Monat: Januar 2019

Die gute Seele von Crime Alley: Leslie Thompkins

DC Comics

Titel: There Is No Hope in Crime Alley

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Dick Giordano

Erschienen: 1976 (Detective Comics #457)


Am Jahrestag der Ermordung seiner Eltern dreht Batman seine Runden auf der Straße Park Row, besser bekannt als Crime Alley. Einst eine florierende Gegend für Wohlhanbende, ist es jetzt ein Ghetto. Batman, der die Runde jedes Jahr macht, räumt ein bisschen auf: Zuerst hindert er zwei Diebe, ein Autoradio zu stehlen, dann fragt er sie nach einer gewissen Leslie Thompkins.

Eine Messerattacke später, die Batman abwehrt, findet er die Frau, als die alte Dame von zwei Straßenräubern ihre Handtasche abgenommen kriegen soll. Thompkins lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie hat Geld für arme Kinder aus der Nachbarschaft gesammelt, damit sie eine Chance auf ein besseres Leben bekommen. Die Verbrecher kümmert das wenig. Batman geht dazwischen. Als einer ihm eine Pistole vorhält, kommen Batmans böse Erinnerungen hoch und er prügelt dem Kerl fast die Seele aus dem Leib.

Leslie Thompkins

Wir erfahren: Leslie Thompkins war damals die Frau, die den jungen Bruce nach dem Tod seiner Eltern getröstet hat. Sie sagt Batman, dass dieses Ereignis für sie der Antrieb ist, solche Tragödien zu verhindern. Sie will, dass Batman eines Tages überflüssig wird. Batman lobt sie als Hoffnung von Crime Alley und bedankt sich mit einem Kuss auf die Stirn. Bald darauf staunt Alfred über einen Batman, der im Schlaf lächelt. Ein seltener Anblick.

Batman und Thompkins

Über Leslie Thompkins erfährt man bei ihrem ersten Auftritt noch nicht viel. Sie ist noch nicht die aufopferungsvolle Ärztin. Später stellt sich heraus, dass sie Thomas Wayne gekannt hat. Erst in Batman Special #1 (1984) erfährt sie, dass Batman Bruce Wayne ist (obwohl man diesen Schluss schon bei ihrem ersten Treffen ziehen kann).

Batman & Leslie

In Batman: The Animated Series taucht sie erstmals in der Episode Appointment in Crime Alley (S01E26) auf. Die Story (verfasst von Gerry Conway) lehnt sich zwar an ihrem ersten Comic-Auftritt an, aber läuft deutlich dramatischer und persönlicher ab. Leslie Thompkins weiß um Batmans Geheimnis, er hat jedes Jahr um 20 Uhr eine Verabredung mit ihr, um der ermordeten Eltern zu gedenken.

Batman & Roland Daggett

Doch an einem Abend kommt einiges dazwischen: Roland Daggett, Inbegriff des bösen Kapitalisten, will die Häuser der Park Row illegal sprengen, damit er dort ein Einkaufszentrum errichten kann. Dazu vertreibt er die Bewohner aus ihren Häusern. Als Thompkins Zeugin wird, wird sie in einem der mit Sprengstoff gespickten Gebäude gefesselt.

Schluss mit illegalen Böllern

Batman muss eine Mutter mit Kind vor den Schurken retten, dann eine Geiselnahme beenden, schließlich auch eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn mit dem Batmobil aufhalten (ein wahres Highlight). Emotionaler Höhepunkt ist aber das Ende: Nach getaner Arbeit legt Batman zwei rote Rosen an der Stelle hin, an der seine Eltern gestorben sind. Leslie Thompkins tröstet ihn, wie sie ihn schon als Kind getröstet hat.

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Bane und Talia: It’s a match!

Titel: Bane of the Demon

Autor/Zeichner: Graham Nolan/Chuck Dixon

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2012 (Batman versus Bane), 2018 (Batman: Legacy Vol. 2); dt. Dino 1998 (Batman Sonderband 4: „Bane II“), Panini 2013 (Batman gegen Bane)


„You may just be the second most dangerous man alive. Which is why you are the perfect mate for my daughter.“ (Ra’s al Ghul)

Bane will rausfinden, wer sein Vater ist. Er lässt sich in seine alte Heimat Santa Prisca bringen und Leichen pflastern seinen Weg. Ein alter blinder Jesuit verrät ihm, dass vier Kandidaten für die Vaterschaft in Frage kommen, einer davon ein ominöser Schweizer. Bane bedankt sich mit einem schnellen Tod. In Rom nennt ihm ein Geistlicher den Orden von St. Dumas und die Spur führt Bane nach Singapur. Dort trifft er in einem Hochhaus auf Talia al Ghul, Ubu und die League of Assassins, die ein altes Buch stehlen.

Zuerst will Talia alle in dem Gebäude umbringen lassen, aber nachdem sie Bane überwältigt hat, nimmt sie ihn mit zu ihrem Vater. Ra’s al Ghul will (mal wieder) die Menschheit mit einem Virus auslöschen, dafür braucht er neben dem Buch noch eine andere Schrift. Bane hilft ihm dabei, hat aber eine eigene Agenda: Er will Ra’s um seine Lazarusgrube bringen.

