Monat: September 2019

Batmans Krieg gegen sich selbst

DC Comics

Titel: Mythology

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #994-999), Hardcover 2019 (Detective Comics Vol. 1)


„We always knew that to wear the cape and cowl we’d have to wage war on ourselves, Bruce.“

Detective Comics fängt noch einmal von vorne an. Schon wieder. Denn nach der siebenbändigen Storyline von James Tynion IV kamen nur zwei Gastautoren vorbei, kurz vor der Nummer 1000 hat man Peter J. Tomasi (Batman and Robin) und Altmeister Doug Mahnke (The Man Who Laughs, Under the Hood) zusammengebracht, um die Serie zum Jubiläum und darüber hinaus weiterzuführen.

Die Geschichte beginnt so, wie man es von einer Serie mit dem Titel erwartet: mit einem Mord. Im Gotham City Aquarium werden zwei Leichen gefunden, die bis aufs Haar Thomas und Martha Wayne ähneln – inklusive der Einschusswunden und Kleidung. Kurz darauf wird Leslie Thompkins von einem Monster angegriffen. Batman kann es zwar abwehren, aber das Monster setzt Leslie einem Joker-Gas aus. Dann wird auch noch Alfred von einem falschen Zorro angegriffen …

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994 (DC Comics)

Batman wird klar, dass die Angriffe von jemandem stammen müssen, der sein Geheimnis kennt. Also sucht er jeden auf, der dafür infrage käme: Henri Ducard, Sensei Kirigi, Thaddeus Brown (dem ersten Mr. Miracle), Hugo Strange und Etrigan. Zwischendrin taucht das Monster wieder auf, das diesmal die Gesichter von Batmans Rogues Gallery trägt. Und spätestens hier wird die Story verdächtig. Und tatsächlich: Hier geht es um nichts anderes, als um Mythologie. Zu Deutsch: Batman betreibt mal wieder Nabelschau.

ACHTUNG: SPOILER!!!

Wenn Peter Tomasi auch noch Etrigan einführt, ohne wirklich zu motivieren, und am Ende auflöst, es habe sich bloß um eine Simulation gehandelt, der sich Batman jedes Jahr zu seinem Geburtstag aussetzt, um seine Leistung zu steigern, dann fällt die ganze Geschichte in sich zusammen.

Immer wenn es heißt, es sei alles nur Vorstellung, ein Traum/Albtraum oder ein Trugbild, verliert die Story an Brisanz, denn in so einem Konstrukt kann alles passieren, ohne dass es ernsthafte Folgen hat – und das wirkt beliebig. Und so werden wir mit dem Tod von Leslie Thompkins und dem Angriff auf Alfred getäuscht. So etwas haben wir in letzter Zeit zu oft lesen müssen: ob in Kings of Fear oder in Tom Kings Knightmares. Hier verliert sich die Detektivgeschichte in einer Parade von All-Stars und Kämpfen.

detective comics 999

Cover zu Detective Comics #999 (DC Comics)

Bei aller Kritik muss man dem Kreativteam zugestehen, dass das alles immerhin kurzweilig und spannend inszeniert ist, sei es der Angriff auf Leslie oder die Befreiungsaktion unter Wasser. Doug Mahnke zeichnet die Stippvisiten bei alten Bekannten herrlich detailliert und spektakulär, jede Seite ist eine farbenprächtige Augenweide voller kraftstrotzender Muskeln und ausdrucksstrarker Gesichter. Auch die Hellbat-Rüstung ist immer wieder ein Hingucker.

Dennoch: Es bleibt noch viel Luft nach oben, es wirkt wie ein weiterer Lückenbüßer bis endlich das große Ding kommt. Verbuchen wir es als Aufwärmübung für Arkham Knight – und hoffen wir, dass es noch besser wird. Und mit besser meine ich eine Geschichte, die endlich auch emotionalen Eindruck hinterlässt, ohne dass Batman nur über sich selbst nachdenkt.

(Nach einigem Hin- und Her hat sich DC dazu entschieden, doch nur eine Storyline zu bündeln, dafür aber als Hardcover – die Kraut- und Rübensammlung im Comicregal ist um eine Ausnahme reicher.)

