Neal Adams wird 80

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Große spitze Ohren, ein langer, wallender Umhang, dramatische und kraftstrotzende Posen: Neal Adams ist der Mann, der entscheidend dazu beitrug, dass Batman erwachsen wurde. Für viele Fans ist er mit seinem dynamischen Stil der prägendste Batman-Zeichner der 70er. Nun ist Adams 80 Jahre alt geworden.

Der gebürtige New Yorker zeichnet Comics seit 1959, also seit er 18 ist. Anfangs wurde er von DC abgelehnt, also fing er an mit Archie und Werbecomics. Mit Superhelden konnte er nicht viel anfangen, er wollte lieber Kriegscomics zeichnen, wie seine Vorbilder. Die Chance bekam er dann 1967 bei DC. Später bekam er Aufträge wie Elongated Man, Spectre und Deadman, für den er auch als Autor tätig war.

Doch eigentlich wollte Adams gar keine Comics machen, sondern Illustrator werden. Comics seien für ihn „ein Schritt abwärts“ gewesen, wie er dem DC-Historiker Paul Levitz im Interview gestand:

„Dann geschah etwas. Ich weiß nicht, wann es passierte, wie es passierte, aber ich verliebte mich einfach in Comic-Hefte. Ich hatte nicht damit gerechnet. Die Freiheit – die künstlerische Freiheit, eine ganze Seite zu gestalten, Dinge mit einer ganzen Seite anzustellen, mich auszudrücken, zu schreiben, zu zeichnen, Geschichten zu erfinden – das riss mich einfach total mit. Ich verliebte mich, völlig unerwartet und gegen meinen Willen. (…) Und es macht mir heute mehr Spaß als je zuvor.“
(aus: The Silver Age of DC Comics, Taschen 2013, S. 12)

Adams zeichnete Batman zum ersten Mal 1968 in World’s Finest #175 (The Superman-Batman Revenge Squads!), zusammen mit Superman. Später folgten The Brave and the Bold #79-85. Am bekanntesten ist Adams für seine Zusammenarbeit mit dem Autor Dennis O’Neil: Ihre erste gemeinsame Batman-Story war The Secret of the Waiting Graves (Detective Comics #395, 1970), es sollten noch weitere folgen, darunter die erste Geschichte um Talia und Ra’s al Ghul sowie die Comebacks von Two-Face und Joker, die Jahrelang pausiert hatten. Zusammen mit dem Autor Frank Robbins schuf Adams auch Man-Bat (Detective Comics #400, 1970).

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Ra’s al Ghul, Joker, Two-Face von Dennis O’Neil und Neal Adams. (DC Comics)

1970 schickten Adams und O’Neil Green Lantern und Green Arrow auf eine sozialkritische Reise durch die USA, wobei es dabei auch um tabuisierte Themen wie Rassismus und Drogenmissbrauch ging – eine Pionierarbeit, die Adams mit seinem realistischen Zeichenstil prägte. Comics wurden wieder gesellschaftlich relevant. Was nicht hieß, dass es auch mit Figuren aus der wahren Welt auch mal albern zugehen konnte: 1978 ließ das Kreativteam Superman gegen Muhammad Ali kämpfen.

„Als ich die Zeichnungen von Neal Adams sah, übertrafen sie alle meine Erwartungen“, erinnerte sich Dennis O’Neil. „Wir befruchteten uns gegenseitig und steckten einander mit dieser wahnsinnigen Begeisterung an. Und wir hatten das Gefühl, dass wir mit dem Format vielleicht etwas anstellten, was noch nie zuvor gemacht worden war.“ (aus: The Silver Age of DC Comics, S. 353)

Neil Adams zeichnete außerdem Hefte wie X-Men und die Avengers für den Konkurrenzverlag Marvel. In den vergangenen Jahren betätigte sich Neal Adams auch wieder als Autor. Seine Serie Batman: Odyssey ist jedoch – gelinde gesagt – gewöhnungsbedürftig. Zu ausschweifend, zu undiszipliniert erzählt und geschwätzig, auch lässt er den eleganten Strich seiner Anfangstage vermissen. Zuletzt erschienen die letzten Ausgaben seiner Miniserie Batman vs. Ra’s al Ghul. Eine Besprechung folgt im nächsten Jahr, wenn der Sammelband erscheint.

Doch an einem Geburtstag soll nicht gelästert werden, heute wird ein wichtiger Künstler gefeiert, der sich auch für die Rechte anderer Künstler und Autoren eingesetzt hat. Daher: Vielen Dank und Gratulation an Neal Adams!

Hinweis: Adams‘ Frühwerk für Batman ist versammelt in den Bänden Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 1-3 bzw. in der Neuausgabe Batman by Neal Adams Vol. 1-3, auch auf Deutsch bei Panini erschienen als Neal Adams Collection Bd. 1-3 (Panini 2019), auch erschienen in der Batman Graphic Novel Collection (Eaglemoss).

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Rückblick und natürlich meinen Glückwunsch nachträglich zum 80 an Mr. Adams! Er war und ist definitiv einer der größten und prägendsten Batman Künstler, die die Welt je gesehen hat, keine Frage. Ich liebe seine Zeichnungen aus seiner Zeit mit Denns O’Neil von damals, da kann ich mich gar nicht dran satt sehen. „The secret of the waiting graves“ ist eine meiner absoluten Lieblings Batman stories ever!
    80 Jahre, ein stolzes Alter. Hoffentlich werden noch sehr viele weitere Geburtstage folgen.

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