Bane bandelt mit Talia an, sie gibt sich zunächst gefügig, doch bleibt dann ihrer Borderline-Persönlichkeit treu, und weist ihn später als Partner ab. Und dann wird klar, woher sie diese Eigenschaft her hat: Ra’s überlässt ihn zuerst einem langsamen Tod in einem brunnenartigen Kerker (aber da zu überleben ist natürlich Banes Spezialität), aber nach einem Schwertduell macht er Bane wieder zu seinem Verbündeten und will ihn mit Talia zusammenbringen, weil er Bane für den perfekten Partner hält (nach Batman natürlich).

Bane of the Demon dient als Verbindungsstück zwischen den Storylines Contagion (Die Seuche) und Legacy (Der Fluch). Es erzählt die Allianz zwischen Ra’s und Bane – aber sinnvoll motiviert wird sie nicht. Wie so oft ist die Story bestimmt von einem Hin und Her von Entscheidungen, das von einem Auf und Ab von Launen angetrieben wird. Bane wird zwar als sehr schlaues Kerlchen dargestellt, das sogar ein würdiger Schachpartner für Ra’s ist, aber zugleich ein geradezu zwanghafter Killer, der alles, wirklich alles tötet, was seinen Weg auch nur kreuzt. Naja, bis auf Ra’s und Talia natürlich. Und Talia wiederum schickt besonders gerne ihre eigenen Leute wegen Nichtigkeiten in den befohlenen Freitod. Da haben sich also ein paar Gleichgesinnte gefunden. Aber besonderen Spaß macht diese sinnlose Gewaltorgie nicht – man stumpft ab. Wären da nicht die wie immer sehr eleganten Zeichnungen von Graham Nolan, wäre die Mini-Serie entbehrlich. (Batman kommt darin übrigens nicht vor – obwohl er auf dem Cover von Teil 4 zu sehen ist.)

DC Comics

Die ganze Sache zwischen Bane und Ra’s al Ghul hat nach Legacy noch ein Nachspiel: im One-shot Batman: Bane (1997) – ein Comic, das so einfallslos wie sein Titel ist. Kaum ist Bane von Batman besiegt und treibt im Meer herum, kapert er ein Schiff mit einem Nuklear-Reaktor und erpresst Gotham um zwei Millionen Dollar – und die Freilassung von Gefangenen. Immer noch hofft er darauf, Gotham und Batman zu zerstören und so die Gunst seines Meisters zu finden (allerdings ist nicht klar, wie er den Anschlag überleben soll, wenn er das Schiff hochgehen lässt). Ums kurz zu machen: Batman, Robin und Nightwing verhindern das. Ein wirklich unnötiger Epilog.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics
>> Liste der Bane-Comics

Wie der Vater, so der Sohn

DC Comics

Titel: The First Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1956 (Detective Comics #235), Paperback 2009 (The Black Casebook)


„I wanted to take him alive … to stand trial for his crimes … but his own guilt convicted him!“ (Batman)

Warum ist Bruce Wayne zu Batman geworden? Klar: Wegen der Fledermaus, die durchs Fenster flog. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist, dass Bruce Waynes Vater Thomas bereits ein Fledermauskostüm getragen hat. Bei einem Maskenball, der unter dem Motto „Flying Creatures“ stattfand. Dick Grayson findet das Kostüm zufällig, dazu passend einen Film und ein Tagebuch.

Während sich die beiden die Dokumente ansehen, entfaltet sich die Rückblende: Während der Party wird Thomas entführt, um dem Gangster Lew Moxon eine Kugel aus dem Leib zu holen. Weil Wayne befürchtet, danach selbst eine Kugel verpasst zu bekommen, wehrt er sich und als Moxon vor Gericht kommt, sagt Wayne gegen ihn aus. Moxon rächt sich, indem er die Waynes von Joey Chill (!) erschießen lässt. Bruce wird verschont, damit er gegen Chill aussagt und nicht gegen Moxon.

Batman und Robin versuchen, das Unrecht wieder gut zu machen, indem sie Moxon mit dem Vorwurf konfrontieren, aber der stellt sich dumm. Am Ende tritt Batman im Kostüm seines Vaters vor Moxon, der kriegt einen Schreck, gesteht und läuft auf die Straße – und wird von einem Lkw erfasst. Glückliche Fügung für Batman: Er konnte erneut, wie schon bei Joe Chill, seine Eltern rächen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen.

Die Geschichte hat fünf Jahrzehnte später Grant Morrison zu seinem Batman R.I.P. inspiriert …

>> Batman in den 50ern

Titans: Blutige Anfänger

DC Comics

DC mag sich derzeit mit Kinofilmen schwer tun, aber dafür läuft es mit den TV-Serien: Nach Gotham, Arrow und seinen gefühlt 100 Ablegern gibt es jetzt auch Titans, was in den USA im Streaming-Servive DC Universe und bei uns auf Netflix erscheint. Das Team erfreut sich seit Jahren als Animation großer Beliebtheit: Bereits von 2003 bis 2006 gab es eine Serie, seit 2012 als Teen Titans Go! (inklusive eines Kinofilms 2018), seit 2010 gab es mit Young Justice ein ähnliches Konzept, 2016 kämpfte sie in einem Film gegen die Justice League, 2017 wurde die Storyline The Judas Contract adaptiert.

