Viel zu tun, nichts zu befürchten

Titel: Superman – Year One

Autor/Zeichner: Frank Miller, John Romita Jr./John Romita Jr.

Erschienen: 2019 (Mini-Serie #1-3), Hardcover 2019 (DC Black Label)


Schon wieder Supermans Entstehungsgeschichte? Wurde die in 80 Jahren nicht schon etwa 1000 Mal erzählt? Davon die meisten Male in den letzten 20 Jahren? Doch. Aber eben noch nicht von Frank Miller. Der hat einmal mit Batman: Year One Comic-Geschichte geschrieben. Und jetzt versucht er das noch einmal mit Superman.

Bei Miller hat der Mann aus Stahl schon einiges mitmachen müssen. In The Dark Knight Returns wurde er von Batman verprügelt, in The Dark Knight Strikes Again noch einmal, in Dark Knight III hatte er sich selbst aufgegeben und dem Eis überlassen. Und in All-Star Batman & Robin, the Boy-Wonder wurde er als Vollidiot inszeniert.

Jetzt also alles von vorn. Superman mit rot-schwarzem Logo auf der Brust, wie in den frühesten Cartoons aus den 40ern. Aber nein, Miller und Romita Jr. fangen noch vor dem „Year One“ an, ganz von vorn. Wieder sehen wir Krypton untergehen, aber diesmal aus der Perspektive von Kal-El, der alles schon bewusst wahrnimmt, aber noch nicht begreift. Die Apokalypse um ihn herum könnte genauso gut eine Feier sein. Es gelingt den Autoren tatsächlich, eine neue Perspektvie zu finden, das Altbekannte neu zu erzählen.

Als Kind entdeckt Clark nach und nach seine Kräfte, nimmt übersensibel seine Umwelt wahr. In der Schule wehrt er sich gegen ein paar üble Mitschüler und bewahrt noch später sogar Lana Lang davor, vergewaltigt zu werden. So ungewohnt drastisch das Szenario erscheint, so ruhig und besonnen bleibt Clark. Trotz Pubertät ist er kein Teenager, der seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat, sondern einer, der immer darauf achtet, seinen Gegner nicht zu großen Schaden zuzufügen.

Superman bei der Marine

Nach der Schule meldet er sich freiwillig zur Navy. Er will Gutes tun und die Meere erforschen. Bei der Marine gelingt ihm alles spielend, dann taucht er in den Pazifik, entdeckt Atlantis und lernt Meerjungfrau Lori Lemaris kennen, in die er sich verliebt. Nachdem er seinen ersten Einsatz gegen Piraten hat, merkt er, dass Töten nichts für ihn ist und er kehrt ins Meer zurück. Dort macht er Lori den Hof und stellt sich dabei Vater Poseidon vor – dazu trägt er erstmals das Superman-Kostüm, das seine Mutter für ihn aus kryptonischem Stoff genäht hat. Doch Poseidon gibt sich hartleibig und schickt alle Monstrositäten auf Superman los.

In diesem Teil lässt die Qualität der Erzählung deutlich nach. Wir sehen bloß Superman ein Seeungeheuer nach dem anderen bekämpfen, weil Poseidon in seiner Sturheit nicht einsehen will, dass sein Gegner unbesiegbar ist. Auch wird nicht klar, was das Problem ist, denn Superman hat es nie auf den Thron abgesehen.

Superman gegen Luthor und Batman

Im dritten und letzten Teil kommt Superman nach Metropolis. Zuerst rettet er Lois Lane das Leben, die aus einem unerfindlichen Grund mit einem Tauchboot allein in der Tiefsee unterwegs ist. Er verliebt sich, Lori scheint vergessen und er macht sich davon, um Journalist zu werden. In Metropolis macht er sich einen Namen, indem er viele Menschen rettet, aber Superman hat leichtes Spiel. Hier wird dient die Geschichte wieder nur einem Zweck, Supermans Allmacht zu demonstrieren. Da er die schon in der Tiefsee unter Beweis gestellt hat, erschöpft sich das schnell.

Interessant wird es erst, als es zur ersten Begegnung mit Lex Luthor kommt. Obwohl Superman sich weigert, ihm zu gehorchen, lässt er sich doch sofort einspannen, um ein offizieller Gesetzeshüter zu werden – eine Anspielung auf den Superman aus The Dark Knight Returns, der für den US-Präsidenten arbeitet. Superman soll Batman in Gotham City ausschalten. Doch Luthor kooperiert mit dem Joker, um eine neue Droge herzustellen. Luthor will die Helden gegeneinander aufhetzen, damit sie einander ausschalten.

Und das gelingt ihm auch. Batman lockt Superman mit dem Bat-Signal an und versucht, ihn auszuschalten. Dabei geht er so rabiat und großmäulig wie ein Straßenschläger vor. Es ist mehr der Dunkle Ritter aus All-Star Batman, gewürzt mit dem aus The Dark Knight Strikes Again („striking terror – best part of the job“). Superman hält allem, was Batman gegen ihn auffährt (alles außer Kryptonit), ungerührt stand. Selbst den Beleidigungen. Und als er sich revanchieren will, taucht aus dem Nichts Wonder Woman auf …

Das Ganze erinnert wahrscheinlich nicht zufällig an den Film Batman v Superman. Es wirkt wie ein Kommentar dazu, als würden Miller und Romita damit eine Version nachreichen, wie sie den Film gemacht hätten. Doch dazu taugt Superman: Year One leider nicht, weil hier alles schon vorbei ist, noch bevor es richtig losgeht. Zog sich die Geschichte vorher durch die Fülle an Supermans Bewährungsproben, handelt sie zum Schluss zu viel auf zu wenigen Seiten ab.

Damit bleibt ein zwiespältiger Gesamteindruck zurück: Es gibt Stellen, da erlebt man Miller wieder als Autor in Bestform mit wunderbaren Beobachtungen und witzigen Formulierungen. Aber es gibt leider auch viel zu viele Redundanzen, in denen er sich unnötig wiederholt – leider eine schlechte Eigenschaft, die er sich nach 2000 angewöhnt hat. So stark der Auftakt auch war, so planlos wirken die letzten zwei Drittel, die zwar prächtig von John Romita Jr. inszeniert sind, aber leider ohne Spannungsbogen auskommen, weil Superman nie eine Herausforderung erlebt. Er bleibt immer Herr der Lage. Und wenn er schon gelangweilt ist – warum sollten sich seine Leser für ihn interessieren?

(Abgesehen davon ist Year One auch eine Mogelpackung: Anders als bei Batman wird hier weit mehr als nur ein Jahr erzählt.)

>> Liste der Superman-Comics

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