Monat: April 2015

Fast ohne Schwächen

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 1 (dt. Megaband 1: Gothams Legenden)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2012-2013 (Legends of the Dark Knight #1-5, Paperback 2013), dt. Panini 2015 (enthält Legends of the Dark Knight #1-9)


„You know what my weakness is? I don’t have one. That’s what makes me better than them. That’s why I’ll always win. No vulnerability.“

„You’re wasting your time looking for rules to this game.“ (Joker)

„I have no effect. I just throw them in one end and the system spits them out the other.“ (Batman)

Ursprünglich war die Serie Legends of the Dark Knight, gestartet 1989, eine Plattform für hochwertige Geschichten aus der Frühzeit von Batman, dann kamen auch vereinzelt Elseworlds-Storys dazu. Darunter sind einige Klassiker wie Gothic, Prey, Venom und Faces. Nach einer fünfjährigen Pause (die gefüllt wurde von Batman Confidential) wurde die Serie 2012 wiederbelebt: als Anthologie von Kurzgeschichten unterschiedlicher Autoren und Zeichner. Das Beste daran ist, dass die Serie nicht an irgendwelche Continuitys gebunden ist, das heißt, die Macher können tun, was sie wollen. Und liest man die ersten Storys, spürt man nicht nur den Vorteil dieser Freiheit, man merkt  ihnen auch die Lust am Erzählen an.

Wie schon bei Black and White können sich die Autoren kreativ austoben und dabei kleine, aber feine Meisterwerke schaffen, die sich überwiegend auf die Hauptfigur konzentrieren und so intime Einblicke in sein Seelenleben ermöglichen. Wir sehen Batman saufen und großkotzig reden, wir sehen ihn an dem Sinn seines Kreuzzugs zweifeln, aber wir erleben ihn auch in Momenten absoluter Souveränität, in denen er Herr der Lage ist.

Der Band profitiert von seiner Vielfalt der Stoffe und der Form. Es tut gut, neben etablierten Zeichnern wie J.G. Jones (Wanted) auch extravagante Künstler wie Ben Templesmith zu sehen, dessen Stil an Sam Kieth erinnert. Schade ist jedoch, dass die Geschichten etwas jokerlastig geworden sind. Der Reiz der Autoren, eine Batman-Story mit dem größten Schurken zu erzählen, ist nachvollziehbar, aber es wirkt auf Dauer etwas einseitig. Die besten Geschichten kommen ohne den Joker aus.

Hier die Storys in der Einzelkritik:

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Batman auf acht Seiten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Black and White Volume 1 (dt. Schwarz auf Weiß)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 1996 (Mini-Serie #1-4, Hardcover 1999, Paperback 2000, Neuauflage 2007), dt. Carlsen 1997


 „Anyway, Batman. He’s not real. He’s just someone people imagine is real. Though why anyone would want to imagine a weirdo in a Bat suit is beyond me.“ (Phillip Benning)

Es war ein gewagtes Experiment: Eine vierteilige Miniserie mit insgesamt 20 Kurzgeschichten á acht Seiten – und das auch noch in Schwarz-weiß. Aber DC-Redakteur Mark Chiarello hat die besten Leute angeheuert und das Ergebnis konnte sich nicht nur sehen lassen, es war auch ein kommerzieller Erfolg. Black and White gehört heute zum Kanon der besten Batman-Bände – und zwar zu recht.

Wieder einmal zeigt sich, dass die reduzierte Form einem Werk förderlich sein kann. Wenn man nur acht Seiten hat, muss die Geschichte dicht sein. Wenn man nur Bleistift und Tusche hat, kann man nicht mit Bonbonfarben tricksen. Und so sind die Storys Miniaturen, Nahaufnahmen, Augenblicke des Dunklen Ritters. In einer Story bemüht sich Batman einer „Jane Doe“, also einer unbekannte Tote, eine Identität zu geben, in einer anderen versucht er einer von ihm traumatisierten Frau die Furcht zu nehmen und in einer dritten diskutiert er mit einem Vater, der aus Verzweiflung zu drastischen Mitteln greift, über die richtige Erziehung. Manchmal fügen sich die Storys in das kanonische Bild, manchmal brechen sie ins Experimentelle aus.