Aus dem ursprünglichen Team aus Sidekicks Robin, Kid Flash, Aqualad und später Wonder Girl, ist für die erste Live-Action-Adaption nur noch Robin übrig geblieben, ergänzt von Raven, Starfire und Beast Boy aus der 80er-Besetzung. Die Serie ist aber voller weiterer Helden wie Hawk and Dove, Jason Todd (Robin II) und – nur als Gast – Donna Troy (Wonder Girl). Geschrieben wurde Titans von DC-Autor Geoff Johns (Batman: Earth One) sowie Arrowverse-Erfinder Greg Berlanti und Drehbuchautor Akiva Goldsman, der die Drehbücher zu Batman Forever und Batman & Robin verbrochen hat (aber von ihm stammt auch A Beautiful Mind, für das es einen Oscar gab).

Die Story ist zunächst klassisches Teambuilding: Dick Grayson hat Gotham (und Bruce Wayne) verlassen, er ist ein Polizist in Detroit, wo er auf Rachel Roth trifft, eine Teenagerin, die finstere Kräfte in sich birgt, deren (Zieh-)Mutter vor ihren Augen erschossen wurde und die seitdem auf der Flucht ist. Rachel träumt vom Tod der Grayson-Eltern im Zirkus. Parallel dazu sehen wir Kory Anders (Starfire) nach einem Autounfall in Österreich aufwachen. Sie wird gesucht von mafiösen Gangstern, aber sie kann sich nicht daran erinnern, warum und wer sie ist. Dann führt die Spur zu Rachel. Das Mädchen ist auch von einem mysteriösen Kult begehrt. Und dann kommt noch der grüne Garfield Logan (Beast Boy) aus der Doom Patrol dazu …

Titans ist trotz seiner jungen Helden alles andere als Unterhaltung für Kinder. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen DC-Serien ist diese um einiges düsterer – und gewalttätiger. Vor allem Robin ist so brutal, dass er seinen Mentor Batman stark überbietet, jedenfalls wenn man die Ben Affleck-Version außen vor lässt. Die Gewaltdarstellung erreicht Zack Snyders Watchmen-Qualitäten: Da gehen viele Knochen zu Bruch, das Blut fließt in Strömen, Robins Wurfsterne gehen auch mal ins Auge. Das finden selbst Umstehende übertrieben.

Aber seine Kollegen stehen ihm in nichts nach: Starfire grillt Menschen bei lebendigem Leib, ohne jegliche Reue, Raven lässt einen Angreifer seine inneren Organe als Flüssigkeit ausspeien. Beast Boy beißt als grüner Tiger einen Feind zu Tode. Und so geht es munter weiter. An einem Höhepunkt der Story fackelt Kory eine ganze Anstalt voller Menschen ab. Dass dabei jemand stirbt, interessiert in der Serie aber absolut niemanden, vielleicht weil es nur die Bösen sind. Viel mehr Aufmerksamkeit bekommt in der Szene Dick gewidmet, der bei der Gelegenheit auch sein Robin-Kostüm verbrennt.

Moralisch handeln alle höchst fragwürdig, aber das wird erschreckenderweise nie problematisiert. Was ist aus dem guten alten Superhelden-Ethos geworden, nicht zu töten? Ihren Tiefpunkt erlangt die Serie in Folge 9, in der die Vorgeschichte von Hawk & Dove erzählt wird. Die beiden suchen Sexualstraftäter in Freiheit auf, um sie zusammenzuschlagen, am Ende sogar, um einen zu töten – alles im Dienste der Traumabewältigung. Und was dann? Sie haben Sex …

Wie sinnbefreit das alles ist, geben die Autoren indirekt selbst zu in einem unfreiwillig komischen Dialog zwischen Dick und Donna in Episode 10:

Donna: „Ich hatte leider recht, dass sie [Kory] Rachel töten will.“
Dick: „Kory ist kein Killer. Sie tötet manchmal, aber das hier ergibt keinen Sinn.“

Die Dialoge könnten auch sonst pfiffiger sein, wie überhaupt die Drehbücher jegliche Eleganz und interessanten Einfälle vermissen lassen. Wie sich die Beziehungen entwickeln, ist allein deshalb schon klar, weil Robin und Kory deutlich älter sind als Rachel und Garfield, allerdings geschieht das plump und lieblos. Die Charaktere handeln stets zuverlässig dämlich, indem sie sich unnötig in Gefahr begeben und von anderen gerettet werden müssen.

Die gesamte Inszenierung setzt auf eine geradlinige Story zwischen Science-Fiction- und Horror-Elementen. Jegliches Potenzial für Spannung verpufft aber schnell. Handlungsbögen werden abgehandelt, noch bevor sie sich entwickeln können. Es ist schon eine Kunst für sich, selbst die paar Überraschungen vorhersehbar zu gestalten. Da wird auch schon mal das Geheimnis um Rachels Vater künstlich aufrecht erhalten, indem Rachel ihre Mutter nie nach seinem Namen oder Herkunft fragt.

