Monat: April 2019

Batman im Wahlkampf gegen Pinguin

Pinguin macht Wahlkampf

Titel: Hizzonner the Penguin/Dizzoner the Penguin (Wahltag)

Drehbuch: Stanford Sherman

Erschienen: 1966 (Batman S02E17-18)


Commissioner Gordon ist außer sich: Der Pinguin hat nicht nur einen Raubüberfall verhindert, er war auch noch freundlich zu einem Polizisten, hat einen Kinderwagen vor einem Lkw gerettet und hat 100.000 Dollar für wohltätige Zwecke gespendet. Das ist ja unerhört! Da ist doch was faul! Und es gibt natürlich wieder mal nur einen Mann, der der Sache gewachsen ist …

In einer normalen Welt würde man sich freuen: Ein ehemaliger Verbrecher ist endlich resozialisiert! Aber in Batmans Welt hält ein Polizist es auch eher für bemerkenswert, dass der Pinguin einen Raub verhindert, als selbst den Täter zu fassen, obwohl er selbst dabeisteht. Daher verwundert es nicht, dass Gordon seinen eigenen Leuten nichts zutraut – und anderen Wohltätern dafür alles.

Wahlwerbung für den Pinguin

Aber Gordons Intuition trügt ihn nicht: Der Pinguin hat etwas vor. Er will Bürgermeister werden. Verboten ist das nicht. Und obwohl er gerade erst angefangen hat, liegt er in Umfragen mit 60 Prozent vorn. Batman sieht keinen Grund zur Sorge, dass der Gauner gewählt werden könnte: „People of Gotham City are not as simple-minded as he might think.“ Man muss kein Zyniker sein, um zu merken, dass sich Batman irrt.

Pinguin in seiner Wahlkampfzentrale

Der amtierende Bürgermeister gibt sich geschlagen noch bevor der Wahlkampf beginnt. Nur einer kann gegen den Pinguin gewinnen: Batman! Er sei der einzige in Gotham mit einem makellosen Ruf, sagt Gordon. Es klingt sehr trostlos, wenn man so etwas über eine ganze Stadt sagt. Batman sträubt sich zunächst, sagt dann aber zu. Drei Stunden später sind 55 Prozent für Batman und nur noch 35 Prozent für den Pinguin. Die Menschen von Gotham sind ein sehr wankelmütiges Volk. Es entscheidet aus dem Bauch heraus.

Neue Methoden des Guerilla-Marketings

Doch der Pinguin holt bald auf, denn er fährt eine erfolgreiche Strategie: Große Show, keine Politik. „Issues confuse people.“ Batman sieht das anders. Der unverbesserliche Idealist glaubt an Inhalte. Na ja, ein bisschen Showmanship würde nicht schaden, meint Robin, doch Batman winkt ab.

„I’m convinced the American electrorate is too mature to be taken in by cheap vaudeville trickery. After all, if our national leaders were elected on the basis of tricky slogans, brass bands and pretty girls, our country would be in a terrible mess, wouldn’t it?“

Ein klarer politischer Appell, den er da auch an die TV-Zuschauer richtet. In Trump-Zeiten klingt das noch mehr wie ein böses Omen. Klar, dass das nur schiefgehen kann.

Aber Batman bleibt bei seinem Idealismus und hält lieber Reden über Inhalte. Reden, zu denen kaum jemand kommt und die Anwesenden einschläfert. Ein begnadeter Rhetoriker ist er leider nicht. Es hilft auch nicht, als er aus hygienischen Gründen keine Babys küssen will. Der Pinguin wirbt ihm Wähler ab, lässt eine Bauchtänzerin und eine Rock-Band auftreten (Paul Revere and the Raiders!). Der Mann weiß einfach, was dem Volk gefällt.

Wagschale des Todes

Um ganz sicherzugehen, lockt er Batman und Robin trotzdem in eine Todesfalle. Sie hängen in einer Waagschale über Schwefelsäure, auf der anderen Seite schmelzen Eisbrocken. Wie gut, dass Batmans Anzug zufällig säureresistent ist …

Als schließlich die Stimmen ausgezählt werden, hält der Pinguin die Wahlhelfer als Geiseln. Am Ende ist alles vergebens, denn Batman gewinnt doch die Wahlen. Unerklärlicherweise. Das Gute hat gesiegt. So klappt das nur im Fernsehen.

