Monat: Februar 2018

Justiz mit dem Holzhammer

Richter mit Hammer

Titel: Judgment Day (dt. Der Richter)

Drehbuch: Rich Fogel, Alan Burnett

Erschienen: 1999 (The New Batman Adventures S01E24)


„Ich bin das Gesetz.“ (Der Richter)

Die letzte Folge von Batman: The Animated Series (bzw. The New Batman Adventures, wie die dritte Staffel heißt) führt einen neuen Gegner ein: den Richter. Ein gesichtsloser Unbekannter mit weißer Perücke und schwarzer Robe, der andere Schurken zur Rechenschaft zieht. Der Pinguin bekommt das Schwert zu spüren, Killer Croc den Hammer, Two-Face wird zum Erstickungstod verurteilt. Zwei Mal kann Batman das Schlimmste verhindern.

Richter mit Schwert

Der Richter hat Batmans Talent, aus dem Nichts aufzutauchen (auch auf einem fahrenden Auto) und eben dorthin wieder zu verschwinden (auch von einem Brückenpfeiler aus), er bekommt das Wohlwollen eines Staatsanwalts, der die lasche Gesetzgebung kritisiert, aber konsequent ist der Vigilant nicht. Denn keiner der Verurteilten wird hingerichtet. Auch wenn Batman nicht eingreift: Der Pinguin landet nur im Krankenhaus, ähnlich glimpflich kommt der Riddler davon. Na gut, wir haben es immer noch mit einer Kinderserie zu tun. Und auch im Comic dürfen die Erzschurken nicht draufgehen – man braucht sie noch.

Die Auflösung liegt nahe, ist aber gelungen, denn hier wird ein tragischer Charakter konsequent weiterentwickelt. Da macht es auch nichts aus, dass das Richter-Konzept stark an das Phantom aus dem ersten BTAS-Film, Mask of the Phantasm, erinnert.

Two-Face in Arkham

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Knightfall #4: Das zweite Vorspiel

Bevor wir endlich zum eigentlichen Knightfall-Epos kommen, schauen wir uns noch zwei Vorgeschichten an, die in Detective Comics #654-658 (1992 – 1993) erzählt werden. Auch diese waren bisher nicht im Paperback gesammelt worden und sind erstmals im Knightfall Omnibus Vol. 1 enthalten (einzeln kann man sie auch digital bei Comixology bekommen). (UPDATE: Diese Kapitel sollen im September 2018 im US-Paperback Prelude to Knightfall erscheinen.)

Die ersten drei Ausgaben handeln von Ulysses Hadrian Armstrong, einem Jungen, der aus einer Militärakademie ausbricht, um einen Bandenkrieg in Gotham zu starten. Ulysses wird von seinen Mitschülern geschlagen, Trost findet er in Büchern über Kriegsstrategien und nachdem er alles gelesen hat, fackelt er die Bibliothek samt Schule ab. Im Gotham arbeitet er sich in einer Gang hoch, indem er sie an Waffen kommen lässt, lässt sich „General“ nennen und übernimmt andere Gangs – dabei geht er über Leichen. Schließlich stürmt er das Polizeipräsidium, um an noch mehr Waffen und an Drogen zu kommen.

Batman hat mit dem Jungen leichtes Spiel. Dennoch bricht er nach dem Einsatz erschöpft zusammen. Alfred zwingt ihn dazu, mehr Zeit als Bruce Wayne zu verbringen, aber auch da gibt es wieder etwas zu tun: er muss sich gegen Industriespionage wehren. Erst brechen Diebe bei Waynecorp ein, dann wird Lucius Fox von einem Mann (Cypher) bedroht, der ihn mit Psycho-Manipulation in den Suizid treiben will. Bruce Wayne muss wieder Batman werden, aber wie gut, dass Robin und Azrael ihm helfen.