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Joker lässt andere machen

Crime of the Month Club

DC Comics

Titel: Crime-of-the-Month Club

Autor/Zeichner: Dave Wood/Dick Sprang

Erschienen: 1957 (Batman #110), Paperback 1988/2008 (The Greatest Joker Stories Ever Told/Joker: The Greatest Stories Ever Told)


Gotham ist nicht nur die Hauptstadt des Verbrechens, auch Batman scheint das Verbrechen geradezu anzuziehen. Denn wie anders kann man es sich erklären, dass überall, wo Bruce Wayne und Dick Grayson auftauchen, eine Straftat verübt wird?

So ist es auch an einem schönen Tag im Mai: Bei einer Blumenausstellung wird eine seltene schwarze Orchidee gezeigt, Wert: 50.000 US-Dollar. Klar, dass die nicht lange zu sehen ist, denn zwei Gauner schnappen sich das Ding. Um sich die Besucher vom Hals zu halten, richtet einer von ihnen einen Kaktus auf sie – einen Kaktus mit giftigen Stacheln wohlgemerkt.

Eine dämlichere und unhandlichere Waffe kann man sich kaum vorstellen. Aber Batman und Robin nehmen die Bedrohung ernst, sehr ernst. Sie nähern sich dem Kaktus mit zwei Lassos, fangen ihn ein und lassen ihn behutsam zu Boden sinken, damit auch keiner der gefährlichen Stacheln abbricht, querschießt und einen Besucher trifft – auf die Idee muss man erst mal kommen.

Wegen dieser diffizilen und anscheinend auch zeitintensiven Operation sind die Verbrecher über alle Berge, sobald die Gefahr gebannt ist. Wer könnte dahinterstecken? Ein Blick ins Archiv bringt die beiden auf eine Spur: Im März haben Räuber ein Gaswerk überfallen und sind mit einem Ballon davongeflogen – getragen von den Märzwinden. Im April haben sich zwei maskierte Gauner einen Aprilscherz als Ablenkungsmanöver erlaubt.

joker in batman 110

Joker versteigert Pläne.

Schlussfolgerung: Da verübt jemand eine Verbrechensserie, deren Themen sich am Kalender orientieren (vgl. Calendar Man). Hinter so einer spinnerten Idee kann nur der Joker stecken. Und tatsächlich: Der Joker hat eine neue Masche. Er hat den Crime-of-the-Month-Club gegründet, in dem er einmal im Monat unter anderen Gaunern einen geheimen Plan versteigert, der jeweils zu einem Ereignis passt. So macht der Joker ohne Risiko mächtig Kasse – und erspart sich den Ärger mit Batman.

Nächster Fall im Juni: eine Hochzeit. Der Plan ist äußerst genial und raffiniert und jeden Cent der 50.000 Dollar wert: Zwei Räuber verkleiden sich als lebensgroße Tortenfiguren. Wieder sind zufällig Bruce und Dick eingeladen und können das Schlimmste verhindern. Aber weil Batman weiß, dass sich der Joker mit der Niederlage nicht zufrieden geben wird, fragt er sich, welcher wohl Plan B sein wird. Der Held kennt seinen Gegner mittlerweile sehr gut.

Zwei Mal fährt das Dynamische Duo zu Ereignissen, bei denen kein Verbrechen passiert, aber dann erwischen sie den Joker vor einem Kino, wie er gerade die Spenden einer Benefizvorstellung absahnt. Batman muss nur zwei Geldsäcke nach dem Joker und seinem Handlanger werfen und der Fall ist gelöst. Aber wie kam Batman auf das Kino? Ganz einfach: Der gespielte Film heißt „Jupiter’s Bride“, die heißt Juno – und das passt zum Juni. – Keine weiteren Fragen.

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Jokers erster Besuch in der Irrenanstalt

Joker: Crazy Crime Clown

DC Comics

Titel: The Crazy Crime Clown

Autor/Zeichner: Alvin Schwartz/Dick Sprang

Erschienen: 1952 (Batman #74), Paperback 1988 (The Greatest Joker Stories Ever Told)


Zwölf Jahre lang ist es dasselbe Spiel: Der Joker heckt was aus, Batman schnappt ihn und steckt ihn in den Knast. Der Joker bricht aus und das Spiel geht von vorn los. Diesmal ist es anders. Der Joker kommt erstmals in eine Nervenheilanstalt, die allerdings noch nicht Arkham heißt, das kommt später.