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Pinguin, Prügel, Pennyworth

DC Comics

Titel: The Tyrant Wing

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Otto Schmidt

Erschienen: 2018 (Batman #58-60, Secret Files #1, Batman Annual #3), Paperback 2019 (Batman Vol. 9)


Es ist schwierig, über diesen Band zu urteilen. Denn die erste Hälfte enthält nur drei Hefte der Batman-Serie und diese bilden keine abgeschlossene Handlung, sondern nur ein kleines Zwischenstück, das die Ereignisse von Band 8 fortsetzt und zu Band 10 hinführt.

Kurz gesagt: Batman erfährt vom Pinguin, dass Bane Arkham übernommen hat. Doch als Batman der Behauptung nachgeht, findet er keine Belege dafür. Bane scheint ein psychisches Wrack zu sein. Der Ablauf ist ermüdend: Batman verprügelt einen B-Schurken nach dem anderen, ob Maxie Zeus, Firefly oder Kite-Man („Hell yeah“), aber er kriegt nichts über Bane heraus. Schließlich macht Batman sich bei Commissioner Gordon unbeliebt, indem er auch ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst. Gordon Und natürlich verrät Banes Lächeln am Ende, dass alles nach einem fiesen Plan abläuft – aber offensichtlich mischt noch ein ganz anderer Schurke mit …

Mikel Janins Zeichnungen lassen die Story mal wieder besser aussehen als sie ist. Aber wie gesagt: Darüber zu urteilen, fällt schwer, da alles nur Teil eines größeren Ganzen ist. Es fällt aber auf, dass Batman hier wieder nur der verbitterte und besessene Haudrauf ist, der er schon im Band zuvor war. Die geplatzte Hochzeit mit Catwoman hängt ihm noch nach, aber besonders tief steigt die Handlung nicht in die Seele des Helden ein, vielmehr widmet sie sich Pinguin, der diesmal nicht als Fiesling, sondern als trauernder und einfühlsamer Charakter mit Shakespeare-Spleen dargestellt wird. Wenn man überhaupt etwas über diese drei Kapitel sagen kann, dann ist das das Positivste.

Interessanter ist hingegen der zweite Teil des Bandes, der nichts mit der Handlung des ersten zu tun hat. In Secret Files erzählen mehrere Kurzgeschichten von zeitlosen Aspekten des Dunklen Ritters. Batman bekommt von Superman eine Kugel Platinum-Kryptonit, das ihm für ihmmer Superkräfte verleihen kann. Er gerät in Versuchung, sie zu benutzen. Dann zeigt Batman einem Polizisten, der unter Scarecrows Angstgas leidet, den Weg hinaus aus der Angst. Schließlich bekämpft Batman Drohnen aus eigener Herstellung und hilft Detective Chimp bei einem Fall. All diese Geschichten sind nachdenklich und feinfühlig geschrieben sowie ausdrucksstark gezeichnet. Wer Freude hat an Anthologien wie Batman Black and White oder Detective Comics #1000, der sollte auch hier sein Glück finden.

Die stärkste Story hat aber Tom Taylor (Injustice) in Batman Annual #3 zu erzählen. Hier ist der Kampf Gut gegen Böse nebensächlich, im Vordergrund steht das Verhältnis zwischen Bruce Wayne und Alfred Pennyworth. Batman zieht (mal wieder) trotz Erkältung hinaus, um einen Schurken aufzuhalten. Wir sehen, wie Alfred sich um ihn sorgt und kümmert, wie er seiner Sorge in kleinen Gemeinheiten Ausdruck verleiht, wie er ihm Suppe macht und ihn schließlich auch vor dem Tod rettet, indem er (mal wieder) selbst die Batman-Maske aufsetzt.

Mag sein, dass man das so oder ähnlich schon oft gesehen und gelesen hat. Aber hier ist es kein Neben-, sondern ein Hauptaspekt in einer ebenso sensibel wie grafisch stark umgesetzten Geschichte, die nach Tom Kings Prügeleskapaden sehr wohltut.

>> Liste der Pinguin-Comics

Batman 1939: Doctor Death

Titel: The Batman Meets Doctor Death/The Return of Doctor Death

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #29-30)


Die dritte und vierte Batman-Story fallen durch drei Neuerungen auf: Sie stammen von einem neuen Autor, Gardner Fox, sie bilden einen Zweiteiler und sie führen den ersten Superschurken ein, einen Mad Scientist namens Doctor Death.