Gegenüber den Batman-Ausgaben, die den ersten Teil des Vorspiels bilden, bleiben die Detective-Kapitel entbehrlich. Zwar ist die erste Story um den jungen General spannend erzählt, es geht ziemlich brutal zur Sache und es gibt auch ein zynisches wie verstörendes Ende. Aber weder diese noch die andere Story fügen der Rahmenhandlung etwas Wesentliches hinzu. Batmans Burnout ist nur am Rande Thema, im Grunde ist er hier noch ziemlich handlungsfähig. Es wirkt eher so, als hätte Lucius Fox wieder Urlaub nötig: Nach der Entführung durch Black Mask ist es das zweite Mal kurz hintereinander, dass er einem Verbrecher zum Opfer fällt.

Azrael erweist sich in Finale zwar als Retter in letzter Sekunde, aber auch als unberechenbarer Psycho, der Batman nicht gehorcht und Einbrecher mit einer Kettensäge traktieren möchte. Wir sehen auch kurz Bane, der Batman aus sicherer Entfernung beobachten lässt und beschließt, dass jetzt Schluss mit lustig ist. Davon später mehr.

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Per Zufall nach Krypton

DC Comics

Titel: Superman’s Return to Krypton

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Wayne Boring

Erschienen: 1960 (Superman #141), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„… it all seems like a strange, incredible dream!“ (Superman)

Krypton ist Geschichte, zerstört, erledigt. Nur noch eine Erinnerung. Aber es ist einfach zu verlockend, es auf sich beruhen zu lassen. Also gibt es Rückblenden. Immer wieder dieses Bild: die Rakete, die von einem explodierenden Planeten startet, um den letzten Überlebenden auf die Erde zu retten. Superman durfte es mal selbst mitansehen. Aber er war unsichtbar und konnte nichts ausrichten. Jahre später reiste er wirklich zurück. Und die Story liest sich so surreal wie eine Kette von Träumen – oder wie ein wilder Trip auf Halluzinogenen.

Superman erforscht im All ein außerirdisches Wesen, das so groß und rund ist wie ein Planet, aber ausgestattet mit Extremitäten und einem Rüssel. Als der Mann aus Stahl dem Alien folgt, durchbricht er aus Versehen die Zeitbarriere, reist in die Vergangenheit und landet auf Krypton. Die rote Sonne raubt ihm die Kräfte. Bald darauf findet er sich auf dem Set eines Science-Fiction-Films wieder und wird wegen seines Kostüms für einen Schauspieler gehalten. Dass er weder im Drehbuch noch im Drehplan steht, scheint niemanden zu kümmern. Superman spielt einfach mit. Der Film ist aber so realistisch, dass ein echtes Raumschiff verwendet wird …

Ähnlich abgedreht geht es immer weiter. Aber zum Kern der Story: Superman trifft seine Eltern. Und er verliebt sich in eine Schauspielerin, die – wie Superman es schon vermutet – die Initialen L.L. trägt: Lyla Lerrol. Superman verliebt sich so sehr in sie, dass für ihn das Universum erst jetzt Sinn ergibt, er will sie sogar heiraten und mit ihr auf dem todgeweihten Planeten sterben. Aber das alles nur so lange, bis sich für den Zeitreisenden eine Gelegenheit bietet, sich zu verdrücken und zur Erde der Gegenwart zurückzukehren. Das geht dann auch so schnell und unemotional wie die Ankunft …

Krypton entfaltet sich als surreale Kulisse: Wir sehen ein Tal der Regenbogen, Juwelenberge, Goldvulkane, doppelköpfige Löwen-Paarhufer, Künstler, die Bilder mit Gedankenkraft herstellen. Superman lernt im Schlaf, wie man Raketen konstruiert, baut einen Roboter, der Stahl verbiegen kann, und verhilft mit einem Gewehrschuss durchs All seinen künftigen Zieheltern dazu, zusammenzukommen. (Als wären sie es sonst nicht.)Erst dann stellt sich die Frage für Superman, ob er das Schicksal ändern kann. Kann er nicht. Versucht es trotzdem. Aber dann kommt Brainiac dazwischen, der Kandor klaut. Und noch eine Verkettung weiterer, absurder Zufälle, die ihn zurückbringen.

