Monat: Dezember 2018

Der Batman-Jahresrückblick 2018

DC Comics

Das vergangene Jahr war für das Batman-Projekt das bisher erfolgreichste. Jedes Jahr konnte ich meine Zugriffszahlen steigern und immer wieder bekomme ich tolle Nachrichten mit Lob von Lesern, die mich motivieren, weiterzumachen. Ich danke euch für eure Treue und hoffe, dass ihr mir auch im nächsten Jahr erhalten bleibt.

Das Jahr 2018 stand ganz im Zeichen von 80 Jahren Superman. Fast jede Woche habe ich dem Vater aller Superhelden, ohne den es Batman nicht gäbe, mindestens einen Artikel gewidmet. Auch wenn nicht alles Gold war, war es für mich eine interessante Lese-Erfahrung. Superman ist ein schwieriger Charakter, aber die Geschichte zeigt, dass es trotzdem möglich ist, spannende Geschichten über ihn zu erzählen.

Zu Beginn des Jahres habe ich es endlich geschafft, Knightfall zu lesen. Leider habe ich mich damit etwas zu sehr beeilt, denn kurz darauf kam das gesamte Epos in einer neuen Paperback-Edition heraus. Aber ich wollte es nicht länger vor mich hinschieben. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall, auch wenn ein so großes Werk nicht durchgehend großartig sein kann.

Darüber hinaus habe ich mich – als Vorbereitung für das Hochzeits-Event – intensiv mit Catwoman und Batmans anderen Frauengeschichten beschäftigt. Bemerkenswert, wie das Heirats-Thema schon im Golden Age präsent war, noch bevor man sich genötigt sah, Batman vom Homosexualitäts-Verdacht zu befreien. (Heute regt man sich lieber über Batmans Penis auf.) Großen Spaß hatte ich an den frühesten Catwoman-Comics, die herrlich absurd sind. Ich habe meine Liebe zum Golden Age wiederentdeckt. Leider war das Ende meiner Serie nicht so toll wie erhofft.

Batman-Flop des Jahres

Batmans „Hochzeit“ mit Catwoman war für viele Fans eine große Enttäuschung. Auch für mich. Aber das liegt nicht daran, dass die Trauung nicht stattfand. Vielmehr ist für mich eine Blase geplatzt, die sich bereits 50 Ausgaben lang angebahnt hat. Tom King überzeugt nicht als Batman-Autor. Er hat einfach nichts Interessantes zu erzählen und selbst eine interessante Idee wie den Joker-Riddler-Krieg konnte er nicht adäquat umsetzen – das ist verschenktes Potenzial. Und mir graut bereits vor der Ankündigung, dass da noch mehr als 50 Ausgaben kommen werden, bis King mit seinem Plan für Batman durch ist. Die Luft ist längst raus.

Batman-Comic des Jahres

Keine Frage: Das größte Vergnügen hat mir in diesem Jahr Batman: White Knight bereitet. Sean Murphy hat ein Meisterwerk geschaffen, in dem er viele Bezüge zur Tradition herstellt, aber alles so gründlich durchmischt und viele neue eigene Akzente setzt, dass er andere moderne Batman-Comics weit hinter sich lässt. Nächstes Jahr soll die Fortsetzung kommen – und darauf darf man sich freuen. Auch nicht schlecht war der Abschluss von Dark Prince Charming und auch das an sich ermüdende, weil überbordende Event Dark Nights: Metal hatte seine Höhepunkte.

Film des Jahres

An der Filmfront tat sich leider nur wenig, was der Rede wert gewesen wäre. Gotham By Gaslight war es nicht und Batman Ninja erst recht nicht. Im Kino sah man aus dem DC-Universum Aquaman, aber der enttäuschte wie schon die Zack Snyder-Filme. Fürs nächstes Jahr bleibt nur zu hoffen, dass Shazam! das Niveau wieder heben wird.

Aber das eigentliche Hightlight ist Batman: The Animated Series auf Blu-ray. Leider nicht auf Deutsch. Und noch immer fehlt eine Ankündigung. Das ist – mit Verlaub – einfach nur erbärmlich. Auch die Blu-ray-Versionen zu Mask of the Phantasm und SubZero lassen auf sich warten.

Liebe Warner Bros., BTAS ist Kulturgut, genauso wie die Adam-West-Serie. Bitte lasst bald eine deutsche Version dieser Meisterwerke folgen!

Im Jahr 2019 feiern wir 80 Jahre Batman. Aber davon später mehr.