Der heißt eigentlich Karl Helffern und hat aus Pollenextrakten ein Gift entwickelt, mit dem er reiche Leute erpressen will. Vorher will er jedoch „Bat-Man“ aus dem Weg schaffen. Dazu gibt er eine Zeitungsanzeige auf, in der steht, dass sich Batman einen Brief für John Jones bei der Post abholen soll. Bruce Wayne geht hin (keinen kümmert’s) und der Brief führt ihn zu einem Apartment.

Erstmals sehen wir Batman bei der Vorbereitung: Er nimmt Handschuhe und Knieschoner mit Saugnäpfen mit, um die Wand hochgehen zu können, außerdem steckt er Tränengas in seinen Gürtel, der zum ersten Mal eine Funktion bekommt. Die Leser bekommen alles gezeigt: Wie Batman in seinem roten Auto hinfährt, wie er es an einem abgelegenen Ort parkt, wie er sich mit einem Lasso am Haus hochzieht und dann weiter hinaufkrabbelt – wie eine Riesenfledermaus, heißt es, aber es wirkt eher wie eine Spinne.

Batman überwältigt die zwei Auftragskiller, die schon auf ihn warten, und bedroht sie mit ihrer Waffe: Wenn sie ihm nicht verraten, wo Helffern ist, will er sie erschießen. Doch da wird er von Doctor Deaths Diener, einem Inder namens Jabah, angeschossen. Er rettet sich mit seiner Gaskapsel und schwingt sich wieder vom Dach. Da er noch keinen allseits begabten Alfred hat, muss ihn sein Hausarzt zusammenflicken.

Als Jabah loszieht, um sein erstes Opfer zu töten, rettet Bruce Wayne den Mann, dann folgt ihm Batman in Helfferns Geheimversteck und erwürgt ihn offenbar mit einem Lasso. Helffern haut ab, will eine Feuerkapsel nach Batman werfen, der kommt ihm mit einem Feuerlöscher zuvor und Helffern verbrennt durch seine eigene Waffe. „Death … to Doctor Death“, sagt Batman. Aber da täuscht er sich.

In der nächsten Ausgabe, die ein paar Tage später spielt, ist der Schurke wieder da und hat sein erstes Opfer getötet. Nun will er auch die Diamanten von der Witwe stehlen. Da Jabah tot zu sein scheint (warum, bleibt unklar), muss der Kosake Mikhail die Beute besorgen. Wieder kann ihm Batman folgen, wieder wird nach ihm geschossen, doch diesmal entgeht er der Kugel und bricht dem Diener das Genick mit einem Tritt.

Als Batman die Beute von dem Pfandleiher zurückholen will, stellt der sich als verkleideter Doctor Death heraus. Diesmal überlässt Batman ihn der Polizei.

Batman erscheint als sehr finsterer Charakter mit noch längeren Ohren, die wie Teufelshörner wirken. Vielen Panels sind wortlos und nur seinen dramatischen Auftritten gewidmet. Batman schwingt sich aber auch immer wieder, das Gesicht im Schatten, durch die Nacht, wobei Bob Kane (wie auf dem Cover) immer wieder die gleiche Pose benutzt – ein einfallsreicher Zeichner war er nicht. Außerdem fällt auf, dass Batman bevorzugt durch Fenster steigt, einmal öffnet er es, einmal springt der durch das Glas – damit nimmt er bereits die Fledermaus vorweg, die ihm in seinem späteren Origin als Omen erscheinen wird, aber auch sonst gehören zu einem dramatischen Auftritt stets Splitter.

Batman wird bereits zu Beginn seines dritten Abenteuers als „legendary figure“ bezeichnet. Er ist eine Legende noch bevor er richtig angefangen hat. Und er ist skrupellos: In bisher jedem Heft stirbt jemand durch seine Hand, auch wenn er selbst keine Schusswaffe bei sich trägt.

Batman: I’ll kill you!

>> Batman 1939-1949

 

White Knight 2 startet im Juli

Joker in Curse of the White Knight

Joker in Curse of the White Knight (DC Comics)

Sean Murphy hat mit seinem White Knight (dt. Der weiße Ritter) den besten Batman-Comic der vergangenen Jahre vorgelegt. Bereits im vergangenen Jahr wurde die Fortsetzung angekündigt: Curse of the White Knight. jetzt gibt IGN einige Details dazu bekannt und zeigt die ersten Seiten daraus.

Die Mini-Serie wird am 24. Juli 2019 in den USA starten und – wie Teil eins – acht Ausgaben umfassen. Wieder wird es um den Joker gehen, aber diesmal verbündet er sich mit einem bösen Azrael, um Batman zu zerstören. Die Story reicht zurück in die Gründungszeit von Gotham im Jahr 1665 und es wird ein finsteres Familiengeheimnis der Waynes enthüllt.

