Monat: Februar 2016

Vier Fäuste gegen Darkseid

Batman versus Superman, Teil 14: Supergirl (2004)

Titel: Supergirl (The Supergirl from Krypton)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Michael Turner

Erschienen: 2004 (Superman/Batman #8-13, Paperback 2005/2014), dt. Panini 2006, Eaglemoss 2015


„I am … not alone …“ (Superman)

„You prattle on like a child reciting bits of meaningless trivialities.“ (Darkseid)

Auch wenn Superman nie zu spüren bekommen hat, dass er eine Waise ist, fühlt er sich allein: Zwar hat er Eltern, Ehefrau, Freunde, Verbündete wie Batman, aber als Kryptonier ist er der Letzte seiner Art. Das ändert sich mit der Ankunft von Supergirl, die – wie früher, vor der Crisis – Kal-Els Cousine Kara Zor-El ist. Batman entdeckt sie beim Aufsammeln der Trümmer, die der Kryptonit-Asteroid hinterlassen hat: eine ausgewachsene junge Frau, die nackt in Metropolis für Verwirrung und Zerstörung sorgt. Nach einem kurzen Plausch auf Kryptonisch schließt sie Superman ins Herz. Doch Batman bleibt skeptisch …

Kara integriert sich schnell: innerhalb eines Monats lernt sie Englisch und andere Sprachen und entdeckt ihre Leidenschaft fürs Shoppen, aber noch bevor sie ihren Platz auf Erden finden kann, wird sie zweimal entführt und in Kriegerrollen gezwängt. Zuerst bringt sie Wonder Woman auf die Paradiesinsel Themyscira, wo Kara sich ohne Protest zum Kämpfen ausbilden lässt, kurz darauf lässt sie Darkseid nach Apokalips bringen, um seiner Sache zu dienen. Darauf lässt sich Kara ebenso schnell ein, wenn auch dank Gehirnwäsche. Superman und Batman starten mit Wonder Woman und Big Barda eine Rettungsaktion.

Was eigentlich wie eine klassische Superman- oder JLA-Story anmutet, lässt Batman etwas aus der Rolle fallen, damit er mit den Übermenschen mithalten kann. So wird er dank Mr. Miracles Rüstung zu einem Krieger, der es mit dämonischen Kötern und schließlich sogar mit Darkseid selbst aufnimmt. Solche Abenteuer wirken stets etwas bemüht, weil Batman in solchen Szenarien eigentlich keine fünf Minuten überleben dürfte. Dass er es tut, strapaziert seine Glaubwürdigkeit enorm. Batman ist eben immer Herr der Lage. Warum? „Because he’s Batman.“

Was aber wirklich nervt ist das Finale, wenn Superman aus Zorn Darkseid durchs All prügelt. Während Clark unendlich scheinende pathetische Reden schwingt, monologisiert Batman aus dem Off sentimentale Gemeinplätze, in denen er erneut, noch einmal und schon wieder in aller Ausführlichkeit Clarks Entwicklung nacherzählt. Man möchte den beiden zurufen: Aufhören, wir haben es verstanden! Und wenn dann noch zum Schluss Superman seine besten Momente mit Kara Revue passieren lässt, wird der Kitsch unerträglich. Bei der Wendung am Ende weiß man gar nicht, ob man wütend oder vor Erleichterung dankbar sein soll. Und dann muss Superman alle Helden zusammentrommeln, um ihr das neue Supergirl vorzustellen. Bei all dem Gedöns bleibt das Verhältnis zwischen Batman und Superman leider auf der Strecke. Das Auftauchen von Kara hat keinen großen Effekt auf die beiden, weder führt die Meinungsverschiedenheit zu großen Konflikten noch wachsen die beiden zusammen. Das hohe Frauenaufkommen lenkt vielmehr von der Tatsache ab, dass die World’s Finest gemeinsame Sache machen.

(The Supergirl from Krypton wurde im Jahr 2010 unter dem Titel Superman/Batman: Apocalypse als Animationsfilm adaptiert.)