Puh … was für ein Trip! Superman kommt es vor wie ein Traum. Und da alle Handlung ohne Wirkung bleibt, war es am Ende wohl auch nicht mehr als das.

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Justice League: Jetzt mal ehrlich

Die größten Superhelden in einem Film.? Das kann funktionieren, wie Joss Whedon mit den Avengers gezeigt hat. Bei Justice League durfte er lediglich einen weiteren Zack Snyder-Film vor einer Vollkatastrophe bewahren. Über DC-Filme wurde schon genug geschimpft und spekuliert, was schief gelaufen ist. Fans wollen einen „Snyder-Cut“, ohne zu wissen, ob der was taugt (wahrscheinlich nicht). Die Screen Junkies haben es dennoch geschafft, mal wieder amüsant zusammenzutragen, was bei Justice League daneben gegangen ist: im neuesten Honest Trailer. Vieles hat man selbst gemerkt, anderes ist überraschend gut beobachtet – und witzig auf den Punkt gebracht.

Two-Face unterm Messer

Harvey Dent soll operiert werden

Titel: Second Chance (dt. Sein schlimmster Feind)

Story/Drehbuch: Paul Dini, Michael Reeves/Gerry Conway

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series, S02E15)


Two-Face ist auf dem Weg der Besserung. Harvey Dent hat seine böse Seite im Griff, jetzt soll er auch eine plastische Chirurgie bekommen. Bruce Wayne zahlt. Doch kaum liegt Harvey unterm Messer, kommen Typen mit Maschinengewehren in den OP und entführen ihn. Batman und Robin verfolgen die Entführer und finden zwei Spuren: Die eine führt zu Rupert Thorne, die andere zum Pinguin. Aber wer ist der Auftraggeber?

Two-Face mit Münze

Die deprimierende Antwort: Harvey Dents schlimmster Feind. Batman zieht allein los, um ihn zu fassen, Robin soll zuhause bleiben, denn es wird persönlich. Batman gerät in Gefangenschaft, Two-Face wirft eine Münze, die auf der Kante stehen bleibt. Immer wieder. Ein alter Trick, den wir schon aus den Comics kennen: Batman hat die Münze ausgetauscht.

Münze auf der Kante

Am Ende kommt es zu einer dramatischen Entscheidung: Two-Face hängt am Abgrund, Batman hält ihn an einer Hand fest, in der anderen hält Two-Face seine falsche Münze fest. Doch Überleben heißt nur Rückkehr nach Arkham. Armer Harvey. Manche wollen einfach nicht gesund werden.

Second Chance ist eine gelungene und tragische Fortsetzung des Zweiteilers Two-Face. Zusammen bilden sie eine Art Trilogie, die man auch als einen Film schauen kann. Die Episode zeigt drastisch die Hoffnungslosigkeit dieser gescheiterten Existenz.

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Knightfall #3: Das erste Vorspiel

Coverausschnitt aus Batman #484 (DC Comics)

Knightfall beginnt nicht erst mit Batmans Kampf gegen Bane. Das Besondere daran ist, dass das unerhörte Ereignis gut vorbereitet wird – und zwar mit langem Vorlauf. Nachdem Azrael (Jean-Paul Valley) und Bane eingeführt wurden, wurde Batman geschwächt. Das geschah zunächst in den Ausgaben Batman #484-490  (1992-1993).