Batman: Curse of the White Knight

DC Comics

Batmans unglücklichste Nacht

DC Comics

Titel: The Night of Thanks, But No Thanks!

Autor/Zeichner: Harlan Ellison/Gene Colan

Erschienen: 1986 (Detective Comics #567), Hardcover 2019 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


Batman erlebt die schlimmste Nacht seines Lebens. Nein, nicht etwa den Tod seiner Eltern, sondern eine Nacht, in der es nichts für ihn zu tun gibt. Bewaffneter Ladenraub? Der Bürger hilft sich selbst. Einer alten Frau wird die Handtasche geraubt? Dei Dame weiß sich zu helfen. Batman darf nur die Polizei rufen. Doch da will sich einer von einem Haus stürzen! – Die Polizei ist schon zur Stelle. So geht das immer weiter.

Wenn man es verstanden hat, verbraucht sich der Witz. Naja, beinahe. Denn als Batman einen großen Kerl, der ein Papier auf den Boden wirft, zur Ordnung ruft, gibt der sich einsichtig, dreht um, hebt das Papier auf und wirft es reumütig in den Mülleimer.

Solche Nächte kann es in Gotham also auch geben. Es ist nicht alles verloren in dieser Stadt. Und Batman kann sich auch mal entspannen. Aber dass er es gleich so tragisch sieht, zeigt nur, dass man es ihm nie recht machen kann. Batman ist einfach nicht fähig, sich einmal über den Müßiggang zu freuen. Irgendwie auch verständlich: Niemand fühlt sich gern überflüssig – schon gar nicht als Vollzeitheld.

Fun Fact: Diese abseitige Geschichte ist der erste Auftritt für den neuen Batman nach dem Reboot der Crisis on Infinite Earths.

Batman macht ernst

DC Comics

Titel: The Mystery of the Menacing Mask

Autor/Zeichner: John Broome/Carmine Infantino

Erschienen: 1964 (Detective Comics #327), Hardcover 2014/2018 (Tales of the Batman: Carmine Infantino, Batman: A Celebration of 75 Years, Detective Comics: 80 Years of Batman)


Und plötzlich war Schluss mit dem Quatsch. Zumindest für eine Weile. Nach den irren Science-Fiction-Eskapaden, verrückten Kostümen und bizarren Wandlungen, die Batman Ende der 50er und Anfang der 60er durchmachen musste, richtete Redakteur Julius Schwartz Batman neu aus. Batman wurde ernster, realistischer und bekam dank Carmine Infantino einen neuen Look, erkennbar an dem gelb-schwarzen Logo, das von nun an auf Batmans Brust prangte – die nächsten 36 Jahre lang. (Auch wenn der neue Look bereits in World’s Finest #141 eingeführt wurde.)

Der Wandel ist schon auf dem Cover erkennbar. Statt einer üblichen Schlüsselszene, die den Clou der Geschichte verrät, sieht man eine Sequenz aus drei Panels, die neugierig macht, ohne zu viel zu verraten. Batman liegt am Boden, Robin eilt herbei, fragt, ob er okay sei, Batman sagt etwas von einer Explosion, da ruft ihm Robin zu, schnell seine Maske abzunehmen. Was ist hier los?

Die Maske abnehmen – das war für den frühen Batman stets mit der Angst verbunden, als Bruce Wayne entlarvt zu werden und damit seine Karriere beenden zu müssen. Hier wird die Maske selbst zur Bedrohung.

Wie sehr Batman plötzlich in der Realität ankommt, sieht man schon auf der zweiten Seite: Es geht um Politik, Stadtentwicklung, Gentrifizierung. In Gotham soll ein Stück Altstadt, Gotham Village, abgerissen werden, weil es als Rückzugsort für Verbrecher gilt, andere wollen es erhalten, weil Wohnraum sonst verloren geht. Bruce Wayne und Dick Grayson spazieren gerade durch das Viertel, als eine junge Frau Bruce vorwirft, dass er sich für den Erhalt einsetze. Ihr Grund: Sie befürchtet, ihr Freund habe mit Verbrechern zu tun.