Es beginnt mit einem Raub bei Nebel. Der Joker stiehlt einer Frau die Juwelen vom Hals. Doch die Steine waren falsch. Zufällig sind Bruce und Dick dabei, schlüpfen im Schutz des Nebels in ihre Kostüme, aber der Joker entwischt ihnen. Dann stiehlt der Joker einen Haufen wertloser Münzen, und schließlich eine Nachbildung der Mona Lisa. Was soll das?

Kurz darauf noch eine Überraschung: Der Joker liefert die nutzlose Beute bei der Polizei ab. Er kommt vor Gericht, ein Psychiater erklärt ihn erstmals für unzurechnungsfähig und der Joker kommt in die Klapse. Schnell findet Batman heraus, was den Joker dazu bringen konnte: In der Anstalt steckt der ehemalige Banker James Derek, der sich angeblich nicht mehr daran erinnern kann, wo er die Million Dollar versteckt hat, die er einst unterschlug. Der Joker könnte versuchen, das herauszufinden.

Batman & Joker

Batman gewinnt als Gedankenleser Minos Jokers Vertrauen – aber nur scheinbar …

Batman geht undercover: Als Minos, der Gedankenleser, mit Maske und Turban, schleust er sich unter die Verrückten ein, die sich für Newton, Columbus und Batman halten. Gegenüber dem Joker tut der wahre Batman alias Minos so, als könnte er das Geheimnis des Bankers lesen. Doch der Joker ist nicht blöd: Als die beiden ausbrechen wollen, schlägt der Clown ihn bewusstlos, steckt ihn in eine Gummizelle und dreht das Wasser auf.

Der Joker will abhauen, da hört er Batman herbei eilen. Er zweifelt an seinem Verstand, schaut in der Zelle nach – und da sitzt Bruce Wayne und gibt sich für Batman aus. Ein gewagtes Manöver, aber der Joker fällt drauf rein. Zumindest vorübergehend denkt er, er sei verrückt geworden. Als dann auch noch ein Mann im Batman-Kostüm auftaucht und sich auf Bruce Wayne stürzt, den er für den Joker hält, dreht der Joker wirklich durch.

Joker in Batman #74 (1952)

Joker wird in der Gummizelle fast verrückt.

Der andere Batman war natürlich der Verrückte, der sich nur für Batman gehalten hat. Glücklicherweise hat er hinterher alles wieder vergessen. Und der Joker? Der legt sich in der Gummizelle eine irre Theorie zurecht, warum Bruce nicht Batman sein kann. Am Ende gibt er alles zu und lässt sich wieder ins Gefängnis bringen.

Offenbar findet jeder so ein Verhalten völlig normal. Verständlich: In den 50ern halten Psychiater auch Comics für jugendgefährdend … Erst 22 Jahre später, in Batman #258, wird der Joker in die Anstalt wiederkehren. Die wird dann Arkham Asylum heißen.

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Misere in Serie

DC Comics

Titel: Knightmares

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Mitch Gerads, Amanda Conner, Lee Weeks

Erschienen: 2019 (Batman #61-63, 66-69), Paperback 2019 (Batman Vol. 10)


Was bisher geschah: Catwoman hat die geplante Hochzeit mit Batman platzen lassen. KGBeast hat einen Anschlag auf Nightwing verübt. Batman ist daraufhin Amok gelaufen. Bane hat Arkham Asylum übernommen und sich mit dem bösen Flashpoint-Batman (Thomas Wayne) gegen Batman verbündet, der wiederum Alfred angegriffen hat.

Was jetzt geschieht: Nix. Absolut nix. Batman steht unter dem Einfluss eines neuen Scarecrow-Angstgases und erlebt einen Traum oder Albtraum nach dem anderen. Aber sonst geschieht nichts. Wir sehen zunächst eine Horror-Variante von Bruce Waynes Werdegang, der als Junge zum Kindermörder wird. Dann einen Kampf gegen Professor Pyg alias Damian Wayne. Und eine weitgehend wortlose, aber ziemlich spektakuläre Hetzjagd mit den Joker durch Gotham.