Zu Beginn lässt Black Mask seine Gang an mehreren Orten Feuer legen – ein Rachefeldzug gegen Bruce Wayne, denn Roman Sionis gibt ihm die Schuld dafür, sein Unternehmen verloren zu haben. Batman tut sich schwer damit, ihm auf die Spur zu kommen. Lucius Fox wird entführt. Dann schleust sich Batman undercover in die False Face Society ein. Als Skullface gelingt es ihm, die Gang zu zerschlagen, aber Black Mask entkommt ihm.

DC Comics

Batman sieht sich gescheitert, was ihn noch mehr runterzieht. Er hat schon während des Falls Ermüdungserscheinungen gezeigt, hat kaum geschlafen und sich zur Höchstleistung angetrieben. Im Nachgang schont er sich nicht, sondern versucht, sein Versagen wiedergutzumachen. Sein Zustand bessert sich nicht, als er es mit einem gestachelten Freak namens Metalhead zu tun bekommt. Dann muss er auch noch ein Attentat auf Commissioner James Gordon verhindern.

Bruce Wayne geht zum Arzt. Dieser versichert ihm, es gehe ihm körperlich gut, nur psychisch nicht. Batman leidet unter einer Art Burnout – all die Strapazen haben ihre Spuren hinterlassen. Schließlich sucht er sich Hilfe bei der Psychiaterin Shondra Kinsolving, die es mit einem ganzheitlichen Ansatz versuchen will: Medikamenten und Gesprächen. Bruce legt sich ins Bett, träumt aber schlecht.

In Batman #489 tritt Bane erstmals öffentlich auf. Zugleich ist es auch das erste Mal, dass Jean-Paul Valley das Batman-Kostüm anzieht, während Bruce Wayne sich auszuruhen versucht. Nach einem ersten Training mit Robin, das er in einem schwarzen Kostüm (mit seltsamen Kopf-Fransen, vgl. Metalhead) absolviert, muss sich der Neuling gegen einen durchdrehenden Killer Croc beweisen. Doch das geht schief, er steckt mächtig Prügel ein. Da erscheint Bane und bricht Croc den Arm. Er besiegt ihn, um seine Würdigkeit zu beweisen. Mehr noch: Bane durchschaut, dass nicht der wahre Batman im Kostüm steckt.

Der wahre Batman kommt eine Ausgabe später wieder (Batman #490), obwohl noch längst nicht fit, und lässt sich auf den Riddler ein. Doch dem wird von Bane die Droge Venom verabreicht. Batman muss zweimal gegen einen „aufgepumpten“ Edward Nigma kämpfen, der mit seinen Aktionen die Stadt zu terrorisieren versucht. Schließlich sind es die Bane-Schergen Bird, Zombie und Trogg, die den Riddler zu Fall bringen, indem sie ihn anschießen.

In Batman #491 schließlich befreien Bane und seine Gang die Arkham-Insassen, was offiziell zwar auch noch zum Vorspiel zählt, aber womit die tatsächliche Handlung von Knightfall einsetzt; daher ist die Ausgabe auch in Band eins des Paperbacks von 2012 enthalten. Die Ausgaben 484 bis 490 sind erstmals gesammelt im Knightfall Omnibus Vol. 1 enthalten. (UPDATE: Diese Kapitel sollen im September 2018 im US-Paperback Prelude to Knightfall erscheinen.) Und man sollte sie unbedingt lesen, wenn man die ganze Story erfassen will. Denn sie zeigen nicht nur, dass Batman schon vor Banes Intervention psychisch zusammenbricht, sondern sie führen auch wichtige Figuren wie Dr. Kinsolving ein und erklären, wie Killer Croc zu seinem gebrochenem Arm kam und wie sich Bane in Batmans Leben einschleicht.

Wer noch früher ansetzen will, sollte auch Batman #386, Detective Comics #553 und Batman #387 lesen (in dieser Reihenfolge) – darin wird nämlich Black Mask eingeführt.