Bevor er sie verlassen hat, hat er ihr eine Karte hinterlassen, auf der ein Kreuz in einen Kreis gemalt ist. Das erinnert Bruce und Dick an einen jüngsten Vorfall, als sie einen Juwelendieb verfolgten. Nach einer Explosion hatten sie plötzlich das gleiche Symbol auf ihren Stirnen. Doch als die Spur sie wieder zu dem Dieb führte, erstarrten sie vor ihm, weil er sie wegen des Symbols kurzzeitig lähmen konnte.

Die ganze Sache führt zu einer Art Refugium für Verbrecher, das unter Gotham Village liegt. Die bittere Pointe: Der Mann, der zu Beginn das Village erhalten will, um Wohnraum zu retten, stellt sich als Verbrecher heraus und seine Argumente als bloßer Schein. Trotzdem wird das Viertel vor dem Abriss verschont.

Am Ende sieht man etwas Ungewöhnliches: Batman nimmt einem Gauner die Waffe ab und hält die Bande damit in Schach. Das fiel schon damals den Fans unangenehm auf. Batman benutzt keine Pistolen. Tatsächlich war es ein Fehler des neuen Redakteurs. Julius Schwartz gab zu, dass er damals kaum etwas über Batman wusste. Dieser Fehler passierte ihm nicht nochmal.

>> Batman in den 60ern
>> Batman-Anthologien

Batman und der nervige Kobold

DC Comics

Titel: Batman Meets Bat-Mite

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Detective Comics #267), Hardcover 2019 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


„Crime-fighting isn’t fun … It’s serious business!“ (Batman)

Wir müssen über Bat-Mite sprechen. Nur einmal, dann nie wieder, versprochen. Aber einmal muss es sein, denn Bat-Mite mag nerven, aber er steht symptomatisch für die Albernheit des Silver Age.

Der Kobold aus einer anderen Dimension taucht plötzlich in der Bathöhle auf, trägt ein schräges Batman-Kostüm und behauptet, Batman und Robin helfen zu wollen. Die brauchen aber keine Hilfe. Bekommen sie aber trotzdem. Als die Helden Gauner über eine Brücke verfolgen, verbiegt sich diese und schlägt Wellen wie ein Gummiband, später bringt Bat-Mite eine übergroße Schallplatte zum Fliegen und schließlich stellt er eine leere Lagerhalle mit anderen übergroßen Objekten voll, damit die Verbrechensbekämpfung mehr Spaß macht.

Darunter ist nicht nur ein Wikingerschiff, mit dem die Verbrecher abhauen, sondern auch eine Batman-Statue. Bat-Mite bringt die Statue zum Laufen und lässt sie die Gauner schnappen. Batman schimpft Bat-Mite zwar jedes Mal aus, aber als sich alle anderen fragen, was passiert sei, denkt er sich Erklärungen für das Übernatürliche aus. Am Ende schickt er den Kobold endlich fort und ist froh, ihn loszusein.

Aber das ist nur vorübergehend. Denn Bat-Mite trifft danach Batwoman (Detective Comics #276, 1960), Batgirl (Batman #144, 1961) und er nervt Batman und Robin auch in Detective Comics #289 (1961) und #310 (1962). Als die Comics ab 1964 wieder ernsthafter wurden, war der Kobold erstmal für lange Zeit erledigt.

Aber da er ab 1977 in der Zeichentrickserie The New Adventures of Batman vorkam, meldeten sich die Fans und wollten ihn auch in den Comics wiederhaben. Also legte DC „Bat-Mite’s New York Adventure“ vor (Detective Comics #482, 1979). In dieser kurzen Geschichte taucht Bat-Mite in der DC-Redaktion auf und fordert, endlich wieder ein Comic gewidmet zu bekommen. Zuerst zeichnet er selbst eine, dann bringt er alle nötigen Leute dafür zusammen. Aber die Redakteure wimmeln ihn ab und es kommt nur zu der Story, die in der Ausgabe eben vorliegt.

Später kam der Charakter in Legends of the Dark Knight #38 vor, bekam mit Mr. Mxyzptlk eine Elseworlds-Story namens World’s Funnest und tauchte immer wieder auch in der regulären Continuity auf, wie etwa in Grant Morrisons Batman R.I.P. Schließlich 2015 bekam Bat-Mite eine eigene sechsteilige Serie. Aber das alles muss uns nicht interessieren.

