Wonder Woman 1984: Zurück in die 80er

Nicht alles Gold, was glänzt: Gal Gadot als Wonder Woman. (Warner Bros.)

Fortsetzungen haben ihre eigenen Tücken. Einerseits will man das bieten, was die Fans am Original liebten, andererseits will man etwas Neues erzählen. Manche Sequels kleben so nah am Original, dass sie wie Remakes wirken (z.B. Kevin allein in New York), manche enttäuschen (wie das zu Unrecht geschmähte The Lost World), andere überbieten sogar das Original (Aliens, Terminator 2, Das Imperium schlägt zurück).

In Sachen DC-Superhelden fällt mir (unter all den zweiten Teilen) nur The Dark Knight ein, der es geschafft hätte, das Niveau zu heben. Das Snyderverse kränkelte leider bisher schon am Auftakt. Wonder Woman (2017) war (neben Shazam) die Ausnahme, die Hoffnung ins „Extended Universe“ brachte. Und mit einer wie Regisseurin Patty Jenkins – was konnte schon beim zweiten Teil schief gehen?

Pass auf, was du dir wünschst

Leider sehr viel. Denn Wonder Woman 1984 lässt den frischen Drive des ersten Teils vermissen und bietet eine sehr bunte, aber bestenfalls mittelmäßige, manchmal sogar erschreckend schwache Form der Popcornunterhaltung. Nach einem überlangen Prolog in Dianas Jugend springt der Film in die 80er-Jahre und tut zunächst alles, um diesem Zeitgeist gerecht zu werden. Die alberne und überdrehte Szene in einer Mall, in der die Heldin einen Überfall verhindert, weckt ungute Erinnerungen an Filme wie Superman III und IV. Später braucht es anscheinend auch die obligatorische Szene, in der man sich über die Mode der Zeit lustig macht.

Dann folgt eine abstruse Handlung um den Möchtegernunternehmer Max Lord, der mittels Wunschstein vom Versager zum Megalomanen aufsteigt. Was als Abrechnung mit dem amerikanischen Traum verstanden werden kann, verkommt zum plump inszenierten, mit Klischees überladenen Plot, in der der Wunschstein für so ziemlich alles zuständig ist, wofür den drei Drehbuchautoren die Ideen ausgehen, sogar eine ziemlich bemühte Wiederauferstehung von Steve Trevor.

Wie ein schlechter Kinderfilm

Die Geschichte um Barbara Minerva (Cheetah) erinnert an den Werdegang von Catwoman in Batman Returns: vom Mauerblümchen zur verbitterten Schurkin in Katzengestalt. Allerdings überzeugt schon die Prämisse nicht. Barbara soll eine Frau sein, an die sich nicht mal ihre Chefin erinnert und die angeblich niemand mag, obwohl sie eine Wissenschaftlerin ist wie jeder andere im Museum, aber Diana freundet sich sofort mit ihr an und lacht mit ihr wie schon lange nicht mehr. Daraufhin versteht man weder die Verbitterung und schon gar nicht, warum sie sich am Ende zu einer Wildkatzenfrau machen lässt.

Man hat oft den Eindruck, es mit einem Kinderfilm zu tun zu haben – allerdings keinem besonders klugen. Während die Welt ins Chaos stürzt, weil jeder Mensch, von Egoismus und Gier angetrieben, nur an die Erfüllung seiner Wünsche denkt, hält die Heldin eine pathetische Ansprache, die anscheinend vor allem auf die Zuschauer des Films gemünzt zu sein scheint, weil sie die vierte Wand durchbricht. Für alle, die die Botschaft noch immer nicht verstanden haben.

Wenn schon der Verstand hier Pause macht, was nicht das Schlechteste sein muss, könnte man den WW84 für seine Kurzweiligkeit loben, aber selbst da unterfordert der Film. Bis auf visuelle Highlights wie den Flug durch ein Feuerwerk hat er nicht viel zu bieten. Die Kampfszenen bleiben meist so routiniert und einfallslos wie die Gags, die höchstens zwei bis drei Schmunzler hergeben – wenn man gerade gut aufgelegt ist.

Wegen der Coronakrise ist Wonder Woman 1984 beim Streamingdienst HBO Max und in Deutschland mit einiger Verzögerung bei Sky erschienen. Das ist einerseits schade für die Kinos und für das Erlebnis auf der großen Leinwand. Andererseits kann man im Nachhinein sagen: Auf dem kleinen Bildschirm ist der Film deutlich besser aufgehoben.


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