Obwohl die Titans ursprünglich eine Gruppe von Sidekicks sind, bekommt man nie ihre Vorbilder zu sehen. Obwohl man Dick Graysons Vorgeschichte sieht, taucht darin nicht mal Bruce Wayne als Person auf, höchstens angedeutet und gesichtslos im Hintergrund. Statt mit dem jungen Dick zu sprechen, schreibt er ihm einen Brief. Von Bruces Kindheitstrauma erfährt er nur durch eine dritte Person. Titans kränkelt an der Tatsache, dass die Serie für sich allein steht, also ohne vorher (z.B. in Filmen) andere Helden etabliert zu haben – und offenbar will man das auch nicht nachholen. Daher bleibt Batman nur eine graue Eminenz, damit Robin sich von ihm emanzipieren und später (wahrscheinlich in Staffel 2) zu Nightwing werden kann.

Das Batsignal hat ausgesorgt.

Erst am Ende der ersten Staffel bekommen die Fans dann scheinbar, worauf sie warten: In einer Albtraum-Vision von Dick sehen sie einen verbitterten Batman in einem dystopischen Gotham Amok laufen. Doch leider wird auch diese Chance vertan, indem wieder nur auf rohe Gewalt gesetzt wird und das, was alle sehen wollen, nicht gezeigt wird. Dick soll Batman davon abhalten, den Joker zu töten, doch dann bringt Batman nicht nur den, sondern auch alle anderen in Arkham Asylum um – inklusive Personal. Ohne dass vorher Batman als Held eingeführt wurde, wird er – wie die Titans – als skrupelloser Killer dargestellt, der schließlich Dick dazu bringt, ihn zu töten. Ein sinnloses Gemetzel, das keinem anderen Zweck als der Effekthascherei dient.

Bruce Wayne in der Bathöhle

Und dann der Moment der Wahrheit: Wir sehen Bruce Wayne – aber nur im Dunkeln von hinten. Und wir sehen Batman – aber nur im Dunkeln von hinten. Auch Joker und Two-Face werden nur angedeutet. Es ist schon fast ein Running Gag. Man könnte lachen, wenn es nicht so verdammt ärgerlich wäre. „Fuck Batman“, sagt Robin gleich zu Beginn. Und mit „Fuck you, Bruce“ schließt sich am Ende der Kreis, als wäre es das Motto dieser Serie.

Batman am Tatort seines Verbrechens

Mr. Dent geht nach Washington

DC Comics

Titel: Threat of the Two-Headed Coin

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick

Erschienen: 1974 (Batman #258)


„Whenever I begin to think I’ve got nothing else to learn from you, you prove me wrong!“ (Robin)

Die Geschichte des Arkham Asylums beginnt erst 1974: Damals wurde es als Arkham Hospital eingeführt, ganz nebenbei, als Aufenthaltsort von Two-Face und dem Joker. Und schon beim ersten Erscheinen erweisen sich die Sicherheitsvorkehrungen als bedenklich. John Harris, ein frustrierter General, der sich an den USA rächen will, überfällt Arkham und befreit Two-Face, weil er ihn für seinen ach so genialen Plan braucht. Doch kaum ist Two-Face frei, macht er seinem Namen alle Ehre: Er hat jetzt das Sagen und da der General widerspricht, schmeißt er den General raus.

Erster Blick auf Arkham Hospital

Harris wendet sich an die Polizei von Gotham, um sie vor Two-Face zu warnen, doch als Batman ihn zur Rede stellt, springt er aus dem Fenster. Völlig ungerührt machen Batman und Gordon weiter, als wäre nichts passiert. Psychologisch glaubwürdig wird es erst wieder, als Batman feststellt, dass er und Two-Face so verschieden nicht sind: Beide seien besessen. Two-Face von dem Widerspiel zwischen Gut und Böse, Batman vom Verbrechen.

Ein Mann stürzt sich in den Tod. Und dann weiter im Text …

Batman und Robin geraten in die Falle. Two-Face erweist sich als gnädig: Statt Batman endlich ein für alle Mal zu töten, betäubt er ihn nur und nimmt ihn gefangen. Batman kommt auf eine interessante Weise frei: Im linken Ohr seiner Maske befindet sich ein kleiner Schweißbrenner, mit dem sich die Fesseln lösen lassen. Genial! Nicht nur Robin ist begeistert.

Two-Face und die Bombe

In der Zwischenzeit hat Two-Face eine Atombombe im Kapitol in Washington D.C. platziert und will die Regierung um zwei Milliarden US-Dollar erpressen. Zwölf Stunden lang steht er mit dem Zünder rum, ohne dass er müde wird oder irgendjemand einen Finger rührt (zum Beispiel, um das Geld zu besorgen oder den Schurken zu erschießen). Erst als Batman eintrifft, kümmert sich jemand um die Lösung des Problems.

Zum Schluss spielt wieder die Münze eine große Rolle: Batman wendet wieder diesen Schwachpunkt gegen seinen Erzrivalen. Two-Face soll, bevor er den Knopf drückt, erstmal seine Münze konsultieren. Sie fällt auf die heile Seite. Doch kurz bevor er sich ergibt, erkennt er: Die Münze hat nur zwei heile Seiten – er wurde reingelegt. Der hat bereits in „The New Crimes of Two-Face“ (Batman #68, 1951) und ähnlich auch in „Half an Evil“ (Batman #234, 1971) geklappt. Mensch, Harvey, du fällst aber auch immer wieder auf den gleichen Trick rein!