Zum Schluss würde ich noch gerne wissen: Was interessiert euch? Welche Artikel wünscht ihr euch im nächsten Jahr? Welche Themen findet ihr spannend und worauf könnt ihr verzichten? Auf eure Meinungen bin ich sehr gespannt.

Rache an Ra’s

Titel: League of Batmen

Autor/Zeichner: Doug Moench/Mark Bright

Erschienen: 2001 (Zweiteiler)


Nachdem der Batman der Zukunft (Tallant, Sohn von Bruce und Talia) die Brotherhood of the Bat von Ra’s al Ghul besiegt hat, baut er sich eine eigene League of Batmen auf. Die bunte Truppe reist um die Welt, um einen Impfstoff gegen die Seuche zu verteilen, die die Menschheit fast ausgerottet hat. Doch Ra’s al Ghul schickt eine Armee von Robotern los, um die Batmen zu töten. Für Tallant hat er sich was ganz Besonderes ausgedacht: Einen bösen Klon von Bruce Wayne.

Als dieser dämonische Batman Talia ermordet, fliegt die Truppe nach Mexiko, um sich an Ra’s zu rächen und seine neuesten Weltzerstörungspläne zu vereiteln. Denn Ra’s will mittels einer aufgepimpten Lazarusgrube endgültig unsterblich werden, dabei soll allerdings die Menschheit draufgehen. Durch die ganzen Wiederbelebungen hat Ra’s spitze Ohren, Klingonenstirn und Schuppenhaut bekommen und sieht dämonischer denn je aus.

Schon der erste Teil hat nicht überzeugt, von der Fortsetzung war auch nicht mehr zu erwarten, und auf dem Niveau bewährter Mittelmäßigkeit dümpelt auch dieser Zweiteiler vor sich hin. Pathetische Reden, lauter Klischees und ein durchschnittlicher Zeichenstil taugen lediglich für eine Lektüre, durch die man hirnlos durchrauschen kann.

Zu lachen gibt es höchstens etwas, wenn es unfreiwillig komisch wird: In einer Sequenz lässt sich der böse Attentäter von seinem Mord an Batman von einer Bande ablenken, die ihm das Fahrzeug klauen will. Die Erklärung: Er wurde darauf trainiert, zu handeln, ohne zu denken – nicht unbedingt die beste Eigenschaft. Als er Talia töten soll, fängt er plötzlich doch zu grübeln an, und trifft auch noch den falschen Schluss. Und als dann Tallant die Leiche seine Mutter sieht, schlägt er wütend auf den Mörder ein – rätselhafterweise nur auf die Brust, während ein vernünftiger Batman eher auf das Gesicht oder verwundbarere Körperteile zielen würde. Aber egal, wie gesagt: Ohne große Ansprüche erfüllt die Story ihren Zweck als Zeitvertreib.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Aquaman geht baden

Aquaman (Warner Bros.)

77 Jahre nach seinem ersten Comic-Auftritt hat Aquaman seinen ersten Spielfilm. Angedeutet wurde die Figur bereits in Batman v Superman, in Justice League bekam sie ihren Einsatz. Jason Momoa machte in der Rolle eine gute Figur als Outlaw, der mit Fischen reden kann und immer einen coolen Spruch draufhat. Unvergessen die Szene, in der er sich auf Wonder Womans Lasso setzt und ein Bekenntnis wider Willen ablegt. Allerdings war Aquaman auf dem Land noch nicht in seinem Element.

Jetzt darf der Fisch endlich ins Wasser. Und er tobt sich richtig aus. Was bleibt nach zweieinhalb Stunden zurück? Nicht viel. Aquaman strotzt zwar vor visuellen Reizen, bleibt aber oberflächlich und banal. In der abgehetzt und sprunghaft erzählten Story bekommt man weder viel Zeit, die Titelfigur richtig einzuführen, noch die Unterwasserwelt. Die meisten Figuren können einem so egal sein wie die beliebige Handlung.

Dabei gibt sich der Film große Mühe. Allerdings wirkt das sehr bemüht. Wenn etwa am Anfang Piraten eine U-Boot-Crew massakrieren und dann plötzlich in derselben Szene der Piratenvater plötzlich sentimental wird und dem Piratensohn ein Messer (ein Familienerbstück) zum Geschenk macht, soll wohl ein Charakter entwickelt werden, das geht aber gründlich schief. Für einen kaltblütigen Mörder kann man in so einem Moment beim besten Willen keine Sympathie entwickeln. Wenn kurz darauf der Piratenvater in Todesgefahr ist und er Sohn Aquaman um Hilfe bittet, kann man verstehen, dass der Held keine Lust dazu hat. So entsteht der Erzfeind Black Manta aus einem schwachen Rachemotiv heraus – und wird später im Film verheizt.