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

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Die Weltbesten gegen den Rest der Welt

Batman versus Superman, Teil 13: Public Enemies (2003-2004)

Titel: Public Enemies (dt. Freunde und Feinde)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Ed McGuinness

Erschienen: 2003-2004 (Superman/Batman #1-6), Paperback 2005, dt. Panini 2006/2016, Eaglemoss 2014


„You know what I got sick of, Bruce? You kicking the crap out of me with your toys. When you’re nothing but a man. A man who got to stay alive because I let you.“ (Superman, Kindom Come)

„If this is going to be our last stand, I can’t think of a better ally to fight alongside.“ (Superman)

Ein Asteroid rast auf die Erde zu. Ein riesiger Klumpen Kryptonit. US-Präsident Lex Luthor versucht ihn wegzusprengen. Nachdem er scheitert, gibt er Superman öffentlich die Schuld an der nahenden Katastrophe. Statt ihn oder andere Helden um Hilfe bei der Rettung der Welt zu bitten, tut Luthor alles, um seinen Erzfeind gefangen zu nehmen. Da Superman gerade mit Batman gegen Metallo und sein Ich aus der Zukunft (Kingdom Come) gekämpft hat, steht ihm sein düsterer Freund zur Seite. Auf ein Kopfgeld von einer Milliarde Dollar reagiert zunächst eine Reihe von Superschurken (z.B. Mongul, Solomon Grundy, Grodd), dann kommen ein paar B-Superhelden, die auf Luthors Gehaltsliste stehen (z.B. Captain Atom, Green Lantern John Stewart, Power Girl), schließlich helfen Captain Marvel/Shazam und Hawkman aus, um die beiden Staatsfeinde zu jagen. Aber die Gejagten bilden ein eingespieltes Super-Team, das fast immer Herr der Lage ist …

Viel Sinn ergibt das nicht, dass mehr Aufwand betrieben wird, Superman und Batman zu bekämpfen, statt sich um den Asteroiden zu kümmen. Auch nicht, dass der Superman der Zukunft den aus der Gegenwart zu töten versucht (ganz zu schweigen vom Raum-Zeit-Kontinuum-Paradoxon). Oder dass Metallo zuerst beteuert, niemanden mehr umbringen zu wollen, dann mit Kryptonit auf Superman schießt und ihn anschließend mit Batman lebendig begräbt. Aber man kann nicht leugnen, dass das Spektakel großen Spaß macht. Spätestens seit seinen großen Epen The Long Halloween und Dark Victory wissen wir, dass wenn Jeph Loeb gerne in die Vollen greift (auch bei Hush). Und so sehen wir reihenweise Charaktere, die dem Serienauftakt von Superman/Batman die Ehre erweisen. Selbst die Familien von Batman und Superman (also die Sidekicks) schauen vorbei und versuchen eine Befreiungsaktion im Weißen Haus. Und immerhin gibt es so großartige Sequenzen, in die, in der Kingdom Come-Superman das Batmobil von Adam West hochhebt, um Batman damit zu erschlagen.

Leider meint es Loeb mal wieder zu gut. Wenn er parallel zur Handlung die inneren Monologe von Superman und Batman laufen lässt, überfordert das nicht nur beim Lesen, denn man muss drei Strängen gleichzeitig folgen, sondern hat auch keinen großen Mehrwert. Es müssen nicht immer beide Helden Anekdoten aus ihrer Vergangenheit erzählen, um einen Vergleich zur Handlung zu ziehen, zumal sich die Anekdoten in ihrer Moral ähneln. Es muss auch nicht ständig der Gegensatz von Optimismus und Pessimismus herausgearbeitet werden – ganz zu schweigen von der Parallelführung der beiden bis zum Gehtnichtmehr erzählten Origins.

DC Comics

DC Comics

Abgesehen von diesem ermüdenden Erzählverfahren bietet Loeb erneut genug Stoff, um vor lauter Fan-Service die Story vergessen zu machen – bis hin zu einem hanebüchenen Unsinn wie einem Raumschiff, das wie eine Fusion aus Batman und Superman aussieht. Zeichner Ed McGuinness trägt mit seinem lieblich-klobigen Michelin-Männchen-Stil dazu bei, dass man sich in dieser knallbunten Hochglanzwelt rundum wohl fühlt. Und vor allem: Es tut so gut, die World’s Finest Heroes auf der Höhe ihrer Fähigkeiten agieren zu sehen: mit perfektem Teamwork. Die einzigen Hiebe, die sie miteinander austauschen, sind verbale. Ansonsten zeigt die Story, dass Batman und Superman es zusammen mit der ganzen Welt aufnehmen können.

(Public Enemies wurde im Jahr 2009 als Animationsfilm adaptiert.)