Two-Face hilft Joker … nicht.

Aber Two-Face erweist sich auch sonst als inkonsequent: Als der Joker ihn in Arkham bittet, ihn zu befreien, wirft Two-Face seine Münze, und weil sie auf der zerkratzten Seite landet, sagt er nein. Als er sie später noch einmal wirft, bedeutet die zerkratzte Seite, dass er sich dem General anschließt, also ja. Aber auch falls die Münze für Gut und Böse steht, wäre es doch naheliegender, den Joker bei der bösen Seite freizulassen – um noch mehr Böses zu stiften. Stattdessen ist Two-Face einfach böse dem Joker gegenüber. Es ist wohl zu viel verlangt, den Verstand eines Irren verstehen zu wollen …

>> Liste der Two-Face-Comics

Vom Doktor zum Dämon: Die Entstehung von Ra’s al Ghul

Titel: Birth of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Norm Breyfogle

Erschienen: 1992 (One-shot), Paperback 2012 (Batman: Birth of the Demon)


Ra’s al Ghul liegt im Sterben. Ein Bad in einer Lazarus-Grube täte ihm gut, seine Leute versuchen auf der ganzen Welt, eine auszuheben, doch leider kommt ihnen immer wieder Batman dazwischen oder zuvor. Jetzt nimmt sich Talia der Sache an. Als sie und ihr Geliebter in der Sahara aufeinandertreffen, erfahren wir in einer langen Rückblende, wie Ra’s al Ghul wurde, der er ist.

Die Entstehungsgeschichte beginnt vor etwa 500 Jahren in Nordafrika. Ra’s ist da zunächst ein namenloser Arzt, der den kranken Sohn eines Herrschers vor dem Tod retten soll. Nachts im Traum kommt dem Heiler in der Wüste die Eingebung, an der Stelle ein paar tödliche Gifte und Säuren zusammenzumischen und den Sterbenden hineinzulegen. Gesagt, getan: Der Herrscher ist so verzweifelt, dass er für das Wohlergehen seines Sohnes einem Dämon sogar ein Baby opfern (heißt: kaltblütig abschlachten) lässt. (Womit der Heiler aber nichts zu tun hat.)

Birth of the Demon (Cover)

Der Arzt erschafft also die erste Lazarusgrube, der Sohn wird wieder munter, doch nur allzu munter: Gepackt vom Wahnsinn ermordet er die geliebte Frau des Heilers. Obwohl der Vater Zeuge ist, gibt er dem Retter seines Sohnes die Schuld dafür und verurteilt ihn dazu, mit der Leiche seiner Frau in einem Käfig im Wüstensand begraben zu werden – zusammen mit einem Haufen feindlicher Nomaden.

Ra’s al Ghul trifft auf seinen Dämon

Der Arzt entkommt dank fremder Hilfe, flieht zu den Nomaden, von denen er abstammt, verbündet sich mit ihnen und nimmt grausame Rache: Er tötet nicht nur den Sohn des Despoten mit einer falschen Lazarusgrube, er lässt die ganze Stadt niedermetzeln. Dann nimmt er ein Bad in einem echten Heilbad und erklärt sich zum Kopf des Dämons – Ra’s al Ghul.

Nach dem Ende der Rückblende verrät Talia Batman ihr Alter: Sie ist nicht mal 30. (Das widerspricht zwar den Ereignissen in The Lazarus Affair, aber da Birth of the Demon nach dem Reboot der Crisis spielt, gilt diese Version als neue Continuity.) Ihr Vater hat ihre Mutter 1969 in Woodstock getroffen (seltsame Vorstellung, dass Ra’s auf Rock steht, aber vielleicht war er mehr wegen der Röcke da), mittlerweile ist die Mutter aber an einer Drogenüberdosis gestorben. Im Finale kommt es zu einem epischen Kampf zwischen Batman und seinem Erzfeind.

Dennis O’Neil erzählt hier 20 Jahre nach seiner Erfindung von Ra’s al Ghul erstmals die Vorgeschichte des Schurken. Er verleiht ihm Menschlichkeit, aber auch eine tiefe Abgründigkeit. Denn hier wird Ra’s selbst als die Plage, die er später beseitigen will. Die eigentliche Überraschung besteht darin, dass Ra’s in seinen Träumen schon lange von einer drachenartigen Fledermauskreatur heimgesucht wurde – seine Feindschaft mit Batman ist also tragischerweise lange im Voraus angelegt.

Batman im Duell mit Ra’s al Ghul

Es ist eine überaus grausame Geschichte, allerdings von Norm Breyfogle so prächtig inszeniert, dass sie sich angenehmer lesen lässt, als der Inhalt vermuten lässt. Breyfogle ist nicht nur Zeichner, sondern hat auch die Kolorierung selbst übernommen. Im Gegensatz zu den ersten beiden Demon-Bänden (Son of the Demon/Bride of the Demon) ist hier keine typische Comic-Optik mit schwarzen Tuschestrichen zu sehen, sondern eine durchgängig farbig ausgemalte Welt, in der immer wieder kunstvoll ausgestaltete Splash Pages mit Abstraktionen, Spritztechnik und Traum-Collagen für besondere visuelle Anreize sorgen. Die Kunst bekommt so viel Raum wie die Story, sodass die Story umso „epischer“ erscheint.