Wie etwa Neil Gaimans „A Black and White World“. In dieser Meta-Story sind Batman und Joker sich ihrer Rollen als Comic-Charaktere bewusst und sinnieren über ihr Darsteller-Dasein. Zunächst plaudern sie ein bisschen im Warteraum, erkundigen sich nach den Kindern, gehen den Text der nächsten Szene durch. Der Joker lästert über die blöden Dialoge und dass er nur viel labern darf, während Batman die großen Splash Panels bekommt. Getragen wird diese schräge Story von Simon Bisleys schrägen Zeichnungen.

In „Good Evening, Midnight“ erzählt Klaus Janson geschickt, wie Alfred einen Brief von Bruces Vater liest, während er auf Batman wartet, der einen Schulbus voller Kinder rettet. Der Vater bescheinigt darin dem Sohn, ihn mit seiner Furchtlosigkeit inspiriert zu haben. Beunruhigend und zugleich beeindruckend inszeniert Brian Bolland (The Killing Joke) seine ruhige Erzählung „An Innocent Guy“: Wir sehen einen Durchschnittstypen, der zu einer Kamera darüber spricht, ein guter Mensch zu sein, aber Lust hätte, einfach so Batman eine Kugel in den Kopf zu jagen. Das perfekte Verbrechen, so die Moral, ist das sinnlose.

Eine der dramatischsten Geschichten bringt Bruce Timm (Mad Love, The Animated Series) mit „Two of a Kind“ über die Rehabilitierung und den Rückfall von Harvey Dent/Two-Face. Eine Tragödie im wahrsten Sinne des Wortes. Timms Zeichnungen beeindrucken durch Ausdruck und Dynamik und gehören zum Besten in dem Band. Matt Wagners Story „Heist“ ist vielleicht eine der schwächsten, hat aber einen sehr coolen Stil zwischen Pop Art und Noir.

„Heroes“ (von Archie Goodwin und Gary Gianni) zeigt Batman im Kampf gegen Nazis, die einen Ingenieur entführen und seine Pläne stehlen wollen. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Sohnes, der sich in Abenteuer hineinträumt und für den das Abenteuer plötzlich lebensgefährlicher Ernst wird. Leser werden mit einem überraschenden Ende belohnt. Dafür gab’s den Eisner-Award.

Dark Knight zum Dritten

DC Comics

DC Comics

Es wird blutig werden: Frank Millers Dunkler Ritter muss – trotz seines hohen Alters – noch einmal antreten. Und wahrscheinlich wird er Superman erneut eine Abreibung verpassen. So viel kann man dem Ankündigungs-Bild entnehmen, das DC und Miller jüngst veröffentlicht haben. Der Altmeister lässt sich dabei von Autor-Superstar Brian Azzarello (Joker) unterstützen. Und auch wenn nicht – wie gerüchteweise zu lesen war – das Jung-Genie Scott Snyder beteiligt ist, macht das Autorenteam Hoffnung: Denn wie sich die Fangemeinde bei der Fortsetzung des Klassikers The Dark Knight Returns von 1986 überzeugen durfte, scheinen beim guten alten Frank ein paar Sicherungen durchgeknallt zu sein. Ein Eindruck, der mit seinem All-Star Batman nur bestätigt wurde (wenn auch auf viel amüsantere Weise). The Dark Knight Strikes Again war ein übles Machwerk, das alle Qualitäten seines Vorgängers vermissen ließ – vor allem den Titelhelden. Stattdessen wurde eine wirre Geschichte um Dutzende Charaktere erzählt, ohne dass auch nur im Ansatz Spannung oder Anteilnahme aufkam. Die Story war ein Beleg dafür, dass man Klassiker besser unangetastet lässt, sonst läuft man Gefahr, sie zu zerstören (vgl. Star Wars). Azzarello könnte als Stimme der Vernunft dafür sorgen, dass im dritten Teil endlich wieder eine erzählerische Disziplin einkehrt.