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Dark Knight III: Das dritte Buch Batman

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III – The Master Race: Book 3

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, John Romita Jr.

Erschienen: 2016


„Go to hell.“ (Batman)

Lange habe ich darüber nachgedacht, welchen Satz man als Motto voranstellen könnte. Es gibt einige gute im dritten Kapitel von DK III – prägnant, tief, ausschlaggebend. Innere Einsichten von Bruce Wayne darüber, wie sehr sein Alter ihn daran hindert, Batman zu sein, wie sein Körper verfällt, wie er sich für eine Bürde hält, aber das Feuer in ihm noch brennt. Äußerungen von dem Kandorianer Quar, der mit seiner Horde über die Menschheit herfällt, um sie zu unterwerfen und Supergirl einredet, etwas Besseres zu sein. Selbst Superman sagt endlich etwas. Und so langsam nimmt die Handlung Fahrt auf.

Aber der Reihe nach. Was bisher geschah: Batman ist wieder im Ruhestand. Carrie Kelley schlüpft selbst ins Kostüm, wird von der Polizei gefangengenommen und wieder befreit. Superman hat aufgegeben und sitzt vereist in seiner Festung der Einsamkeit. Seine Tochter Supergirl befreit die Kandorianer mit Hilfe von Atom – und die Anhänger einer Sekte hinterlassen eine Spur von Tod und Verwüstung.

Was jetzt geschieht: Die Invasion der Kryptonier und die Vernichtung Moskaus lässt Batman mit Carrie zum Nordpol reisen, wo er Superman aus dem Eis holt und reaktiviert. Die Kryptonier stellen der Welt ein Ultimatum, sich binnen drei Tagen zu unterwerfen. Als das abläuft, machen Batman und Superman klar, dass die Unterdrücker zur Hölle fahren können. Doch dann kommt ihnen Supergirl in die Quere. Kara, beeinflusst von Quar, beschuldigt ihren Vater, sein Volk verraten zu haben. Cliffhanger! Ach, noch etwas: Im Mini-Comic bekommt Green Lantern Hal Jordan von drei Kandorianerinnen seinen Ring samt Hand abgenommen. Aber kurz vor einem tödlichen Sturz wird er von ihnen unerklärlicherweise aufgefangen.

Was uns freut: Endlich sehen wir wieder Bruce Wayne im Batman-Kostüm. Endlich tritt Superman in Aktion. Endlich passiert etwas Relevantes. Wenn man bedenkt, dass wir mit dem nächsten Heft die Halbzeit erreichen, wird es höchste Zeit. Aber man muss den Autoren auch lassen, dass sie die Erzählzeit nicht unbedingt vertrödeln, weil immerhin Bruce Wayne zu seinem Recht als Charakter kommt. Aber da ist noch mehr.

Die Meta-Ebene: Traditionsgemäß betreibt Frank Miller wieder seine Medienkritik. Schwachsinnige Debatten in TV-Talk-Shows wechseln sich mit unqualifizierten Internetkommentaren ab, Styling-Videos wirken umso absurder im Angesicht eines nuklearen Genozids. Und trotzdem fragen sich manche, ob die Kryptonier gar nicht die Bösen sind, sondern bloß so wie die üblichen Herrscher – nicht von ungefähr sieht einer der Fernseh-Kommentatoren aus wie Donald Trump. Charakterecht erklärt er Diplomatie zu einer Sache für Feiglinge. (Wie schon in The Dark Knight Returns sieht auch der Präsident aus wie der tatsächlich amtierende: damals war’s Ronald Reagan, heute ist’s Barack Obama.) Miller und Azzarello erlauben sich auch einen Kommentar zur Waffenfrage: angesichts der Übermenschen sind sie zwar nutzlos, aber sie werden angepriesen, um immerhin ein Zeichen des Widerstands zu setzen.

Die Kryptonier wiederum wollen nicht einfach nur herrschen, sondern die Menschen vom Konsum befreien. Diese Kapitalismuskritik wirkt etwas unmotiviert und aufgesetzt. Man versucht wohl, den Eroberern mehr als nur den üblichen Willen zur Macht abzuringen, aber das gelingt nur holprig. Das breite Volk hingegen ist bloß eine schweigende Masse, das auf seine Smartphones starrt und sich die Ohren mit Kopfhörern zustöpselt. Wieder einmal ist Zukunft gleich Gegenwart.