Nichts in dem Film involviert emotional, selbst Arthurs Entstehungsgeschichte versinkt in Kitsch und Klischees. Der drohende Krieg, um den es geht, wird nie greifbar, der Konflikt zwischen zwei Brüdern möchte Shakespeare sein, ist aber mehr Seifenoper, was schade ist, weil Jason Momoa in der Rolle noch am meisten überzeugt. Meistens. Denn leider scheitert Aquaman auch als Komödie. Die wenigen Szenen, die als Comic Relief dienen sollen, sind meist Rohrkrepierer, bei denen Aquaman auch mal aus der Rolle fällt.

Eine Wüste von Film: Aquaman (Warner Bros.)

Selbst die Effekte können den Film nicht retten. Die Unterwasserbilder ersticken in Buntheit und Details, in fast jeder Szene ist Studioluft zu riechen. Die Kampfszenen wirken routiniert bis brachial (wenn etwa Mera über Hausdächer flieht und ein Kerl im Panzeranzug durch zahllose Häuserwände hindurchkracht). Zum Schluss, wenn jedes mögliche Meeresgetier zur großen Schlacht erscheint, weiß man gar nicht mehr, wohin man schauen soll. Die Überwältigungsstrategie resultiert in einer einzigen großen Reizüberflutung.

Aquaman ist ein durchgängig langweiliger und uninspiriert gemachter Edeltrash-Film. Es steckt zwar eine Menge Geld darin, aber keine Risikofreude. Alles wirkt wie aus dem Baukasten, aber leider mies kopiert. Der Film bleibt daher weit hinter den Errungenschaften von Wonder Woman zurück, wirkt eher wie ein billiger Versuch, Marvels Thor nachzuahmen, und fügt der Tradition von Superheldenfilmen nichts Neues hinzu, keine Szene wird in Erinnerung bleiben. Leider ist Aquaman damit ein weiterer Reinfall in der unglückseligen Reihe von DC-Filmen.

Frohe Weihnachten mit Batman

Bei DC gibt es eine kleine Tradition: Zu Weihnachten erscheinen die DC Holiday Specials. Nicht immer unter diesem Namen (z.B. auch als DC Rebirth Holiday Special) und auch nicht jedes Jahr, aber zuletzt ganze dreimal hintereinander. Das Prinzip ist simpel: Mehrere Figuren aus dem DC-Universum bekommen Kurzgeschichten rund um Weihnachten gewidmet. Das Ergebnis ist nicht immer der Rede wert. In diesem Jahr ist es allerdings etwas anders als sonst.

Das DC Nuclear Winter Special versetzt die Superhelden in dystopische Szenarien. Unter anderem sehen wir „Batman 666“, also Damian Wayne als Batman der Zukunft (siehe Batman #666 in Batman and Son). Er hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, unterblich zu sein und dafür für immer den Mantel seines Vaters tragen zu können. (Der Teufel scheint übrigens The Batman Who Laughs zu sein.) Dazu gehören offenbar auch Man-Bat-Flügel. In einem wüsten, verschneiten Gotham trifft Damian auf seinen Großvater, Ra’s al Ghul, und duelliert sich mit ihm.

Batman 666 gegen Ra’s al Ghul (DC Comics)

Dabei zeigt sich Damian von einer reifen Seite: Er hat nicht nur den Mantel seines Vaters, sondern auch dessen Überzeugungen geerbt. Die Geschichte ist sowohl grafisch als auch emotional ein Höhepunkt des Specials. Catwoman hingegen stiehlt in ihrer Story zur Abwechslung mal nicht für sich, sondern für Bedürftige. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit dem Superman der Zukunft aus One Million.

Ähnliche Specials gab es bereits in den 80ern (Christmas With the Superheroes) und in den 90ern (DCU Holiday Bash), ich gehe hier der Kürze halber nur auf die DC Holiday Specials der Nuller Jahre ein. Nach dem DCU Infinite Holiday Special (2006), in dem Superman Batman einen Haken verpasst hat, kam zwei Jahre später eines mit anderthalb Batman-Storys heraus.

In A Day Without Sirens initiiert die Polizei von Gotham eine Kampagne, in der sie vor Weihnachten alle Bürger der Stadt dazu aufruft, einen Tag lang keine Verbrechen zu begehen. Die Geschichte handelt davon, wie James Gordon und seine Beamten am Telefon warten und sowohl bangen als auch hoffen, dass jederzeit jemand anrufen könnte. Die Story hält sogar drei Überraschungen bereit, die ich hier nicht verraten will.