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Joker als Held, Batman als Schurke

DC Comics

DC Comics

Titel: I, Joker

Autor/Zeichner: Bob Hall

Erschienen: 1998 (One-shot)


„Something is very wrong with my brain.“ (Joker)

In dieser Elsworlds-Zukunftsversion ist Bruce Wayne tot, sein Mythos lebt aber auf eigenständige Weise weiter: Batman ist ein anderer, ein Tyrann, der sich für Gott hält und der Blutrunst des Volkes dient, indem er Opferrituale organinisert. Einmal im Jahr werden fünf klassische Schurken (Pinguin, Riddler, Two-Face, Ra’s al Ghul und Joker) erschaffen, damit sie von selbsternannten Batmen aus dem Volk niedergemacht werden können. Wer triumphiert, darf gegen Batman antreten. Wer ihn besiegt, wird zum neuen Batman. Doch mit dem Joker stimmt etwas nicht: Er ist ein Rebell gegen die Schreckensherrschaft, der gegen seinen Willen manipuliert wurde, um die Schurkenrolle einzunehmen. Der Joker wehrt sich, wird zum Helden, der sich gegen den Schurken Batman auflehnt.

Interessanter Weise wird der Joker durch diesen Rollentausch zum Gewissen dieser Geschichte. Ihm wird bewusst, dass Batman nicht tötet, er bringt den Wandel in die Gesellschaft – als dauergrinsender Superheld mit einem weiblichen Robin an seiner Seite. Auch wenn diese Dystopie ziemlich überdreht und unsympathisch daherkommt, ist sie mit 48 Seiten genau richtig dosiert, um einmal zur Kenntnis genommen werden zu können – für alle, die den Joker mal anders erleben wollen.

Joker: Verjüngt mit 75

David Ayer/Twitter

David Ayer/Twitter

Das ist er: Der neue Joker. Gut gehalten hat er sich für seine 75 Jahre. Aber ein bisschen schräger ist er geworden. Tätowiert, silberne Zähne, kurze Haare. Der Mund? Nun, er wirkt immer noch übergroß, aber nicht mehr entstellt. So sieht jedenfalls Regisseur David Ayer Batmans größten Widersacher, so stellt ihn Jared Leto im kommenden Suicide Squad-Film (2016) dar. Es war klar, dass sich eine Performance wie sie Heath Ledger in The Dark Knight gebracht hat, nicht wiederholen ließe, ohne es wie einen bemühten Abklatsch wirken zu lassen. Daher versucht Ayer einen anderen Ansatz. Mit den vielen Tattoos hat er allerdings den Bogen überspannt: Lauter „Hahahas“ auf dem Körper und „damaged“ auf der Stirn sind nicht gerade Ausdruck von Subtilität. Auch erschließt sich der Mehrwert nicht, dem Joker ein breites Grinsen und einen Totenkopf-Narren auf den Köprer zu zeichnen …

Einen tätowierten Joker hat die Comicgemeinde bereits in Frank Millers umstrittenen All-Star Batman gesehen. Die kurzen Haare gab es schon mal in Batman Beyond: Return of the Joker und in Endgame, der jüngsten Snyder-Capullo-Story trägt er sie wieder. Dieser Joker wirkt trotzdem anders, gewöhnungsbedürftig und verstörend – aber das ist schon immer Programm bei dieser Figur. Insofern reiht sich diese Inkarnation gut in die Tradition ein. Dass Jared Leto ein fähiger Darsteller ist, der seine Sache gut machen wird, steht zweifellos fest. Hoffentlich wird er nur nicht zu überdreht, denn man kann es mit dem Irrsinn auch übertreiben. Dieser Marilyn-Manson-Joker wirkt jedenfalls comichafter als Ledgers dunkler Clown mit entstelltem Gesicht. Ich habe meine Zweifel, ob ein Schurkenfilm funktioniert, wenn es zuvor keine Helden gegeben hat. Vor allem aber muss dieser Joker ein würdiger Gegner für den kommenden Batman sein. Der Erwartungsdruck ist hoch.