Wie gesagt: Hier wird sehr viel aufgefahren …

Verschollen in der Zukunft, gestrandet in der Gegenwart

DC Comics

DC Comics

Titel: JLA – One Million (dt. Justice League: One Million)

Autor/Zeichner: Grant Morrison u.a./Val Semeiks u.a.

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Tie-ins, Paperback 1999, 2004, Omnibus 2013), dt. Dino 1999, Panini 2015 (2 Bände)


„Send me your superheroes from past, present or future. I’ll kill all of them.“ (Vandal Savage)

Gäbe es im 853. Jahrhundert noch Comichefte, würde dann wohl die einemillionste Ausgabe von Action Comics erscheinen, jene Serie, mit der Superman im Jahr 1938 gestartet ist. Natürlich gibt es in ferner Zukunft auch innerhalb des DC-Universums noch Superhelden. Sie beschützen nicht mehr nur die Erde, sondern alle Planeten des Sonnensystems, denn alle neun sind besiedelt. Ein Superheld pro Planet (nur Green Lantern fehlt, stattdessen gibt es Starman). Zusammen bilden sie die Justice Legion A. Auch Superman gibt es noch, das Original aus dem 20. Jahrhunderts. Doch der hat sich längst in seinen Ruhestand in die Sonne zurückgezogen. Weil demnächst seine Rückkehr erwartet wird, reist die Justice Legion zurück ins 20. Jahrhundert und bringt die Ur-Helden in die Zukunft, damit sie an den Festivitäten zu ihren Ehren teilnehmen können. In der Zwischenzeit passen die Zukunftshelden auf die alte Erde auf. Doch dabei geht etwas schief: Hourman, der die Zeitreise ermöglicht hat, schleppt ein Nanobot-Virus ein, das die Menschen befällt und aggressiv werden lässt. Verantwortlich dafür ist Solaris, eine intelligente Sonne mit bösen Absichten. Parallel dazu startet Vandal Savage einen atomaren Angriff, bei dem die Stadt Montevideo vernichtet wird.

Der Batman der Zukunft ist natürlich der Hüter von Pluto, einem düsteren Gefägnisplaneten. Er trägt einen ultracoolen High-Tech-Anzug und verfolgt unklare Ziele, als er den Batman der Gegenwart betäubt und gegen seinen Willen mit den anderen Helden in die Zukunft schickt. Mit Nightwing durchstreift Batman das in Trümmern liegende Gotham, während das Original in der Zukunft auf eine Roboter-Version von Robin und auf Catwoman trifft. Selbstverständlich haben auch alle klassischen Schurken ein schräges Äquivalent …

In diesem Crossover-Event ist eine Menge los, aber nicht so viel, dass man den Überblick verliert. Vielmehr erzählt Grant Morrison (Arkham Asylum, Batman and Son, Final Crisis) eine so überbordende wie stimmige, in sich runde Story voller unerhörter Wendungen. Die Zukunftsversionen der Helden wurden als gottgleiche weiterentwickelt,  die aber immer noch allzumenschlich daherkommen. Wie üblich treten die Durchhänger in den Tie-ins auf, von denen sind einige aber unverzichtbar für die Haupthandlung. Wie schon einst der Dino-Verlag bringt auch Panini alles raus, was man lesen muss, allerdings gebündelt in zwei dicken Bänden. Wer es ganz ausführlich braucht, dem sei der One Million Omnibus von DC empfohlen, darin ist jede 1.000.000-Ausgabe aller Serien enthalten.

Coverwahn #13

Als gäbe es bereits nicht genug Variant Cover zu Dark Knight III, als hätte man dort nicht schon den epischen Kampf zwischen Batman und Superman zelebriert, legt DC zum Kinostart von Batman v Superman noch einmal nach: Noch mehr Variant Cover, noch mehr World’s Finest-Prügelei, noch mehr Kryptonitringe. Immerhin ist wenigenst auf einem Bild zu sehen, wie Superman die Oberhand über Batman hat. Insgesamt sollen es zehn Variants werden, oben sind die ersten fünf zu sehen. Aber weil ein Variant pro Heft nicht genug ist, gibt es jedes dreimal, also auch jeweils in zwei teilkolorierten Varianten (genannt Spotlight und Fade).