Batman als Good King Wenceslas (DC Comics)

In Good King Wenceslas übertragen Paul Dini und Dustin Nguyen (Streets of Gotham) das englische Weihnachtslied auf Batman und Robin. Zu dem Originaltext sieht man zwei Figuren durch den Schnee stapfen, deren Aussehen an das Dynamische Duo angelehnt ist. Immerhin ein grafisches Kleinod.

Das Special von 2009 enthält mit Silent Knight einen wortlosen Batman-Comic, in dem Batman einen verbrecherischen Weihnachtsmann jagt. Die Ausgabe kann man sich derzeit kostenlos bei Comixology herunterladen.

In den vergangenen beiden Jahren war die Ausbeute an Batman-Weihnachtsgeschichten in den Specials mager: Twas the Night Before Christmas erzählt, wie eine alte Frau mit ihrem Enkel kein Obdach erhält, daraufhin stirbt und Jahre später ihrem Enkel als Geist erscheint und ihn auffordert, sich an der Familie des Schuldigen zu rächen. Batman verhindert das natürlich. Aber auch wenn diese Story von Dennis O’Neil stammt, kränkelt sie an einer unüberzeugenden, weil zu weit hergeholten Prämisse. Allerdings holen die Zeichnungen von Steven Epting einiges rausholen, wie man hier sehen kann.

Batman in „Twas the Night Before Christmas“ (DC Comics)

In Solstice feiern Batman und Wonder Woman gemeinsam Wintersonnenwende, indem sie in zivil gemeinsam ein Feuer im verschneiten Wald anzünden. Warum gerade mit Batman und nicht mit Superman? Weil Superman genug Licht im Leben hat und Batman es nötiger hat, daran erinner zu werden, dass das Licht immer zurückkehrt. Bis es so weit ist, sieht man die beiden Helden parallel bei der Arbeit: Batman rettet Mutter und Tochter vor einem Straßenräuber, Wonder Woman bringt Wasser in ein Flüchtlingscamp.

Die Kurzgeschichten der Holiday Specials sind keine typischen Superhelden-Storys. Alles geht sentimentaler, aber auch ruhiger zu – eben passend zur Weihnachtszeit. Im besten Fall ist es leichte Kost für die Feiertage, im schlechtesten einfach eine Reihe von Banalitäten.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein frohes Fest!

>> Batman zu Weihnachten

Weihnachten mit dem Riddler

DC Comics

Titel: A Christmas Riddle (dt. Ein Weihnachtsrätsel)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Ty Templeton

Erschienen: 1996 (Batman and Robin Adventures #3), dt. Dino 1997 (Batman Adventures #19)


„Eventually I realized I’m just not the club-joining-type.“ (Bruce Wayne)

Bei der traditionellen Weihnachtsfeier des Peregrinator Clubs, einem Bonzen-Verein, dem auch mal Thomas Wayne angehört hat, gibt es eine böse Überraschung: Santa Claus entpuppt sich als Riddler. Während seine zwei Helferinnen die Menge mit Maschinengewehren in Schach halten, kündigt er an, die Identitäten von Batman und Robin preiszugeben.

Dabei geht er so vor, wie selten jemand im Comic: indem er kurz nachdenkt. Was man über Batman weiß: Er ist relativ jung, ein Mann zwischen 28 und 40, und er hat viel Geld oder einen reichen Sponsor, um sich Batmobile leisten zu können. Da diese Beschreibung auf einige in dem Club zutreffen, verdächtigt der Riddler einige Unschuldige.

Doch als Batman und Robin eintreffen, erkennen sie, dass sich andere Gauner am Safe zuschaffen machen. Die ganze Show, die der Riddler auch im Fernsehen übertragen lässt, ist nichts als Ablenkung. Doch der wahre Horror beginnt, als plötzlich alle Weihnachtsbäume im Saal anfangen zu brennen.

Der Riddler vernichtet also beinahe Weihnachten, um sich selbst zu beschenken. Was hat er stattdessen zu bieten? Verkleidungen, Täuschungen, Ablenkung, ein paar flotte Sprüche. Aber leider nicht mal ein richtiges Rätsel … Schade.