Der Joker ist 75 Jahre alt geworden – und wie Batman hat er nichts von seiner Faszination eingebüßt. DC hat schon im vergangenen Jahr eine 400-Seiten-Anthologie seiner besten Storys herausgegeben: A Celebration of 75 Years. In einem kleinen Film wurden die angeblich besten Momente der Joker-Comicgeschichte zusammengetragen:

Hier ist meine Bestenliste:

1. Mad Love: Keine Story ist dynamischer, witziger und pfiffiger als diese. Joker ist besessen vom perfekten Mord an Batman, doch Harley Quinn gelingt die Tat. Ein Meisterwerk im Animated-Stil.

2. The Dark Knight Returns: Ein alter Batman tut, was er schon längst hätte tun sollen: Er tötet den Joker. Im Liebestunnel. Wie romantisch. Wie passend.

3. Arkham Asylum: Der Joker führt Batman durch das Arkham Asylum. Nie hat der Schurke drastischer und schrecklicher ausgesehen als hier.

4. Joker: Der Joker wird aus Arkham entlassen und zieht eine blutige Spur hinter sich her. Furchtbar, grausam, sinnlos. Der Joker ist eine Krankheit – dagegen hilft nur Batman. Großartig auf seine eigene Weise.

5. Arkham Asylum: Madness: In gewisser Weise die Fortsetzung von Arkham Asylum. Der Joker wird in vielen Stilen dargestellt, wodurch er noch irrer und ungreifbarer als sonst wirkt. Und er ist mal wieder der Hofnarr, der die Wahrheit spricht und den Menschen den Spiegel vorhält. Achtung: Batman-Story ohne Batman.

6. The Man Who Laughs: Wie alles begann – modern erzählt. Eine gelungene Adaption der ersten Joker-Story aus Batman #1 (1940).

7. The Killing Joke: Der totzitierte Klassiker. Tolle Zeichnungen, kunstvoll erzählt, einige drastische Momente – aber die tragische Vorgeschichte ist nach Heath Ledgers anonymen Joker nicht mehr zeitgemäß. Manchmal ist es besser, nicht alles zu wissen.

8. Death of the Family: Nachdem sich der Joker das Gesicht hat abschneiden lassen, holt er es sich zurück, tackert es sich wieder an und beginnt seine große Rache an Batman und dessen Familie. Sehr drastisch und düster. Leider verliert sich die ambitionierte und spannend erzählte Story in zu vielen Zitaten.

9. Joker – Devil’s Advocate: Der Joker will sein Porträt auf einer Briefmarke haben. Dann sterben Leute, die an Briefmarken lecken. Joker wird angeklagt – aber er beteuert seine Unschuld. Sehr unterhaltsam.

10. Going Sane: Nach dem Tod von Batman wird Joker wieder normal und fängt ein bürgerliches Leben an. Doch sobald Batman wieder zurück ist, wird der Schurke rückfällig.

FLOP: A Death In the Family: Noch so ein totzitierter Klassiker. Aber zu Unrecht. Der Joker erschlägt Robin II (Jason Todd) mit einer Brechstange. Sehr schlimm. Große Trauer. Doch darüber hinaus ist die Geschichte hanebüchener Mist.

>> Weitere Beiträge zum Thema Joker findet ihr hier.

 

Der Reiz des Unperfekten

DC Comics

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Titel: Faces (dt. Die Insel der Freaks)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #28-30, Paperback 1995), dt. Carlsen 1995


„Welcome to the funhouse. We hope you enjoy your stay.“ (Two Face)

Gesichter sind bei Batman immer ein großes Thema. Batman hat keins, oder genau genommen nur ein halbes, da der Rest von einer starren Maske verdeckt ist. Manche seiner Schurken tragen ebenfalls eine Maske oder haben entstellte Gesichter. Wie der Joker. Oder Two-Face. Das entstellte Gesicht ist Sinnbild für eine kaputte Seele. Eigentlich ist das nicht gerade aufgeklärt: wer hässlich ist, muss auch böse sein (das gilt allerdings nicht für Frauen, die immer fantastisch aussehen – was auch einiges über das Frauenbild bei Batman aussagt, aber das ist ein anderes Thema). In modernen Geschichten wird jedoch versucht, die Schurken psychologisch mit ausführlichen Vorgeschichten zu entlasten. Die Bösen sind Opfer der Umstände, der Gesellschaft.