Vor allem aber wird noch mal Batmans Beziehung zu Catwoman rekapituliert – und zwar die ganze. Von den ersten Treffen bis zum Sitzenlassen auf dem Dach, als wäre das nicht schon im Hochzeitsband zu Genüge geschehen. Mit dabei sind John Constantine und the Question, die aber natürlich nicht sie selbst sind, sondern auch nur Traumbilder, und hier bloß reine Funktionsträger. Batman zergeht in Selbstmitleid und fragt immer wieder, warum er sitzengelassen wurde – allerdings ohne neue Erkenntnisse zu gewinnen (wie auch, im Selbstgespräch?) und so fällt die Antwort gleich aus. Gleich unbefriedigend.

Ansonsten sehen wir noch mal einen Junggesellenabschied: Lois Lane und Selina Kyle vergnügen sich in der Festung der Einsamkeit, während Bruce und Clark sich beim Schach in Wayne Manor langweilen. Aber auch das – nur ein belangloser Traum. Ach ja: Und wir sehen auch Bane und Thomas Wayne beim Sparring. Bane ist nackt.

Fazit: Seit fast 70 Ausgaben verfolge ich Tom Kings Batman-Serie und meine Geduld ist längst am Ende. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass endlich etwas Relevantes und Mitreißendes passiert. Stattdessen ergehen sich die Figuren bloß in Selbstreflexion und -analysen, sentimentalem Geschwafel, aufgeblasene Banalitäten und vor allem: endlosen Wiederholungen. Die Handlung – sofern vorhanden -, die nur langsam voranschreitet, tritt hier völlig auf der Stelle. Die Träume bzw. Albträume wirken beliebig und das Konzept ermüdet.

Dieser Band wäre reine Geld- und Zeitverschwendung, wären da nicht die wirklich herausragenden Arbeiten der Zeichner: Mikel Janin, Mitch Gerads, Lee Weeks und auch die anderen leisten Großes. Leider sind diese Bilder völlig an Tom Kings erzählerischen Leerlauf verschwendet. Das hier ist ein reines Hinhalten seiner Leser, ohne das erkennbar wäre, für was. Ich kann es kaum erwarten, dass diese Misere mit Ausgabe 85 endlich endet. Egal wie.

Leider muss ich sagen: Ich halte diesen Batman für eine Zumutung. Er ärgert mich sehr. Gäbe es dieses Blog nicht, hätte ich längst aufgehört, diese Serie zu lesen. Ich will keine Dankbarkeit, denn immerhin mache ich dieses Projekt freiwillig, aber es ist Arbeit. In diesem Fall harte Arbeit. Und ich finde, DC Comics müsste mich dafür bezahlen, dass ich mich durch diesen Batman-Bullshit quäle.

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James Tynion IV und Tony Daniel übernehmen Batman-Serie

Im Januar 2020 bekommt Batman ein neues Kreativteam – zumindest zum Teil. Tom King verabschiedet sich nach Ausgabe 85, dem Ende seiner Storyline „City of Bane“, um in der 12-teiligen Maxi-Serie Batman/Catwoman seine bislang gescheiterte Romanze weiterzuerzählen.

Ab Batman #86 übernimmt James Tynion IV das Schreiben, während Tony S. Daniel zum Stammzeichner wird – so teilt es DC mit. (Damit erscheint die Serie wieder monatlich.) Beide sind keine Neulinge: Daniel ist bereits seit Batman R.I.P. dabei und hat auch zuletzt für Kings Batman gezeichnet. Tynion (englisch ausgesprochen wie tie-nun) hat bereits an Batman Eternal mitgeschrieben, Batman & Robin Eternal verantwortet sowie Detective Comics #934-981 seit dem Rebirth-Neustart. Außerdem hat er Batman mit den Turtles zusammengebracht …

Da ich kein Fan seiner Detective-Storyline war, die sich auf Batman als (übergroßes) Team konzentrierte, zu dem so ziemlich jeder und jede dazugehörte (auch Clayface), freut mich diese Entscheidung nicht. Auch Tynion gehört zu den geschwätzigen Autoren. Allerdings gibt es Hoffnung: In der Batman-Serie will er sich nach eigenen Worten auf Bruce Wayne konzentrieren.