Birth of the Demon ist wahrscheinlich Breyfogles ambitioniertestes Batman-Comic – und definitiv eine der besten Ra’s al Ghul-Geschichten.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Die Rückkehr des grünen Schützen

DC Comics

Titel: Green Arrow by Kevin Smith

Autor/Zeichner: Kevin Smith/Phil Hester

Erschienen: 2001-2002 (Green Arrow #1-15), 2 Paperbacks 2002/2003, 1 Paperback 20116


Die 90er Jahre waren die Zeit der großen Heldentode: Superman, Ex-Green Lantern Hal Jordan, Wonder Woman, auch Green Arrow (Oliver Queen) mussten dran glauben. Zumindest vorübergehend. Denn eins ist klar: Superhelden sterben nie für immer. Der Tod ist seitdem etwas, das jeden einmal ereilen muss, damit er sich dramatisch opfern und triumphal wiederkehren kann.

Während Superman nicht einmal ein Jahr im Grab lag, kehrte Oliver Queen erst nach sieben Jahren zurück. (Immerhin musste er nicht so lange warten wie Hal Jordan oder Barry Allen.) In Quiver, der ersten Storyline einer neuen Green Arrow-Serie, lässt ihn Kevin Smith ganz plötzlich auferstehen: Als Obdachloser, der sich seine Ausrüstung aus Müll zusammengebastelt hat. Ein alter Mann, den er vor einem Überfall gerettet hat, nimmt ihn auf. Es stellt sich heraus, dass Oliver Queen noch in der Vergangenheit lebt. Die vergangenen zehn Jahre sind in seiner Erinnerung ausgelöscht. Er weiß nichts von dem Tod seiner Kameraden, er erinnert sich zuletzt an seine Team-ups mit Green Lantern.

Er befreit die minderjährige Prostituierte Mia Dearden, lehrt einen perversen Politiker Gerechtigkeit und versucht daraufhin herauszufinden, was mit ihm selbst passiert ist. Batman hilft ihm dabei, er trifft auf Aquaman und die Justice League, auf Black Canary und Arsenal (Roy Harper). Schließlich befördert ihn Etrigan (Jason Blood) ins Jenseits, wo ihm Spectre (Hal Jordan) erklärt, was mit ihm passiert ist. Schließlich begegnet er sich auch selbst …

Die Auflösung: Hal Jordan hat Green Arrows Körper aus dessen DNA neu geschaffen, allerdings nur mit bedingter Erinnerung. Und es handelt sich nicht um Oliver Queen selbst, weil er (bzw. dessen Seele) lieber im Jenseits bleiben wollte. Der neue Oliver Queen ist also eine Hülle ohne Seele.

Dieser Umstand bringt ihn in Schwierigkeiten: Ein okkultistischer Serienkiller, der finstere Pläne verfolgt, will den Körper von Queen übernehmen. Am Ende muss der Sohn, Connor, dem Vater aus der Patsche helfen.

Kevin Smith (Daredevil: Guardian Devil, Batman: Cacophony/The Widening Gyre) erzählt seine Story mit viel Text, langen Monologen und Dialogen. Das ist sein Markenzeichen. Das Gute daran ist: Er ist dabei auch sehr witzig. In seinen Dialogen dekonstruiert er das Superheldendasein und macht sich auch über seine Hauptfigur lustig. Zum Beispiel gibt es eine Sequenz, in der Oliver Queen gegenüber Mia so tut, als wären er und Green Arrow zwei verschiedene Personen. Die aber zupft nur an seinem verräterischen Bart und sagt: „Oh please! I’m not a total idiot!“ Und als bei Batman von Arrow-Plane, Arrow-Car und Arrow-Cave die Rede ist, fragt ihn Batman: „Did you ever have an original thought back then?“

Das sind die Passagen, die Spaß machen. Doch auf Dauer wirkt das ganze Gerede dann doch zäh. Die Handlung verliert sich in Erklärungen, unnötigen Abschweifungen (Etrigan, Sandman) und Rückblenden. Wenn dann auch noch der Schurke seine Lebensgeschichte minutiös erzählt, ist die Luft raus. Außerdem ist die Story auch voraussetzungsreich: Man muss eine Fülle von Figuren kennen und zumindest einige Eckpunkte der Vorgeschichte kennen, um sich hier orientieren zu können. Wer in den 90ern DC gelesen hat, sollte sich aber zurechtfinden.

Die letzten fünf Ausgaben erzählen, wie Oliver Queen sich in seinem neuen Leben zu etablieren versucht. Er zieht zusammen mit seinem Sohn Connor los, Mia will sich ihnen als neue Speedy anschließen, aber Oliver weist sie zurück, weil sie zu jung ist und er es nicht verantworten möchte, erneut eine Jugendliche in Gefahr zu bringen. Mia träumt insgeheim davon, ihm näher zu kommen, aber er bandelt wieder mit Black Canary an – und das hat es in sich. Nachdem sie einen Riddler-Raubzug vereitelt haben, fallen sie wild übereinander her …

Zum Schluss bekommen es die Green Arrows mit einem neuen Schurken zu tun: Onomatopoeia. Der Unbekannte mit der schwarzen Maske, der nichts als Lautworte ausspricht, jagt drittklassige Superhelden. Schließlich fällt ihm Connor zum Opfer und es kommt zu ebenso dramatischen wie spannenden Szenen im Krankenhaus … Der Schurke kehrt später in Batman: Cacophony zurück.