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Wie Black Mask in die Welt kam

Titel: Black Mask: Losing Face/The False Face Society of Gotham/Ebon Masquery

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Klaus Janson

Erschienen: 1985 (Batman #386, Detective Comics #553, Batman #387)


„Know that the mask destroys one identity while creating another. Know that the mask recreates its wearer.“ (Black Mask)

Batman ist auch eine Geschichte über Identitäten, über Gesichter und Masken. Batmans wahre Identität ist zwar Bruce Wayne, aber nur an der Oberfläche. In Wahrheit ist Wayne nur eine Maske, während die Batman-Maske sein wahres Gesicht ist. Und dennoch bedeckt seine Maske nur das halbe Gesicht, seine Mundpartie bleibt (meist) frei. Wir haben es also nur mit einer halben Maske zu tun. Batman ist eben nur zur Hälfte Fledermaus. Und damit ist er so gespalten wie Two-Face – und nicht mehr als ein Zerrbild wie Joker oder Clayface.

1985 kam ein neuer Schurke auf, der diese Masken-Thematik neu aufgriff: Black Mask (Roman Sionis). Erzählt wird seine Geschichte ganz altmodisch, nämlich von Anfang an, wie etwa bei Scarecrow. Es beginnt damit, dass Roman Sionis gleich nach der Geburt fallengelassen wird. Nur ein Versehen macht den Tag der Geburt gleich zum einem fatalen Datum, das sein restliches Leben bestimmt. Denn Roman wird ein Kind, das nie Gefühle zeigt, sondern bloß falsche Gesichter aufsetzt, um so zu tun als ob.

Dabei hat Roman sonst alles, was er braucht, denn seinen Eltern gehört der Kosmetikhersteller Janus. Als Erwachsener verliebt er sich in das Model Circe und stellt es ein, doch als seine Eltern gegen die Verbindung sind, ermordet er sie durch Brandstiftung. Er übernimmt das Unternehmen und richtet es mit iditotischen Entscheidungen zugrunde. Nachdem es wegen eines gesichtsschädigenden Make-ups vielfach verklagt wird, übernimmt Wayne Enterprises Janus.

Der verbitterte Roman Sionis schnitzt sich in der Familiengruft eine schwarze Maske aus dem Ebenholz-Sarg seines Vaters, macht ein paar Gauner zu seiner maskentragenden False Face Society und geht auf Rachefeldzug. Seine ehemaligen Vorstandskollegen werden mit Masken getötet, die mit dem zerstörerischen Make-up bestrichen sind, dann müssen auch die amtierenden Vorstandsmitglieder dran glauben. Black Mask entstellt Circe. Schließlich soll auch Bruce Wayne sterben – Sionis kannte ihn schon als Kind.

Batman lockt ihn in eine Falle, indem er ihn als Bruce Wayne zu einem Maskenball einlädt. Am Ende, nachdem Roman seine Kuscheltiere abfackelt, brennt sich die Maske in sein Gesicht – und Black Mask ist fürs Leben entstellt.

Black Mask hat eine Ideologie: die Maske dient als Mittel zur Reinkarnation. Sie zerstört die alte Identität und erschafft eine neue. Autor Doug Moench lässt sich viel Zeit, um seine Motivation zu erklären, eine ganze Ausgabe lang wird die tragische Vorgeschichte ausgebreitet. Aber wie so oft übertreibt er maßlos, wenn der junge Roman zum Beispiel inspiriert wird von einem Waschbär – weil der scheinbar eine Maske trägt. Dieses Waschbär-Motiv zieht sich durch die ganze Geschichte und wird damit überzogen, weil es schon am Anfang zu bemüht wirkt.

Bei aller Liebe zur Exposition – die Story erschöpft sich leider darin. Es folgt eine Reihe von Grausamkeiten, aber Empathie verspürt man bei diesem Rachefeldzug nicht für den Schurken. Denn er rächt sich für etwas, das er selbst zu verantworten hat. Roman Sionis ist ein unsympathischer Irrer, der sich bloß von seinen emotionalen Kurzschlüssen leiten lässt und das macht sein Verhalten schwer nachvollziehbar. Sein Ende kommt abrupt, denn er ist nicht einmal ein besonders gewiefter Gegner für Batman. Interessanter wird Black Mask erst später: im Vorspiel zu Knightfall, in War Games und Under the (Red) Hood.