Aber das ist noch nicht alles: Weil der Reboot The New 52 bald bei Nummer 52 ankommt (und damit sein jähes Ende findet), hat DC einige der ersten Cover nachzeichnen lassen, als wären es schon nach fünf Jahren Klassiker mit Wiedererkennungswert.

Die einzigen, die das brauchen, sind wohl die Verkaufszahlen von DC …

Heroische Dreifaltigkeit

Batman versus Superman, Teil 12: Trinity (2003)

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman/Wonder Woman – Trinity (dt. Dreigestirn)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2005, Deluxe Edition 2015), dt. Panini 2004, Eaglemoss 2015


„Good things come in threes.“ (Wonder Woman)

Ra’s al Ghul befreit Bizarro aus dem Eis der Antarktis, lässt von ihm ein sowjetisches Atom-U-Boot entführen und bedroht die Welt mit nuklaeren Sprengköpfen. Unterstützt wird er von Artemis, einem abtrünnigen Amazonen-Mädchen. Batman und Superman kennen sich bereits eine Weile, Bruce Wayne sucht Clark Kent auf, um ihn vor Ra’s Plänen zu warnen (betrifft Kryptonit) und seine Hilfe mit einer Daten-CD zu erbitten. Doch weil versehentlich eine Atomrakete in die Nähe der Paradies-Insel der Amazonen abgefeuert wird, wird auch Wonder Woman involviert – sie sucht zum ersten Mal Superman auf, weil sie ihn mit Bizarro verwechselt.

Während die beiden von Anfang an gut miteinander auskommen, ist Batman nicht begeistert, als Wonder Woman sein brutales Verhör mit einem Schurken mit ihrem Lügendetektor-Lasso untergräbt. „Aren’t you a bit underdressed for all this?“, fragt er Diana. Sie fragt darauf hin zurück, ob er eine Maske trage, weil er sich schäme sein Gesicht zu zeigen. Auch sonst erweist sich Batman mal wieder als schlechter Teamplayer – besonders, wenn ihm jemand in seine Methoden reinquatscht.

Trotzdem raufen sich die drei zusammen und funktionieren gut miteinander. Superman macht, was er gut kann: einen entgleisten Zug aufhalten, Atomraketen entschärfen und Flugzeuge vor einer Kollision mit einem Hochhaus abbringen. Batman erweist sich als Meisterdetektiv und -kämpfer, auch wenn er gegen Artemis den Kürzeren zieht. Wonder Woman steckt am meisten Prügel ein, besonders gegen Bizarro, wird danach in Ketten gelegt, schließlich sogar fast tödlich verletzt und rettet sich in die Lazarus-Grube. Nach ihrer Wiedergeburt ist sie so reizend, dass sich Batman zu einem spontanen Kuss hinreißen lässt. Diana ist über die Leidenschaftsbekundung nicht erfreut und quittiert sie mit einem Faustschlag. Superman verteidigt Batman Wonder Woman gegenüber: Auch er habe seine Methoden anfangs nicht gutgeheißen, aber er solidarisiere sich mit ihm, weil sie beide Waisen seien, außerdem bewundere er ihn dafür, dass er ohne Superkräfte großen Mut beweise. Batmans Mut geht so weit, dass er es am Ende in einer Kampfrüstung mit Bizarro aufnimmt, während Wonder Woman sich mit Ra’s al Ghul duelliert, um ihn vor einer Invasion in Themyscira abzuhalten. Den Rest räumt Superman auf.

Autor und Zeichner Matt Wagner erzählt das Gipfeltreffen in gewohnt starker Qualität: schlichte, aufs Wesentliche reduzierte Zeichnungen, schnelle Handlung, viel Action. Ein kurzweiliges Abenteuer ohne Leerläufe, aber auch ohne jeden Tiefgang und mit einigen offenen Fragen wie: Was will Artemis? Warum will Ra’s nach Themyscira? Jede Ausgabe legt zwar den Schwerpunkt auf einem der drei Helden, beginnt mit Metropolis, Gotham und der Paradies-Insel, aber bleibt oberflächlich. Die Figuren werden als bekannt vorausgesetzt. Neue Aspekte gibt es hier kaum.

