Der Batman-Jahresrückblick 2020

Auch Batman und Robin halten zwei Meter Sicherheitsabstand. (DC Comics)

Was für ein Jahr … Man kann das eigentlich jedes Jahr schreiben – und jedes Mal mit einem Ausrufezeichen. Ich beende den Satz lieber mit drei bedeutungsschwangeren Auslassungspunkten. Die drei verhängnisvollen Silben, für die sie stehen, könnt ihr euch denken: Corona. Auch der Comicmarkt war davon betroffen, Erscheinungstermine wurden verschoben, der Handel hat Einbußen erlitten.

DC baute seine Digital First-Serien aus, daraus ging die Anthologieserie Batman: Gotham Nights hervor, die leider nicht all zu viele Blüten bot, sondern viel Durchschnittsware für eine Klolektüre.

In den Comics selbst ging es wie gewohnt weiter. Viren spielen bei Batman immer wieder eine Rolle (siehe Contagion und DCeased), aber sonst passierte, was immer passierte – und das ist das Problem. Nicht, dass Batman sofort die Coronakrise kommentieren muss. Ein wenig Eskapismus in trüben Tagen tut auch mal ganz gut. Aber das Meiste, was an Output kam, war schwach. Nun kann man mit Sturgeons Gesetz sagen, das ist ein Gemeinplatz, 90 Prozent von allem ist immer Mist. Aber vielleicht sollte man dabei ansetzen, weniger herauszubringen.

Wir leiden unter einer Batman-Überdosis. Alle zwei Wochen erscheinen die beiden Hauptserien Batman und Detective Comics (also je 24 Ausgaben im Jahr). Dazu gibt es die monatlichen Serien Batman/Superman, Batman Beyond und Batman and the Outsiders (mittlerweile eingestellt). Dazu noch Gotham Nights, die zuerst wöchentlich, dann nach einer Pause alle zwei Wochen erscheint. (Außerdem kommt Batman noch in Justice League vor.) Insgesamt also hat man über 100 Hefte bzw. Einzelausgaben im Jahr – und da sind noch nicht die Miniserien, Specials und Neuauflagen berücksichtigt.

So sehr sich die fortlaufenden Serien mit schockierenden Wendungen und welterschütternden Spektakeln überbieten – das Meiste davon bleibt routinierte Durchschnittsware. Es gibt kaum Entwicklung. Zwar gibt es immer wieder weltbewegende Ereignisse, aber trotzdem bleiben die großen Innovationen aus. Daher: Weniger wäre mehr. Vor allem mehr Qualität. Und tatsächlich hat Batman-Autor James Tynion IV (Their Dark Designs) auf Twitter angekündigt, dass die Serie ab März wieder monatlich erscheinen soll. Ob das auch für Detective Comics gilt, ist noch unklar, aber wahrscheinlich.

Batgirl, Azrael, Joker by Sean Murphy

Cover zu Curse of the White Knight (DC Comics)

Trotzdem denke ich, dass in abgeschlossenen Miniserien und Specials das meiste Potenzial steckt. Denn das Beste, was ich in diesem Jahr lesen durfte, waren Storys außerhalb der fortlaufenden Serien: an erster Stelle Sean Murphys Fortsetzung von Batman: White Knight, Batman: Curse of the White Knight. Batmans Kampf mit Azrael war keineswegs ein Aufguss von Knightfall, sondern ein Ansatz, der an Radikalität kaum zu überbieten ist. An solchen Storys nimmt man als Leser wirklich Anteil. Leichte Kost hingegen war Batman: Universe von Brian Michael Bendis und Nick Derrington – das war einfach nur schön, etwas quatschig, hat aber Spaß gemacht, und zwar so richtig.

DC Comics

Gleich dahinter zu nennen ist Jeff Lemires verstörende Horrorstory Joker: Killer Smile. Hier hat vor allem Zeichner Andrea Sorrentino mal wieder ein kleines Meisterwerk geschaffen. Das lang erwartete Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok hat bei mir eher gemischte Gefühle hinterlassen. Unterhaltsam ist der Dreiteiler auf jeden Fall, dazu großartig inszeniert. Aber bei all den Erwartungen, die davor aufgebaut wurden, ist das Ergebnis enttäuschend belanglos.

Und damit kommen wir zum zweiten Problem: Es gibt zu viel Joker. Und das liegt nicht nur am 80-jährigen Jubiläum in diesem Jahr, zu dem ein ordentliches Special herauskam. Alle DC Black Label-Batman-Serien haben einen starken Joker-Bezug, auch in der Hauptserie tobte mal wieder ein groß angelegter Joker War (Besprechung folgt nächstes Jahr). Ohne Joker geht es nicht. Aber dieser Verkaufsmagnet läuft sich tot. Es wird immer schwieriger, noch etwas Neues über diesen Schurken zu sagen. Vor allem, weil in letzter Zeit auch der Film uns zwei geniale Varianten geliefert hat.

Aber DC wird solche Appelle sicher nicht hören, solange die Kassen weiter klingeln. Batman ist vor allem Big Business. Und es läuft wie geschmiert. Deshalb wird es ab März auch eine monatliche Joker-Solo-Serie geben – wie schon in den 70ern.

Robin I-V von Andy Kubert und Brad Anderson (DC Comics)

Doch in diesem Jahr wurde nicht nur der Joker 80 Jahre alt, sondern auch Robin und Catwoman. Auch sie bekamen 100-seitige Specials mit Kurzgeschichten gewidmet, die waren allerdings eher enttäuschend. Viel lieber habe ich klassische Storys von Robins ersten Solo-Abenteuern in der Serie Star Spangled Comics gelesen.

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache: Für das Batman-Projekt war es ein gutes Jahr. Die Abrufzahlen sind wieder stark angestiegen und ich habe die Marke von insgesamt 1300 Beiträgen überschritten (seit 2014). Weitere Übersichtslisten sind hinzugekommen. Anfang des Jahres habe ich die Werbung von der Seite geschafft und dafür euch die Möglichkeit gegeben, mich bei der Finanzierung der Seite zu unterstützen. Das hat geklappt. Die Kosten sind wieder drin. Dafür danke ich allen Unterstützern.

Es stecken seit sechseinhalb Jahren unzählige Stunden Arbeit in diesem Blog und ich leiste sie gerne, weil es mir große Freude bereitet, Neues über Batman herauszufinden und meine Eindrücke mit euch zu teilen (auch wenn das Lesen der Comics nicht immer Spaß macht). Schön, dass ihr dabei seid und mich motiviert, immer weiterzumachen. Deshalb noch einmal: Danke, danke, danke!

Ich wünsche euch frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr!

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