“I want to dig deep into the Bat himself and tell an epic story that pushes him to his absolute limits. I want to tell a Batman story like the kinds I grew up loving, one that embraces the horror and gothic elegance of Gotham and dives deep into Batman’s greatest villains.”

Tynion ist übrigens erst 31 Jahre alt. Abseits von DC sorgt er mit seiner Horror-Comic-Serie „Something Is Killing The Children“ für Aufsehen.

Mehr von James Tynion IV:

 

Heute ist Batman-Tag!

Panini Comics

Der diesjährige Batman-Tag am 21. September 2019 steht im Zeichen des 80-jährigen Jubiläums. Weltweit finden Aktionen statt, mehrere Städte lassen sogar ein Batsignal leuchten. Während der Panini-Verlag ein Gratis-Comic (unbekannten Inhalts), Papier-Masken und Postkarten verteilt, gibt DC gleich zwei Gratis-Comics heraus. Der eine ist die Nummer 1 von The Batman Who Laughs (auch mit Maske), der andere ist Batman: Nightwalker, die Comic-Adaption eines Romans.

Darüber hinaus bringt Panini noch Variants zu Batman #30 und „Der Batman, der lacht“ heraus, die nur in Comic-Shops verfügbar sein werden. Mehr Infos gibt es hier.

Kampf um Batmans Gürtel

Titel: The Secrets of Batmans Utility Belt/The Joker’s Utility Belt

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1952 (Detective Comics #185, Batman #73), Paperback 1988/2008 (The Greatest Joker Stories Ever Told/Joker: The Greatest Stories Ever Told (nur Batman #73))


Was wäre Batman ohne seinen Gürtel? Diese Sammlung an Werkzeugen und Wundermitteln lässt ihn – wie einen guten Pfadfinder – allzeit bereit für jede Lebenslage sein. Im Jahr 1952 war Gürtel ein großes Thema. Gleich zwei Geschichten widmete Autor David Vern Reed dieser Utensiliensammlung. Die erste hebt hervor, wie wichtig sie für Batman ist.

Bei einem Einsatz geht der Gürtel verloren, ein Junge findet ihn und stopft ihn mit Nüssen voll und steckt ein Chamäleon hinein. Na und? Dann soll sich Batman eben einen neuen machen. Geld genug hat er ja. Aber das ist nicht so einfach: Denn der Gürtel enthält eine kleine Scheibe, die Batmans Geheimidentität als Bruce Wayne preisgibt. Batman hat sie dort untergebracht, damit im Falle seines Todes die Polizei weiß, wenn ein Betrüger sich als Dunkler Ritter ausgeben sollte. Also macht sich das Dynamische Duo auf die Suche nach dem Gürtel.

In der Zwischenzeit macht der sich nützlich: Das Seil darin rettet einem Jungen das Leben, der im Eis einbricht, weitere Utensilien helfen einem Obdachlosen und einem Bauarbeiter. Aber immer wenn Batman und Robin das Ding finden, entwischt es ihnen und wechselt den Besitzer. Zum Schluss landet das Ding bei einem Ledersammler und Gauner knöpfen es ihm ab.

Sie finden die Geheimidentität von Batman heraus, aber da täuschen sie sich, denn Batman hat zuvor im Handgemenge die Gürtel ausgetauscht und ihnen eine falsche Plakette zugespielt. Am Ende machen sich sogar die blöden Nüsse nützlich, um die Gauner zu fassen. Kurz gesagt: Im Grunde ist alles wertvoll, wenn es nur in Batmans Gürtel steckt.

Jokers Werkzeuggürtel

Voll mit Scherzartikeln: Jokers Werkzeuggürtel.

Und dann, in Story Nummer zwei, kommen die Gadgets gegen den Joker zum Einsatz. Das bringt den „Harlequin of Hate“ auf eine Idee: Er macht sich selbst einen Gürtel – allerdings voller Scherzartikel. Explodierende Zigaretten, Juckpulver, Niespulver, ein Handbuzzer, Pillen, die sich in falsche Schlangen verwandeln usw. Alles kommt zum Einsatz und der Joker kommt immer wieder davon.