Nur Batman wundert sich, als er zwischendrin kurz Aquaman unter Wasser sieht, dass es weit mehr auf der Welt gibt, als er sich vorstellen konnte. Für ihn steigert sich durch Wonder Woman die Erfahrung mit dem Übernatürlichen, die er bereits mit Superman machen durfte. Und damit ist eine Angst angedeutet, die selten angesprochen wird: dass es für Batman Herausforderungen gibt, die er nicht meistern kann. Jedenfalls nicht allein und auch nicht mit anderen Menschen (wie seiner Bat-Familie), sondern nur mit Übermenschen, die ihm körperlich weit überlegen sind – und daher genauso gut zur Bedrohung werden könnten.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Was ist DC Rebirth?

Am Anfang war da nur ein blauer Vorhang mit der Aufschrift „Rebirth“. Wochenlang wurde darüber spekuliert, was es mit dem neuen Projekt von DC Comics auf sich hat: Ein Reboot, ein Relaunch, neue Nummerierung, neue Autoren oder gar eine Anpassung an die TV-Serien? Jetzt hat DC das Geheimnis gelüftet. Hier ein paar erste Fakten:

  • Rebirth ist kein Reboot. Es geht laut Geoff Johns darum, zurückzugehen zu dem, was die DC-Figuren einst ausgemacht hat. Als Beispiel nennt er die Mini-Serien Green Lantern: Rebirth (2004-2005) und Flash: Rebirth (2009). In dem Stil soll es wohl mit anderen Charakteren weitergehen. „‚DC Universe: Rebirth‘ is about bringing back what makes the DC Universe the DC Universe.“ (So Geoff Johns im Interview mit Comicbookresources.com.)
  • Es geht los am 25. Mai 2016. Dann erscheint der 80-seitiger One-shot DC Universe Rebirth Special, mit dem eine neue Story beginnt, der viele Fragen beantwortet und neue aufwirft. Autor ist Geoff Johns, Zeichner sind Ethan Van Sciver, Phil Jimenez, Ivan Reis und Gary Frank. (Preis: 2,99 US-Dollar.)
  • Einmalige Rebirth-Specials erscheinen im Juni zu den Haupthelden, im Juli folgen Specials zu Nebencharakteren.
  • Nach der Nummer 52 der Hauptreihen, werden alle Titel neu nummeriert – außer die Traditions-Serien Action Comics und Detective Comics, in denen Superman und Batman ihre ersten Auftritte hatten. Die Serien kehren zurück zur alten Nummerierung, setzten also bei #957 und #934 an. Bei DC freut man sich schon auf die Jubiläumsausgaben #1000. Die wird schneller erreicht als gedacht, denn Action und Detective werden zweimal im Monat erscheinen.
  • Die Hauptserien erscheinen ab Juni zweimal im Monat (Batman, Superman, Wonder Woman, Flash, Green Lanterns, Aquaman, Green Arrow), später kommen auch Nightwing, Harley Quinn, Deathstroke, Suicide Squad und Cyborg alle zwei Wochen heraus.
  • Im Herbst erscheinen weitere Serien wie Batman Beyond neu. Die Serie Batman/Superman wird eingestellt. Sie könnte von dem Titel Trinity ersetzt werden, der Batman, Superman und Wonder Woman vereinen könnte. Neben Justice League wird es auch Justice League America geben, beide Serien werden alle zwei Wochen erscheinen.
  • Die Hefte werden günstiger: Es sollen alle 2,99 US-Dollar kosten, zuvor kosteten die A-Serien 3,99 US-Dollar.
  • DC geht es darum, wieder dem Vermächtnis treu zu werden, vernachlässigten Nebencharakteren wieder zu ihrem Recht zu verhelfen, die lange Tradition in die Storys einzubinden. Neue Geheimnisse sollen gelüftet werden. Johns: „… we’ve got a great story to tell about it. A big story.
  • Comics, TV-Serien und Kinofilme bleiben getrennt.

Das eigentliche Ziel ist, den Erwartungen alter Leser gerecht zu werden und sich zugleich für neue Leser zu öffnen. Sowohl Traditionalisten als auch Neueinsteiger sollen sich im DC Universum wiederfinden können. Das Reboot The New 52 (2011) hat zwar einige gelobte und gut verkaufte Titel hervorgebracht (allen voran natürlich Batman), aber nicht die erwartete Begeisterung. Es war ein halbherziges Reboot, das sich oft wie keines anfühlte. Schon da wirkte es, als wollte man Tradition mit einem Neuanfang verbinden. Jetzt, da es für DC offenbar nicht gut läuft, versucht man es noch einmal, aber ganz anders, wohlvertraut und dennoch neu. Geoff Johns vergleicht es mit Star Wars Episode VII.