>> Batman zu Weihnachten

Ra’s brennt für Batman

Titel: The Lazarus Affair

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Irv Novick

Erschienen: 1980-1981 (Batman #330-335)


Lucius Fox wird von einer Gang angegriffen, der sein eigener Sohn angehört. Bruce Waynes Sekretärin stiehlt Geschäftsdokumente. Ein Konkurrent namens Gregorian Falstaff unterbietet Wayne bei mehreren Aufträgen, um ihn in den Ruin zu treiben. Was geht hier vor? Spätestens als Talia al Ghul unangekündigt in der Bathöhle auftaucht und Batman um Unterschlupf bittet, dürfte die Sache klar sein, aber Batman stellt sich dumm und spielt das Spiel mit.

Robin ist davon nicht begeistert. Während Batman mit Talia nach Asien reist und sich mit einer Horde Mutanten prügelt, ermittelt Robin mit Catwoman auf eigene Faust. Die Teams treffen sich auf Infinity Island, wo es zum Showdown mit dem mysteriösen Strippenzieher kommt. Wie gesagt: Wer das ist, liegt auf der Hand. Aber Marv Wolfman zieht die Auflösung so künstlich in die Länge, dass es fast schon komisch ist.

(Noch absurder: Batman trägt auf der Reise nach China einen Rucksack voller Tischtennisbälle mit sich, die er beim Grenzübertritt in einen Anzug steckt und so auf dem Wasser einen treibenden Körper simuliert. Damit schlägt er die Chinesen sozusagen mit ihren eigenen Waffen.)

Natürlich – ACHTUNG: SPOILER!!! – steckt hinter all dem Ra’s al Ghul. Wieder mal ist das ganze Theater nur ein Versuch, Batman auf seine Seite zu ziehen, indem er alles an sich reißt, was Bruce Wayne besitzt. Eigenartigerweise scheint der Schurke mehr Zeit in Bekehrungsversuche zu stecken als in sein eigentliches Projekt: die Welt von der Menschheit zu befreien. Batman muss sich entscheiden, ob seine Freunde getötet werden sollen oder er zu Ra’s Verbündeten wird. Er tut so, als würde er überlaufen. Robin und Catwoman werden daraufhin zum Steineklopfen ins Bergwerk geschickt.

Das Prinzip ist das altbekannte: Talia führt Batman in die Falle, dann betrügt sie ihren Vater. Das Neue: Wir erfahren, dass Talia selbst nicht mehr so jung ist, wie es scheint, dass sie schnell nachaltert und immer wieder durch Handauflegen von ihrem Vater verjüngt wird. Im Gefecht wird sie getötet und in der Lazarusgrube wiederauferweckt. Ra’s al Ghul landet schließlich selbst darin, springt brennend wieder heraus und als er noch einmal darin landet, explodiert die ganze (vulkanische) Insel und versinkt im Meer.

Das Pikante an der Story: Selina Kyle hat kürzlich erst mit Bruce Wayne Schluss gemacht. Dass er jetzt wieder von Talia becirct wird, gefällt ihr natürlich nicht so sehr. Aber Bruce bleibt eisern: Nach den gescheiterten Romanzen der letzten Zeit ist er für Talia nicht bereit. Schließlich behält Robin recht: Talia ist nicht zu trauen und Bruce muss verrückt sein, sich immer wieder auf sie einzulassen. Aber er kann einfach nicht anders.

(Hinweis: Offiziell erstreckt sich The Lazarus Affair nur über vier Ausgaben (Batman #332-335), die Handlung beginnt allerdings schon in Ausgabe #330.)

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Ra’s und Batman retten die Welt

DC Comics

Titel: Batman & Ra’s al Ghul: The Crystal Armageddon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Jim Aparo

Erschienen: 1980 (The Brave and the Bold #159)


Ein Wissenschaftler hat ein Mittel entwickelt, das alles in Kristall verwandelt. Nicht nur, dass es Menschen sofort tötet: Wenn es ins Meer geraten sollte, kann es alles Leben auf dem Planeten auslöschen. Die League of Assassins hat den Forscher entführt und erpresst ihn. Das gefällt nicht nur Batman nicht, sondern auch Ra’s al Ghul will das verhindern. Die beiden Erzfeinde verbünden sich also mal wieder, um die Welt zu retten.

