Batman lernt fliegen

The Flying Batman: Detective Comics #257, Batman #120, Detective Comics #153 (DC Comics)

Wir haben uns alle daran gewöhnt, dass Batman so ist, wie er ist: ein Mann im Fledermauskostüm. Aber stimmt das? Nicht, wenn man genau hinsieht: Die kleinen spitzen Ohren erinnern mehr an Teufelshörner als an große Fledermauslauscher. Sein Kostüm hat mehr etwas von einem Strongman oder Ringer als von einer Fledermaus. Sein Cape soll an Flügel erinnern, aber fliegen kann er damit nicht. Es ist seltsam, dass ein Mann, der sich an einem fliegenden Tier orientiert, selbst nicht fliegen kann. Zumindest nicht aus eigener Kraft.

Mit Batman Beyond wurde das anders: Da fliegt der Held dank eines High-Tech-Anzugs mit Düsen in den Absätzen. Und in Filmen wie etwa Batman Begins kann Christian Bale das Cape zu einem Paraglider ausbreiten, sodass er sich zumindest vom Wind tragen lassen kann. Damit entspricht er einem seiner Ursprünge: Bob Kane hat sich bei Batman auch von einem Entwurf für ein Fluggerät von Leonardo da Vinci inspirieren lassen, daher wirkte Batmans Cape anfangs noch etwas steif. Aber meistens beschränkt sich Batmans „Flug“ darauf, sich mit einem Seil von Haus zu Haus zu schwingen. Manchmal sieht man ihn auch waghalsige Sprünge machen, die ihn zumindest für den Moment des Panels fliegen zu lassen scheinen.

Batgyro und Baterang
Batgyro und Baterang (Detective Comics #31, 1939)

Doch auch in den Comics gab es schon früh Versuche, Batman tatsächlich fliegen zu lassen. Das Batgyro von 1939 war sein erstes Fluggerät, das sogar einen Fledermauskopf hatte, bereits 1940 wurde daraus das Batplane und 1950 kam das Upgrade Batplane II (Batman #61). 1949 aber gab es erstmals einen richtigen „Flying Batman“.

Batman bekommt Fledermausflügel

In Detective Comics #153 besuchen Bruce Wayne und Dick Grayson einen Vortrag von Professor Carl Wilde. Der ist nicht nur Experte für Fledermäuse, er hat auch Fledermausflügel gebaut, mit denen Menschen fliegen können. Im Publikum sitzt auch der Gauner Slits Danton, der aus dem Knast ausgebrochen ist, um sich an Batman zu rächen. Kaum haben ihn Bruce und Dick vom Balkon aus im Saal erkannt, schlüpfen sie in ihre Kostüme und schwingen sich auf ihn zu. Da zerschießt Danton Batmans Seil, sodass dieser in die Tiefe stürzt. (Auf Batman zu zielen, wäre einfacher gewesen, aber egal.)

Batman fliegt als Fledermaus aus der Bathöhle. (DC Comics)

Nachdem der Held sich erholt hat, lässt er sich vom Professor die Flügel geben, damit ihm das nicht mehr passieren und er sich Danton schnappen kann. Doch er hätte das neue Gadget nicht in der Presse verkünden sollen, denn so kann sich der Schurke darauf einstellen: Er lässt drei Kondore auf ihn los, Batman muss sich mit ihnen in der Luft herumschlagen. Dann entführt Danton Robin und fesselt ihn in einer Scheune. Batman muss – wie eine echte Fledermaus – im Dunkeln durch ein Labyrinth aus Seilen navigieren, um Robin zu befreien, bevor eine Bombe hochgeht. Zum Glück hat er ein Ultraschallgerät am Gürtel. Wie er die Frequenzen hören kann, bzw. wann er gelernt hat, damit zu navigieren, bleibt ein Rätsel. Und erst recht muss man nicht verstehen, warum Danton nicht einfach die Bombe hochgehen lässt, als seine beiden Erzfeinde in der Scheune stecken – immerhin hatte er doch Rache geschworen …

Beim dritten Versuch geht Danton dann auch weniger subtil vor und versucht Batman mit schweren Geschützen vom Himmel zu ballern. Das gelingt auch, Batman stürzt vom Himmel – scheinbar. Denn es ist nur eine Puppe. Der echte Batman fliegt ins Bild, kreist Danton ein und wirft ihn ins Wasser. Doch dann erwacht Batman wieder im Saal beim Professor und es stellt sich heraus: Es war alles nur ein Traum! Die Flügel sind noch gar nicht betriebsbereit. Was für eine Enttäuschung, denkt sich Batman. Aber wer weiß, eines Tages vielleicht lernt er doch noch fliegen …

Flügel als Implantate

Und dieser Tag kommt fünf Jahre später tatsächlich. Wieder heißt die Story The Flying Batman (Batman #82, 1954). Ein engelgleich geflügelter Mann entführt das Dynamische Duo ins Lost Valley of the Bird-Men, einen Ort, in dem die Menschen dank des Alpha-Serums Flügel bekommen haben. Jedenfalls bis der böse Baron Gravio das Serum an sich gerissen hat, um für seine Familie ein Monopol und eine Schreckensherrschaft aufzubauen. Nun wurden Batman und Robin hergeholt, um die Bande aufzuhalten.