Diese letzten Kapitel lesen sich viel flüssiger als die ersten. Im Vordergrund steht zum Schluss die reine Action. Hier wird der Leser für seine Geduld belohnt. Auch ein unerwartet heiteres Wiedersehen wie mit Hawkman, das in Gewalt und Nacktheit ausartet, sorgt für Spaß beim Lesen. Bis auf einige Längen im Mittelteil ist Green Arrow by Kevin Smith eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die Lust haben, einen zweitklassigen Helden erstklassig präsentiert zu bekommen.

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Batman wirbt fürs Lesen

DC Comics

Batman sitzt bei Vollmond am Kamin im Ohrensessel, krault seinen Hund Ace und liest Super Sons. Mit diesem Bild, gezeichnet von Francis Manapul, will DC Comics fürs Lesen werben. Be a Hero – Read a Book, lautet der Imperativ der neuen Kampagne, in der der Verlag in Bibliotheken auftreten möchte und dazu jeden Monat ein neues Werbemotiv präsentieren will.

Natürlich geschieht das nicht ganz uneigennützig. Nein, DC gibt sogar zu, dass es eigentlich nur eine Werbekampagne für die eigenen Comics ist, ganz besonders für die Labels „DC Zoom“ und „DC Ink“, die sich an junge Leser richten, erst am Ende steht das edle Ansinnen, generell Kinder dazu zu ermutigen, „graphic novels“ zu lesen. Von Büchern im weiteren Sinne, also Belletristik und Sachbüchern, ist nicht die Rede. Das soll nicht heißen, dass Comics keine gleichrangigen Bücher wären. Im Gegenteil. Nur fällt dabei eine Diskrepanz zwischen Slogan und Anliegen auf: Der Slogan kommt universell daher, als hätte er Bildungsanspruch, das Bild aber meint nur: Comics – und zwar vornehmlich von DC.

Das ist bedauerlich. Batman würde sich sehr gut als Werbefigur für Bildung eignen, denn Batman und Bücher haben eine lange Tradition. Der beste Detektiv der Welt wird man nicht durchs Fernsehen. Bruce Wayne hat eine große Bibliothek in Wayne Manor. Allerdings muss man sich fragen, wann er neben Verbrechensbekämpfung, Playboy-Spielen, sowie Batmobile- und Gadgets-Bauen noch Zeit zum Lesen findet. In Bücher schaut er meist nur sporadisch zu Recherche-Zwecken. In der Batman-Serie der 60er hat er dafür sogar ein eigenes Regal in der Bathöhle.

Bat Research Shelf in der Bathöhle

In derselben Serie dient auch ein Bücherregal dazu, die Batpoles, also die Rutschstangen zur Bathöhle zu verdecken. Es schiebt sich beiseite, sobald Batman einen Schalter in einer Shakespeare-Büste umgedreht hat. Der Schuke The Archer zitiert sogar aus Shakespeares Werken. Und dann gibt es da noch den Schurken Bookworm, der Bücher für seine bösen Pläne zweckentfremdet.

Bookworm

In Batman: The Animated Series gibt es eine Bücher-Szene, in der für Bruce Wayne nichts mehr Sinn zu ergeben scheint (Perchance to Dream). Mit Comics wäre ihm das wohl nicht passiert. Aber ein Comic hat man in Wayne Manor wohl nur selten gesehen …

Als Bruce Wayne zu Robin wurde

DC Comics

Titel: When Batman Was Robin

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1955 (Detective Comics #226)


Jeder hat mal klein angefangen. Batman sogar sehr klein: als Robin. Ja, tatsächlich, Bruce Wayne war der erste Robin, lange bevor er Batman wurde. Wir erfahren es zusammen mit Dick Grayson, als Batman ein Paket mit seinem alten Kostüm geschickt bekommt.

Seine Geschichte geht so: Als Kind bewunderte Bruce den Police Detective Harvey Harris, der es mit seinen gelösten Fällen sogar auf die Titelseiten schaffte. Bruce, der damals noch beide Eltern hat, will bei ihm in die Lehre gehen, aber er befürchtet, abgewiesen zu werden. Und weil er davon ausgeht, dass Harris ein verantwortungsvoller Erwachsener ist, der denkt, dass Kinder sich nicht mit Verbrechern anlegen sollten, beschließt Bruce, seine Identität zu verstecken.

Eine Maske hätte zwar gereicht, aber Bruce schneidert sich ein rot-grün-gelbes Kostüm mit einem R auf der Brust. Warum? Das wird leider nicht erklärt. Bruce wird zum Stalker, indem er Harris verfolgt, um ihn zu beeindrucken. Er hilft ihm sogar, einen Verdächtigen zu fassen. Weil Harris ihn für so brillant wie ein Rotkehlchen hält (wer hätte gedacht, dass diese Vögel so schlau sind?), nennt er ihn Robin und nimmt ihn als Schüler auf.