>> Batman in den 50ern

Duell wegen nichts

DC Comics

Titel: Batman vs. Deathstroke

Autor/Zeichner: Christopher Priest/Carlo Pagulayan

Erschienen: 2018 (Deathstroke #30-35), Hardcover 2019


Es gibt diese Comics, die auf den ersten Blick ganz toll aussehen. Da wäre zum einen der Titel. Batman vs. Deathstroke. Das klingt nach: Kampf der Gegensätze, der Titanen, des Jahrhunderts. Aber wenn wir ehrlich sind, ist so eine Begegnung auch nichts Besonderes, weil Superheldencomics ständig von solchen Kämpfen leben. Wobei die Kämpfe meistens nur die Funktion haben, die Leser anzulocken, denn am Ende arbeiten die Gegner dann doch wieder zusammen.

Es gibt diese Comics, die dann auch von innen ganz toll aussehen. Präzise gezeichnete Figuren, herrlich dynamische Actionsequenzen, stimmungsvolles Zusammenspiel von Schatten und knalligen Farben. Das sieht alles so stark und edel aus, dass man gerne mehr für ein Hardcover mit Schutzumschlag bezahlt. Keine Frage: Das alles bietet Batman vs. Deathstroke.

Ist es dann überhaupt noch wichtig, was in den Sprechblasen steht? Nun, es gibt auch diese Comics, die ihre Prämisse, die den Kaufanreiz bietet, ziemlich weit herholen. Batman findet Papiere, die behaupten, dass Slade Wilson der Vater von Damian Wayne (Robin IV) ist. Batman stellt ihn zur Rede. Das heißt: Er springt durchs Fenster eines Hochhauses und würgt ihn mit einer Kette, stürzt mit ihm ab und stellt ihn dann zur Rede. So geht das unter Superhelden. Aber Deathstroke sagt, die Papiere seien gefälscht, er sei nicht der Vater.

Doch Batman gibt keine Ruhe. Er verbietet Slade, seiner Arbeit nachzugehen (sprich: Leute zu töten), solange die Sache nicht geklärt sei. Warum? Hier wird es bescheuert. Denn für einen Konflikt gibt es keinen Grund. Slade hat nie etwas behauptet oder Ansprüche gestellt und man könnte einfach weitermachen, als wäre nichts passiert. Aber Batman geht ihm ständig auf die Nerven, indem er ihm in die Quere kommt. In halsbrecherischen Manövern kämpfen sie immer wieder gegeneinander, bis es zum beinahe tödlichen Endkampf in der Bathöhle kommt.

Keine Frage: ein Spektakel. Wäre da nicht noch das ganze Gerede nebenher, bei dem sich die beiden gegenseitig zu Tode analysieren, um festzustellen, wer von ihnen der größere Spinner ist. Das geht sogar so weit, dass die beiden sich immer noch schlagen, wenn sie schon am Ende und aufeinander angewiesen sind.

Es gibt diese Comics, bei denen die Cover mehr versprechen, als geboten wird. Und es gibt die, bei denen etwas geboten wird, wonach niemand gefragt hat. In einem Kapitel ist Damian aus einem unerfindlichen Grund mit Deathstroke undercover unterwegs, die Geschichte ufert in eine belanglose Nebenhandlung mit Nightshade aus, die keinen interessieren muss. Nebenbei erfahren wir, dass die beiden Butler, Alfred und Wintergreen, miteinander befreundet sind. Aber welche Rolle das spielt, habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden.

Ich habe sogar einiges an dieser Geschichte nicht verstanden. Es gibt solche Comics, die komplizierter gemacht sind, als sie sein müssten, damit nicht auffällt, dass sie nicht so klug sind, wie sie tun. Am Ende spielt es auch keine Rolle, denn alles läuft doch nur auf ein Zurück zum Status quo hinaus. Total lächerlich wird es, als Bruce Wayne die Ergebnisse des DNA-Tests ungelesen ins Feuer wirft. Man kommt sich veralbert vor: WOZU DANN DER GANZE QUATSCH?

Niemand ist am Ende wirklich klüger, außer vielleicht durch die Erkenntnis: Man hätte sich den ganzen Ärger sparen können. Das gilt vor allem für die Leser.

Batman 1939: Detective Comics #28

DC Comics

Titel: Frenchy Blake’s Jewel Gang

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #28)


Batmans zweites Abenteuer beginnt mit einer Besonderheit: Batman ist nicht auf dem Cover. Insgesamt erscheinen mit dieser vier Ausgaben von Detective Comics, die nicht Batman (oder etwas Verwandtes) auf dem Titelbild haben. Die Entscheidung mutet heute seltsam an, aber geschadet hat es der Figur nicht. Immerhin wurde Batman zumindest klein auf dem Cover angekündigt.