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Gestörte Kommunikation

DC Comics

DC Comics

Titel: Tower of Babel (dt. Turm zu Babel)

Autor/Zeichner: Mark Waid/Howard Porter, Steve Scott

Erschienen: 2000 (JLA #43-46, Paperback 2001), dt. Panini 2001 (JLA #1-2), Sonderband Eaglemoss 2015


 „Kaum zu glauben, dass ich erst jetzt drauf kam.“ (Ra’s al Ghul)

Ra’s al Ghul entführt die Leichen von Bruce Waynes Eltern und schaltet die Mitglieder der JLA nacheinander aus. Dann macht er mit einem Störsignal alle Menschen zu Analphabeten. Schließlich verwirrt er ihre Sprachen, sodass niemand mehr den anderen versteht. Ein bilateraler Konflikt könnte den Weltfrieden gefährden. Und das ist auch der Sinn der Aktion: die Menschheit soll sich selbst ausrotten. Wie konnte es so weit kommen? Weil Batman Pläne erstellt hat, wie man die JLA-Mitglieder besiegen kann und Ra’s sich die Akten besorgt hat …

Am Ende sind alle mehr sauer auf Batman statt auf Ra’s. Verständlich, aber Batman wollte nur vorsorgen für den Ernstfall. Die JLA diskutiert, ob sie den Dunklen Ritter rausschmeißen wollen. Dieser Teil ist der stärkste dieser sonst routinierten Geschichte. Ihr Hauptproblem besteht darin, dass die JLA sich zu schnell wieder fängt und Ra’s Pläne vereitelt, auch den Plan B, sodass das Finale einen ziemlich faden Eindruck macht. Dass in der letzten der vier Ausgaben der bisherige Stammzeichner Howard Porter durch eine Aushilfe ersetzt wird, stört den Lesegenuss zusätzlich – auch wenn der Neue seine Arbeit nicht schlecht macht, aber Uneinheitlichkeit ist, wie diese Geschichte zeigt, der Ursprung allen Übels.

Hinweis: Turm zu Babel ist in der Reihe DC Comics Graphic Novel Collection von Eaglemoss erschienen (Band 4).

Mehr zum Thema:

Schlachtgetümmel und Etikettenschwindel

DC Comics

DC Comics

Titel: Forever Evil: Arkham War

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Scot Eaton, Graham Nolan

Erschienen: 2013-2014 (Batman #23.1: Bane, Arkham War #1-6, Forever Evil Aftermath: Batman vs. Bane #1, Paperback 2014), dt. Panini 2014.


„To know thine enemy, you must become thine enemy.“ (Bane)

„… no matter how these freaks try to convince us otherwise … the sun always rises eventually.“ (James Gordon)

Nachdem das Crime Syndicate die Justice League ausgeschaltet, die Welt verdunkelt und die Schurken befreit hat (siehe Forever Evil), haben die Insassen des Arkham Asylum Gotham übernommen und unter sich aufgeteilt. Batmans Erzfeind Bane wittert seine Chance, befreit mit seiner Privatarmee die Insassen von Blackgate-Gefängnis und versucht seinerseits die Stadt zu erobern, um dort seine Schreckensherrschaft zu errichten. Er paktiert mit dem Pinguin, doch der treibt ein dreifaches Spiel, da er ebenfalls mit Scarecrow, dem Anführer der Arkhamites, und Comissioner James Gordon was am laufen hat. Es kommt zum Krieg. Unter anderem kämpft Banes Venom-Armee gegen eine Schar von Man-Bats. Bane versucht, die tiefgefrorenen Talons zu reaktivieren, doch Scarecrow will sich ebenfalls ihrer bemächtigen – mit einer Mischung aus Angstgas und Mad Hatters Gedankenmanipulation. Als das nicht funktioniert, verpasst Scarecrow sich und seinen Schergen eine Dosis Venom – und die Stadt ist voller Bane-Verschnitte …