Als Batman ihn in einer Maskenausstellung konfrontiert, stellt er fest, dass sein eigener Gürtel spinnt: Statt Gas kommen aus seinen Kapseln Riesenblumen, statt Rauch platzen Fahnen heraus, die ihn verspotten. Der Joker hat ihm seinen Scherz-Gürtel angelegt. Später fällt Batman aber nicht auf den Fake-Korken in der Champagner-Flasche herein, als er ein Schiff taufen soll.

Der Joker wirft die Flasche selbst, es entsteht eine Rauchwolke und der Schurke entführt das Dynamische Duo. Auf einem Laufband, das in einen Ofen führt, lässt er Robin laufen, da greift sich Batman Jokers Gürtel und wendet dessen eigene Waffen gegen ihn – und zwar so ziemlich alle. Commissioner Gordon macht den Joker im Knast zum Vorarbeiter in der Gürtelfabrik. Er habe ja bereits Erfahrung …

14 Jahre später diente die Story als Vorlage für die ersten Joker-Episoden der Batman-TV-Serie: „The Joker is Wild“/“Batman Is Riled“ (dt. Die Demaskierung).

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Joker lässt Batman Gags schreiben

Batman #67 (1951): Joker

DC Comics

Titel: The Man Who Wrote the Joker’s Jokes

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #67), Paperback 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Der Joker steckt in einer Schaffenskrise. Ihm sind die Ideen für seine Gaunereien ausgegangen. Nur noch eine bleibt: Sich bei anderen zu bedienen. Wenn auch die Comedians im Showgeschäft professionelle Gagschreiber engagieren, warum sollte der Joker darauf verzichten? Damals war der Joker noch nicht der eitle Künstler mit Berufsethos – er war ein Geschäftsmann. Trotzdem war er auch Idealist genug, dass es stets auch darum ging, Batman zu blamieren. Geld allein reichte nicht.

Der Joker veranstaltet ein Casting und wählt am Ende drei Favoriten aus. Erster Streich: Ein überdimensionaler Kartoffelsack bei einer Parade. Man kann sich nichts Schöneres vorstellen, was man bei einer Parade in Übergröße präsentiert. Der Joker entkommt, aber einer seiner Komplizen ist zu langsam, wird geschnappt – und mit ihm die Beute.

Zweiter Streich: Joker raubt einen Kamera-Laden aus, setzt den Laden in Flammen, als Batman und Robin sich darin befinden. Der Schurke wirft ihnen Eselkostüme aus Asbest hin, um den Flammen zu entkommen. Sie ziehen sie an, überleben – aber landen als Esel („jackasses“) in der Zeitung. Trotzdem: Wieder keine Beute für den Joker.

Der dritte Streich ist viel ausgeklügelter: Joker lockt Robin in einem Liebestunnel (!) eines Freizeitparks in die Falle, entführt ihn und erpresst Batman, sich einen witzigen Raubzug zu überlegen. Er hat 24 Stunden Zeit. Batman führt den Joker in eine Kaugummi-Fabrik und verspricht ihm, sich von ihm festkleben zu lassen. Nachdem der Schurke mit seiner Bande den Tresor geplündert hat, kippt Batman den Kaugummitank über ihnen aus.

Merke: Gags kann man ruhig andere schreiben lassen. Aber Pläne sollte man lieber selbst schmieden. Sonst geht der Witz auf eigene Kosten.

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Der falsche Hush

Hush hält Joker gefangen. (Warner Bros.)

Titel: Batman: Hush

Regie/Drehbuch: Justin Copeland/Ernie Altbacker

Erschienen: 2019 (Direct-to-Video)


ACHTUNG: SPOILER!!!

Man nehme alle großen Schurken, verstricke sie in eine Verschwörung gegen Batman, packe eine Liebelei mit Catwoman hinein und würze das Ganze mit Superman und einem alten Freund aus Bruce Waynes Jugend. Richtig gemixt kommt Hush heraus – eine der besten Batman-Storylines des 21. Jahrhunderts.