Leider ist diese Story schneller vorbei als sie beginnt. Highlights: Ra’s stirbt, wird durch die Lazarusgrube wiederauferweckt und springt Batman an den Hals. Batman macht einen Sprung aus einem Flugzeug mit einem Batgleiter. Das schreibe ich allerdings nur, um der Story wenigstens etwas Gutes abzugewinnen. Der Rest ist öder Dialog und Prügelei. Das Problem löst sich fast von selbst. Eine Story, die man sich auch deshalb sparen kann, weil sie der Beziehung zwischen Ra’s, Batman und Talia nichts hinzufügt.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

80 Jahre Batman: Neues zu Detective Comics #1000

Detective Comics #1000 Jim Lee Cover (DC Comics)

Detective Comics #1000 Jim Lee Cover (DC Comics)

Am 27. März 2019 ist es soweit: Dann erscheint Detective Comics #1000. Wie DC ankündigt, soll die Jubiläumsausgabe 96 Seiten umfassen und 9,99 US-Dollar kosten. Das Cover stammt von Jim Lee und zeigt die Batman-Familie, die die bekanntesten Schurken in der Bathöhle besiegt hat: Batman hält den Joker im Würgegriff, Robin hockt auf einem liegenden Bane – und leider schwingt sich auch Harley Quinn durch den Hintergrund. Ohne sie scheint es heute nicht mehr zu gehen …

Arkham Knight (DC Comics)

In dem Heft wird eine neue Storyline von Peter J. Tomasi und Doug Mahnke beginnen, in der die Figur des Arkham Knight in das DC-Universum eingeführt werden soll, ein neuer Schurke aus dem Game und der Mini-Serie Arkham Knight: Genesis (2015). In der Rüstung steckt Jason Todd (Robin II). Ob das auch in den Comics der Fall sein wird, ist unklar.

Darüber hinaus soll das Heft zehn Kurzgeschichten folgender Batman-Veteranen enthalten:

  • Kevin Smith & Jim Lee
  • Brian Michael Bendis & Alex Maleev
  • Warren Ellis & Becky Cloonan
  • Paul Dini & Dustin Nguyen
  • Denny O’Neil & Steve Epting
  • Christopher Priest & Neal Adams
  • Geoff Johns & Kelley Jones
  • Tom King, Tony Daniel & Joëlle Jones
  • Scott Snyder & Greg Capullo
  • James Tynion IV & Alvaro Martinez

Die O’Neil-Story soll eine Fortsetzung von „There’s No Hope in Crime Alley“ (Detective Comics #457, 1976) sein, in der die Ärztin Leslie Thompkins ihren ersten Auftritt hatte. Dass Kevin Smith nach Jahren zu Batman zurückkehrt, lässt hoffen, dass er längst angekündigte Trilogie, die mit Cacophony und The Widening Gyre begann, bald endlich abschließt (auch wenn die beiden ersten Teile nicht überzeugt haben).

DC hat auch einige Variant-Cover veröffentlicht: Abgesehen von den üblichen Verdächtigen wie Frank Miller, Tim Sale, Jock und Greg Capullo haben einige Künstler Reminiszenzen an die Batmen früherer Epochen gezeichnet: Bruce Timm verneigt sich mit einer Hommage an Jerry Robinson, Steve Rude hat ein prächtiges Cover zu Batmans Anfangszeit gemalt, Michael Cho versammelt die kuriosesten Batman-Kostüme des Silver Age, auch Urgesteine wie Jim Steranko und Bernie Wrightson tragen Variants im Oldschool-Stil bei.

Zu Detective Comics #1000 soll auch der Sammelband Detective Comics: 80 Years of Batman mit Reprints vieler klassischer Ausgaben erscheinen.

Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 3)

Titel: Tales of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Michael Golden, Don Newton

Erschienen: 1978-1980 (DC Special Series #15, Detective Comics #485, 489, 490), Paperback 1991


Was bisher geschah: Ra’s al Ghul will Batman zu seinem Nachfolger machen und mit seiner Tochter Talia verheiraten (Tales of the Demon, Teil 1). Nachdem die ersten Versuche scheiterten und Ra’s ins Gefängnis kam, hat Ra’s einen Mord an Talia und ihm selbst inszeniert und Batman als Schuldigen dastehen lassen (siehe Detective Comics #444-448). Ra’s kam als falsche Leiche frei. Batman und Talia lieben immer noch einander, aber das ist zum Scheitern verurteilt.

Was jetzt geschieht: Ra’s al Ghul entführt Batman und erklärt ihn und Talia zu Mann und Frau. Dass Batman nicht einwilligt, spielt keine Rolle. In seiner Kultur, sagt Ra’s, reiche die Zustimmung der Braut und ihres Vaters. (Ich frage mich, in welcher Kultur das irgendwie praktikabel sein kann, aber sei’s drum.) Auch wenn Talia für ihn alles ist, was eine Frau sein soll (schön, intelligent, loyal), kann Batman diese Ehe nicht ernst nehmen.