Für ein Urteil ist es noch zu früh. Klar ist, dass Rebirth (auch wegen der Nummerierungen) zunächst für Verwirrung sorgen könnte. Und wollen wir wirklich wieder neue Origins aller Helden lesen? Hat es die zuletzt nicht genug gegeben? DC steckt nach acht Jahrzehnten in der Falle: Die Last der Tradition ist zu groß, um sie abzuschütteln – und trotzdem will man Neues erzählen. Der verdoppelte Erscheinungszyklus der Bestseller-Serien könnte aber den Druck erhöhen und Verbrauchserscheinungen beschleunigen.

Auf dem Pfad des Soldaten

Titel: Batman/Deathblow – After The Fire (dt. Nach dem Feuer)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2002 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2003, Deluxe Edition 2013), dt. Panini 2003


„The world’s not a coin, Deathblow — and it’s not round, either. It’s like a diamond, multifaceted.“

Bevor Brian Azzarello und Lee Bermejo ihr gemeinsames Meisterwerk Joker machten, bevor sie sich Lex Luthor zuwandten, liefen sie sich mit Deathblow warm. Der Supersoldat aus dem Wildstorm-Universum trifft auf Batman, könnte man meinen. Ist aber nicht so. Denn der Witz an dieser Story, wenn es denn einen gibt, besteht darin, dass der Titel zwar ein Crossover suggeriert, aber tatsächlich treffen die Helden nie zusammen. Vielmehr ist es so, dass Batman einem Fall nachgeht, der vor zehn Jahren schon Deathblow beschäftigt hat. Doch der Soldat ist mittlerweile tot. Und so sehen wir dabei zu, wie zwei Geschichten, Vergangenheit und Gegenwart, miteinander enggeführt werden – und das alles geschieht in der gewohnten visuellen Qualität, die man von Lee Bermejo kennt.

Und auch einige von Azzarellos Dialogen sind gelungen. Doch leider gibt es davon zu viel. Die Story lahmt daran, dass zu viel geredet wird über Auftragskiller, Terroristen, Geheimorganisationen und Doppelspiele, und zu wenig passiert. Ein bisschen Ballerei, ein bisschen Feuer und das war’s, sonst nur öde Wortwüste. Der zündelnde Schurke, der äußerlich an Tyler Durden (Brad Pitt) aus Fight Club erinnert, dient weder als Bindeglied zwischen den Helden noch weckt er als Charakter Interesse. Das einzig Überraschende ist, wenn am Ende Batman Deathblow zum Leben erweckt, allerdings leuchtet der Grund dafür nicht ein. Genauso wenig wie der Anlass, diese lahme Geschichte zu erzählen. Für einen hochbegabten Bildererzähler wie Lee Bermejo ist dieses Heft verschenktes Potenzial. Wie gut, dass er sich danach noch ein paar Mal beweisen durfte, bis hin zu großen Würfen wie Noel.

Alle Jahre wieder

Batman versus Superman, Teil 11: World’s Finest (1999)

Titel: Batman & Superman – World’s Finest

Autor/Zeichner: Karl Kesel/Dave Taylor, Peter Doherty u.a.

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-10, Paperback 2003), dt. Carlsen 2000 (6 Teile)


„You know, I think we’re getting the hang of this ‚working together‘ thing!“ (Superman)

Kaum treffen Batman und Superman (schon wieder) erstmals aufeinander, passiert am gleichen Ort ein Verbrechen. Doch kaum verbünden sie sich, um es zu bekämpfen, geht etwas schief: Zwar fassen sie den Entführer, doch das Opfer stirbt durch einen (selbstverschuldeten) Unfall – und das alles nur, weil sich die weltbesten Helden nicht abgesprochen haben, wie sie vorgehen sollen. Daraufhin treffen sie sich jedes Jahr am Todestag des Opfers, um auszuprobieren, ob und wenn ja wie sie doch zusammen funktionieren können. Mal kommt Batman nach Metropolis, mal kommt Superman nach Gotham City. Und jedesmal passiert zufällig gerade etwas, das ihrer beider Aufmerksamkeit bedarf.

