Batman spielt Schach

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DC Comics

Titel: Batman Black and White (Vol. 5)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2020-2021 (Black and White #1-6), Hardcover 2021


Da ist sie: die erste Batman-Corona-Story! Das Virus wird zwar nicht beim Namen genannt, es ist auch keine richtige Story, aber wenn Martha Waynes Perlenkette zu lauter kleinen Viren mutiert und Batman am Ende eine Maske über Mund und Nase aufsetzt, ist klar, worum es geht.

„…this new enemy can’t be put down with a fist or a boot. This time it’s others who fight for us in ways i cannot“, heißt es, während wir einen Rettungswagen vor der Notaufnahme sehen. „I salute them. And I wait. Something else will come. It’s inevitable. The villains I know…that I’ve faced endlessly, year after year … they’ll use this. They’ll plot. It’s just a matter of time. It always is.“ Batman erklärt den Schurken den Kampf – und indirekt auch den Coronaleugnern, Querdenkern und Verschwörungsextremisten.

J.H. Williams (Batwoman: Elegy, The Black Glove) inszeniert diese acht Seiten, indem er Batmans Geschichte Revue passieren lässt und übertrifft sich dabei selbst. Denn er imitiert dabei auch die Zeichenstile von Bob Kane, Neal Adams, Norm Breyfogle, Kelley Jones, David Mazzucchelli, Brian Bolland, Jim Aparo und sogar Jiro Kuwata – und er kriegt all das perfekt hin. (Außerdem zitiert er sich selbst aus Snow.) Ein wahrer Künstler.

Anspruchsvolle Kurzgeschichten

Mit diesem Wow ist bereits angedeutet, was die fünfte Batman Black and White-Serie leisten kann: Außerordentliches. Nach dem bewährten Prinzip von 1996 dürfen sich die besten Autoren und Künstler mit Batman so richtig austoben, und es gelten nur zwei Regeln: schwarz-weiß und exakt acht Seiten. Schon beim ersten Mal sind großartige Kurzgeschichten herausgekommen, auch diesmal sind die Resultate zum Teil schwindelerregend stark.

Bereits die erste Story ist visuell so herausfordernd, dass man gar nicht weiß, wie man sie einordnen soll. Und dann kommt etwas wie Sisyphus oder Legacy, bei denen man auch nach mehrerem Lesen gar nicht weiß, worum es hier eigentlich geht. Zwischendurch gibt es auch immer wieder klassische Kurzgeschichten aller Genres und auch mal welche, die ohne Worte auskommen, wie etwa eine typische Batman-Catwoman-Jagd.

Auch andere übliche Verdächtige sind wieder dabei: der Joker (wundervoll inszeniert von Gabrie Hardman), Man-Bat, Killer Croc, Clayface, Mad Hatter, Two-Face und Poison Ivy, die sich ein Wortgefecht mit Batman darüber liefert, wie man die Welt retten kann – Chip Zdarsky (Daredevil) schreibt hier seine erste Batman-Story. Aber auch andere meiner Lieblingskünstler dürfen sich austoben, wie Andy KubertKelley JonesGreg Smallwood und Mitch GerardsDavid Aja schreibt eine sehr herrlich-noireske Fortsetzungsstory im Zeitungsstrip-Format alten Stils und Lee Weeks widmet sich dem Batsignal, das in diesem Band mehrere Geschichten bekommt, darunter die eines Fotografen, der das perfekte Batman-Bild schießt – was zugleich Scott Snyders Loblied an den Zeichner, John Romita Jr., ist.

Multiple-Choice-Story mit Riddler

Zwei Storys handeln – wie es bei Schwarz und Weiß naheliegt – vom Schach: Die eine (von Daniel Warren Johnson) erzählt, wie Alfred Bruce das Spiel beigebracht hat und was er davon für seine Arbeit als Batman gelernt hat. In der anderen (von Meister Nick Derington) tritt Batman gegen Banden an, die sich wie Schachfiguren kleiden und dabei um einen entführten Jungen kämpfen – eine der visuell schönsten Geschichten. Dass Planung aber überbewertet ist, demonstriert humorvoll Jorge Jimenez in seiner Vater-und-Sohn-Story.

Mitspielen können die Leser in The Riddle (Kieron Gillen und Jamie McKelvie): In einem Multiple-Choice-Abenteuer mit Riddler und Killer Croc sind alle Panels durchnummeriert und je nachdem, wie man sich entscheidet, wird man zu einer anderen Wendung oder eben einem frühen Ende geleitet. So muss man ständig vor- und zurückblättern und irrt so lange, bis Batman triumphiert. Hier wird sozusagen erlebbar, wie schwierig es für den Helden ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen – der Tod lauert überall.

Auch wenn ich es gerne würde, kann ich hier nicht auf jede einzelne Story eingehen (z.B. Dual). Aber es ist auch gar nicht nötig, denn das ist etwas, das man selbst lesen und in dem seine eigenen Perlen finden muss. Batman Black and White bleibt auch im fünften Band seiner Qualität und Experimentierfreude treu. Bei all dem Mittelmaß, mit dem man derzeit geflutet wird, werde ich hier wieder daran erinnert, warum ich so gerne Batman-Comics lese. Der Band ist eine wahre Wundertüte, in der für jeden was dabei ist.

Jedenfalls für jeden, der es sich leisten kann. Rund 50 US-Dollar lässt sich DC den Spaß als Hardcover kosten. Zwar ist der Band mit 300 Seiten zwar so umfangreich wie nie (angereichert mit einigen Pin-ups), aber zum Vergleich: The Joker War Saga kostet als Hardcover ’nur‘ 40 Dollar, ähnlich umfangreich und sogar in Farbe. Dann lieber auf das Paperback warten. Aber für alle, die nicht warten können: Es ist das Geld wert.

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