Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 1)

DC Comics

Titel: Tales of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Bob Brown, Neal Adams, Irv Novick

Erschienen: 1971-1972 (Detective Comics #411, Batman #232, 235, 240, 242, 243, 244), Paperback 1991


Die Geschichte von Ra’s al Ghul beginnt ungewöhnlich geheimnisvoll. In den ersten Auftritten erfährt man so gut wie nichts über die Herkunft, Fähigkeiten und die Motive des Schurken. Er bleibt ein mysteriöser Machtmensch – und seltsamerweise stellt Batman auffallend wenig Fragen, um das Rätsel zu klären.

Batman trifft zuerst dessen Tochter Talia, nachdem sie von Doctor Darrk, dem Anführer der League of Assassins, entführt worden ist (Detective Comics #411). Mit dieser tödlichen Geheimorganisation hatte es Batman bereits in Detective Comics #405-406 (1970) zu tun. Ein Hinweis führt ihn nach Asien, wo er gefangengenommen und mit Talia eingesperrt wird. Die Hintergründe bleiben vage. Sie erklärt ihm, dass Darrk irgendein Geschäft mit ihrem Vater hatte. Batman darf sie dann gegen einen Stier verteidigen. Doch als er Darrk der Polizei übergeben will, zückt der Schurke ein Messer, Talia schießt auf ihn und er fällt vor einen Zug.

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Erst in Batman #232 trifft Batman Ra’s al Ghul. Zuerst wird Robin von Unbekannten entführt, dann taucht plötzlich Ra’s in der Bathöhle mit seinem Diener Ubu auf, erklärt ihm, dass er Batmans wahre Identität herausgefunden habe und dass auch Talia entführt worden sei (schon wieder). Batman soll ihm helfen, sie wiederzufinden. Eine Spur führt sie nach Kalkutta. Batman muss gegen einen Leoparden kämpfen und sich beim Bergsteigen gegen Attentäter wehren.

Doch dann wird ihm klar: Die ganze Sache stinkt. Talia ist nicht entführt, Ra’s hat den Aufwand nur betrieben, um Batman zu testen. Er will Batman zu seinem Nachfolger und zum Schwiegersohn machen – Talia sei verliebt in ihn. Und im letzten Panel zeigt sie es ihm, indem sie ihn küsst. Batman schaut entsetzt. Aber mehr passiert nicht. Die Geschichte ist plötzlich zu Ende und erst drei Ausgaben später sehen wir Ra’s und Talia wieder, allerdings seltsamerweise ohne dass die ganze Nachfolge- und Heiratsthematik eine Rolle spielt.

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In Swamp Sinister (Batman #235) bekommt Bruce Wayne eine Leiche per Post zugeschickt, kurz darauf taucht Ra’s al Ghul auf und bittet mal wieder um Hilfe. Batman soll eine Chemikalie wiederfinden, die dazu benutzt werden kann, eine tödliche Seuche herzustellen. Diese hat ihm ein ehemaliger Mitarbeiter gestohlen. Wieder hilft ihm Talia und am Ende gibt es wieder ein Küsschen auf die Wange. Batman ist nicht besonders erfreut, denn Talia hat sich hier als mordlüstig erwiesen. Aber sie ist sich sicher, dass sich seine Meinung bald ändern werde.

In Vengeance for a Dead Man (Batman #240) beginnt die Story damit, dass Batman bei einer Ermittlung in einem Mordfall auf Talia trifft (wieder gibt’s einen Schmatzer). Der Leiter einer Forschungseinrichtung wurde ermordet und der Leiche wurde das Gehirn entfernt. Der Mörder ist schnell gefunden, aber als Talia ihm ein Wahrheitsserum verabreichen will, drückt sie ihm ein Amnesie-Mittel rein – aus Versehen, wie sie behauptet.

Batman glaubt ihr kein Wort. Er verfolgt sie, als sie mit dem U-Boot in ein Unterwasser-Versteck ihres Vaters. Ra’s al Ghul hat das Gehirn des Toten nicht nur konserviert, sondern auch zum Sprechen gebracht, weil es für ihn wertvolle Informationen über die US-Außenpolitik hat. Diese könnten ihm helfen, mit seiner Organisation eine bessere Welt zu schaffen, und dazu gehört, dass Batman Talia zur Frau nimmt.

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Erst jetzt sagt Batman Ra’s die Meinung: Er will nicht. „You’re mad … Insane with the need for power! I’ve never realized it until this moment!“ Manchmal hat auch der weltbeste Detektiv eine lange Leitung. Und offenbar hat Batman, der sonst so gründlich Nachforschungen anstellt, seine Hausaufgaben nicht gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass er abgelenkt war, in Gedanken bei Talia. Indirekt gesteht er ihr, dass er sie so liebt wie sie ihn. Aber Vater und Tochter schaffen es, abzuhauen noch bevor Batman etwas dagegen tun kann – und auch bevor das Gehirn Ra’s sagen kann, was er wissen will. Ist wohl doch nicht so wichtig, denn es geht später ja auch ohne.

