Monat: Mai 2017

Die schrillen Zwei auf Achse

DC Comics

Titel: All-Star Batman Vol. 1 – My Own Worst Enemy (dt. Mein schlimmster Feind)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/John Romita Jr., Declan Shalvey

Erschienen: 2016 (All-Star Batman #1-5), Hardcover 2017; dt. Panini 2017 (Paperback)


„There will be a mess.“

Nachdem Two-Face einen Säureregen über Gotham niedergehen ließ, offenbart sein gutes Ich, Harvey Dent, dass er an einer dauerhaften Lösung für das Problem arbeite: Er will Two-Face mit einer chemischen Kur beseitigen. Batman packt den Schurken ein und macht sich im Flieger zu dem Ort auf – doch dann wird er abgeschossen. Weil Two-Face ein Kopfgeld auf Batman ausgesetzt hat, sind jetzt alle hinter ihm her – Schurken wie Zivilisten. Und dann schicken Pinguin, Black Mask und Great White (Shark) auch noch einen alten Bekannten ins Spiel: The Beast, ehemals KGBeast.

Scott Snyders erste All-Star Batman-Storyline ist ein Road Movie, in dem fast jedes denkbare Transportmittel bemüht wird, es steckt voller erst-, zweit- und drittklassiger Schurken, voller Waffen von der Kettensäge bis zur Machete, und demnach auch voller Gemetzel. Und dann bricht auch noch die Polizei in Wayne Manor ein, um die Bathöhle zu suchen. Auch die immer noch die namenlose gelbe Bat-Aushilfe Duke darf mitspielen. (Der bekommt am Ende des Bandes noch ein kleines Extra-Abenteuer.) Als wäre das noch nicht genug, dichtet Snyder dem jungen Bruce Wayne noch eine gemeinsame Vergangenheit mit Harvey Dent an. (Armer Bruce: Hat der Junge mit dem Tod seiner Eltern und der Suche nach dem Rat der Eulen nicht schon genug durchmachen müssen?)

Snyder zieht also mal wieder alle denkbaren Register. Das sorgt zwar für viel Abwechslung, aber führt auch zu Ermüdungserscheinungen. Denn natürlich muss es auch um den alten Widerstreit der gespaltenen Persönlichkeiten gehen. Doch das eigentliche Thema bleibt zuweilen auf der Strecke. Bei dem schnell ausgetauschten Kanonenfutter an Schurken hat man selten den Eindruck, dass es sich wirklich um eine Two-Face-Story handelt. Immerhin ist die Wendung am Ende interessant ausgefallen, wenn auch die Idee von Two-Face, von jedem Menschen die stärkere Seite hervorzubringen, nicht ganz neu ist (siehe Jekyll & Hyde).

Eigentlich kann man sich kaum beschweren: My Own Worst Enemy ist ein knallbuntes, wildes Spektakel.  Aber es leidet, wie andere Snyder-Storys, an dem alten Problem: es wirkt überladen. Es passiert so viel, dass man fast vergessen könnte, dass hier nichts von Substanz passiert. Snyder hat zwar viele Ideen. Leider sticht keine davon besonders heraus. Da erscheint es nur passend, dass gerade Zeichner John Romita Jr. (The Last Crusade) das Ganze inszeniert – klobig und brachial.

Mehr von Scott Snyder:

>> Liste der Two-Face-Comics

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Batman and Harley Quinn: Der erste Trailer

Batman and Harley Quinn, der nächste Animationsfilm im Stil der Animated Series, soll in Deutschland am 7. September 2017 erscheinen. (In den USA schon am 15. August in digitaler Form, am 29. August als DVD und Blu-ray.) Der erste Trailer verrät, worum es geht: Poison Ivy will die Menschheit vernichten, Batman und Nightwing bitten Harley Quinn um Hilfe, die sich aus dem Schurkendasein zurückgezogen hat.

Warner Bros.

In diesem Featurette erzählen die Macher von der Entstehung des Films:

(Dieser Artikel wurde am 1.6.2017 aktualisiert.)

Batman und die Gerechtigkeit

Wie gerechtfertigt ist Batmans Selbstjustiz? Dieses Video von Wisecrack geht der Frage philosophisch nach. In einer 8-Bit-Ästhetik wird erklärt, warum Batman keine Selbstjustiz betreibt, sondern im allgemeinen Interesse handelt.

Phantom der Seifenoper

DC Comics

Titel: Masque

Autor/Zeichner: Mike Grell

Erschienen: 1997 (One-shot)


Die Elseworlds-Mode der 90er trieb seltsame Blüten. Einerseits befreite es die Autoren von dem Korsett der Kontinuität, andererseits zwängten sich manche in andere, noch viel engere Korsette, die ihrem Helden geradezu den Atem nahmen. Literatur-Adaptionen wie Batman als Frankenstein wirken so bemüht, weil sie nicht aufgehen. In Masque muss Das Phantom der Oper dran glauben. Der Roman von Gaston Leroux wird allerdings so sehr durch den Fleischwolf gedreht, dass davon kaum etwas übrig bleibt.

Die Geschichte spielt im Gotham der Jahrhundertwende. Das Phantom der Oper ist hier im Ballett unterwegs, die Rolle wird – wem sonst – Two-Face aufgedrückt. Aber der geheimnisvolle Maskenträger, der sich in die schöne Protagonistin verliebt, ist Bruce Wayne alias Batman. Die Enthüllung des Schurken ist so unspektakulär, wie man sich denken kann, nicht einmal beim Finale hat man sich irgendetwas halbwegs Interessantes einfallen lassen. Das alles plätschert so belanglos und lächerlich pathetisch daher wie eine Seifenoper.