Superman und der Flaschensammler

DC Comics

Titel: The Super-Duel in Space!

Autor/Zeichner: Otto Binder/Al Plastino

Erschienen: 1958 (Action Comics #242), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


Brainiac gehört neben Lex Luthor zu Supermans Erzschurken. Ihr erstes Aufeinandertreffen stellte Superman bereits vor eine große Herausforderung und involvierte ihn auch stark persönlich.

Wie immer beginnt es damit, dass Lois und Clark gemeinsam unterwegs sind. Diesmal dürfen sie mit einem neuen Raumschiff mitfliegen. Kaum im All, kommt schon eine fliegende Untertasse, die sie beschießt. Clark pflegt wieder sein Image als Feigling und haut in einem Raumanzug ab, kurz darauf erscheint Superman und rettet das Raumschiff vor den Strahlen.

Aber das Alien Brainiac hat ohnehin Besseres zu tun: Städte klauen. Zuerst Paris, dann Rom, New York und so weiter. Alle großen Städte werden verkleinert und auf dem Raumschiff in großen Flaschen verstaut. Brainiac entführt die Menschen, weil seine Spezies durch eine Seuche ausgerottet wurde und er seinen Planeten wieder besiedeln will.  Warum er nicht einfach auf der Erde um Asyl bittet, bleibt unklar. Oder vielmehr glasklar: Sonst gäbe es die Geschichte nicht und Superman wäre um einen Schurken ärmer.

Als Brainiac sich im All kurz die Füße vertritt, greift Superman an – aber vergebens, denn Brainiac hat einen undurchdringlichen Schutzschild. Auch sein Raumschiff bleibt unbeschädigt, obwohl Superman so ziemlich alles danach wirft, was im All herumtreibt. Dann hat er die Idee: Er kehrt nach Metropolis zurück, lässt sich mit der Stadt verkleinern und an Bord des Schiffes holen.

Der kleine Superman bricht aus, versteckt sich in einer anderen Flasche und stellt fest, dass er in Kandor ist – der ehemaligen Hauptstadt seines Heimatplaneten Krypton. Dank eines Wissenschaftlers und eines metallfressenden Riesenmaulwurfs entkommt er und während Brainiac schläft, bringt Superman die Städte wieder zurück auf Normalgröße und auf die Erde.

Am Ende steht er vor der Entscheidung, entweder sich selbst oder Kandor wieder groß zu machen, aber der Wissenschaftler nimmt ihm die Entscheidung ab und Kandor bleibt klein. Superman bringt die Flaschenstadt in seine Festung der Einsamkeit. Die Wiederherstellung wird vertagt. Und der Superman-Mythos ist nicht nur um einen Schurken reicher, sondern auch um das wichtigste Souvenir.

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Batman auf der Anklagebank

Joker als Richter

Titel: Trial (dt. Der Prozess)

Drehbuch/Story: Paul Dini, Bruce Timm

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series S02E03)


„Ich persönlich war ja mehr für einen Schuss zwischen die Augen, verlor aber beim Münzenwerfen.“ (Two-Face)

Die neue Bezirksstaatsanwältin, Janet Van Dorn, ist kein großer Fan von Batman. Sie will ihn aufhalten. Doch bevor es dazu kommen kann, wird sie von den Schurken nach Arkham entführt. Dort haben die Irren die Anstalt übernommen und halten einen Schauprozess über Batman ab. Joker als Richter, Two-Face als Staatsanwalt, die restliche Rogues Gallery als Geschworene. Van Dorn soll ihn verteidigen. Sie spielt mit – auch wenn das Spiel keinen Sinn ergibt, weil die Verrückten ohnehin tun, was sie wollen.