Erzählt wird keine fortlaufende Geschichte in zehn Teilen, sondern zehn Episoden mit einer narrativen Klammer. Allein der erste und letzte Teil hängen eng zusammen. (Auch formal, weshalb sie im Prestige-Format mit 48 Seiten ausgestattet sind, die übrigen acht Episoden aber bloß Standard-Hefte mit 22 Seiten sind. Im Deutschen wurden daher sechs Teile daraus gemacht.) Die Helden treffen auf Schurken wie Lex Luthor, Joker, Catwoman und Two-Face, auf Verbündete wie Batgirl, auf Nervensägen wie Mr. Mxyzptlk und Bat-Mite, Batman begegnet nach Supermans Tod seinen vier Nachfolgern, Superman trifft auf Batmans Stellvertreter Jean-Paul Valley. Einmal lässt sich Clark Kent für eine investigative Reportage in Arkham Asylum einweisen, indem er sich als Superman ausgibt – und am gleichen Tag brechen einige Insassen aus.

Zitat von Superman #76 (1952) in World's Finest #7 (1999). (DC Comics)

Zitat von Superman #76 (1952) in World’s Finest #7 (1999). (DC Comics)

Die meisten dieser Storys sind so belanglos wie entbehrlich (vor allem die alberne Kobold-Story), zudem teilweise leidlich gezeichnet (manches wirkt cartoonhaft, anderes einfach nur falsch), mit Anspielungen auf die Tradition und einem großen Figurenaufgebot im Finale, wenn Supermans Schurken gegen Batmans Schurken kämpfen, wird vor allem Fan-Service betrieben. Interessant wird es aber dort, wo die Helden miteinander über ihre Rollen sprechen – oder wo sie von anderen analysiert werden. Es geht um unterschiedliche Strategien: Superman wirft Batman vor, er würde die Menschen zu sehr ängstigen. Batman erwidert, dass auch Supermans Präsenz einschüchternd wirkt. Mr. Mxyzptlk stellt fest: „Batman spends the whole life trying to be superhuman, and Superman spends the same time trying to be a normal human!“

Die herausragende Episode ist die siebte, in der Superman Batman nach Smallville bringt. Batman hat vor kurzem erleben müssen, wie der Joker Batgirl (Barbara Gordon) verkrüppelt und Robin (Jason Todd) ermordet hat. Superman hingegen hat gerade erstmals einen Mord begangen – an drei Schurken zugleich, um Schlimmeres zu vermeiden. Das ganze Heft ist ein Dialog über das Überschreiten der Grenze, den Tod eines Menschen zu verantworten. Am Ende dürfen sich die World’s Finest bei Leben und Tod beweisen: Batman rettet einem alten Mann das Leben, während Superman neues Leben zur Welt bringt, indem er Hebamme spielt. Schließlich frühstücken die beiden als Clark und Wayne bei den Kents. Zwar ist nicht immer so viel Harmonie in dem Zehnteiler, aber andererseits besteht auch nie Feindschaft.

Am Ende, wenn sich retroaktive Seligkeit einstellt, kommen Batman und Superman zu dem Schluss, dass sie – trotz aller Differenzen – gut zusammenarbeiten können, auch wenn es ihnen nicht immer recht ist. Dass sie einander mögen, so weit geht die Liebe dann doch nicht. Immerhin reicht es für einen Handschlag – keine Selbstverständlichkeit.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Batman v Superman: Der letzte Trailer

Sechs Wochen vor der Premiere des größten Gladiatorenkampfs heizt Warner Bros. den Hype um Batman v Superman weiter an. Zunächst mit viraler Werbung für Gotham und Metropolis, jetzt mit einem neuen, angeblich finalen Trailer. Neu ist daran vor allem eine ausführliche Kampfszene von Batman, die den ersten Eindruck bestätitgt: dass wir erstmals Batman so kämpfen sehen wie wir es uns beim Lesen der Comics vorgestellt haben, nämlich schnell und agil. Kein Körperpanzer, kein Gummianzug behindert mehr den Dunklen Ritter bei der Arbeit. Es wirkt paradoxerweise zwar nicht realistisch, aber glaubwürdig. Ein Traum wird wahr.

Da kann man auch darüber hinwegsehen, dass es mit dem Kampfanzug gegen Superman weniger graziös zugehen dürfte. Aber für die Grazie wird ohnehin die bezaubernde Wonder Woman zuständig sein.

Die Vorfreude steigt. Am 24. März hat das Warten ein Ende. Bis dahin lesen wir uns weiter durch die Comicgeschichte der World’s Finest.