Danach betreibt Batman einen immensen Aufwand, um Ra’s al Ghul zu finden. Zuerst inszeniert er Bruce Waynes Tod, dann nimmt er die Identität eines Gauners an, der auf der Flucht vor ihm von einem Querschläger getötet wird: Matches Malone. (Das Alter Ego soll ihm später noch viele gute Dienste bei Undercover-Ermittlungen erweisen.)

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Als Matches verhindert er, dass einer von al Ghuls Schergen, Lo Ling, einen Wissenschaftler entführt, Harris Blaine, weil er an „etwas“ arbeite, was ihm nützlich sei. Wieder bleibt dieses Etwas vage. Batman bittet Blaine, ihm dabei zu helfen, Ra’s al Ghul aufzuhalten. Alleine schaffe er es nicht, bisher sei es nur zum Unentschieden zwischen ihnen gekommen, aber er müsse besiegt werden, weil er besessen von weltweiter Macht sei und eine Diktatur des Verbrechens errichten wolle.

Hier könnte man stutzig werden: Was hat Batman eigentlich gegen Ra’s? Und was genau hat er gegen ihn in der Hand? Batman hat Ra’s vorgeworfen, unmenschlich gehandelt zu haben, indem er das Gehirn zum Sprechen brachte. Aber Ra’s wandte ein: „It it inhuman to prolong life in whatever form?“ Der Punkt geht klar an ihn: Er hat ein Bewusstsein vor dem Tod bewahrt. Das Ganze mag zwar geschmacklos erscheinen, aber getötet hat er bislang nicht. Angegriffen haben seine Leute nur Batman, aber das nur als Reaktion auf sein Eindringen. Und mehr als Andeutungen hat Ra’s über seine Pläne auch nicht gemacht. Worüber regt sich Batman eigentlich auf? Ist er noch nachtragend wegen Robins Entführung? Auch wenn sie prinzipiell justiziabel gewesen wäre, war die ganze Sache bisher ziemlich harmlos …

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Batmans Motiv bleibt also noch schleierhafte als das seines Gegners. Aber zunächst ist da die Sache mit dem Handlanger Ling. Batman rettet ihm das Leben, aber weil Ling jetzt bei zwei Herren in einer Lebensschuld steht und sich das nicht verträgt, entscheidet sich Lings Loyalität in einem Messerduell mit Batman. Gemeinsam mit Blaine fliegt er als Matches in die Schweiz, wo Ra’s untergetaucht ist. (Wieder Berge!) Ihnen schließt sich die Skifahrerin Molly Post an, die auch noch eine Rechnung mit dem Schurken offen hat.

Jeder der vier macht sich auf der Quest nützlich und als sie endlich zu Ra’s Versteck vordringen, ist ihr Gegner tot. Kurz darauf wird er in der Lazarus-Grube versenkt und wiederbelebt. Wahnsinnig verfolgt er die vier Helden, verletzt Ling und schlägt Batman K.O., dann haut er mit Talia in einem Hovercraft ab. Molly versucht ihn aufzuhalten, aber wird dabei verletzt. Batman muss sich um sie kümmern und kann Ra’s nicht weiter verfolgen.

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Er findet ihn kurz darauf trotzdem: in der Sahara. Ra’s zollt dem Detective seinen Respekt und bietet ihm eine Chance: Es kommt zu einem Duell mit Schwertern. Batman kämpft oben ohne, aber mit Maske. Batman wird von einem Skorpion gestochen, Ra’s überlässt ihn dem Tod, aber Talia verabreicht ihm bei einem letzten Kuss ein Gegenmittel und so kann Batman doch – mit einem finalen Faustschlag – triumphieren.

Talia kommt natürlich ungeschoren davon. Es gibt sogar noch einen großen Abschiedskuss. Warum er sie verschont, bleibt auch hier unklar. Batmans Urteilskraft scheint bei ihr sehr getrübt zu sein. Allerdings scheint es sich von selbst zu verstehen, dass ihre Liebe keine Zukunft hat. Immerhin liefert Batman Ra’s den Behörden aus.

Damit endet die erste große Ra’s al Ghul-Story. Bemerkenswert ist, dass diese Geschichte zwar über ganze sieben Ausgaben erzählt wird, aber nicht direkt hintereinander. Zwischen den ersten Kapiteln liegen stets mehrere Ausgaben, erst die letzten drei bilden eine durchgehende Story. Erst nach und nach werden Informationen preisgegeben, aber die eine große Erklärung gibt es nicht. Vieles bleibt offen, vor allem, was Ra’s überhaupt will und wie er es erreichen will.

Am Ende erklärt er selbst, dass er sich weder für einen Kriminellen noch ein Genie hält, sondern für einen Künstler: „I have a vision … of an earth as clean and pure as a snow-swept mountain … or the desert!“ Er will auf der Erde Harmonie herstellen. Wie das gehen soll, bleibt unklar. Die Vernichtungspläne, für die er später berüchtigt sein wird, formuliert er hier noch nicht. Aber Batman bleibt dabei: Ra’s ist irre. Das muss wohl der untrügliche Instinkt des Detektivs sein.

(Fortsetzung folgt.)

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

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