Wie schon die erste hat auch diese Geschichte nur sechs Seiten, aber die Seiten sind nicht so vollgepackt. Statt vier Reihen haben die Seiten nur drei, die Panels sind größer und entfalten eine stärkere Wirkung.

Auf der ersten Seite sehen wir im Titel Batmans Kopf neben seinem Schriftzug, der immer noch in Anführungszeichen steht. Daneben ein kleines Waagensymbol mit der Inschrift „Justice“. Der Ankündigungstext ähnelt sehr dem ersten, nur dass diesmal erklärt wird, dass er in Wahrheit Bruce Wayne ist.

Zu Beginn der Geschichte haben unbekannte Diebe Juwelen im Wert von 100.000 Dollar gestohlen. Der Polizei fehlt jede Spur. Bruce Wayne klärt den Fall mit einem Telefonat: Er ruft einen Informanten im Knast an, gibt sich als Gordon aus und erfährt, dass Frenchy Blake und seine Gang dahintersteckt.

Als Batman überwältigt er zwei Diebe auf einem Dach, einen stürzt er in die Tiefe – Batmans zweites Todesopfer. Als einer eine Waffe auf ihn richtet, schlägt er ihn K.O. Er schnappt sich die Beute, doch als er zwei Polizisten auf sich zukommen sieht, lässt er sie absichtlich fallen. Die Polizisten schießen nach ihm, aber er springt vom Dach, macht einen Salto und schwingt sich mit einem Seil davon. Das ist das erste Mal, dass Batman als Akrobat auftritt.

Danach wird Batman aber für den Kopf der Gang gehalten. Aber Batman wollte das so. Die Diebe machen dann nämlich weiter – und Batman sie auf frischer Tat schnappen. Er belauscht sie am Fenster, er schwingt sich später am Tatort zum Fenster rein und knockt die Diebe aus, informiert Gordon.

Schurke mit Monokel und Ziegenbärtchen: Frenchie Blake

Später stürzt er sich auf den Anführer Frenchy Blake, einem Mann mit Monokel und Ziegenbärtchen. Zunächst sieht man, wie schwarze Silhouette zur Tür hereinkommt und ihn erschreckt. Batman schlägt ihn zur Begrüßung, dann wickelt er ein Seil um ihn und wirft ihn aus dem Fenster. Batman erpresst ihn, ein Geständnis zu schreiben oder er schneidet das Seil durch. Frenchy tut, wie ihm geheißen, versucht es trotzdem nochmal mit Gewalt, aber bei Batman ist nichts zu machen, er verpasst ihm noch eine, und zwar so stark, dass Frenchy ihn anfleht, es nie wieder zu tun. Der Held lädt den Gauner vorm Polizeihauptquartier ab, samt Geständnis, Juwelen und einer Botschaft an Gordon.

Der Mythos wird hier beträchtlich erweitert: Batman ist nicht nur ein beliebig kostümierter Vigilant, er verbreitet mit seinem Kostüm Angst und wird ihm gerecht, indem er im Rahmen seiner Möglichkeiten zu fliegen scheint. Batman nutzt aber auch moralisch alle Möglichkeiten aus: Er foltert und er tötet, auch wenn man es hier ihm als Notwehr durchgehen lassen kann.

Obwohl er außerhalb des Gesetzes wirkt und von der Polizei verfolgt wird, arbeitet er hier direkt der Polizei zu. Dabei geht er sogar den Umweg, selbst des Diebstahls verdächtigt zu werden. Batman ist ein Held, der wie ein Schurke aussieht. Aber es sollen nur die Schurken sein, die vor ihn Angst haben. Man könnte sagen, er arbeitet an seiner Reputation. Das gibt Gordon am Ende zu denken.

>> Batman 1939: Detective Comics #27
>> Batman 1939-1949

Batman trifft Green Hornet

Batman, Robin, Green Hornet und Kato

Titel: A Piece of the Action/Batman’s Satisfaction (dt. Die grüne Hornisse)

Drehbuch: Charles Hoffman

Erschienen: 1967 (Batman S02E51-52)


„That’s the problem with dual identities, Robin. Dual responsibilities.“ (Batman)

Batman bekommt Konkurrenz: Green Hornet und Kato überfallen in Gotham eine Briefmarkenfabrik, ohne etwas mitzunehmen. Zunächst scheint es, als wären sie die Schurken, für die sie gehalten werden. Die maskierten Helden müssen sich vor Batman und Robin behaupten. Tatsächlich gab es parallel zur Batman-Serie eine Green Hornet-Serie, die nur eine Staffel hielt. Van Williams spielt neben Bruce Lee, der daraufhin zum Star wurde. Bereits in der Folge … hatten die beiden einen Gastauftritt.