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Nur böse ist auch blöd

DC Comics

DC ComicsTitel: Forever Evil/Forever Heroes

Autor/Zeichner: Geoff Johns/David Finch, Ivan Reis

Erschienen: 2013-2014 (Mini-Serie #1-7), Hardcover 2014 (Justice League Vol. 5), Justice League #24-29, (Hardcover 2014); dt. Panini 2014


„The Justice League is dead. Superman is gone. This is a job for Lex Luthor.“

Bei Justice League-Abenteuern oder Crossovern gibt es eigentlich nur drei Plots:

  1. Ein Schurke oder mehrere schalten die Helden aus, entweder auf einen Schlag oder nacheinander. Die Helden müssen sich wieder berappeln oder aus der Gefangenschaft ausbrechen. Meistens scheitert der Schurke an seiner eigenen Eitelkeit, weil er einen Helden übersehen oder unterschätzt hat, oder er begeht einen anderen Fehler.
  2. Die Helden treffen auf ihre bösen Gegenstücke.
  3. Eine unfassbare Macht aus dem Weltall oder einer anderen Dimension will die Erde zerstören oder wenigstens unterjochen. Die Helden müssen sich verbünden und kämpfen an verschiedenen Fronten. Am Ende hat einer von ihnen die entscheidende Lösung parat.

Diese drei Plots sind auch beliebig kombinierbar. Im Fall von Forever Evil, dem ersten großen Crossover des neuen DC-Universums (das eigentlich schon mit Trinity War begonnen hat) kommen die bösen Gegenstücke aus dem Paralleluniversum Erde 3 (das Crime Syndicate, das bei Grant Morrison von Erde 2 stammte) und schalten die Justice League auf einen Schlag aus, um deren Erde zu unterwerfen. Die heimischen Schurken werden zu Handlangern erklärt, sie übernehmen die Schreckensherrschaft über die Erde. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Lex Luthor, der sich die Aktion nicht gefallen lässt und spontan in seinen grün-violetten Kampfanzug (ohne Helm) schlüpft, um die Invasoren dorthin zurückzujagen, wo sie hergekommen sind. Dabei wird er unterstützt von einer Schurken-Allianz, die sich den Fremden von Erde 3 nicht fügen wollen: Catwoman, Black Adam, Black Manta, Sinestro – und Bizarro, dem missglückten Superman-Klon aus LexCorps Geheimlabors.

Die Justice League ist tot, heißt es. Aber man kann sich denken, dass es nicht ganz so schlimm sein kann, zumal man keinen Toten zu sehen bekommt. Stattdessen taucht Batman auf und verbündet sich mit Luthor im Kampf gegen das Crime Syndicate. Der Dunkle Ritter hat ein persönliches Motiv: Nightwing wurde gefangen genommen und seine Identität als Dick Grayson öffentlich preisgegeben. Die Angelegenheit gerät zu einer Befreiungsaktion.

Forever Evil ist die erste Justice League-/Crossover-Geschichte des neuen DC-Universums, die wirklich fesselt und unterhält. Dass sie jedoch fast ohne die Justice League und ihre Helden auskommt, sollte dem Verlag zu denken geben. Dass ausgerechnet der Schurke Lex Luthor zum Helden wird, der den anderen Schurken zeigt, wo es langgeht, gibt der Story einen starken Bezugspunkt. Seine fast schon liebevolle Beziehung zu Bizarro verleiht der Handlung Menschlichkeit. Allerdings ist es zu viel des Guten, dass Luthor am Ende nicht nur die Welt, sondern auch Batman und Superman das Leben rettet – immerhin sind es seine Erzfeinde. Unglaubwürdig ist auch der Cliffhanger am Ende, wenn Lex dahinter kommt, dass Batman Bruce Wayne ist – als ob keiner sonst so schlau wäre, Dick Grayson zu googeln und bei dem Namen Bruce Wayne eins und eins zusammen zu zählen.

Leider überzeugen auch David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend. Seinen Gesichtern fehlt es an Ausdruckskraft. Oft wirken seine Figuren zu grobschlächtig und an einigen Stellen schlichtweg schlampig.