Aber das Unfassbare geschieht in der Hochzeitsnacht: Batman schlägt Talia bewusstlos. Einfach so. Mit der Faust ins Gesicht. Dass er dabei um Verzeihung bittet, macht es kein bisschen besser. Batman schlägt seine Geliebte! Und das im Jahr 1978 – dagegen ist sein „Quiet or papa spank“ gegenüber Catwoman (Batman #1, 1940) harmlos.

Batman schlägt Talia K.O.

Allerdings ist unsere Talia nicht nachtragend. Nachdem Batman Ra’s an einem Diamantenraub gehindert hat, bewahrt sie Batman vor einer tödlichen Kugel und widersetzt sich ihrem Vater und gibt Batman den obligatorischen Abschiedskuss, als wäre nichts gewesen. Und tatsächlich sieht man nicht einmal einen blauen Fleck in ihrem Gesicht. Übrigens trägt sie in dieser Szene nur einen Bikini – warum auch immer. Beziehungsstatus: It’s complicated …

In den restlichen drei Kapiteln (Detective Comics #485, 489, 490) geht es dann weniger um Ra’s al Ghul als um die League of Assassins und ihren Anführer Sensei. Die ehemalige Batwoman Kathy Kane, die jetzt einen Zirkus betreibt, wird von den Attentätern ermordet. Da erscheint Ra’s am Tatort und Batman vermutet, dass er Kathy gegenüber Sensei als Bedrohung dargestellt hat. Klar ist nur: Ra’s versucht, totale Kontrolle über die League zu bekommen.

Ohne auch nur kurz um seine einstige Gefährtin zu trauern oder ein Wort in Gedenken über sie zu verlieren, jagt Batman den Attentäter: Bronze Tiger, einen Martial Arts-Meister mit Tigermaske. Als Batman ihn im Duell fast besiegt, will Sensei ihn umbringen lassen, der Tiger protestiert, dann will Sensei auch ihn töten lassen und Batman muss ihm das Leben retten.

Schließlich plant Sensei, Religionsvertreter bei einem Friedenstreffen zu töten. Wie es sich für Terroristen gehört, geht er nicht den einfachsten Weg, sondern will das Haus mit einem Erdbeben zum Einsturz bringen. Ein Geologe soll ihm dabei helfen. Und dann wird es absurd: Auf der Flucht vor den Bösen platzt der Geologe in ein Bingo-Spiel rein und zerstört auf der Nummernanzeige zwei Zahlen. Der Vorfall steht dann in der Zeitung, Alfred liest Bruce den Artikel vor und dann schließt Bruce, dass der Mann ihm damit einen Ort auf der Karte vermitteln wollte. Er hätte auch einfach die Polizei anrufen können. Aber wie gut, dass Alfred so aufmerksam die Panorama-Seiten liest und Batman Gedanken von Wirrköpfen lesen kann …

Noch absurder endet eine Verfolgungsjagd auf einem Rummelplatz: Ein Attentäter entführt den Geologen und fährt mit ihm erstmal Achterbahn. Vielleicht hätte jemand dem Mann mal sagen sollen, dass er damit nicht weit kommt, aber Batman hat natürlich wieder mal eine halsbrecherische Herausforderung zu meistern. Er hätte allerdings einfach warten können, bis der Wagen wieder am Ausgangspunkt zurück ist.

Batmans Spoiler-Warnung

Und als man denkt, es geht nicht mehr blöder, legt Dennis O’Neil noch einen drauf: Als sich Batman mit dem Batgyro dem Versammlungsort der Religionsvertreter nähert, ordnet James Gordon ohne zu zögern an, auf ihn zu schießen. Batman stürzt ab. Als er kurz darauf Gordon trifft, scheint er allerdings nicht nachtragend zu sein. Allerdings scheint Gordon seinem Freund auch dann nicht zu vertrauen, als dieser ihn vor den kommenden Gefahren warnt. Batman wird ziemlich sauer. Sensei nutzt die Chance und haut ab.

Als am Ende Ra’s auftaucht, ist immer noch nicht klar, ob er mit dem Mord an Kathy Kane zu tun hat. Batman will ihn festnehmen, aber da schießt ihm Talia einen Betäubungspfeil in den Rücken. Später wacht er bei ihr in einem idyllischen Landhaus auf und alles scheint vergeben und vergessen. (Vielleicht weil er noch Gewissensbisse wegen des Schlags hat?) Von Talia überredet gönnt sich Batman mal einen Tag Ruhe. Was das bedeutet, bleibt der Fantasie der Leser überlassen.