Colonel Gumm

In dieser Doppel-Folge ist ihr gemeinsamer Feind Colonel Gumm, der in der Briefmarkenfabrik von Pinky Pinkston, Fälschungen druckt und plant, eine Briefmarkenausstellung zu plündern. Pinky ist eine junge Dame, die sich selbst ihre Haare und ihr Hündchen pink färbt, und sowohl mit Bruce Wayne als auch mit Britt Reid (Green Hornet) befreundet ist. Die beiden Herren kennen sich aus ihrer Jugend. Schon damals waren sie Rivalen.

Green Hornet und Kato als Briefmarken

Batman und Robin helfen Green Hornet und Kato aus der Klemme, als Colonel Gumm sie in eine Briefmarken-Maschine steckt. Zuvor sieht es nicht gut für sie aus, als Gumm zwei lebensgroße Briefmarkenversionen von ihnen aus dem Drucker holt. Später verkloppen sie Gumm und seine Schergen. Bruce Lee hebt das Niveau des Kampfes natürlich gewaltig. Dafür kann Batman mit Klugscheißerei punkten, indem er erklärt, welches Gerät die Bilder von Green Hornet und Kato produziert hat. Batman zeigt sogar eine neue Fähigkeit: Er kann die Farbe Pink riechen.

Bruce, Pinky, Britt – und ein pinker Hund.

Natürlich geht es auch um doppelte Identitäten. Pinky stellt die steile These auf, Bruce sei Green Hornet und Britt sei Batman. Wie soll das gehen wenn beide in unterschiedlichen Städten leben? Jedenfalls kommt es zu interessanten Aufeinandertreffen der beiden Helden, die die Geheimnisse ihres Gegenübers nicht kennen.

Batman sichert die Buchstabensuppe.

Der Höhepunkt des Absurden ist aber eine andere Szene: Colonel Gumm isst am liebsten Buchstabensuppe. Als Pinky von ihm festgehalten wird, lässt sie ihren Hund von einem Teller Suppe fressen. Batman fällt später sofort auf, dass fehlen die Buchstaben J, Q und Z fehlen. Wie gut, dass er den leeren Alphabet-Soup-Bat-Container dabei hat, inklusive Bat-Trichter. Die verstaut er dann irgendwo hinter seinem Cape, wahrscheinlich in einer Halterung seines Gürtels. In der Batcave wird dann das Ganze mit dem Alphabet-Soup-Dryer getrocknet.

Robin fällt anschließend die Drecksarbeit zu, aus dem Buchstabensalat schlau zu werden. Natürlich ist das Unterfangen zum Scheitern verurteilt. Seine einzige Erkenntnis ist, dass es keine Satzzeichen in Buchstabensuppe gibt. Wieder was gelernt. Da hat Batman eine Idee: Er kehrt die Nudeln zusammen und füttert damit den Bat-Computer. Der spuckt die Buchstaben sofort in richtiger Reihenfolge aus. Die Botschaft lautet:

„If anyone can decode this message: Gumm is taking me to warehouse as hostage. Watch stamp exhibition tonight. Pinky Pinkston.“

Und dass nur, weil Frau Pinkston alle Js, Qs und Zs an ihren Hund verfüttert hat. Doch als Batman eine Seite aus den Gelben Seiten hineinsteckt, versagt der Computer. Tante Harriets Haartrockner hatte einen Kurzschluss und hat die halbe Stromversorgung lahmgelegt. Und das alles nur wegen der Eitelkeit einer Frau. Als Batman schon resigniert die Schlacht für verloren erklären will, springt Robin als Motivator ein: Früher wurden Schlachten auch ohne Elektrizität geschlagen. Das baut Batman wieder auf.

Green Hornet & Kato

Selbst in der letzten Schlacht ist nicht klar, wer Freund und Feind ist: Batman und Robin prügeln sich nicht nur gegen die Schurken, sondern auch gegen Green Hornet und Kato. Als Robin von Bruce Lee umgekickt wird, ist Robin froh, dass sie nicht jede Woche gegen sie antreten müssen.

Robin legt sich mit Bruce Lee an

Fast 40 Jahre später kam es zu einem Wiedersehen im Comic: Batman ’66 Meets the Green Hornet (2014-2015), geschrieben von Kevin Smith und Ralph Garman, gezeichnet von Ty Templeton.

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