Von daher müsste es ein Leichtes sein, den Comic von Jeph Loeb und Jim Lee zu verfilmen. Theoretisch. Denn wie Animationsversuche von The Killing Joke zeigen, stellt ein Klassiker als Vorlage noch längst keine Garantie für einen guten Film dar. Und so ist es leider auch hier.

Ivy küsst Catwoman …

Batman: Hush ändert zunächst den ersten Gegner: Statt Killer Croc tritt Bane auf. Die Änderung leuchtet nicht ein, wahrscheinlich hat man einfach nur auf den bekannteren Namen gesetzt, auch wenn Bane deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt – was übrigens auch im Film bemerkt wird. Auch wenn es interessant wäre, nicht immer nur die üblichen Verdächtigen zu zeigen, ist diese Änderung noch zu verschmerzen.

Ivy küsst Superman.

Am Ende fehlt die Jason-Todd-Szene, was verständlich ist, denn Red Hood ist in den Filmen längst etabliert und die Szene hätte keinen Effekt mehr. (Der Film spielt auch unmittelbar nach Death of Superman.) Auch andere kleinere Änderungen (Batgirl statt Huntress, Catwoman stürzt Lois vom Dach) sind akzeptabel.

Doch im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass sogar das Herzstück des Comics fehlt: Die Rückblenden in Bruce Waynes Jugend mit Thomas Elliot, im Comic wunderbar von Jim Lee inszeniert, existieren nicht. Dadurch wird Thomas zu einem sehr oberflächlichen Charakter reduziert. Und das hat einen Grund …

JETZT KOMMT DER SPOILER!

Denn Thomas ist gar nicht Hush, sondern Riddler. Im Comic stellt sich dieser zwar als graue Eminenz heraus, aber hier bleibt Thomas Elliot tot und der Riddler ist der wahre Bösewicht. Entweder wollte man es sich leicht machen, um Zeit zu sparen, oder man wollte auch den Comiclesern eine Überraschung bieten.

So ehrenwert der Trend erscheinen mag, dem Riddler zu mehr Ernsthaftigkeit zu verhelfen: Gelungen ist der Versuch nicht. Denn dadurch wird Hush nur zu einem billigen Gimmick einer typischen Schurken-Aktion. Ohne persönliche Vendetta wirkt die Verschwörung hohl. Und dementsprechend langatmig wirkt die scheinbar nicht enden wollende Prügelei im Finale. Nicht mal Batman nimmt den Riddler ernst.

Batman küsst Catwoman – und zwar oft …

Ansonsten wird in dem Film nicht nur geprügelt, sondern auch viel geküsst. Das liegt natürlich vor allem an der Liebesgeschichte. Batman offenbart sich Catwoman, aber am Ende scheitert die Beziehung. Batman will Riddler vor dem Feuer retten, Catwoman hindert ihn daran, der Riddler stürzt in den Tod. Erst dadurch wird deutlich, dass die beiden zu verschieden sind, um ein Paar zu sein. Das wiederum ist ein viel stärkeres Ende als im Comic, wo es bloß um Batmans mangelndes Vertrauen geht.

Trotzdem gilt: Hush sollte lieber gelesen werden. Den Film kann man sich sparen.

Batman: Hush (Warner Bros.)

Batman: Hush (Warner Bros.)

>> Liste der Batman-Filme

Magische Superwesen und wo sie zu finden sind

Batman Damned (Hardcover)

DC Comics

Titel: Batman Damned

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2018-2019 (Mini-Serie #1-3), Hardcover 2019, dt. Panini 2019


In meinem Batman-Regal überragt es alle anderen Comics. Zum Auftakt seines Black Labels spendiert DC seinen Lesern für Batman Damned ein Überformat. So viel sind Lee Bermejos Prachtgemälde allemal wert. Und auch die 30 US-Dollar, die der Sammelband kostet. Wie schon bei früheren Arbeiten hat auch hier wieder Brian Azzarello (Joker, Batman/Deathblow, Luthor) den Text dazu beigetragen. Das stört etwas die Augenweide, die die Bilder darstellen. Aber gut, wenn er schon mal da ist, kann man ihn auch lesen.