The Flying Batman (Batman #82, DC Comics)

Batman muss sich einer Operation unterziehen, um Fledermausflügel zu erhalten. Ohne zu zögern lässt er sich darauf ein und schwingt sich in die Schlacht. Mit Robin fängt er zwei geflügelte Gangster ein, dann schlägt er zweien die Köpfe zusammen, die versuchen, ihn mit einer Kanone vom Himmel zu schießen, und schließlich wirft er eine Rauchbombe in ein Haus. Hätte es dafür Flügel gebraucht? Oder einen Batman? Nein, nicht wirklich, aber dann gäbe es ja diese Geschichte nicht. Und zwischendrin auch keinen Batman und Robin im Riesenkäfig. Zum Schluss sind die beiden wieder in Gotham und fragen sich, ob nicht auch diese Episode nur ein Traum gewesen sei …

Die Erfindung der Whirly-Bats

Weitere vier Jahre später, in Batman’s Invincible Foe (Detective Comics #257, 1958), denkt sich Batman eine neue Flugmethode aus. Als Gotham vom zeitreisenden Dieb Karko aus der Zukunft heimgesucht wird und dieser das Batmobil mit seinem Ufo verschrottet, steigen Batman und Robin auf Whirly-Bats um, kleine Einsitz-Helikopter mit Rückenflosse. Karko folgt ihnen in einer fliegenden Blase in die Lüfte, sie wollen ihn mit einer Riesennadel pieksen, doch der Dieb verwandelt die Blase in Eisen und die Wirly-Bats zerschellen schon nach zwei Seiten.

Einige Monate später, als Batman sich die Beine bricht, steigt er wieder auf Whirly-Bats um und wird mit diesem fliegenden Rollstuhl zu The Airborne Batman (Batman #120, 1958). Diesmal hängen Vakuumschläuche daran, mit denen Batman Gauner ansaugen und durch die Luft ziehen kann.Die Whirly-Bats bleiben noch bis in die 80er im Einsatz.

Batman fliegt mit dem Bat-Wing – oder versucht es wenigstens. (DC Comics)

In derselben Ausgabe, in der Story The Curse of the Bat-Ring, unternimmt Batman beim „Batman Day“, der ihm zu Ehren veranstaltet wird, im Zirkus einen Gleitflug mit einem „Bat-Wing“, das geht aber leider schief: der Flügel bricht.

Fliegen mit Jetpack

Batman fliegt später auch mal einen Drachen oder Paraglider gegen Kite-Man. Ansonsten gibt es meist das Batplane und den Batwing aus dem Film von 1989, der auch in Batman: The Animated Series zum Einsatz kommt. Dieses Flugzeug kann auch ohne Propeller wie ein Helikopter in in der Luft stehen, damit vereint es die Eigenschaften des Bat-Gyro (nicht Gyros!).

Batman mit Jetpack

In der schönsten Flugfolge (und der frivolsten Episode überhaupt), The Ultimate Thrill, verfolgt Batman Roxy Rocket im Batwing, bis dieser in Brand gerät. Mit knapper Not schafft er es in die Bathöhle zurück, wo der Batwing aufgefangen wird von einer Reihe von Seilen. Beim zweiten Mal jagt dann Batman mit einem Jetpack hinter der Raketendame hinterher. Die Fledermausform ist nur angedeutet, Batman fliegt aber extrem schnell und agil. Am Ende, als alle Batwings nichts nützen, steigt Batman dann sogar selbst auf eine Rakete – aber das sollte man selbst gesehen haben. So schön hat man Batman wohl nie fliegen sehen …

Batman jagt Roxy Rocket.

Übrigens: Batman hat auch Leonardo Da Vinci selbst fliegen lassen. In Batman #46 (1948) reist er mit Robin ins Mailand des Jahres 1499 und hilft dem (angeblichen) Erfinder dabei, sein Fluggerät zu optimieren. Dann düst der alte Leonardo damit selbst durch die Lüfte und wird zum ersten Batman der Weltgeschichte. Im Jahr 1994 erzählte dann Doug Moench in Black Masterpiece eine Elseworlds-Story um Leonardos „Bat-Wing“, die mindestens genauso albern ist.

Batman #46 (1948)
Batman und Robin bauen Leonardos Gleitflieger. (DC Comics)

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