Verteidigung und Geschworene

Die Anklage: Batman hat Joker und Co. zu dem gemacht, was sie sind. Van Dorn kann das zwar widerlegen, die Geschworenen sprechen Batman frei – und trotzdem wird er verurteilt. Bevor er hingerichtet wird, soll er demaskiert werden, aber da erweist sich die Verteidigerin als Retterin in der Not.

Demaskierung vor der Hinrichtung

Die Episode hat einige witzige Situationen und starke Momente. Aber die größte Stärke dieser Folge besteht nicht nur im Spaßfaktor völligen Irrsinns und in dem All-Star-Ensemble der Schurken, sondern auch, dass die Figuren sehr kritisch hinterfragt werden – genauso wie Batman selbst. Dass am Ende nicht nur Van Dorn, sondern auch Batman für eine Stadt ohne Batman kämpfen wollen, ist ein perfekter Abschluss: Batman ist die Verneinung seiner selbst. Er ist da, um sich überflüssig zu machen.

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Knightfall #2: Sword of Azrael

DC Comics

Knightfall dreht sich um drei zentrale Figuren: Den Helden Batman (Bruce Wayne), den Schurken Bane und Batmans Nachfolger, Jean-Paul Valley. Die Figur wird noch vor Bane eingeführt: in der vierteiligen Mini-Serie Sword of Azrael (1992-1993).

Azrael ist zunächst ein Typ in einer aufgemotzten Ritterrüstung, der mit brennendem Schwert das Werk eines Racheengels auszuführen versucht. Als Anhänger eines mysteriösen Geheimbundes ehemaliger Kreuzritter (St. Dumas) will er den Verräter Carlton LeHah bestrafen, doch stirbt selbst dabei. Er kann sich gerade noch zu seinem Sohn schleppen, Jean-Paul Valley, und ihm noch genug sagen, um sein Erbe anzutreten. Jean-Paul fliegt in die Schweiz und erfährt, dass er schon als Kind indoktriniert wurde, um ein neuer Racheengel zu werden. Batman reist hinterher, Carlton LeHah hat dreht durch, hält sich für einen Diener des Dämons Biis und beginnt damit, ein Ordensmitglied nach dem anderen zu töten.

Der neue Azrael kämpft zwar zunächst gegen Batman, dann aber verbünden sie sich, um LeHah aufzuhalten – bis Batman vom Schurken entführt wird, um Bruce Wayne von seinem Vermögen zu erleichtern. Er wird gefoltert und unter Drogen gesetzt, aber Batman bleibt bis zuletzt hart. Schon vorher tritt Batman großkotzig auf, haut einen markigen Spruch nach dem anderen raus. Damit fällt er zwar etwas aus der Rolle, aber immerhin sorgt er für ein paar Schmunzler.

Jean-Paul Valley ist ein verwirrter junger Mann, der zunächst nicht weiß, wie ihm geschieht, dann eine wundersame Wandlung zum willenlosen Racheengel macht, sobald er seine Maske überzieht, und sich rücksichtslos nur um Rache kümmert. Am Ende aber gewinnt doch seine menschliche Seite und er rettet Batman.

Dennis O’Neil erzählt eine rasante, actionreiche und spannende Geschichte, Zeichner Joe Quesada inszeniert die Story mit einem präzisen Stil und ausdrucksstarken Figuren. Um die Figur Azrael/Jean-Paul Valley besser zu verstehen, sollte man dieses Vorspiel zu Knightfall nicht auslassen. Nach der Lektüre bleiben nur zwei Fragen offen: Wozu braucht Azrael ein Feuerschwert und was sind das für seltsame Streifen, die von seinen Schultern abstehen? Wahrscheinlich gibt es dafür nur eine Antwort: Weil es cool aussieht.

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