Ärgerlich ist wieder mal die Veröffentlichungspolitik (sowohl von DC als auch von Panini), die das Lesevergnügen unnötig verkompliziert. Wer sich den Sammelband mit der siebenteiligen Mini-Serie zulegt, hat zwar den Hauptplot, aber es fehlen Stücke, die einige wichtige Hintergründe erklären. Nicht nur, dass man Trinity War gelesen haben sollte, auch die Ausgaben der (deutschen) Justice League-Serie sind wichtig, weil darin erklärt wird, wie Cyborg wieder zusammengebaut wird und den Virus Grid überwindet (die Metal Men hingegen nerven) oder was es mit den Mitgliedern des Crime Syndicates auf sich hat. Außerdem wird im Black Adam-Heft (Justice League of America #7.4) erzählt, wie der Schurke aus seiner Asche wiederaufersteht. Darüber hinaus gibt es einen Berg an Tie-ins mit allen möglichen Subplots sowie den Sonderheften des Villain’s Month, die jeweils einem Hauptschurken gewidmet sind, was die Sache noch unübersichtlicher macht. Während bei Trinity War alle wichtigen Hefte in einem Band versammelt wurden (in Deutschland sind es zwei), fehlt ein solches Kompendium für Forever Evil bislang – obwohl es bitter nötig wäre. (Immerhin gibt es einen Villain’s Month Omnibus.)

Mehr zum Thema:

Tell me, do you bleed? You will.

„Is it really surprising that the most powerful men in the world should be a figure of controversy?“

Endlich ist er raus: der erste Teaser Trailer zu Batman v Superman: Dawn of Justice. Wir haben lange genung gewartet. Zu lange. Und schließlich rächte sich diese Hinhaltestrategie von Warner Bros. Ein Jahr vor dem Kinostart (26. März) gab es nichts als ein paar Promobilder der wichtigsten Charaktere. Da war Disney mit Star Wars schon besser, als bereits im vergangenen Dezember die ersten Ausschnitte gezeigt wurden. Dann, vor ein paar Tagen, brachte Warner einen 20-Sekunden-Teaser heraus, der den eigentlichen Teaser Trailer ankündigen sollte – für den 15. Mai. Denn dann sollte er zusammen mit Mad Max starten. Eine erbärmliche Werbekampagne, die keinem der beiden Filme nützt. Doch zuvor sollten einige Auserwählte den Trailer in IMAX-Kinos sehen dürfen. Die Rechnung ging nicht auf: Gestern wurde der Teaser geleakt, eine abgefilmte Version. Kurz darauf zog Warner nach und brachte das Ding endlich offiziell und in HD heraus.

Und wie ist der Trailer geworden? Düster. Sehr düster. Wie ein Batman-Film sein sollte. Allerdings liegt der Schwerpunkt auf Superman: Er wird als Gott verehrt, aber auch gefürchtet und als „falscher Gott“ in Frage gestellt. Der Eindruck, den der Held hinterlassen hat, bewegt die Welt. Und offenbar dient Batman dazu, dem Treiben des Kryptoniers Einhalt zu gebieten. Mit schwerem Geschütz und in Stahlrüstung wird der Man of Steel by Nature bekämpft. „Tell me, do you bleed?“, fragt der Dunkle Ritter Superman. „You will.“ Toller Satz. Aber: Überzeugt uns das? Einerseits ist es klar: Darum geht es in diesem Film, der Titel sagt es und es ist ein gängiger Topos, dass die beiden größten Superhelden aufeinander losgehen. Dazu muss Superman geschwächt werden (mit Kryptonit) oder Batman gestärkt (mit Technik oder temporären Superkräften). Aber Batmans primäre Aufgabe ist es nicht, Superman zu vermöbeln, sondern sich von Haus zu Haus zu schwingen und im Dunkeln Verbrecher aufzumischen. Leider scheint aber der Ben Affleck-Batman bei seinem ersten Auftritt in die Rolle gedrängt zu werden, außer Kontrolle geratene Superwesen zur Ordnung zu rufen. Und Wonder Woman und Aquaman könnten sich in den Streit einmischen, was auch bedeutet, dass sie Partei ergreifen … Kurz: Es wird ein halber Justice League-Film.

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