Batman liegt mit einer Bauchwunde im Rettungswagen, dem Tode nah. Als ein Sanitäter ihm die Maske aufschneiden will, kommt Batman zu sich und flieht. John Constantine findet ihn in einer Gasse, nimmt ihn mit zu sich nach Hause und pflegt ihn gesund. Dort erfährt Batman: der Joker ist tot. Wie ist das passiert?

Hier könnte die Detektiv-Handlung einsetzen. Aber stattdessen lässt Azzarello seinen Batman durch ein Horror-Szenario irren, bei dem er auf Justice League Dark-Charaktere wie Deadman, Spectre, Etrigan, Swamp Thing und Zatanna treffen. Eine besondere Rolle spielt Enchantress, die ihn schon als Jungen heimgesucht hat. Statt zu ermitteln, versucht Batman eher zu begreifen, was überhaupt los ist. Die anderen aber sind nur wenig erhellend, helfen ihm aber gerne aus der Patsche, in die er immer wieder gerät.

Batman Damned #1

Batman im Krankenwagen (DC Comics)

Nein, Batman stellt sich hier sogar sehr dumm an. Dümmer als es sein müsste. Wie er sich von Harley Quinn übertölpeln lässt, geht über naiv hinaus. Der Kluge soll hier John Constantine sein, der die Geschichte mit einem altklugen, mäandernd-assoziierenden Redefluss erzählt. Man weiß nicht so richtig, worauf er hinaus will, man kann nur zwischendrin die wilde Abfolge von popkulturellen Zitaten abhaken, die dann auf Dauer ziemlich ermüdet.

Viel interessanter ist es, dass andere nervige Schwätzer in überraschender Form auftauchen: Spectre als Obdachloser, Etrigan als Rapper, Deadman trägt statt eines roten Kostüms nur seinen gehäuteten Körper zur Schau. Und dann wird auch noch die Geschichte der Waynes mit Ehebruch gewürzt. Eine der stärksten Sequenzen zeigt, wie der junge Bruce eine Spielzeugpistole auf seine Mutter abfeuert – und es gleich darauf bereut.

Am Ende fordert Constantine Batman auf, endlich seine Vergangenheit loszulassen und konfrontiert ihn zugleich mit einem dunklen Abgrund. Dann überrascht Batman Damed doch mit einer interessanten Wendung und es wird deutlich, dass die Geschichte nicht für sich steht, sondern unmittelbar an Azzarellos und Bermejos Joker (2008) anknüpft. Das rettet die Story, aber es hätte dafür all die Überfrachtung mit magischen Superwesen (und wo sie zu finden sind), nicht gebraucht.

Für all diese narrativen Wirren findet Lee Bermejo wunderbar alptraumhafte Bilder, die aus einem guten Horrorfilm stammen könnten. Hyperrealistisch und zugleich wie durch einen Schleier hindurch. Als Fan kommt man auf seine Kosten. Batman und Co. erscheinen hier so, wie es sein sollte: larger than life.

Batman Damned #2

Gotham City in Batman Damned (DC Comics)

Und was sagen die Fans? Bei Amazon regen sie sich über Zensur auf, weil darin Batmans Penis fehlt. Sie zahlen 30 Dollar oder Euro, um Batmans Gemächt in Übergröße zu sehen – und dann das: ein schwarzer Schatten in Batmans Schritt. Na sowas! Ja, DCs Selbstzensur und der vorauseilende Gehorsam sind schrecklich. Wo bleibt da die Kunstfreiheit? Entweder ist das feige oder eine gut kalkulierte Marketing-Masche – in jedem Fall erbärmlich. Vor allem, wenn offenbar niemand ein Problem damit hatte, dass in der Geschichte ständig „fuck“ gesagt und eine Jesus-Figur mit einem Joker-Grinsen entstellt wird. Batman Damned ist eben was für Erwachsene – allerdings nur für verklemmte Amerikaner.

Aber: Ist das mit Batmans bestes Stück wirklich so wichtig? Ihr wollt es trotzdem sehen, schon aus Prinzip? Na gut, hier ist es noch mal in seiner ganzen schattigen Pracht:

Bruce Wayne nackt in Batman Damned (DC Comics)

Bruce Wayne nackt in Batman Damned (DC Comics)