Erste Lektion: absoluter Gehorsam! Jawohl, Sir! Zweite Lektion: keine. Denn Streber-Robin weiß bereits alles aus Kriminologie-Büchern. Selbst Boxen hat er schon gelernt. Also darf Robin seinem Lehrer dabei helfen, Gauner dranzukriegen, die Sammler erpressen, sich versichern zu lassen. Zuerst geht es um Modellschiffe, dann um Uhren und schließlich um historische Fahrzeuge. Robin gibt sein bestes, aber er macht Fehler und am Ende lernt er die dritte Lektion: Er muss noch viel lernen.

Am Ende muss Robin Harris versprechen, erst wieder Verbrechen zu bekämpfen, wenn er voll ausgebildet ist. Robin verspricht es und schickt ihm als Versicherung sein Kostüm. Als Bruce erwachsen ist, bekommt er es per Post zurück – denn Harris hat längst herausgefunden, wer Robin wirklich war. „He was a greater detective than I!“, sagt Batman am Ende.

Was er nicht sagt: Dass Harris auch der bessere Erzieher war. Denn statt dass Bruce Wayne sein Mündel Dick Grayson nachts ausschlafen lässt, damit er fit für die Schule ist, gefährdet er Nacht für Nacht dessen Leben mit gefährlichen Abenteuern, bei denen er regelmäßig fast draufgeht. Diese Vorgeschichte soll zwar den Robin-Mythos erklären, lässt ihn aber noch viel fragwürdiger erscheinen, denn die Moral, die hier den jungen Lesern mitgegeben wird, widerspricht Batmans eigener Praxis.

>> Batman in den 50ern

Robin Hood macht Batman Konkurrenz

Archer in Wayne Manor

Titel: Shoot a Crooked Arrow/Walk the Straight and Narrow (dt. Batman contra Robin Hood)

Drehbuch: Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E01-02)


„How unoriginal!“ (Batman)

Zweite Staffel, neue Gegner, neuer Einstieg: Ein Bogenschütze bricht mit zwei Handlangern in Wayne Manor ein, betäubt alle Anwesenden mit einem Gas-Pfeil und plündert den Tresor. Kurz darauf verteilt der Schurke das Geld unter den Armen von Gotham. Doch der Archer, dieser Möchtegern-Robin-Hood, der gerne mittelalterliche Kleidung trägt, hat keine selbstlose Agenda. Das ist nur der Auftakt, um sich selbst zu bereichern. Doch zuvor will der Archer in die Bathöhle, um eine Maschine zu zerstören, die angeblich Verbrechen vorhersagen kann.

Die Handlanger des Archers ziehen sich ebenfalls an wie Figuren aus Robin Hood, sie schießen Blitzpfeile, Niespulverpfeile und Pfeile, die um die Ecke fliegen könen, außerdem tragen sie eine Maschine mit sich, auf der Jubel, Buhrufe und Gelächter bei Bedarf abgespielt werden können. Der Archer hetzt Gotham gegen Batman auf, es ist sogar die Rede davon, Batman zu ersetzen. Das kratzt natürlich stark am Mythos. Besonders bitter, dass eine edle Figur wie Robin Hood, Vorbild für Robin, dafür missbraucht wird. Aber Commissioner Gordon versichert den Zuschauern: Für Batman gibt es keinen Ersatz!

The Dark Knight Returns ’66: Alfred als Batman

Tatsächlich lässt sich Batman selbst vertreten: In einer Szene, in der sowohl Bruce Wayne als auch Batman gefragt sind, schlüpft Alfred ins Kostüm, bleibt aber bei Commissioner Gordon auf Distanz, damit man den Unterschied nicht merkt. Den könnte man vor allem an dem Schnurrbart bemerken. Aber wenn sich der Joker schon nicht rasieren muss, dann opfert auch Alfred nicht seine geliebte Barttracht für einen Batman-Cameo. Um die Täuschung perfekt zu machen, spricht er durch einen Stimmen-Imitator. Niemand schöpft Verdacht.

Archer Alfred

Alfred ist ohnehin der Star der Folge: Er beweist hervorragende Fähigkeiten im Umgang mit Pfeil und Bogen, als er sich mit dem Archer duelliert. Da wird ein Pfeil nach dem anderen gespalten. Dann wird er in eine Guillotine gesteckt. Als er am Ende mit Dick Grayson Wilhelm Tell spielen will, kostet es ihn fast den Kopf.

Auch sonst wird in dieser Folge dick aufgefahren: Batman und Robin entkommen gleich zwei Todesfallen, einer davon durch versteckte Sprungfedern in ihren Schuhen. Schließlich kommt das Bat-Boat zum Einsatz und das Finale ist ein Schwertduell auf einem Piratenschiff.

Nebenbei werden wir darüber belehrt, warum Batman in seinem Batmobil durch die Stadt rasen darf: Er riskiert sein Leben, um andere zu schützen, sagt ein Polizist. Aber sonst sei er ein sicherer Fahrer. Ja, mehr noch: In seiner Freizeit gibt Batman sogar Stunden für Fahrschüler. Dafür gibt es sogar Applaus aus dem Off.

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