013 (Legends of the Dark Knight #6-10, Paperback 2014), dt. Panini 2015 (mit Ausnahme von #10, aber zusammen mit den Ausgaben #1-5)


„Gotham … what are you doing this time?“

„… crime and art … they have a meaning.“

„I suscribe to News of the Weird. You’d be surprised how often it leads to clues.“

Seit fünf Jahren sitzt Bruce Wayne im Rollstuhl, der Körper ist zerstört wie der Verstand, er leidet unter Parkinson, Demenz, Amnesie und Wahnvorstellungen. All die Kämpfe als Batman haben ihre Spuren hinterlassen, jetzt träumt er sich nur noch in seine Rolle als Batman hinein, will es nicht wahrhaben, was da passiert – es könnte alles nur eine Illusion von Scarecrow sein.

„Dreaming He Is A Butterfly“ von Christos Cage ist mit Abstand die interessanteste Story im zweiten Band der Anthologie-Serie LOTDK. Im Vergleich zum ersten hat die Qualität sonst nachgelassen. Es beginnt schon mit einem seltsam schwachen Auftakt: „Gotham Spirit“ erzählt auf nur wenigen Seiten, wie Batman ein paar Kleinganoven zur Strecke bringt. Das ist zwar hübsch anzusehen, aber sonst ohne Mehrwert. Es gibt keine Wendung, keine Einsicht, keinen Dialog. Man hat sich nicht mal die Mühe gemacht, diese Allerweltsepisode mit irgendeinem grüblerischen Monolog über das Wesen von Gotham, Batman und das Verbrechen im Allgmeinen zu untermalen. Der Inbegriff der Ideenlosigkeit.

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