Riddler als Performance-Künstler

DC Comics

Titel: Questions Multiply the Mystery

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Kieron Dwyer

Erschienen: 1995 (Detective Comics Annual #8), Paperback 1998 (Four of a Kind)


„I’m sick of all your questions!“ (Riddler)

Im Sommer 1995, als Batman Forever in die Kinos kam, nahm DC das zum Anlass, die Entstehung des Riddlers von vorn zu erzählen. Das geschah im Rahmen des „Year One“-Events, das sich durch alle Annuals zog (bei Batman waren es noch Man-Bat, Scarecrow und Poison Ivy). Hier erzählt der Riddler selbst – und entlarvt sich als widersprüchlicher Charakter zwischen Betrüger, gelangweiltem Genie und Möchtegern-Künstler.

Typischerweise ist es mal wieder eine rührselige Geschichte, die bereits mit einer schwierigen Kindheit beginnt (ist es jemals anders?): Edward Nigma ist ein neugieriger Junge, der gerne Fragen stellt, etwa warum Blätter grün sind. Seine Eltern wissen es nicht, schicken ihn genervt weg, aber Edward kommt offenbar nicht auf die Idee, einen Lehrer zu fragen oder ein Buch aufzuschlagen.

Dann kommt es zu dem Schlüsselerlebnis, das Bill Finger bereits in Detective Comics #140 (1948) erzählt hat: Edward soll in der Schule ein Puzzle lösen. Damals trickste er, indem die Lösung abfotografierte. (Was irgendwie nicht zu dem angeblichen späteren Genie passt.) Diesmal geht es aber darum, die Zeit dabei zu messen. Edward trickst, indem er es vorher übt, dann löst er es am schnellsten. Der Außenseiter Edward, ein ungeliebtes Kind, sehnt sich nämlich nach Anerkennung. Er ist bloß Mittelmaß, ein Niemand, den nicht mal die bösen Buben verkloppen wollen. Doch als er den Puzzletest gewinnt, kriegt er statt Anerkennung Schläge.

Verbrecher aus Langeweile

Edward bekommt aber auch ein Rätselbuch als Preis. Seitdem ist die Liebe zu Rätseln geweckt. Als Erwachsener ist er gelangweilt von seinem Botenberuf, daher fängt er mit Diebstahl und Raub an. Weil auch das langweilig ist, schickt er der Polizei Hinweise. Zunächst ist James Gordon hinter ihm her, dann hält ihn Batman auf. Riddler erklärt, was seine Masche soll: Es gehe nicht darum, erwischt zu werden. „To me crime is performance art!“ Wer das nicht sehe, dem fehle es eben an Vorstellungskraft.

Der Riddler findet mit dem Verbrecherduo Query und Echo zwei willige Helferinnen und gibt der Polizei und Batman mit ein Kreuzworträtsel auf. Doch statt, wie erwartet, ein Bankett zu plündern („banquet“), raubt er einen Safe im Wasser aus („bank wet“). Diese Sequenz erinnert an die Batman-Episode „Batman’s Anniversary/A Riddling Controversy“ (dt. Riddlers Geheimwaffe, S02E45-46), in der der Riddler einen ähnlichen Tauchgang macht, was bei Adam West aber deutlich spaßiger ist.

Zum Schluss „entführt“ der Riddler eine Sammlung von Stradivary-Geigen, wobei er sich als Banause entlarvt, indem er eine zerschlägt. So richtig mag man ihm das mit der Performance-Kunst nicht mehr glauben. Es kommt zum großen Finale bei einer Wagner-Oper, die dann auch eher Batmans Metier zu sein scheint. Und dann kommt das Geständnis: „It wasn’t the money I wanted“, sagt der Riddler. „It wasn’t the action I sought. I just like the attention.“ Nein, er sei kein kriminelles Genie, sondern in Wahrheit nur ein einsamer kleiner Junge, der sich nach Liebe sehnt. Armer Eddie …

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