The Killing Joke: Eine Einführung

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DC Comics

The Killing Joke (dt. Lächeln bitte/Ein tödlicher Witz), erschienen 1988, gilt als einer der wichtigsten modernen Batman- und Joker-Comics. Alan Moore und Brian Bolland erzählen darin zum einen die Entstehungsgeschichte des Jokers aus The Man Behind the Red Hood (Detective Comics #168, 1951) nach und reichern sie mit einigen persönlichen Tragödien an: Der Joker schießt Barbara Gordon an und versucht, ihren Vater, Commissioner James Gordon in den Wahnsinn zu treiben. Seine These: Ein schlechter Tag kann einen ganzen Menschen ruinieren, wie auch bei ihm. Schließlich behandelt der Comic das grundsätzliche Verhältnis zwischen Batman und seinem Erzschurken.

The Killing Joke ist neben Frank Millers The Dark Knight Returns und Batman: Year One sowie Grant Morrisons Arkham Asylum einer der prägendsten Batman-Comics aus den 80er-Jahren. Die Nachwirkungen kann man bereits in Tim Burtons erstem Batman-Film von 1989 sehen, in der Entwicklung der Figur Barbara Gordon von Batgirl zu Oracle, aber auch in modernen Weitererzählungen wie Three Jokers. Dieses Werk wird geradezu totzitiert.

Der 46-seitige Comic ist eine der ersten „Graphic Novels“, also alleinstehenden, an Erwachsene gerichteten Batman-Comics. Anders als The Dark Knight Returns oder Year One ist es nicht zuvor als Serie erschienen. Es geht weiter in der drastischen Darstellung von Gewalt, aber auch in die Tiefe der Charaktere, vor allem des Jokers. Außerdem ist es eine von wenigen Batman-Storys von Alan Moore und eines der wenigen Hefte, die Brian Bolland selbst gezeichnet hat (danach war er meist als Cover-Zeichner tätig).

Moore wollte eine zeitlose Geschichte von mythischer Qualität schaffen, die in einer unbestimmten Zeit spielt und viele altmodische Elemente enthält. Er spricht Batman und Joker eine opernhafte Qualität zu, seinen Comic verortet er stilistisch zwischen David Lynch, Das Cabinet des Dr. Caligari und dem Film Noir.

Der Autor hat sich später von seinem Werk distanziert. Zu melodramatisch, zu brutal, zu sexualisiert sei die Geschichte. Moore hält Batman für eine simple Figur, der er nicht so eine Schwere zutraut. Überhaupt bereut er, dass er auch mit Werken wie Watchmen dazu beigetragen hat, dass Superheldencomics so düster geworden sind. Vor kurzem hat er das Werk auch dafür kritisiert, dass er sich damit als Autor nicht weiterentwickelt hat. Mit anderen Worten: Mit The Killing Joke erleben wir Autor Alan Moore an einem schlechten Tag.

Schlüsselszene: Der Joker schießt auf Barbara Gordon. (DC Comics)

Doch wie so oft hat sich das Werk längst von seinen Schöpfern gelöst. The Killing Joke ist in mehreren Editionen erschienen, wurde neu von Brian Bolland koloriert (da er mit der Arbeit von John Higgins nicht zufrieden war), eine „Absolute Edition“ präsentiert es mit alter und neuer Kolorierung und dem vollständigen Skript, eine „Noir“-Ausgabe zeigt das Werk in Schwarz-Weiß.

The Killing Joke ist mehr als nur ein Comic: Mittlerweile gibt es eine Zeichentrick– und eine Roman-Adaption, und Regisseur Todd Phillips hat sich bei seinem Joker-Film von 2019 zumindest in Ansätzen davon inspirieren lassen.

Ausführliche Comicanalyse

Da ich den Comic vor Jahren nur kurz und etwas stiefmütterlich abgehandelt habe, möchte ich mich ihm ausführlich widmen, nämlich Seite für Seite, Panel für Panel. Warum? Weil ich denke, dass die Stärke des Comics vor allem in seiner Form und den Details liegt. Alan Moores Skript ist bereits mit 128 Seiten sehr lang und ausführlich, allein das erste Panel ist mit fast drei Seiten beschrieben. Außerdem ist Brian Bolland ein sehr präziser und detailverliebter Zeichner, der Moores Skript so genau wie möglich umsetzt (er tuscht auch selbst).

Die Genese des Jokers in „The Killing Joke“. (DC Comics)

Das allein verdient viel Aufmerksamkeit. Ich denke, viel zu oft geht es beim Reden über Comics über den Inhalt, d.h. den Plot, viel zu selten um die Form, die den Comic als Medium ausmacht. Comics sind aber keine Romane oder Kurzgeschichten, sie sind keine Filme und sie sind auch nicht nur ein Haufen Bilder mit Text. Sie sind viel komplexer: Jedes Bild, jede Sequenz, jede Seite ist ein Kunstwerk für sich. Selten nimmt man sich die Zeit, sich genau anzuschauen, wie das alles zusammenwirkt und das bildet, was wir einen Comic nennen.

In der Regel muss man das auch nicht, denn wenn es gut gemacht ist, wirkt der Comic so, dass uns die Machart nicht auffällt und wir nur die Story genießen. Diesmal aber lohnt es sich, genau hinzuschauen. Ich werde jeweils alle drei Fassungen (S/W, originale und neue Kolorierung) miteinander vergleichen und dabei auch in Moores Skript schauen. Aber fangen wir ganz von vorn an: beim Cover.


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