Weil Autor und Zeichner Mike Grell nichts zu erzählen hat, füllt er die Seiten so dreist wie möglich: mit lauter ganzseitigen Panels, die oft sogar Doppelseiten füllen. Eigentlich muss man schon vom Cover gewarnt sein, das ist nämlich nichts als grässlicher Kitsch auf dem Niveau eines Groschenromans.

Stehlen für die gute Sache

DC Comics

Titel: The Golden Streets of Gotham

Autor/Zeichner: Jen Van Meter/Cliff Chiang, Tommy Lee Edwards

Erschienen: 2003 (One-shot)


Gotham im Jahr 1910. Arbeiter werden in Fabriken ausgebeutet. Selina Kyle führt, maskiert als Katze, den Widerstand an. Der Einwanderersohn Bruno Vanekow kehrt aus dem Wilden Westen in die Stadt zurück und muss feststellen, dass seine Eltern bei einem Brand in einer Fabrik umgekommen sind. Um Rache an dem Besitzer zu nehmen, der das Feuer verursacht hat, wird er zum Rächer: maskiert als Fledermaus raubt er ihn und andere Bonzen aus, um den Erlös den Armen zu geben. Doch als ein Frauenmörder umhergeht, wird Batman verdächtigt.

Batman als Robin Hood des frühen 20. Jahrhunderts. Kann das gutgehen? Naja, es könnte. Aber hier klappt das nicht besonders gut. Denn die Story gibt sich so sehr Mühe, den Zeitgeist einzufangen und den Arbeitskampf darzustellen, dass der Held zur Nebensache wird. Das Finale wird verschenkt, es kommt auf 64 Seiten null Spannung auf. Und dass das Ganze auch noch von einem 99 Jahre alten Dick Grayson im Altenheim erzählt wird, muss auch nicht unbedingt sein. Warum müssen sich eigentlich gleich drei Figuren Theatermasken aufsetzen? Damit das noch halbwegs als Batman-Story durchgehen kann. Aber auch wenn man sich hier bemüht, Wiedererkennungswert zu schaffen, indem man das Altbekannte variiert, hat The Golden Streets of Gotham nicht viel mit dem zu tun, was Batman ausmacht.

Wenn das Leben die Kunst imitiert

Titel: Hollywood Knight

Aut0r/Zeichner: Bob Layton/Dick Giordano

Erschienen: 2001 (Mini-Serie #1-3)


„I am not a comic book character!“ (Batman)

Hollywood im Jahr 1948: Batman wird gerade erfolgreich als Serial fürs Kino produziert. Den Titelhelden spielt der Kriegsveteran Byron Wyatt, unterstützt von seinem besten Freund und Stuntman als Robin. Doch die Konkurrenz ist neidisch: da seine Arkham Studios gerade schlecht laufen, versucht Jack Napier (genannt „Joker“), sich die Rechte an Batman zu sichern. Als er scheitert, lässt er das Cast und Crew abschlachten und ein Set verbrennen. Wyatt überlebt – aber er hält sich fortan für Batman und strebt nach Gerechtigkeit.

Unter all den halbherzigen und uninspirierten Elseworlds-Storys ist Hollywood Knight eine erfrischende Variation des Altbekannten. In dieser Comicwelt ist Batman eine Comic-Figur, die verfilmt wird und dann aus der Fiktion in die „Realität“ ausbricht – eine interessante Meta-Fiktion, die es wert wäre, mal von einem Batman-Forscher analysiert zu werden. Aber auch der einfache Leser wird hier seinen Spaß haben: Alfred ist ein alter Zirkusmann, der in einer alten Mine haust, Robin ist so alt, dass er bereits Geheimratsecken unter einer Perücke kaschiert. Und der eingebildete Batman ist so sehr in seiner Rolle gefangen, dass er zunächst auch das Verbrechen bekämpft, mit dem er persönlich nichts zu tun hat. Viele Anspielungen auf die Batman-Tradition, veredelt durch die Zeichnungen von Altmeister Dick Giordano, machen diese nette Geschichte zu einem kleinen Fest für Fans.

Batman und der Wikinger

Titel: Destiny

Autor/Zeichner: Bo Hampton, Mark Kneece/Bo Hampton

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #35-36), Paperback 1998 (Other Realms)


In Gotham taucht ein Wikinger auf. Ein junger Norweger, der sich kostümiert dagegen wehrt, dass das Unternehmen Asgard radioaktiven Abfall in seiner Heimat entsorgt und dabei seine Familie zu verdrängen versucht. Batman hilft ihm, begleitet ihn nach Norwegen. Doch das ist nur die Rahmenhandlung, denn der Kern der Geschichte ist eine Rückblende in die Wikingerzeit. Schon da haben ein junger Recke mit geflügeltem Helm und ein „Bat Man“ im Fledermauskostüm gegen Eisriesen gekämpft.

Im Grunde ist Destiny also eine verpackte Elseworlds-Story. Aber mal wieder eine so bierernste und fade, dass man sich fragen muss, was sie noch mit Batman zu tun hat. Denn es reicht nicht, eine Fantasy-Geschichte zu erzählen und einen der Charaktere spitze Ohren tragen zu lassen. Und auch die Rahmenhandlung ist nicht weiter der Rede wert.