Damit enden die Tales of the Demon so unbefriedigend wie unüberzeugend. Abgesehen von der fragwürdigen Handlung erschließt sich nicht, was Batman, der sonst so Unbestechliche, an Talia findet. Er weiß nichts über sie, außer dass sie ihn mehrfach belogen und hintergangen hat, sie ist alles andere als loyal, sondern extrem sprunghaft, aber im Zweifel dem Vater ergeben. Kurz: Wenn sie keine Verbrecherin ist, ist sie zumindest eine Helferin. So eine Beziehung ist toxisch. Batman fällt hier mehr aus der Rolle als er es bei Catwoman und anderen Frauen getan hat. Das muss wohl wahre Liebe sein …

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 2)

 

Titel: Bat-Murderer/Break-In At The Big House/Slaughter in Silver/Enter: The Creeper/Bedlam Beneath the Big Top

Autor/Zeichner: Len Wein/Jim Aparo, Ernie Chan

Erschienen: 1975 (Detective Comics #444-448), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein)


„The Batman has gone stark, raving mad!“

Was bisher geschah: Der mysteriöse Ra’s al Ghul hat herausgefunden, dass Batman Bruce Wayne ist (Tales of the Demon, Teil 1). Er hat ihn mit einer fingierten Entführung seiner Tochter Talia und von Robin getestet, um ihn zu seinem Wunschnachfolger und Schwiegersohn zu erklären. Daraus wurde nichts. Batman durchschaute, dass Ra’s nichts Gutes vorhat und hat ihn im Duell zur Strecke gebracht.

Was jetzt geschieht: Als Batman eine neue Bande an einem Juwelenraub hindern will, entpuppt sich zuerst die Anführerin als Talia al Ghul, Tochter von Ra’s al Ghul. Und als Batman sie festhalten will, wirft sie ihm seine Pistole zu und flieht. Er hält sie auf, indem er ihr in den Rücken schießt. Talia stirbt und die Polizei will Batman wegen Mordes festnehmen.

Moment mal: Wie kann das sein? Aber die Beweislage ist eindeutig: Batman hat auf Talia gezielt und sie erschossen. Doch Batman beteuert seine Unschuld: Jemand habe ihn da reingeritten. Er flieht vor der Polizei und sucht im Knast Ra’s al Ghul auf. Doch kaum spricht er ihn an, erschießt dieser sich selbst. Jetzt wird Batman wegen zweier Morde gejagt. Was ist hier los?

Nach einem Intermezzo um einen Silber-Schmuggler, das nichts mit der Handlung zu tun hat (Detective Comics #446), trifft Batman auf den Creeper, der ihn zuerst dingfest zu machen versucht und dann mit ihm gegen Löwen kämpft. Als Batman das Grab von Ra’s al Ghul öffnet, ist es zunächst leer und als die Polizei eintrifft, scheint doch eine Leiche darin zu liegen.

Schließlich führt die Spur zu einem Zirkus. Doch der ist nur Fassade des Schurken. Ra’s tarnt sich als Strongmen-Zwerg, Talia als Schlangenbeschwörerin (und damit auch als verführerische Eva). Mir ist nicht klar, was der ganze Aufwand soll, aber am Ende kommt alles so, wie man es sich längst gedacht hat: Ra’s hat das alles sehr aufwendig (und überkompliziert) inszeniert, damit Batman zum gesuchten Verbrecher wird und sich, da ihm keine andere Wahl bleibt, dem Schurken anschließt. Batman sagt natürlich nein, er prügelt sich, der Zirkus geht in Flammen auf, Ra’s verschwindet.

Am Ende meint Talia, Batman dürfe sich geehrt fühlen: „You are honored, beloved! My father would go to such extremes for no other man!“ Doch Batman ist angewidert. Spätestens hier müsste er merken, dass Talia keine Frau für ihn ist. Aber schon bei ihrem ersten Wiedersehen können sie nicht die Finger voneinander lassen – es ist zum Verzweifeln …

Diese Geschichte fehlt leider in dem Sammelband Tales of the Demon. Zugegeben: Sie hat ihre Schwächen, aber nicht mehr als die anderen. Dabei ist sie zumindest wichtig, um zu erfahren, wie Ra’s al Ghul aus dem Gefägnis gekommen ist. Aber leider lässt eine vollständige Ausgabe dieser Comics aus den 70ern noch auf sich warten. So klafft eine Lücke.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics